Spielzeug Ratgeber
Grundsätzlich bezeichnet man Produkte, die für Kinder unter 14 Jahren zum Spielen angeboten werden, als Kinderspielzeug. Innerhalb der EU regelt die europäische Spielzeugrichtlinie, welche Anforderungen Spielzeug erfüllen muss, damit es gesundheitlich unbedenklich ist.
- Problematische Inhaltsstoffe
- Fairplay in der Spielzeugproduktion
- Holz- oder Kunststoff?
- Unbedenklich und nachhaltig
- Kennzeichnungen, die Sie kennen sollten
Die Richtlinie ist in Österreich durch die Spielzeugverordnung im Lebensmittelsicherheits- und Verbraucherschutzgesetz (LMSVG) umgesetzt. Gesundheitsschädliche Produkte und Gegenstände, die für den vorgesehenen Gebrauch nicht geeignet sind, sind verboten. Amtliche Kontrollen stellen sicher, dass die Richtlinie eingehalten wird. Werden trotzdem Produkte entdeckt, die gesundheitsschädlich sind oder die Richtlinie nicht erfüllen, treten sofort Schutzmaßnahmen in Kraft (z.B. durch eine Rückholaktion).
Gemäß Spielzeugverordnung muss Spielzeug:
- wesentliche Sicherheitsanforderungen erfüllen
- mit Gefahrenhinweisen und Gebrauchsvorschriften versehen sein
- und die CE-Konformitätskennzeichnung tragen.
Weiters darf Spielzeug die Gesundheit oder Sicherheit von Kindern oder Dritten nicht gefährden, für Spielzeug gültig sind zusätzlich die Weichmacherverordnung, die Azofarbstoffverordnung und die Magnetspielzeugverordnung.
Im Fall einer ernsthaften Übertretung dieser Richtlinien können EU-Mitgliedstaaten mittels europäischem Schnellwarnsystem für gefährliche Konsumgüter über das betroffene Produkt informiert werden. Entsprechende Maßnahmen können dadurch schnell eingeleitet werden.
In Österreich werden jährlich 179 Euro pro Kind für Spielzeug ausgegeben. 60 % des Jahresumsatzes des Spielzeughandels werden mit dem Weihnachtsgeschäft gemacht. Das Volumen des Weihnachtsumsatzes bei Spielwaren in Österreich beträgt 80 Mio. Euro. 80 % des in Österreich verkauften Spielzeugs wird in China hergestellt. Dort arbeiten ca. 4 Millionen Menschen in der Spielzeugproduktion, 80 Prozent davon Frauen im Alter zwischen 15 und 30 Jahren.
Der internationale Spielzeugmarkt wird von einigen wenigen Konzernen beherrscht, die weltweit größten Player sind:
- die Hersteller Mattel, Hasbro und Bandai
- die Großhändler Walmart und Toys'R'Us
- die Unterhaltungskonzerne Disney und Warner, die über Lizenzen am Spielzeugmarkt beteiligt sind.
- Die größten Hersteller in Europa sind Lego, Playmobil und Ravensburger.
Bei buntem Kunststoffspielzeug kommen verschiedene Kunststoffe zum Einsatz, die bei der Produktion und Entsorgung jeweils unterschiedliche ökologische und gesundheitliche Auswirkungen haben. Bei Kunststoffspielzeug sollte die Wahl auf Produkte aus chlorfreien Kunststoffen fallen (z.B. Polyethylen (PE) oder Polypropylen (PP)), diese enthalten weniger schädliche Inhaltstoffe als PVC. Im Zweifel fragen Sie den Fachhändler nach der verarbeiteten Kunststoffart.
Spielzeug, das PVC enthält, sollte vermieden werden. PVC ist ein Umweltgift und verursacht im gesamten Lebenszyklus (Produktion bis Entsorgung) eine Reihe von unerwünschten Umweltauswirkungen. PVC ist zudem ein harter Kunststoff und wird häufig mit so genannten Weichmachern (Phthalaten) versetzt. Phthalate können sich durch Speichel aus dem Kunststoff lösen und in den Körper gelangen. In Tierversuchen wurden erbgutverändernde Wirkungen festgestellt. Seit 1999 ist die Verwendung von Phthalaten in Spielzeug für Kinder bis zum Alter von 36 Monaten europaweit verboten. Trotzdem muss die Verwendung von PVC auf der Verpackung nicht gekennzeichnet werden, auf Importprodukten wird es oft als „Vinyl" getarnt.
Fairplay in der Spielzeugproduktion
Rund 80 % des in Österreich verkauften Spielzeugs wird in China hergestellt. Durch eine Recherche von Südwind konnten in den dortigen Spielzeugfabriken grobe Missstände aufgedeckt werden. Bis zu 400 Arbeitsstunden im Monat sind dort keine Seltenheit, geregelte Überstunden und Einkommen gibt es oft nicht. Das chinesische Arbeitsrecht sieht für die Industrie eigentlich eine 40-Stunden Woche, beschränkte Überstunden und Sozialversicherung vor. In neun von zehn Fällen halten sich die Fabriken aber nicht an diese Vorgaben.
Die ArbeiterInnen leiden unter schlechter Bezahlung, viel zu hohen Überstunden und im Vergleich dazu hohen Lebenskosten. Viele sind daher dazu gezwungen, in Unterkünften der Arbeitgeber zu wohnen, oft zu menschenunwürdigen Bedingungen. Fehlende Schutzkleidung und unzureichende Sicherheitsmaßnahmen führen oft zu Arbeitsunfällen.
Spielzeug soll robust gebaut sein und eine möglichst lange Lebensdauer haben. Holzspielzeug ist dafür ideal. Holz ist im Gegensatz zu Kunststoff ein nachwachsender Rohstoff, der nachhaltig produziert werden kann und angenehme Oberflächeneigenschaften hat. Bei der Herstellung entstehen keine umweltbelastenden Emissionen oder Nebenprodukte. Auch die Entsorgung ist unproblematisch. Spielzeug aus unbehandeltem Holz ist allerdings aus hygienischen Gründen für Babys ungeeignet.
Holzspielzeug hat im Vergleich zu anderen Materialien die geringsten ökologischen Auswirkungen, hält viel aus und kann lange verwendet werden. Bei Holzspielzeug aus heimischem Holz kann man davon ausgehen, dass soziale Standards eingehalten werden. Holzspielzeug wird häufig auch in sozialen Einrichtungen hergestellt, damit werden gleichzeitig soziale Initiativen unterstützt.
Für Holzspielzeuge sind vor allem das FSC (Pure)- und das PEFC-Siegel relevant. Bei beiden Siegeln stammt das Holz aus nachhaltiger Waldbewirtschaftung.
Holzspielzeug aus zertifiziertem Holz gibt es unter anderem bei:
- Selectra (www.selectra.de)
- Heros (www.heros-toys.de)
- Cuboro (www.cuboro.ch)
- Bajo (www.bajo.de)
Ein Holzspielzeughersteller, der zum größten Teil österreichisches Holz (zu 99,5 %) verwendet, ist die Firma Matador (www.matador.at).
Interview mit Sascha Tobias von "Matador" zum Thema "Nachhaltiges Holzspielzeug".
Kennzeichnungen, die Sie kennen sollten
Blauer Engel
Das deutsche Umweltzeichen „Blauer Engel" gibt es für Spielzeug aus Holz und für textiles Spielzeug. Das Umweltzeichen stellt strenge Anforderungen an die verwendeten Materialien, Verarbeitung und zugesetzte Stoffe, die im Produktionsprozess verwendet werden. Auf bewusstkaufen
CE- Konformitätszeichen
Steht auf jedem Spielzeug, das innerhalb der EU verkauft wird. Der Hersteller oder Händler erklärt damit, dass das Produkt die gültige Europa-Norm EN 71 einhält. Die Einhaltung der Kriterien muss aber nicht überprüft werden, daher ist das CE Zeichen kein Qualitätssiegel, sondern lediglich ein Konformitätszeichen, das noch keine Garantie für gutes und sicheres Spielzeug abgibt.
GS- Zeichen (geprüfte Sicherheit)
Das GS-Zeichen ist auf Spielzeug zu finden, dass der Hersteller entsprechend den festgelegten Sicherheitsanforderungen freiwillig überprüfen lässt. Die Prüfung nimmt eine unabhängige zugelassene GS-Stelle vor. Produkte mit dem nationalen GS-Zeichen erfüllen die grundlegenden Sicherheits- und Gesundheitsanforderungen. Zusätzlich wird häufig auch die Prüfstelle angegeben (z.B. TÜV, DEKRA, ÖVE, etc.).
"Nicht für Kinder unter 3 Jahren geeignet"
Spielzeug für Kinder unter 36 Monaten muss strengere Auflagen erfüllen als für ältere Kinder. Farben müssen speichelecht sein, das Spielzeug muss speziell bruchfest sein und eine gewisse Größe haben, damit Kleinteile nicht verschluckt oder eingeatmet werden können. Der Warnhinweis "Nicht geeignet für Kinder unter 3 Jahren (bzw. 36 Monaten)"sollte daher unbedingt beachtet werden.
"spiel gut"
Die rote Plakette kennzeichnet pädagogisch sinnvolles Spielzeug, das von Fachleuten getestet und gemeinsam mit Kindern erprobt wurde. Hinsichtlich der Umweltverträglichkeit werden folgende Kriterien bewertet:
- Verwendetes Material
- Produktion, Gebrauch und Entsorgung
- Langlebigkeit
- Wiederverwendbarkeit
- Sicherheit: Einhaltung der EU Normen
Spielsachen aus PVC werden nicht zertifiziert. Herausgeber des "spiel-gut" Zeichens ist der deutsche "spiel gut - Arbeitsausschuss Kinderspiel und Spielzeug e.V.". Jährlich werden etwa 250 Spielwaren mit dem Siegel ausgezeichnet.
Fair spielt
Die Aktion "fair spielt" informiert mit einer regelmäßig aktualisierten Liste auf ihrer Website, welche Spielzeugfirmen grundlegende Arbeitsnormen und Menschenrechte beachten. Ein eigenes Label für „faires" Spielzeug gibt es noch nicht.
FAIRTRADE
Wie auch bei Lebensmitteln und Kleidung, steht das Gütezeichen für faire Produktionsbedingungen, die Einhaltung wird unabhängig kontrolliert. Dieses Label gibt es z.B. für Fußbälle, die ohne Einsatz von Kinderarbeit produziert wurden.
- Achten Sie auf Gütezeichen, die Umweltaspekte berücksichtigen (z.B. "Blauer Engel" oder „Spiel gut") und auf Hersteller, die soziale Standards befolgen. Unter diesem Link finden Sie die aktuelle „fair spielt"-Liste
- Achten Sie bei Holzspielzeug auf das FSC (Pure) und das PEFC-Zeichen. Bevorzugen Sie Vollholzprodukte, aus dem Leim von Sperrholzprodukten können gesundheitsschädliche Stoffe ausdünsten.
- Gutes Spielzeug ist robust und hält der Beanspruchung beim Spielen stand. Sollte etwas kaputt gehen, gibt es auch Betriebe die Spielzeug reparieren, wie z.B. den Puppendoktor. Kaufen Sie hochwertiges, haltbares Spielzeug, das an die nächste Generation vererbt oder an die Nachbarskinder weitergegeben werden kann.
- Der Hinweis auf Spielzeug „nicht geeignet für Kinder unter drei Jahren (bzw. 36 Monaten)" sollte unbedingt beachtet werden.
- Waschen Sie Stoff- und Plüschtiere nach dem Kauf bei niedriger Temperatur in der Waschmaschine, um Rückstände von Chemikalien zu entfernen, oder kaufen Sie gebrauchte Stofftiere.
- Vermeiden Sie batteriebetriebene Spielwaren. Batterien sind Problemstoffe und in Spielwaren nicht immer kindersicher eingebaut.
- Entsorgen Sie funktionsfähiges Spielzeug nicht in der Mülltonne, sondern bringen Sie es zur nächsten Caritas-Sammelstelle, Second-Hand-Laden oder gehen Sie damit zum Flohmarkt. Auf tausch-dich-fit.de können Ihre Kinder ihr altes Spielzeug mit anderen Kindern tauschen. Nutzen Sie diese Wege auch selbst statt neues Spielzeug zu kaufen - gebrauchtes Spielzeug ist gut für Umwelt und Klima sowie Ihren Geldbeutel.
Es wird immer wieder Spielzeug auf dem Markt gefunden, das die Gesundheit der Kinder
gefährden kann. Um die Sicherheit von Spielzeug zu überprüfen, führt die Österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) Untersuchungen bezüglich verschiedener Substanzen und physikalischer Eigenschaften durch. Bei Verdacht auf unsicheres Spielzeug können Sie diese kontaktieren. Kontaktadressen finden Sie hier: www.ages.at
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Quellen:
Gesundheitsministerium, Tatsachen über Spielsachen


