Frisch gefischt
Die Welternährungsorganisation FAO schätzt, dass 85 Prozent der wirtschaftlich genutzten Fischbestände komplett ausgebeutet, erschöpft oder bereits überfischt sind.
Artikel von Sonja Schnögl, nachzulesen in der Dezember/Jänner Lebensart.
Hochindustrialisierte Fangflotten plündern die Meere, Fischbestände können sich nicht mehr erholen, die Fangmethoden sind alles andere als schonend und es wird einfach zu viel gefischt. Fisch aus herkömmlichen Aquakulturen verursacht ebenfalls viele Umweltschäden: In Asien und Lateinamerika werden laut Greenpeace für Shrimps Mangrovenwälder gerodet, in Vietnam für die Pangasius-Zucht ganze Flusslandschaften geopfert. Der Einsatz von Antibiotika, Wachstumshormonen und Pestiziden in konventionellen Fischzuchten ist ebenfalls höchst problematisch.
Die Liste der durch rücksichtslosen Fischfang und Massenfischzucht hervorgerufenen Umweltprobleme ließe sich noch lange fortsetzen. Kein Thema für Österreich? Hier wird ohnehin nur wenig Fisch gegessen? Der offiziell für das Jahr 2010 genannte Pro-Kopf-Verbrauch von 7,3 Kilogramm ist ja wirklich nicht sehr groß. Allerdings: „Die Zahl stimmt so nicht und muss verdoppelt werden", erklärt die Biologin Antje Helms, Meeresexpertin bei Greenpeace. „In Österreich wird nur das verzehrte Gewicht gemessen, in anderen Länder hingegen das Fanggewicht." In Wirklichkeit wird in Österreich ungefähr gleich viel Fisch gegessen wie in Deutschland und nur wenig unter dem Weltdurchschnitt von 16, 7 Kilogramm. Ein verantwortungsvoller Umgang mit Fisch geht uns also sehr wohl etwas an.
Süßwasserfisch essen
Fisch ist ein wertvolles und gesundes Nahrungsmittel. „Er enthält leicht verdauliches, hochwertiges Eiweiß, reichlich Vitamin D sowie Mineralstoffe", erklärt Ernährungswissenschafterin Rosemarie Zehetgruber. „Der Fettgehalt bei vielen Fischarten ist sehr gering. Den im Fisch enthaltenen Omega-3-Fettsäuren wird eine gesundheitsfördernde Wirkung zugeschrieben. Fettere Fische wie Makrele, Hering, Lachs und Eismeersaibling haben besonders viel davon." Auch kulinarisch gibt Fisch einiges her. Es wäre also in jeder Hinsicht schade, auf Fisch verzichten zu müssen.
Müssen wir ja auch gar nicht, denn es gibt einen Ausweg aus diesem Dilemma zwischen Umwelt- und Gesundheitsbewusstsein, zwischen Verantwortung und Genuss und der schwimmt im Süßwasser. Heimische Fische wie Karpfen, Forelle, Saibling, Hecht, Wels und Zander, am besten aus biologischer Teichwirtschaft, sind eine verträgliche Alternative zu Meeresfisch.
Bei der ARGE Biofisch und in den Bio-Maps finden Sie Adressen von österreichischen Bio-Fisch-ZüchterInnen.
Mehr Infos über die ökologischen Aspekte beim Fischessen und Fischfang finden Sie im Ratgeber Fische & Meeresfrüchte:
- Achten Sie beim Einkaufen auf zertifizierte Bio-Fische und Fische, die das MSC-Zertifikat tragen. Mit dem blauen Siegel des MSC werden nur Fisch- und Meeresfruchtprodukte ausgezeichnet, welche aus einer verantwortlich geführten Fischerei stammen und nicht zur Überfischung beitragen.
- Kaufen Sie nur Fischarten, die nicht durch Überfischung bedroht sind! Lachs, Scholle, Dorsch, Thunfisch und Schwertfisch sind massiv bedrohte Arten. Eine nachhaltige Alternative sind zum Beispiel Bio-Karpfen und Bio-Forellen aus Österreic.
Auf der sicheren Seite sind Sie mit Bio-Forellen aus Europa, MSC-Garnelen (NO- und NW-Atlantik), Bio-Garnelen, Bio-Schrimps, Bio-Goldbrasse (Mittelmeer), MSC-Heilbutt, MSC-Hering, MSC-Kabeljau, Karpfen (Österreich), Bio-Lachs (Irland, Schottland, Norwegen) und MSC-Lachs (Alaska). Eine größere Übersicht über zertifzierte und gefährdete Arten finden Sie auch im WWF-Fischführer und unter www.biofisch.at
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