ÖUZ: Schärfere Richtlinien für Dämmstoffe
Das Österreichische Umweltzeichen definiert Umweltkriterien für Dämmstoffe aus nachwachsenden, aus mineralischen und aus fossilen Rohstoffen. Besonders bei letzteren stellte sich die Frage, warum ein Erdölprodukt ein Umweltgütesiegel tragen kann.
Für DI Christian Kornherr, VKI hat diese Vorgangsweise aus historischer Sicht durchaus seine Berechtigung: „Dämmstoffe aus fossilen Rohstoffen sind bei Flachdächern oder Kelleraußenwänden, die der Feuchtigkeit ausgesetzt sind, kaum zu ersetzen. Bei der Produktion dieser Polystyrol-Hartschaumplatten gab es jedoch gravierende Unterschiede. Mit dem Österreichischen Umweltzeichen können nur Produkte ausgezeichnet werden, die mit CO2 geschäumt wurden, Treibmittel wie HFKW, HFCKW, FKW oder FCKW waren ausgeschlossen."
Mittlerweile wird zur Herstellung dieser Platten, die in Österreich am Markt sind, fast ausschließlich CO2 verwendet. Damit ist dieses Unterscheidungskriterium weggefallen. Gleichzeitig hat die neue europäische Chemikalienrichtlinie REACH das Flammschutzmittel Hexabromcyclododecan (HBCD), das in diesen Produkten verwendet wird, als gefährlich eingestuft. „Aus diesem Grund hat der Umweltzeichen-Beirat in seiner Sitzung vom 28. Juni 2011 beschlossen, die Kriterien zu verschärfen", berichtet DI Andreas Tschulik vom Lebensministerium. „Es gibt umweltverträglichere Alternativen, die derzeit im Stadium der Erprobung sind. Nach einer zweijährigen Übergangsfrist können nur Dämmstoffe ohne HBCD mit dem Österreichischen Umweltzeichen ausgezeichnet werden."
Auch Borverbindungen, die den Dämmstoffen aus nachwachsenden Rohstoffen wie Flachs oder Zellulose beigemischt werden, damit es zu keiner Schimmelbildung kommt, sind problematisch. In Tierversuchen hat sich herausgestellt, dass diese fortpflanzungsgefährdend wirken. Tschulik: „Auch hier haben wir die Richtlinien für Dämmstoffe dahingehend verschärft, dass alternative Substanzen verwendet werden müssen, um das Österreichische Umweltzeichen führen zu können. Für die betroffenen Lizenznehmen wurde ebenfalls eine zweijährige Übergangsfristen definiert. Die KonsumentInnen haben dann in beiden Fällen wieder ein Entscheidungskriterium für die ökologischste Variante im jeweiligen Bereich."
Kriterien für Dämmstoffe mit dem Österreichischen Umweltzeichen
Aus fossilen Rohstoffen:
- Keine halogenierten Treibmittel (HFKW, HFCKW, FKW oder FCKW).
- Verbot bzw. starke Beschränkungen für giftige, Krebs erzeugende, erbgutverändernde, fortpflanzungsgefährdende oder umweltgefährliche Chemikalien.
Aus mineralischen Rohstoffen:
- Starke Beschränkung für Krebs erzeugende und wassergefährdende Stoffgruppen oder Stoffgemische.
- Kein Einsatz von Kunststoffen und Heizöl zum Blähen.
Aus nachwachsenden Rohstoffen:
- Zu 75% aus nachwachsenden Rohstoffen.
- Keine gesundheits- und umweltgefährdenden Roh- und Zusatzstoffe.
Wärmedämmung leistet einen wesentlichen Beitrag zum Klimaschutz. Bei optimaler Anwendung werden weit mehr CO2 und andere Treibhausgase eingespart als durch die Produktion der Dämmstoffe verursacht wird. Grundsätzlich ist daher aus ökologischer Sicht jeder Dämmstoff besser als gar keine Wärmedämmung.
Quelle: www.umweltzeichen.at



