Fische und Meeresfrüchte Ratgeber
Fisch enthält wertvolle Omega-3-Fettsäuren und spielt deshalb bei einer ausgewogenen Ernährung eine große Rolle. Während die Nachfrage nach Fischen und Meeresfrüchten weltweit ansteigt, warnen Umweltschützer vor Überfischung und vor Fangmethoden, die Meer und Fischbestände dauerhaft schädigen.
- Achten Sie beim Einkaufen auf zertifizierte Bio-Fische und Fische, die das MSC-Zertifikat tragen. Mit dem blauen Siegel des MSC werden nur Fisch- und Meeresfruchtprodukte ausgezeichnet, welche aus einer verantwortlich geführten Fischerei stammen und nicht zur Überfischung beitragen.
- Kaufen Sie nur Fischarten, die nicht durch Überfischung bedroht sind! Lachs, Scholle, Dorsch, Thunfisch und Schwertfisch sind massiv bedrohte Arten. Eine nachhaltige Alternative sind zum Beispiel Bio-Karpfen und Bio-Forellen aus Österreic.
- Auf der sicheren Seite sind Sie mit Bio-Forellen aus Europa, MSC-Garnelen (NO- und NW-Atlantik), Bio-Garnelen, Bio-Schrimps, Bio-Goldbrasse (Mittelmeer), MSC-Heilbutt, MSC-Hering, MSC-Kabeljau, Karpfen (Österreich), Bio-Lachs (Irland, Schottland, Norwegen) und MSC-Lachs (Alaska). Eine größere Übersicht über zertifzierte und gefährdete Arten finden Sie auch im WWF-Fischführer und unter www.biofisch.at
Der Konsum von Fisch und Fischprodukten ist innerhalb der letzten 40 Jahre stetig gestiegen. Die konsumierte Menge hat sich in dieser Zeit verdoppelt, doch die Fischvorkommen in den Weltmeeren können diese Nachfrage nicht mehr befriedigen. Laut Schätzungen der Welternährungsorganisation (FAO) sind über 50 Prozent der befischten Bestände bis an die Grenze ausgereizt, 19 Prozent überfischt und 8 Prozent bereits erschöpft. Viele Fischer arbeiten mit Fangmethoden (z. B. Schleppnetze), die das Ökosystem im Wasser langfristig schädigen. In den Netzen verfangen sich dabei auch Jungfische, Schildkröten, Haie und andere Meerestiere, die als „Beifang" in den Booten landen.
Durch den Klimawandel steigt die Wassertemperatur in den Meeren und die Lebensbedingungen verändern sich. So gerät das natürliche Gleichgewicht im Ökosystem Meer aus den Fugen und die Nahrungskette funktioniert nicht mehr richtig.
Um die weltweit große Nachfrage nach Fisch zu decken, werden Meeresfrüchte, Süß- und Salzwasserfische nicht mehr ausschließlich „wild" gefangen, sondern in sogenannten Aquakulturen gezüchtet. Ohne nachhaltige Standards sind Aquakulturen mit der intensiven Tierhaltung in der Landwirtschaft vergleichbar. Die Systeme sind sehr energieaufwendig und bieten keine artgerechten Lebensbedingungen. Die Tiere haben zu wenig Platz und sind daher stress- und krankheitsanfällig. Der Einsatz von vorbeugenden Medikamenten, Wachstumshormonen und synthetischen Farbstoffen führt zu Rückständen im Fisch und belastet Gewässer und Küsten. Durch die nicht vollständig verwerteten Futtermittel, die Ausscheidungen der Fische sowie durch tote Fische ergeben sich Probleme mit der Überdüngung von Gewässern. Als langfristige Alternative werden Aquakulturen das Problem der Überfischung nicht lösen - Viele Fischarten fressen Fisch (auf ein Kilogramm gezüchteten Thunfisch kommen 20 Kilogramm wild gefangener Fisch).
Für die Fischzucht in biologischen Aquakulturen gelten, wie auch in der biologischen Landwirtschaft, die Prinzipien der artgerechten Tierhaltung. Bei der Fütterung werden keine Wachstumshormone, Antibiotika, Pestizide oder synthetische Farbstoffe zugesetzt. Bio-Fische wachsen langsamer als Fische aus konventionellen Aquakulturen. Die Tiere können sich auf ausreichend Platz bewegen und suchen sich ihr Futter großteils selbst. Bio-Karpfen und Bio-Forellen aus österreichischer Teichzucht sind eine nachhaltige Alternative zu Meeresfischen.
MSC - Marine Stewardship Council
Der Marine-Stewardship Council ist eine unabhängige, globale und gemeinnützige Einrichtung, um eine Lösung für das Problem der Überfischung zu finden. So hat es sich dieser zur Aufgabe gemacht, Fischbestände weltweit zu sichern und mit seinem Siegel die KonsumentInnen auf die umweltfreundlichste Wahl bei Fisch und Meeresfrüchten hinzuweisen. Dafür hat der MSC einen Umweltstandard entwickelt, nach dem sich Fischereien weltweit unabhängig bewerten lassen können. Erfüllen sie die Kriterien, dürfen sie ihre Produkte mit dem blauen MSC-Siegel auszeichnen:
- Die Fischerei darf nicht zur Überfischung oder Erschöpfung der Fischbestände im befischten Gebiet führen. Ist der Bestand bereits gefährdet, muss die Fischerei nachweislich zu einer Erholung der Bestände beitragen.
- Der Fischereibetrieb muss die Erhaltung des Ökosystems (Zusammensetzung, Produktivität, Funktionsfähigkeit, Artenvielfalt) in dem gefischt wird, ermöglichen.
- Der Betrieb beachtet bei der Unternehmensführung lokale, nationale und internationale Gesetze und Normen. Institutionelle und betriebliche Rahmenbedingungen folgen dem Grundsatz einer verantwortungsvollen und nachhaltigen Nutzung von Ressourcen. Der Fischereibetrieb muss laut den Richtlinien des MSC von einer unabhängigen Zertifizierungsstelle zertifiziert sein.
Insgesamt werden über 850 Produkte mit MSC-Zertifikat in 34 Ländern verkauft. Bisher stammen rund zwei Prozent der weltweiten Fischfänge aus MSC-zertifizierten Fischereien. Das FOS-Programm (Friend of the Sea - Freund des Meeres) folgt ähnlichen Leitlinien wir MSC, bisher gibt es in Österreich jedoch noch kein Produkte mit FOS-Zertifikat.
Zur besseren Orientierung beim Einkauf führt bewusstkaufen.at eine Liste beliebter Speisefische, und informiert Sie darüber, welcher Arten sehr gefährdet sind, welche Arten Sie ohne Bedenken kaufen können, und bei welchen Arten es wichtige Ausnahmen gibt.
Mit gutem Gewissen genießen:
- Karpfen
- Regenbogenforelle, Bachforelle
- Saibling und Bachsaibling
- Eismeergarnelen mit MSC- Gütesiegel
- Heilbutt aus europäischer Zucht oder mit MSC- Gütesiegel
- Hering aus dem Nordost-Atlantik oder mit MSC-Gütesiegel
- Alaska Wildlachs und Seelachs mit MSC-Gütesiegel
- Kabeljau und Dorsch aus der östlichen Ostsee oder mit MSC-Gütesiegel
- Makrele aus dem Nord-Atlantik oder mit MSC-Gütesiegel
- Polardorsch mit MSC-Gütesiegel
- Sardine aus dem Nordostatlantik oder mit MSC-Gütesiegel
- Schellfisch aus der Nordostarktis oder mit MSC-Gütesiegel
- Scholle mit MSC-Gütesiegel
- Weißer Thunfisch und Skipjack (Bonito) mit MSC-Gütesiegel
Beim Kauf der folgenden Arten sollten Sie die angeführten Ausnahmen berücksichtigen:
- Zander
besser nicht aus: Wildfang aus Estland, Finnland, Schweden - Dorade, Goldbrasse
nur aus: Aquakultur aus traditionellen Lagunen im Mittelmeer (Griechenland, Türkei) - Lachs: Pazifischer und Atlantischer Lachs
nur: Pazifischer Lachs aus dem Nordostpazifik (Golf von Alaska) - Pangasius
nur aus: Bio-Aquakultur aus Vietnam - Sardelle, Anchovis
nur aus: Nord-Ost-Atlantik (Portugiesische Küste, Golf von Biskaya) - Seeteufel
nur aus: Nord- und Zentralwestatlantik, gefangen mit Stellnetzen - Tilapia
nur aus: geschlossenen Aquakulturen in den USA - Tintenfisch, Oktopus, Pfeilkalmar, Sepia
nur aus Südwestatlantik (gefangen mit Lichthaken), Nord- und Zentralatlantik (gefangen mit Fallen) oder Nordostatlantik ( portugiesische Küste, Südbiscaya, Spanische Mittelmeerküste) gefangen mit Fallen oder Angelruten - Wolfsbarsch (Branzino)
nur aus: Aquakultur in Lagunen und Tanks an Land (aus Griechenland, Portugal oder Ägypten)
Die folgenden Arten sind stark gefährdet, und sollten nicht gekauft werden:
- Alaska Seelachs (Pazifischer Polardorsch) ohne MSC-Kennzeichnung
- Dornhai (auch „Seeaal" oder „Schillerlocke"
- Hoki („Blauer Seehecht")
- Neuseeländischer St. Petersfisch
- Scholle, pazifische Scholle, Seezunge ohne MSC-Kennzeichnung
- Seehecht
- Sprotte
- Steinbeißer („Seewolf")
- Wittling
Quelle: WWF, Greenpeace
- Fisch enthält wertvolle Omega-3-Fettsäuren und spielt deshalb bei einer ausgewogenen Ernährung eine wichtige Rolle. Gleichzeitig warnen Experten vor erhöhten Schadstoffwerten (wie z. B. Antibiotika, Pestizide, Quecksilber, Dioxin) bei Fischen aus konventionellen Aquakulturen, verschmutzen Gewässern, Küstenregionen und Binnenmeeren.
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