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27.01.2012

VKI Ethikbericht Pfeffer

Pfeffer ist eines der begehrtesten Gewürze der Welt. Doch die Arbeitsbedingungen der Pfefferfarmer in den Anbauländern lassen zu wünschen übrig.

 

In den letzten Jahrzehnten ist die Weltproduktion von Pfeffer um ein Vielfaches gestiegen, auf über 280.000 Tonnen pro Jahr. Hauptproduzenten sind die südostasiatischen Länder, allen voran Vietnam, Indien und Indonesien. Etwa seit der Jahrtausendwende gilt Vietnam als Hauptexporteur von schwarzem Pfeffer, der Marktanteil hat sich sogar auf etwa ein Drittel erhöht (Handelsvolumen 90.000 Tonnen). Den zweiten Platz nimmt Indien ein (50.000 Tonnen), gefolgt von Brasilien und Indonesien. Produktion, Handelsvolumen und Preis von Pfeffer unterliegen allerdings sehr starken Schwankungen, die das Gewerbe zu einem sich rasch ändernden und unvorhersehbaren Geschäft machen. Berichte aus den Anbaugebieten - wie jener der unabhängigen dänischen Organisation DanWatch - zeigen, dass vor allem die einfachen Pfefferbauern unter diesen
Bedingungen leiden.

 

Schlechte Arbeitsbedingungen in Indonesien
 
Auf der indonesischen Insel Bangka wird seit Jahrzehnten weißer Pfeffer angebaut. Auch hier ist der Pfefferanbau ein riskantes Geschäft, da die Preise extrem schwanken und Ernteverluste sich aufgrund von Pflanzenseuchen häufen. Für viele Menschen auf Bangka reicht der Pfefferanbau zum Überleben nicht aus. Sie müssen zusätzlich auf den Feldern anderer Bauern oder im Zinnbergbau arbeiten, um ihre Familien ernähren zu können. Die Pfefferfarmer stehen in einem Abhängigkeitsverhältnis zu den örtlichen Einkäufern, die ihnen Dünger und Preisinformationen zukommen lassen. Pestizide werden nach Gutdünken eingesetzt, viele Farmer tragen Vergiftungen davon. Die Erde ist durch den exzessiven Gebrauch von Chemikalien bereits so ausgelaugt, dass es zusätzlich zu Ernteverlusten kommt. Biologischer Anbau oder fairer Handel sind hier unbekannt.


Selbstmorde in Südindien

 
Heimat des schwarzen Pfeffers ist die südindische Provinz Kerala an der Malabarküste, wo die Situation noch prekärer ist. Hier führten die Schuldenfalle, schwankende Preise und fehlende Kaufkraft zu einer steigenden Selbstmordrate unter Bauern: In den letzten zehn Jahren haben sich 1.700 Pfefferfarmer das Leben genommen, die meisten davon im
Wayanad Distrikt. Grund: Die Kombination aus fallenden Preisen, steigenden Produktionskosten und Ernteverlusten führte dazu, dass viele Farmer ihre Kredite nicht zurückzahlen konnten. Im Gegensatz zum indonesischen Bangka gibt es hier Fairtrade-Initiativen, das Interesse lässt jedoch zu wünschen übrig. In den Anbauländern Indien, Indonesien und Vietnam gehört zudem ausbeuterische Kinderarbeit zum Alltag. Die Kinder müssen zumeist ohne ausreichenden Schutz in der Gewürzproduktion arbeiten und sind dadurch Gefahren wie dem Einatmen des scharfen Gewürzstaubes ausgesetzt. Aufgrund ihrer Arbeit können die Kinder kaum bzw. gar nicht die Schule besuchen.

 

Grüner Pfeffer aus Brasilien

 

Brasilien produziert schwarzen, weißen und grünen Pfeffer; die Anbaugebiete liegen entlang des Amazonas, in der Provinz Pará. Seit dem Nachlassen der Produktion in Madagaskar hält Brasilien fast ein Monopol auf grünen Pfeffer, das allerdings durch die steigende indische Produktion gefährdet scheint. Brasilianischer schwarzer und weißer Pfeffer gilt als ziemlich mild. Über die Arbeitsbedingungen von brasilianischen Pfefferbauern
ist wenig bekannt, nach Einschätzung von regierungsunabhängigen Experten sind die Bedingungen im Gewürzanbau jedoch generell prekär.

 

Pfeffer aus fairem Handel

 

Wer beim Einkauf Wert auf soziale Fairness und Umweltschutz legt, ist mit Fairtrade-Produkten gut beraten: Die Firma EZA Fairer Handel bezieht ihren Pfeffer aus Sri Lanka, von Bio-Foods, einer von Fairtrade zertifizierten Produzentenorganisation. Der faire Handel unterstützt Produzenten in den Entwicklungsländern, um ihnen eine menschenwürdige Existenz aus eigener Kraft zu ermöglichen. Durch gerechtere Handelsbeziehungen lassen sich die Lebensbedingungen der Menschen in den Ländern des Südens verbessern, die Binnenwirtschaft wird gestärkt und langfristig werden ungerechte Weltwirtschaftsstrukturen abgebaut. EZA-Pfeffer ist u.a. in Weltläden, in Naturkostläden und im EZA-Onlineshop erhältlich.

 

Bio-Pfeffer


Eine gute Alternative sind auch Kräuter und Gewürze aus biologischem Anbau: Sie sind gentechnikfrei und werden ohne den Einsatz von chemisch-synthetischen Pflanzenschutzmitteln und mineralischem Dünger hergestellt. Die Firma Sonnentor beispielsweise bezieht Bio-Pfeffer aus Tansania und aus Indien. Dabei wird eigenen Angaben zufolge außer auf die Produktqualität auch auf die sozialen Bedingungen vor Ort besonderer Wert gelegt. Erhältlich ist der Bio-Pfeffer in den Sonnentor-Geschäften, im Webshop sowie im Bio-Fachhandel.
Bei den Marktführern scheinen ethische Kriterien dagegen keine große Rolle zu spielen. In Österreich sind vorrangig Gewürze der Firmen Kotanyi und Fuchs auf dem Markt: Von der Firma Kotanyi aus Wolkersdorf/ NÖ erhielten wir trotz mehrmaliger Anfrage keine Stellungnahme. Die deutsche Firma Fuchs Gewürze ließ uns wissen, dass sie ihren Pfeffer aus Vietnam beziehe und sich dabei in erster Linie an Qualitätskriterien orientiere.

 

Quelle: VKI / konsument.at

 

Weitere Informationen zu Gewürzen im Allgemeinen finden Sie im Einkaufsratgeber Kräuter und Gewürze

 

 

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(c) Zsuzsanna Kilian / sxc.hu
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