Geflügel Ratgeber
Unter dem Begriff Geflügel werden alle Vogelarten zusammengefasst, die als Nutztiere gezüchtet und gehalten werden. Dazu gehören auch Wildvögel, die gezielt zum Verzehr gejagt werden.
Als Hausgeflügel gezüchtet werden Haushuhn, Truthahn, Ente, Gans und Taube.
- Intensive, automatisierte Zuchtbetriebe
- Haltung
- Gen-Futter
- Enten- und Gänsehaltung
- Geflügelhaltung in Bio-Betrieben
- Einkaufstipps
- Gesundheitstipps
Als Wildgeflügel oder Federwild gelten Fasan, Rebhuhn, Perlhuhn und Wachtel. Enten und Fasane werden sowohl gezüchtet als auch gejagt im Handel angeboten. Perlhuhn und Wachtel sind zwar gezüchtet, werden aber ihres Geschmacks wegen zum Wildgeflügel gezählt.
Geflügel in Österreich
Laut grünem Bericht 2011 wurden in Österreich 2010 72,3 Mio. Stück Hühner geschlachtet. Der Pro-Kopf-Verbrauch liegt in Österreich bei 19,3 kg Geflügelfleisch pro Jahr, der Verbrauch liegt im Vergleich weit hinter Schweinefleisch (40 kg pro Kopf und Jahr). Bio-Geflügel hat derzeit einen Marktanteil von etwa 2,6 % (Wertanteil), beim Frischfleisch ist der Preisunterschied zwischen Bio-Produkten und konventionell erzeugten Produkten sehr hoch (76 %). Der Selbstversorgungsgrad liegt beim Hühnerfleisch bei 90 %, bei Truthahnfleisch sind es 46 %, Gänse und Enten werden überwiegend importiert.
Intensive, automatisierte Zuchtbertriebe
In der Hühnerhaltung ist die Automatisierung im Vergleich zu anderen Nutztieren am weitesten fortgeschritten.
In großen Betrieben werden Eier nicht auf natürlichem Weg ausgebrütet, diese Aufgabe übernehmen Brutmaschinen in überdimensionierten Brütereien. Rund 180.000 Eier werden nach einem 21 tägigen Brütungszyklus aus der Maschine geholt. In den Systemen werden ungeschlüpfte Küken gemeinsam mit den Eierschalen entsorgt.
Unabhängig von der Haltungsform werden männliche Küken nach dem Schlüpfen aussortiert. Da die männlichen Tiere weder Eier legen können, noch zuchtbedingt für die Mast geeignet sind haben die ProduzentInnen keine Verwendung für sie, die männlichen Küken werden getötet.
Laut der europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) ist das Hauptproblem bei der Zucht von Masthühnern zu schnelles Wachstum. Nach nur 35 Tagen haben die Tiere ihr Zielgewicht von 1,7 kg erreicht. Legehühner sind beispielsweise in diesem Alter noch nicht ausgewachsen. Erst im Alter von 140 Tagen beginnen sie Eier zu legen. Das schnelle Wachstum führt dazu, dass die Hühner unter Gelenksschäden leiden. Werden Tiere mit so einer Geschwindigkeit gefüttert, kommen die Gelenke und Knochen irgendwann nicht mehr mit - bei bis zu 30 % der Tiere brechen die Beine unter dem Gewicht des Körpers.
Eine aktuelle deutsche Studie kommt zu dem Ergebnis, dass mehr als 96 Prozent der Masthühner in den untersuchten Betrieben mit Antibiotika behandelt werden.
Angeblich bekommt ein Masthuhn bis zu acht verschiedene Antibiotika. Der Einsatz von antibakteriellen Mitteln ist in der Tiermast offenbar die Regel. Vor allem der vorbeugende Einsatz von aus Antibiotika gewonnenen Kokzidiostatika (Medikamente gegen Darmerkrankungen), die dem Geflügelfutter beigemischt werden, ist in der Geflügelproduktion verbreitet.
In der Veterinärmedizin werden in Österreich pro Jahr zirka 60 Tonnen Antibiotika verkauft, diese verteilen sich auf 5,6 Millionen Großtiere (2 Millionen Rinder, 3,1 Millionen Schweine, 415.000 Schafe und 89.000 Ziegen) und 5,7 Millionen Legehennen bzw. 60 Millionen Masthühner sowie alle in Österreich gehaltenen Heimtiere.
In der Geflügelmast wird zur Deckung des hohen Eiweißbedarfs häufig Soja eingesetzt. Mindestens 35 Millionen Tonnen Soja und Sojaschrot werden in die EU als Eiweißfuttermittel für Rinder, Schweine und Hühner importiert. Bei diesem Futter kann eine gentechnische Veränderung nicht ausgeschlossen werden. Laut deutschem Naturschutzbund kommen auf jeden EU-Bürger pro Jahr rund 79 Kilogramm Sojabohnen, die meist gentechnisch verändert und mit Glyphosat behandelt sind (Glyphosat ist der Wirkstoff des auch bei Kleingärtnern weitverbreiteten Unkrautvernichters „Roundup").
In österreichischen Betrieben werden durchschnittlich 20.000 Masthühner oder 6.000 Puten gehalten. Die Tiere sind mit den überfüllten Ställen überfordert, so kommt es zu Verhaltensstörungen wie Federpicken und Kannibalismus. Durch das Gedränge ausgelöster Stress ist eine häufige Todesursache für Hühner in der Bodenhaltung. Um Verletzungen dieser Art zu verhindern, werden den Hühnern häufig die Zehen oder der Kamm gekürzt. Auch das Kupieren der Schnäbel ist weit verbreitet.
Rund um Martini verspeisen die ÖsterreicherInnen rund eine viertel Million Gänse. Die heimischen GänsezüchterInnen können diese Nachfrage nicht erfüllen, ein Großteil der Tiere muss importiert werden. Neun von zehn Gänsen kommen aus Ländern mit extrem niedrigen Tierschutzstandards, meist aus Ungarn und Bulgarien. In konventionellen Betrieben werden Gänse durch intensive Maßnahmen schneller auf das erwünschte Schlachtgewicht gebracht, als es auf natürlichem Weg möglich wäre. In Kombination mit engen Platzverhältnissen und für die Tiere unnatürliche Lebensbedingungen (ohne Wasser) mit erhöhtem Stresslevel, erkranken diese leichter. Viele Betriebe mischen daher Antibiotika unter das Futter.
Geflügelhaltung in Bio-Betrieben
In der biologischen Landwirtschaft wird eine Reihe von Prinzipien gelebt, welche die Geflügelhaltung tierfreundlich gestalten. Für Masthühner in biologischer Landwirtschaft gilt, dass pro m² Stallfläche zehn Tiere gehalten werden dürfen (bzw. Hühner mit insgesamt 21 kg pro m²). Konventionell hingegen dürfen Masthühner im Ausmaß von 30 kg/m² gehalten werden, was einer bedeutend höheren Tierzahl pro Fläche entspricht.
Der Stall muss in verschiedene Zonen gegliedert werden, wie etwa Ruhe- und Aktivitätsbereiche. Die Tiere müssen die Möglichkeit haben, vom Stall aus einen Außenscharraum zu erreichen. Zusätzlich muss im Stall ausreichend Tageslicht und Sonne vorhanden sein. Wassergeflügel bekommt zusätzlich Zugang zu einem fließenden Gewässer, Teich oder See. In einem Bio-Geflügelstall dürfen insgesamt nicht mehr als 4.800 Mast- bzw. Junghühner untergebracht sein. Pro Tier muss ein Auslauf von mindestens 4m2 garantiert werden - konventionell gehaltene Hühner haben gar keinen Auslauf.
In der Bio-Haltung bestimmt keine Gewichtsgrenze den Zeitpunkt der Schlachtung, das Geflügel muss stattdessen ein bestimmtes Mindestalter erreichen. Alternativ können auch speziell langsam wachsende Rassen zum Einsatz kommen. Die Tiere dürfen frühestens in einem Alter von 81 Tagen (über 11 Wochen) geschlachtet werden. Konventionell gehaltene Hühner werden z.B. schon nach 5-7 Wochen geschlachtet.
Das Kürzen der Zehen und Schnäbel ist in Bio-Betrieben nicht erlaubt, ebenso der vorbeugende Einsatz von Medikamenten. Bio-Geflügel wird garantiert ohne gentechnisch veränderte Futtermittel aufgezogen.
- Kaufen Sie Geflügel aus biologischer Landwirtschaft, achten Sie dafür auf Bio-Zertifikate wie Austria Bio Garantie, AMA Bio, Bio Austria oder die Bio-Marken diverser Handelsfirmen. Einen Überblick über die gängigsten Bio-Zertifikate finden Sie in der bewusstkaufen.at-Labeldatenbank.
- Kaufen Sie heimisches Fleisch! Österreichische Betriebe haben, im Vergleich zu vielen anderen europäischen Ländern, sehr hohe Standards und Normen zu erfüllen. Achten Sie darauf, dass Tier in Österreich geboren, gemästet und geschlachtet wurde. Mit Bio-Fleisch aus Österreich sind Sie auf der sicheren Seite.
- Hochwertiges Fleisch aus artgerechter, ökologischer Haltung erkennen Sie am Aussehen: Es ist etwas dunkler und fester und verliert beim Zubereiten weniger Wasser.
- Verglichen mit anderen Fleischarten, hat Geflügelfleisch einen niedrigen Fettgehalt im Muskelgewebe, und enthält auch Protein, Vitamine und Mineralstoffe.
- Wegen der möglichen Verunreinigung durch Salmonellen sollte Geflügelfleisch immer komplett durchgegart werden. Einmal aufgetautes Tiefkühlgeflügel darf nicht wieder eingefroren werden.
- Im Gegensatz zum „Mindesthaltbarkeitsdatum" (z.B. bei Tiefkühlfleisch) finden Sie auf abgepacktem frischem Fleisch ein „Verbrauchsdatum" („zu verbrauchen bis..."). Nach Ablauf des Verbrauchsdatums sollte das Fleisch nicht mehr verzehrt werden.
Quellen
Lebensmittelbericht 2010
Süddeutsche Zeitung
Ökologie und Landbau 4/2011
(c) Michal Zacharzewski / sxc.hu


