Bier Ratgeber
Im Jahr 2010 wurden in 172 österreichischen Braustätten mehr als 1.000 verschiedene Biere gebraut. Der Pro-Kopf-Verbrauch lag im gleichen Jahr durchschnittlich bei 105,8 Liter Bier - höchste Zeit, einen genaueren Blick auf die ökologischen Hintergründe des beliebten Getränks zu werfen.
- Anbau der Rohstoffe
- Gentechnik
- Verpackung
- Herstellungsprozess
- Bio-Bier
- Bier aus der Region
- Bierkonsum - Gesundheit und Soziales
- Einkaufstipps
- Gesundheitstips
Bier ist ein aus Getreide, Hopfen und Wasser hergestelltes Getränk. Die Zutaten werden durch das sogenannte „Maischen" und einen ausgeklügelten Kochvorgang verarbeitet. Die Mischung wird mittels Hefe vergoren, dabei entsteht ein alkohol- und kohlensäurehältiges Getränk.
Als Ausgangsbasis werden vorwiegend Gerste, Weizen, Roggen oder Erzeugnisse aus diesen verwendet. Bier wird anhand seines Alkohol- bzw. Stammwürzegehalts unterschieden.
- Alkoholgehalt: alkoholfreies Bier - nicht mehr als 0,5 Vol.%, alkoholarmes Bier - nicht mehr als 1,9 Vol.%, Leichtbier - nicht mehr als 3,7 Vol.%
- Stammwürze: Schankbier: 9 bis 11 Grad, Vollbier: mindestens 11 Grad, Stark- bzw. Bockbier ab 16 Grad
In Österreich sind zusätzlich noch die Bezeichnungen Lager- bzw. Märzen (ausgewogen malzig, mild hopfenbitter, untergäriges Vollbier) und Pils (hellfärbig, stärker gehopft, untergäriges Vollbier) gebräuchlich.
Ökologische Problemfelder sind bei der Bierherstellung sowohl beim Anbau der Rohstoffe als auch im Herstellungsprozess zu finden. Die Umweltauswirkungen können durch den biologischen Anbau von Rohstoffen verringert werden. In den letzten Jahren lässt sich eine vermehrte Nachfrage nach Bio-Bieren beobachten. Dabei stammen die Rohstoffe Getreide und Hopfen aus kontrolliert biologischem Anbau. Bio-Getreide bedeutet in erster Linie Verzicht auf chemisch-synthetischen Pflanzenschutz, also keine Herbi-, Pesti- und Fungizide, sowie Anbau ohne Kunstdünger. Ebenso verboten sind Wachstumsbeschleuniger und Schwefel. Beim Anbau ohne Kunstdünger und synthetische Pflanzenschutzmittel verringert sich im Vergleich zum konventionellen Anbau der Energiebedarf in der Landwirtschaft. Die Emissionen von ozonzerstörenden Stoffen und Treibhausgasen werden ebenfalls reduziert.
In der Bierherstellung besteht grundsätzlich die Gefahr, dass genetisch veränderte Organismen (GVO's) zum Einsatz kommen. Diese können als Rohstoffe, Hefen oder Enzyme in den Herstellungsprozess gelangen. Zurzeit werden allerdings keine gentechnisch veränderten Bierhefen eingesetzt. In der EU ist kein Zulassungsantrag für gentechnisch veränderte Hefe in Sicht, der Einsatz von mittels Gentechnik produzierten Enzymen ist dagegen allerdings teilweise üblich. Importbiere können diese Enzyme enthalten. Bei den eigentlichen Bierrohstoffen Gerste und Hopfen können GVO's enthalten sein In Österreich ist der Anbau von GVO's und deren Weiterverarbeitung allerdings nicht zugelassen.
KonsumentInnen greifen beim Kauf von Bier am ehesten zu Flaschenbieren (43,5%), gefolgt von Fassbier (21,6%) und Dosenbier (21,6%). Der Mehrweganteil dabei betrug 2010 71,6 Prozent.
Als problematisch sind vor allem Dosen zu sehen, die Wiederaufbereitung des Metalls verursacht einen enormen Energiebedarf. Aludosen werden immer aus neuem Aluminium hergestellt - bei der Produktion fallen große Abfallmengen und Emissionen an, im Herstellungsprozess wird sehr viel Energie benötigt. Im Vergleich zu neu produzierten Dosen, werden beim Recycling von Aludosen nur etwa fünf Prozent der ursprünglichen Energie verbraucht und es werden weniger Schadstoffe ausgestoßen. Aus gebrauchten Aludosen werden jedoch keine neuen Dosen hergestellt, daraus wird Gussaluminium von minderer Qualität erzeugt.
Die Sammelquoten von Metalldosen sind sehr gering, mehr als die Hälfte der anfallenden Dosen landen im Restmüll. Daher bilden Einweg-Metallverpackungen gemeinsam mit Einweg-Glas das ökologische Schlusslicht bei Getränkeverpackungen.
Das Umweltbundesamt hat, in Zusammenarbeit mit einer österreichischen Brauerei, eine Untersuchung über die Treibhausgasemissionen in der Bierherstellung durchgeführt. Die Studie kommt zu dem Ergebnis, dass vor allem bei Fassbieren und anderen Mehrwegverpackungen, im Vergleich zu Einweg-Verpackungen, mit niedrigeren Treibhausgasemissionen pro Liter Bier zu rechnen ist.
Der Brauprozess ist mit nicht unwesentlichen Emissionen umweltrelevanter Abfälle und Abwässer verbunden. Pro Liter Bier werden zusätzlich rund fünf Liter Wasser verbraucht. Im Brauprozess wird weiters viel Wärme benötigt, die meist aus fossilen Brennstoffen erzeugt wird. Dadurch steigen die Treibhausgasemissionen.
Die Umweltauswirkungen des Brauprozesses können durch den Einsatz von erneuerbaren Energien oder Techniken wie z.B. Wärmerückgewinnung aus Abwässern verringert werden.
Bio-Biere werden aus kontrolliert biologisch angebauten Rohstoffen hergestellt. Das verschafft dem Bio-Getränk und dem Konsumenten viele Vorteile:
- Das Risiko einer Produktbelastung durch bedenkliche Stoffe (z.B. Pestizide, Nitrate) ist erheblich vermindert bis ganz ausgeschlossen Dadurch verringert sich auch die Belastung von Gewässern, Luft und Böden.
- Bio-Produkte enthalten keine künstlichen Farb- und Aromastoffe, Konservierungsmittel und auch keine Geschmacksverstärker.
- Bio-Produkte sind frei von Gentechnik.
- Die Herkunft der Rohstoffe kann besser rückverfolgt werden als bei konventionellen Produkten.
- Bio-Böden sind fruchtbarer - sie weisen einen höheren Humusgehalt und höhere bodenbiologische Aktivität auf.
Transportbedingte Umweltauswirkungen der Bierherstellung lassen sich durch den Kauf von regionalen Bieren bzw. Bieren aus regionalen Rohstoffen vermindern. Zusätzlich wird die Einkommenssicherheit bei regionalen Produzenten und Verarbeitern erhöht. Der Kauf von regionalen Produkten bringt eine Menge Vorteile:
- Sie unterstützen die Erhaltung der Infrastruktur, der Betriebe und Arbeitsplätze in der Region
- Die regionale Wertschöpfung bleibt erhalten
- Der Transportaufwand wird verringert
- Regionale Wirtschaft spielt eine wichtige Rolle bei der Erhaltung der Kulturlandschaft
- Traditionelle Kenntnisse, wie regionaltypische Rezepte und handwerkliche Fähigkeiten, bleiben erhalten
- Die regionale Identität wird gestärkt
Bierkonsum - Gesundheit und Soziales
Grundsätzlich ist festzuhalten, dass Alkoholkonsum gesundheitliche bzw. soziale Probleme hervorrufen kann. Übermäßiger Alkoholkonsum kann akute und langfristige psychische und physische Auswirkungen auf den Menschen haben. Exzessiver Alkoholkonsum kann langfristig zu einer Reihe gesundheitlicher Beeinträchtigungen führen und stellt dadurch in den meisten Ländern der Erde ein Gesundheitsproblem ersten Ranges dar. Viele Erkrankungen können unmittelbar auf Alkoholkonsum zurückgeführt werden.
- Achten Sie auf Bio-Siegel wie das AMA-Biozeichen, ABG (Austria Bio-Garantie) oder Bio-Austria.
- Sehen Sie sich nach heimischen Bieren aus der Region um - in Österreich werden in 172 Braustätten über 1.000 verschiedene Biere gebraut! Heimische Rohstoffe garantiert das AMA-Gütesiegel, das Sie derzeit auf den Bieren der Ottakringer und Murauer Brauerei sowie der Brauerei Schloß Eggenberg finden.
- Informieren Sie sich auf der Website Ihrer Lieblingsbrauerei über Umweltstandards und nachhaltigen Methoden die zum Einsatz kommen.
- Biobiere sind in ihren gesundheitlichen und suchtfördernden Auswirkungen nicht weniger gefährlich als Biere aus konventionell hergestellten Rohstoffen.
Quellen:
Verband der Brauereien Österreich, Jahresbericht 2011
BMG, 2009: Handbuch Alkohol Österreich
http://wenigermist.natuerlichwien.at
http://ec.europa.eu/environment/
http://images.umweltberatung.at
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