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Kleidung Ratgeber

Ökologisch produzierten Textilien haftete lange Zeit ein schlechtes Image an, das hat sich geändert. Naturtextilien haben den Sprung zum Trend geschafft, moderne Ökotextilien sind im Design von herkömmlichen Textilien nicht mehr zu unterscheiden.

 

In Punkto Hautverträglichkeit und Qualität haben Öko-Textilien den konventionellen Erzeugnissen oft einiges voraus!

 

 

Bio-Mode liegt im Trend
Öko ist im wahrsten Sinne des Wortes modisch geworden - Designerinnen aus der ganzen Welt entwerfen heute Kleider und (Heim-)Textilien aus biologisch produzierter Baumwolle. Das ist dringend notwendig, nur ein Bruchteil der jährlich geernteten 25 Millionen Tonnen Baumwolle ist derzeit Bio. Es gibt bisher auch noch kein einheitliches Gütesiegel für Kleidung die nach ökologischen Richtlinien zu fairen Bedingungen produziert wird. Einige Labels berücksichtigen Kriterien nach ökologischen, gesundheitlichen und sozialen Standards. Viele Labels erfüllen aber nur eine oder zwei dieser Richtlinien. Die richtige Unterscheidung im Handel ist für KonsumentInnen oft nicht einfach.

 

Bio Baumwolle schützt Mensch und Umwelt
Rund 50 Prozent aller Kleidungsstücke werden aus Baumwolle hergestellt. Im konventionellen Baumwollanbau wird viel mit unsachgemäßem Einsatz von Pestiziden gearbeitet, und in der Weiterverarbeitung kommen noch zusätzlich verschiedene chemisch-synthetische Behandlungen dazu. Der Anbau erfolgt zumeist in Monokulturen die die Böden auslaugen. Aus diesem Grund ist der Bedarf an Düngemitteln sehr hoch. Chemisch-synthetische Entlaubungsmittel kommen ebenso zum Einsatz wie gentechnisch veränderte Pflanzen. Laut der Weltgesundheitsorganisation WHO tragen jährlich bis zu 3 Millionen Menschen gesundheitliche Schäden durch einen unsachgemäßen Einsatz von Pestiziden davon. Schätzungen zufolge sind dadurch in Entwicklungsländern 550 Millionen Menschen den Giften der Baumwollproduktion ausgesetzt.
Bio-Baumwolle bedeutet:

 

  • Das Saatgut ist gentechnikfrei.

  • Chemisch-synthetische Düngemittel und Pestizide sind ausgeschlossen, Bio wird nicht in Monokulturen angebaut, es wird auf sinnvolle Fruchtfolge geachtet.

  • Die Ernte erfolgt von Hand, auf giftige Entlaubungsmittel wird verzichtet, Naturdünger und natürliche Schädlingsbekämpfung sind Standard.

„Bio", „kbA" (kontrolliert biologischer Anbau) und „organic" sind geschützte Begriffe, das heißt die Textilien müssen von einer anerkannten Kontrollstelle hinsichtlich der verwendeten Baumwolle zertifiziert sein. „kbT" (kontrolliert biologische Tierhaltung) bedeutet, dass die Wolle von Tieren stammt, die nach den Bio-Richtlinien gehalten werden.

 

Ökologische Weiterverarbeitung
Die biologische Produktion textiler Rohstoffe (wie Baumwolle, Wolle oder Leinen) ist nur ein Aspekt ökologischer Textilien. Genauso wichtig ist die Art der Verarbeitung.
Selbst Naturfasern mit 100 Prozent Baumwolle können gesundheitsschädliche Substanzen enthalten. Diese werden den Naturfasern hinzugefügt, um die Stoffe knitterfrei, weich und bunt zu machen. Darunter sind Farbstoffe, Formaldehyd, Chlorbleichmittel und optische Aufheller, rund 10-15 Prozent solcher Chemikalien bleiben im Stoff und kommen direkt mit der Haut in Kontakt.
Naturtextilien sind gut für die Haut, weil kaum Rückstände von gesundheitsschädlichen Stoffen in der Textilfaser zurückbleiben und reduzieren damit auch das Allergierisiko. Sie sind aber auch gut für die Umwelt, weil während der Produktion durch den geringen und sachgemäßen Einsatz von Chemikalien weniger belastende Abwässer entstehen und der Energie- und Wasserverbrauch gesenkt wird.

Fair gekleidet
Mehr als 10 Millionen Menschen leben in Westafrika, einem der größten Anbaugebiete der Welt, allein vom Baumwollanbau. Da die Weltmarktpreise für Baumwolle stark schwanken, ist die Existenz vieler kleinbäuerlicher Familien nicht gesichert.

Der faire Handel unterstützt nicht nur die ProduzentInnen in den Entwicklungsländern durch eine faire Bezahlung, sondern auch die Natur und wir selbst profitieren durch

 

  • die beste Baumwollqualität (hohe Qualitätsstandards),

  • das gentechnikfreie Saatgut,

  • den kontrollierten Warenfluss,

  • die nachhaltige Anbaumethoden bis hin zum Bioanbau,

  • die Förderung kleinbäuerlicher Strukturen und

  • den Schutz der Böden, der Gewässer und des Weltklimas.

Die Produzenten erhalten faire Preise unabhängig von stark schwankenden Weltmarktpreisen. So können sie eigenverantwortlich wirtschaften, ihre Existenz weitgehend sichern und menschenwürdige Lebens- und Arbeitsbedingungen schaffen. Mit dem Kauf FAIRTRADE-zertifizierter Produkte leisten Sie einen Beitrag zur Verbesserung der Lebens- und Arbeitsbedingungen der Kleinbauernfamilien und zur Vermeidung ausbeuterischer Kinderarbeit.

 

Gesundheitliche Belastung durch Schadstoffe
Es gibt Hinweise darauf, dass bestimmte Stoffe gesundheitliche Beeinträchtigungen wie Allergien, Hautausschläge, Sehstörungen oder Hirnschädigungen zu vermeiden, wird bei Textilien mit folgenden Kennzeichnungen vom Kauf abgeraten:

 

  • antimikrobiell (Mikroben abtötend)

 

  • antismell (keine unangenehme Geruchsbildung, wie Tabakrauch)

 

  • antistatisch (elektronische Aufladungen verhindernd)

 

  • bügelfrei (permanent press)

 

  • chemisch reinigen chrash (künstliche Knitter)

 

  • desodorierend (unangenehmen Körpergeruch beseitigend)

 

  • easy-care-behandelt (Sammelbegriff für schmutzabstoßende und fleckabweisende Pflegeausrüstung. Textil ist bügelleicht, knitterarm, einlaufsicher und widerstandsfähig gegenüber Kleidermotten)

 

  • fade out (färbt aus)

 

  • flammgeschützt (nur importierte Bettwaren, Bodenbeläge, Gardinen, Kinderbekleidung, Möbelbezüge, Matratzen - neben Regulationsstörungen im zentralen Nervensystem und lagebedingten Ursachen -Bauchlage vermeiden- können auch giftige Ausgasungen für den plötzlichen Kindstod verantwortlich sein!)

 

  • fußpilzhemmend

 

  • keine lokale Fleckentfernung möglich

 

  • pflegeleicht

 

  • santized (antimikrobiell)

 

  • separat waschen

 

  • wash and wear (waschen und tragen)

 

  • wash out (wäscht aus)

 

Vorbeugend sollten neue Textilien die auf der Haut getragen werden vor dem ersten Gebrauch mehrmals gewaschen werden, damit eventuell schwermetallhaltige Farben und Ausrüstungschemikalien soweit wie möglich herausgewaschen werden. Textilien mit Hautkontakt müssen bei einem Formaldehydgehalt von mehr als 0,15% sogar diesen gesetzlichen Pflichthinweis tragen: "Enthält Formaldehyd. Es wird empfohlen, das Kleidungsstück zur besseren Hautverträglichkeit vor dem ersten Tragen zu waschen". Ein Verzicht auf farbige Unterwäsche mindert das Risiko belasteter Textilien.

 

Quelle: Code Knacker - Textilkennzeichnung

 

Mode Made in Austria
In Österreich wächst, bedingt durch klimatische Gegebenheiten, zwar keine Baumwolle, trotzdem gibt es regional produzierte Rohstoffe, die in der Textilbranche verarbeitet werden. Regionale Alternativen sind z. B. Flachs, Hanf und Wolle. Bis ein Kleidungsstück im Geschäft landet, sind zahlreiche Produktionsschritte erforderlich:

 

  • Anbau/Herstellung der Rohstoffe: Wolle, Hanf oder Flachs

 

  • Verspinnen der Fasern zu Garn

  • Weben oder Stricken des Garns zum Gewebe

  • Färben oder Bedrucken des Gewebes

  • Konfektionieren: Zuschneiden und Nähen

Ein Textilstück gilt im Rahmen der Initiative „Bewusst kaufen" ausschließlich dann als „regional", wenn die Arbeitsschritte von der Rohstoffproduktion bis zum fertigen Textil vorrangig in Österreich stattfinden. Zwar kann Baumwolle aus klimatischen Gründen nicht angebaut werden, die Produktion der alten Kulturpflanzen Flachs (für Leinen) und Hanf ist aber wesentlich umweltfreundlicher - etwa beim Wasserbedarf. Die etwas gröbere Schafwolle aus österreichischer oder europäischer Produktion wird meist für Decken und -füllungen, Filz- und Walkwaren sowie für Dämmstoffe verwendet.

 

Wissen und Jobs bewahren
Mit dem Kauf regional verarbeiteter Textilien unterstützen Sie heimische, meist kleine Betriebe und sichern so Arbeitsplätze in der Region. Und ganz nebenbei bewahren Sie traditionelles Handwerk und Wissen zur Textilproduktion.

 

Einkaufstipps:

  • Ziehen Sie Naturfaser (Wolle, Leinen, Hanf, Baumwolle...) synthetischen Materialien vor (außer bei Daunen)!

  • Achten Sie auf anerkannte Gütesiegel für Baumwolle aus biologischer Produktion wie GOTS (Global Organic Textile Standard), IVN, EU-ECO Label und das FAIRTRADE Zeichen für fair gehandelte Textilien! Die Rohstoffe sollten optimalerweise aus biologischem Anbau /artgemäßer Bio-Tierhaltung als auch aus fairem Handel stammen!

  • Beachten Sie Gütesiegel für Naturtextilien wie das Europäische Umweltzeichen und  ÖKO-TEX STANDARD 100 PLUS, die eine umweltschonende Weiterverarbeitung der Textilien garantieren! Naturtextil (Better und Best) sowie EKO Sustainable Textile garantieren zudem die biologische Produktion sowie die Berücksichtigung von sozialen Kriterien!

  • Achten Sie auf Produkte ohne chemische Behandlung gegen Schädlings- und Pilzbefall (Siehe Gesundheitliche Belastung durch Schadstoffe)!

  • Entscheiden Sie sich für Produkte aus regionaler Erzeugung (zumindest EU-weit - hier sind die Auflagen hinsichtlich Umweltschutz und Sozialstandards strenger).

Gesundheitstipps:

 

  • Wenn Sie nicht sicher sind unter welchen Bedingung ein Kleidungsstück produziert und transportiert wurde, empfiehlt es sich, ungetragene Kleidung vor dem ersten Mal tragen zu waschen. So können Sie sichergehen, dass keine Chemikalien mit der Haut in Berührung kommen.
     
  • Achten Sie Gütezeichen, die strenge ökologische Standards in der Verarbeitung der Textilien garantieren, und somit das Risiko für Haut-Unverträglichkeiten und Allergien reduzieren, wie GOTS Global Organic Textile Standard, das Europäische Umweltzeichen, Öko-Tex standard 100plus, Naturtextil und EKO Sustainable Textile.

 

Bei "die umweltberatung" finden Sie eine Liste mit zahlreichen Einkaufsquellen für Ökotextilien in ganz Österreich.

 

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