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Wein & Spirituosen Ratgeber

Wie bei vielen Agrarerzeugnissen, sind auch bei der Herstellung von Wein und Spirituosen die klima- und umweltbelastenden Prozesse hauptsächlich im Anbau zu finden. Wo die Unterschiede liegen, erklärt der folgende Artikel.

 

 

Je nach Ausgangsprodukt unterscheidet man: Traubenwein (aus Weintrauben), Obstwein (aus Steinobst, Kernobst oder Beerenobst) und andere vergorene Getränke, die weder als Traubenwein, noch als Obstwein, noch als Bier zu bezeichnen sind - wie z.B. Reiswein.

Die verschiedenen Weingattungen werden untereinander noch anhand des Kohlensäuregehalts unterschieden, man nennt sie demnach Stillwein, Perlwein oder Schaumwein.

 

Die österreichische Weinlandschaft ist facettenreich, bei den trockenen Weinen fällt ein Großteil entweder unter den klassisch-mittelgewichtigen Typus (DAC, Klassik, Kabinett, Federspiel) oder in die Kategorie der vollmundigen, körperreichen Weine die sich auch gut länger lagern lassen (Reserve, DAC Reserve, Spätlese trocken, Smaragd, große Lagenweine oder Cuvées). Daneben gibt es noch Schaumweine, leichte Jungweine, Rosés, sowie die fruchtsüßen oder edelsüßen Prädikatsweine (z.B. Spätlese oder Auslese).

Mit den Bezeichnungen Wein, Landwein und Qualitätswein werden dem Wein Informationen über die Herkunft der Trauben, geltende Hektarhöchstertragsmengen im Anbau, die Zuckerreife der Traube bei der Ernte und staatliche Kontrollen zugeordnet. 

 

Qualitätsweine

 

Die Bezeichnung „Qualitätswein" dürfen nur Weine tragen, die aus einer oder mehreren der 35 zugelassenen Qualitätsrebsorten erzeugt wurden und aus einem gesetzlich definierten Weinbaugebiet mit geschützter Ursprungsbezeichnung (g.U.) stammen. Die bunte Vielfalt der österreichischen Qualitätsweine wird unter den Bezeichnungen der Weinbaugebiete Niederösterreich, Burgenland, Steiermark oder Wien vermarktet. Hier können die Betriebe aus 35 Sorten und den verschiedensten Weinstilen frei wählen.

 

Herkunftstypischer Qualitätswein (DAC)

 

(Districtus Austriae Controllatus)
Neben den generischen Weinbaugebieten hat Österreich derzeit 16 kleinere, spezifische Weinbaugebiete. Wenn sich die Mehrheit der Winzer eines Gebietes einig ist, kann das regionale Weinkomitee über das nationale Komitee an das Landwirtschaftsministerium herantreten und DAC-Status beantragen. In 7 Gebieten wurde bereits per Verordnung ein DAC-Status erlassen: Weinviertel, Mittelburgenland, Traisental, Kremstal, Kamptal, Leithaberg und Eisenberg.

 

Prädikatswein
 

Prädikatsweine sind Qualitätsweine besonderer Reife und Leseart. Anreicherung oder Süßung sind nicht zulässig.

 

Landwein

Landweine dürfen aus den 35 zugelassenen Qualitätsrebsorten erzeugt werden. Die Trauben müssen aus einer der drei Weinbauregionen Weinland, Steirerland oder Bergland stammen.

 

Wein (vormals Tafelwein)
 

Einfache, niedrigpreisige Weine werden vielfach als Wein ohne weitere Angaben vermarktet. Auf den Etiketten dieser Weine darf lediglich die Herkunft „Österreich" oder - im Falle eines EU-Verschnitts - die Herkunft „aus mehreren Ländern der Europäischen Union" angegeben werden.

 

Weinproduktion und -handel in Österreich

 

In Österreich werden etwa 29 Liter Wein pro Kopf und Jahr konsumiert - der Bio-Weinanteil nimmt dabei in den letzten Jahren stetig zu - Österreich verfügt derzeit über rund 2400 ha Bio-Weingärten, was einem Anteil von ca. 5% an der gesamten österreichischen Weinfläche entspricht.

Die Hauptweinbaugebiete in Österreich sind in Niederösterreich, Burgenland, Steiermark und Wien. In Österreich gibt es ca. 45.533 ha Weinanbaufläche. 2009 konnten daraus ca. 2.351.900 hl Wein hergestellt werden. Ca. 80 % sind Qualitäts- und Prädikatsweine, 15 % sind Tafel- und Landweine, die restlichen 5 % sind andere Weine.

 

Umweltauswirkungen im konventionellen Weinbau

 

Die größten Umweltauswirkungen in der Weinwirtschaft entstehen beim Weinanbau. Der konventionelle Weinbau ist eine intensive Art der Landwirtschaft. Durch den hohen Pflegeaufwand, der meist maschinell durchgeführt wird, wird der Boden stark beansprucht. Erosion und Freisetzungen des im Boden gespeicherten CO2 sind die Folge.

 

Beim konventionellen Weinbau wird intensiv mit mineralischen Düngern gearbeitet. So können überdüngte Flächen entstehen, auf denen es zu Auswaschungen oder Verunreinigungen des Grundwassers kommen kann. Intensiver Kunstdüngereinsatz führt außerdem zu Lachgasemissionen, das in der Atmosphäre als Treibhausgas wirkt.

 

Der intensive Einsatz von Pflanzenschutzmitteln bedroht die Artenvielfalt und begünstigt Verunreinigungen des Grundwassers. Die gesundheitlichen Auswirkungen vieler Pflanzenschutzmittel auf den Menschen sind noch nicht genau erforscht. Sie werden jedoch unter anderem mit folgenden Wirkungen in Zusammenhang gebracht:

 

  • Anreicherung im Fettgewebe
  • Störungen der Fortpflanzungsfähigkeit
  • Schädigungen von Leber, Nieren und zentralem Nervensystem
  • Hautausschläge und Hautschäden
  • Lähmungen
  • Krebsauslösend
  • Akut giftige Wirkung einiger Substanzen (z. B. Carbamaten)

 

Neben den gesundheitlichen Risiken werden bei der Herstellung auch enorme Energiemengen benötigt, womit auch CO2-Emissionen verbunden sind. Im Rahmen eines Forschungsprojektes im Traisental wurde festgestellt, dass im gesamten Anbauprozess (von der Ernte bis zur Auslieferung des fertigen Weins) pro Liter Wein rund 1,7 kg CO2 emittiert werden. Davon fallen rund 25 % durch die Herstellung der Dünge- und Pflanzenschutzmittel an.

 

Alternative Weinbauverfahren

 

Es gibt alternative Weinbauverfahren die, im Gegensatz zum konventionellen Weinbau, geringere Auswirkungen auf die Umwelt haben:

 

  • Integrierter Pflanzenschutz
  • Organisch-biologischer Weinbau   (LINK)
  • Biologisch-dynamischer Weinbau   (LINK)

 

Der integrierte Pflanzenschutz zielt auf eine Optimierung des Einsatzes von Pflanzenschutzmitteln ab. Dabei wird eine Kombination aller Pflanzenschutzmaßnahmen angewandt. Die Ziele sind möglichst hohe Qualität und gute Erträge, daneben sollen das Agro-Ökosystem und die Umwelt möglichst wenig beeinträchtigt werden. Die Verwendung von chemischen Pflanzenschutzmitteln (nützlingsschonend) soll gezielt (unter Beachtung der Schadensschwellen) erfolgen und ist nach Möglichkeit durch biologische, biotechnische und mechanische Maßnahmen zu ersetzen bzw. zu ergänzen. Alle chemischen Behandlungsmaßnahmen sind nur als Ergänzung zu den anderen Maßnahmen zu sehen.

 

Organisch-biologischer Weinbau

 

Beim organisch-biologischen Weinbau ist die Verwendung von leicht wasserlöslichen Düngemitteln und chemisch-synthetischen Pflanzenschutzmitteln nicht erlaubt. Bei dieser Anbauform werden auch oft biologische Pflanzenschutzverfahren angewandt. Weiters wird darauf geachtet, dass die Gesundheit und Fruchtbarkeit des Bodens erhalten wird. Das geschieht durch schonende Bodenbearbeitung und die Bewirtschaftung des Weingartens unter Berücksichtigung von natürlichen Stoffkreisläufen. Standortangepasste Bearbeitungsmaßnahmen und ein auf die Boden- und Pflanzenbedürfnisse abgestimmtes Begrünungsmanagement sollen in der biologischen Bewirtschaftung ein intaktes Ökosystem zur Folge haben, das die Pflanzen mit ausreichend Nährstoffen versorgt. Bei der Anbauweise profitiert man von natürlichen Selbstregulierungsmechanismen, Stoffkreisläufe sollen dabei weitgehend geschlossen werden. Das Ziel sind widerstandsfähige Kulturpflanzen. Die Kontrolle durch eine der sieben in Österreich zugelassenen Kontrollstellen garantiert, dass die Richtlinien der EU-Verordnung und der Bio-Verbände eingehalten wurden.

 

Biologisch-dynamischer Weinbau

Der biologisch-dynamische Weinbau folgt einer ganzheitlichen Betrachtung des Betriebes.  Durch artenreiche Fruchtfolge und Viehhaltung werden geschlossene Kreisläufe hergestellt.  Bei der ganzheitlichen Betrachtung werden auch kosmische Einwirkungen auf die Organismen mit einbezogen. Bodenbearbeitung, Aussaat und Kellerarbeit sollen unter Berücksichtigung der planetaren Konstellation durchgeführt werden, soweit das Betriebsstruktur und Wetter zulassen. Auch hier sind leicht-lösliche chemisch-synthetische Dünger und Herbizide verboten.

Klassische Pilzerkrankungen (wie z.B. echter und falscher Mehltau) kommen auch im biologischen Weinbau vor, auch hier arbeiten die ProduzentInnen mit Kupferspritzungen. Kupfer wird, über lange Zeiträume und in großen Mengen ausgebracht, im Boden angereichert. Negative Auswirkungen auf Bodenlebewesen sind aber - wenn überhaupt - nur in intensiv konventionell genutzten Weinbergen zu erwarten. Österreichische Bio-Verbände reduzieren die EU-Biorichtlinien für Kupfer (6 kg Kupfer/ha/Jahr) sogar noch einmal. So ist die Obergrenzen für Bio-Austria Weinbauern 3kg/ha/Jahr Reinkupfer. Trotz dieser positiven Bilanz strebt man in der biologischen Landwirtschaft eine kontinuierliche Reduktion des Kupfereinsatzes an, es werden immer häufiger tolerante und resistente Weinsorten angepflanzt und es wird nach neuen Alternativen zur Kupferanwendung geforscht.

 

Die Vorteile biologischer Weinproduktion:
  

  • Giftige Pflanzenschutzmittel und Kunstdünger sind verboten. Die Belastung des Grundwassers wird dadurch verringert.
  • Eine Belastung des Weines mit unerwünschten Stoffen (Pestizide, Nitrate u.a.) ist erheblich vermindert bis ganz ausgeschlossen.
  • Die Böden sind fruchtbarer, enthalten mehr Humus und weisen eine höhere bodenbiologische Aktivität auf als konventionell bewirtschaftete Böden.
  • Biologischer Weinbau ist energieeffizienter, da keine in der Produktion energieintensiven Kunstdünger und Pflanzenschutzmittel verwendet werden.
  • Höhere Artenvielfalt
  • Verbot von Gentechnik

 

Keine Gentechnik

 

Zurzeit werden in der EU keine gentechnisch veränderten Rebsorten eingesetzt. Auch gentechnisch veränderte Hefen zur Weinherstellung sind in EU nicht zugelassen. Bei Weinen aus den USA, Kanada, Moldawien und Südafrika kann unter Umständen gentechnisch veränderte Hefe enthalten sein.

 

Verpackung

 

Wein wird üblicherweise in Glasflaschen abgefüllt. Kommen dabei Einweg-Glasflaschen zum Einsatz, wird zur Entsorgung bzw. Wiederherstellung der Flasche ein beträchtlicher Anteil von Energie verwendet. Rund 45 % der CO2-Emissionen, die für einen Liter Wein anfallen, entfallen im Produktionsprozess auf die Herstellung der Glasflasche. Durch Verwendung von Mehrweg-Pfandflaschen können diese Emissionen stark gesenkt werden.

 

Das steirische Projekt „Die ALLWEG Steiermark-Weinflasche - Der Steirische Wein setzt auf Wiederbefüllung!" beschäftigt sich mit Alternativen für die Einweg-Glasflasche. In Kooperation mit Weinbauern soll der Anteil von Mehrweg-Flaschen im Weinhandel von zurzeit 35 % auf 50 % erhöht werden. Unter dem Gesichtspunkt, dass durch eine Einweg-Glasflasche ca. 5-mal höhere CO2 Emissionen verursacht werden, kann damit ein Beitrag zum Klimaschutz und zur Ressourcenschonung geleistet werden.

 

Wein aus der Region

 

Vor allem die transportbedingten Umweltauswirkungen lassen sich durch Kauf von regionalem Wein vermindern. Zusätzlich wird die Einkommenssicherheit bei regionalen ProduzentInnen erhöht. Durch die Wahl von regionalen Produkten ergeben sich zusammenfassend folgende gesellschaftliche Vorteile:

 

  • Erhaltung der Infrastruktur, Betriebe und Arbeitsplätze in der Region
  • Erhöhung der regionalen Wertschöpfung
  • Verringerung des Transportaufwands
  • Erhaltung und Pflege der regionalen Kulturlandschaft
  • Erhaltung traditioneller Kenntnisse wie regionaltypischer Rezepte, und handwerklicher Fähigkeiten
  • Stärkung der regionalen Identität

 

Spirituosen

 

Der Begriff Spirituosen leitet sich vom lateinischen „Spiritus" - d.h. Hauch, Atem, (Lebens)geist ab, und bezeichnet „geistige Getränke". Die genaue Abgrenzung ist allerdings nicht ganz einfach: Umgangssprachlich meint man mit „Spirituosen" stark alkoholische Getränke wie Branntwein und Liköre (Duden, Fremdwörterbuch, 1997). Im rechtlichen Sinn definieren der österreichische Spirituosencodex und der Europäischen Zolltarif den Begriff. Laut Spirituosencodex ist eine „Spirituose" ein alkoholisches Getränk mit mindestens 15 Vol.-% Alkoholgehalt.

 

In Österreich werden jährlich ca. 110.000 hl Spirituosen hergestellt, diese spielen hierzulande, verglichen mit Wein und Bier, eine eher untergeordnete Rolle. Die österreichische Spirituosenwirtschaft ist sehr kleinteilig strukturiert und umfasst viele statistisch nicht erfasste Hersteller mit weniger als 10 MitarbeiterInnen. Es sind insbesondere die kleinen ProduzentInnen, die neben dem Hauptprodukt „Inländerrum", für die Herstellung einer Vielzahl an Spezialprodukten (v. a. Obstbrände, Liköre etc.) verantwortlich sind. Inländerrum und Jagatee sind die beiden Produkte mit dem höchsten Exportanteil.

 

Spritiuosen werden aus landwirtschaftlichen Produkten hergestellt. Dadurch sind Umweltauswirkungen von Spirituosen, ebenso wie bei Wein, hauptsächlich von den landwirtschaftlichen Anbaumethoden der jeweiligen Rohstoffe abhängig. Ein Hauptkritikpunkt ist wieder der intensive Einsatz von Dünge- und Pflanzenschutzmitteln.

 

Einkaufstipps:

 

  • Es gibt in Österreich bereits eine Vielzahl von Bio-Weinen und Bio-Spirituosen. Beim Einkaufen sollte jedenfalls darauf geachtet werden, ob an der Verpackung ein Bio-Label (z.B. Bio Austria, ABG, Demeter, Bio Veritas, EU-Bio-Logo, Ja Natürlich!) vorhanden ist.

 

  • Österreich ist ein Weinland - kaufen Sie heimische Weine und bevorzugen Sie Weine, die in Ihrer Region oder im Bundesland angebaut werden. Damit unterstützen Sie die regionale Wirtschaft und helfen, CO2 zu sparen.

 

  • Seit kurzem gibt es importierte Weine, die das FAIRTRADE Gütesiegel tragen. Bei diesen Produkten können Sie sicher sein, dass die ProduzentInnen fair entlohnt werden und unter menschenwürdigen Arbeitsbedingungen gearbeitet wird. Eine Auswahl finden Sie in der bewusstkaufen.at-Produktdatenbank und unter www.fairtrade.at.

Gesundheitstipp:

 

  • Biowein und Bio-Spirituosen sind in ihren gesundheitlichen und suchtfördernden Auswirkungen nicht weniger gefährlich als Wein und Spirituosen aus konventionell hergestellten Rohstoffen.
      

Klimaneutraler Wein

 

Die Weinbau Braunstein KEG aus dem Burgenland bietet klimaneutralen Wein an. In Zusammenarbeit mit den international tätigen Beratern von ClimatePartner, die bereits andere Winzer rund um die Welt bei diesem Vorhaben unterstützt haben, hat Birgit Braunstein entsprechende Schritte hin zu einer klimaneutralen Weinproduktion gesetzt.
Dabei wurden zu Beginn die vielfältigen Teilschritte beim Anbau, sowie dem Ernte- und Verarbeitungsprozess unter die Lupe genommen und eine CO2 Bilanz für das Weingut errechnet. Ausgehend von diesen Daten wurde nach ökologisch sinnvollen Maßnahmen gesucht, durch die der CO2-Ausstoß reduziert wird.

 

 

Quellen:

 

Handbuch Alkohol Österreich

 

Österreichische Weinmarketing GmbH

 

www.bio-wissen.org

 

www.biowein-erlesen.de

 

umweltberatung.at

 

seri.at

 

www.oesterreichwein.at

 

www.univie.ac.at/

 

www.jahrderchemie.umweltberatung.at


virtuelleschule.bmukk.gv.at

 

Österreichischer Lebensmittelbericht 2010 (S. 36-42)

 

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