Leinenweberei Vieböck

Regionale Produkte: Leinen aus dem Mühlviertel

Regionale Produkte haben viele Vorteile: Neben kurzen Transportwegen und dem geringen CO2-Ausstoß fördert ihr Kauf auch die regionale Wirtschaft. In einer neuen Interview-Serie widmen wir uns engagierten ProduzentInnen aus Österreich: Diesmal geht es um die Leinenweberei Vieböck im Mühlviertel.

Seit 185 Jahren entstehen bei der Leinenweberei Vieböck Stoffe aus Naturfasern, sowohl in traditionellen Mühlviertler Mustern, als auch in modernen Designs. Die Mühlviertler Weberei gehört damit zu den ältesten und traditionsreichsten Unternehmen Österreichs. Die Heimtextilien aus Leinen erfüllen die drei Bewusstkaufen-Leitlinien Kontrolliert Biologische Produktion, Umweltschonende Verarbeitung und Regionale Produktion.

Ein Textilstück wird im Rahmen der Initiative „Bewusst kaufen" als „regional" bezeichnet, wenn die Arbeitsschritte von der Rohstoffproduktion bis zum fertigen Textil vorrangig in Österreich stattfinden. Zwar kann Baumwolle aus klimatischen Gründen nicht angebaut werden, die Produktion der alten Kulturpflanzen Flachs (für Leinen) und Hanf ist aber wesentlich umweltfreundlicher - etwa beim Wasserbedarf. Der Kauf von regional produzierten Textilien unterstützt außerdem heimische, meist kleine Betriebe, und sichert so Arbeitsplätze in der Region. Außerdem wird dabei traditionelles Handwerk und Wissen bewahrt und fortgeführt.

Interview mit Johann Kobler, dem Geschäftsführer von Vieböck Leinen

Was ist Ihre Motivation, Produkte mit hohen Nachhaltigkeitsstandards herzustellen?

Als Geschäftsführer sehe ich mich verantwortlich für das Wohl meiner MitarbeiterInnen, Nachbarn und für die Umwelt. Ein nachhaltiges Denken und Handeln ist in unserer Unternehmenskultur tief verwurzelt. Bei uns im Haus wird Nachhaltigkeit sprichwörtlich gelebt. Gesundheit, Wohlbefinden am Arbeitsplatz, ein gutes Betriebsklima und das Gefühl, dass die geleistete Arbeit sinnstiftend ist, sind Motivation und Triebkraft der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Dabei spielt der ökologische und sozialverantwortliche Aspekt eine entscheidende Rolle.

Aus dieser Motivation heraus haben wir uns 2013 zum Beispiel entschieden im Rahmen des OÖ GKK-Programms (BGF) „Betriebliche Gesundheitsförderung" ein Projekt zu starten, indem gesundheitsfördernde Maßnahmen umgesetzt wurden, um geistige und körperliche Fitness zu erhalten und zu verbessern. Vermehrtes Mitspracherecht aller MitarbeiterInnen, 20 Minuten Wirbelsäulengymnastik pro Woche und ein bereitgestellter Obstkorb sind nur ein kleiner Auszug davon. Im Dezember 2015 wurde uns das BGF-Gütesiegel zuerkannt. So spiegelt sich dieses Bewusstsein auch in unserem gesamten Herstellungsprozess und natürlich in unseren Produkten wieder.

Warum ist es aus Ihrer Sicht wichtig, auf möglichst große Regionalität der Rohstoffe zu achten?

Zu unserem Anspruch an Nachhaltigkeit gehört genauso die Regionalität. Kurze Transportwege, dadurch weniger CO2-Freisetzung und der enge Austausch mit unseren Lieferanten schafft Transparenz, Sicherheit und Vertrauen. Leinengarne ausschließlich aus Europa, Weben und Nähen im eigenen Haus, Ausrüsten und Färben in Österreich, sind für uns daher verbindliche Faktoren.

Ist es herausfordernd, europäische Rohstoffe für Ihre Produkte zu beziehen?

Da wir bei unseren Garnen auf höchste Qualität achten und GOTS zertifizierte Rohstoffe beziehen ist die Auswahl an europäischen Lieferanten relativ eingeschränkt. Die Nachfrage nach europäischem Flachs hat in den letzten Jahren generell zugenommen. Durch den erhöhten Bedarf kommt es zu längeren Lieferzeiten bei den Garnen. Die langfristige Webplanung stellt uns vor große komplexe Herausforderungen, da wir für unsere Kunden nach wie vor ein Fertiglager mit ca. 900 verschiedenen Designs und Farben für prompte Lieferungen - auch in Kleinstmengen - bereithalten.

Weshalb haben Sie sich für eine Zertifizierung mit den Gütezeichen GOTS und IVN entschieden?

Es reicht längst nicht mehr einfach zu sagen, wir produzieren nach höchsten ökologischen Standards und alles im eigenen Haus. Der Kunde will alles wissen. Wo kommt der Rohstoff her, wo und wie wird produziert, welche Hilfsmittel werden eingesetzt und welche Farbstoffe finden Verwendung? Jeder Schritt muss nachweisbar sein, vom Anbau bis zum fertigen Produkt - die Gesellschaft verlangt daher nach Zertifikaten. 2011 haben wir mit der Zertifizierung begonnen und erstmals die Bio-Zertifikate GOTS und IVN Best erhalten.

Wie ist die Resonanz Ihrer KundInnen?

Seit 185 Jahren verstehen wir das Handwerk des Webens und bleiben unserer Philosophie treu ausschließlich Naturfasern - wie Baumwolle, Schurwolle und Leinen zu verweben, alles im eigenen Haus und nach höchsten ökologischen Kriterien. Die Kollektion mit GOTS-zertifizierter Bio-Qualität bauen wir ständig und weiter aus. So finden unsere Heimtextil-Produkte und Bekleidungsstoffe zunehmend begeisterte Kunden.

Johann Kobler

 

Zur Person: Johann Kobler ist seit 2007 Geschäftsführer von Vieböck Leinen. Er führt das Unternehmen Vieböck nach der Pensionierung von Christine Vieböck weiter. Das Wichtigste für ihn sind seine MitarbeiterInnen.

 

Die Produkte von Vieböck Leinen sind beispielsweise beim bewusstkaufen.at-Partner Ella Ferguson erhältlich.


Quellen und weitere Informationen:

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