Mode für den Businessalltag (c) Jürgen Brand

Chic, fair und fahrradtauglich unterwegs!

Wer sich chic und fair kleiden möchte und zudem nachhaltig per Fahrrad unterwegs ist, hat es in der Business-Welt bisher nicht ganz leicht. Das möchte ein junges österreichisches Label nun ändern. Wir haben uns mit dem Mastermind und Designer Jürgen Brand unterhalten!

Fahrradkompatible Business-Outfits für Frauen und Männer, aus nachhaltigen Materialien und regionaler Produktion, modisch und praktisch: Das ist das Anliegen von Jürgen Brand.

Interview mit Jürgen Brand

Wie sind Sie dazu gekommen, sich mit dem Thema Mode zu beschäftigen und ein eigenes Label zu gründen?

Ich habe die Schule für Mode und Bekleidungstechnik absolviert, war aber dann lange Jahre nicht in der Modebranche tätig. Allerdings bin ich begeisterter Fahrradfahrer. Da standen also am Anfang Fragen wie ‚Warum habe ich immer vom Sattel durchgescheuerte Hosen?‘, Wie repariere ich sie am besten?‘ und ‚Wieso gibt es eigentlich überhaupt keine Fahrrad- und businesstaugliche Kleidung?‘ Außerdem stellte ich mir immer wieder die Frage, warum kaum mehr bei uns produzierte Mode zu finden ist. Daraus entstand der Entschluss, es selbst zu probieren, ein Produkt zu entwickeln, welches so weit als möglich in Österreich hergestellt wird, mit hohen Qualitäts- und Nachhaltigkeitsansprüchen.

Welche Rolle spielt das Design für die Nachhaltigkeit und Langlebigkeit Ihrer Produkte?

Da gibt es zwei wichtige Punkte: Ich produziere Slow Fashion. Lieblingsstücke die keinen Zeitstempel tragen, in denen man sich so wohlfühlt, dass man / frau sie am liebsten immer und jahrelang trägt, und die perfekt zu kombinieren sind. Die Stücke können somit lange und häufig getragen werden. Die Entwürfe vereinen klassisches Design mit fahrradtauglichen Elementen und hohem Tragekomfort: Jacken und Sakkos sind mit einer Golffalte im Ärmelbereich für mehr Bewegungsfreiheit im Rücken, etwas längeren Ärmeln und versteckten Lüftungselementen ausgestattet. Die Multifunktionalität der Kleidung ermöglicht den Kunden einen vielseitigen Gebrauch.

Alle Kleidungsstücke sind untereinander zu kombinieren, Farben, Schnitte finden sich immer wieder und garantieren eine Kombinationsfähigkeit zu jedem anderen Stück. Zum anderen ist das Design klar reparaturfreundlich ausgelegt. Die Schnitte sind so konzipiert, dass die Kleidung für RadfahrerInnen geeignet ist und meist länger getragen werden kann als handelsübliche Mode. Alle Hosen und Jeans haben eine vorverlegte Innennaht und zusätzlich eine Verstärkung im Schritt. Die gefütterte Verstärkung lässt sich problemlos mit einem mitgelieferten Repair-Kit auswechseln. Somit kann man jede Jeans und Hose sehr einfach reparieren und deren Lebensdauer essentiell verlängern.

Nach welchen Gesichtspunkten treffen Sie die Auswahl der Rohstoffe?

Die einzigartigen Designs sind hauptsächlich aus regionalen Geweben oder Bioqualitäten aus dem europäischen Raum gefertigt. So sind die Hemden aus GOTS-zertifizierten Leinen der Leinenweberei Vieböck und die Jacken aus einer Wolle/Leinen Mischung. Baumwolle wird ausschließlich in Bioqualität verwendet. Die Knöpfe werden in Wien im 23. Bezirk von Knopf Müller hergestellt, einem Traditionsbetrieb mit über 100 Jahren Erfahrung in der Produktion von Knöpfen und Accessoires. Mir ist wichtig, dass die Stoffe oder Rohstoffe aus Europa kommen und nicht unnötigerweise um die Welt gereist sind. Innerhalb Europas besteht auch die Sicherheit, dass gängige Richtlinien z.B. die REACH-Verordnung zum Schutz der menschlichen Gesundheit und der Umwelt eingehalten werden.

Worauf achten Sie bei der Herstellung?

Das Schneiderhandwerk ist ein sehr anstrengender und schweißtreibender Beruf. Es ist den Menschen oft nicht mehr bewusst, aus wie vielen Teile eine Jacke besteht und dass es sehr viel Gefühl und Know-How braucht, um all diese Teile sauber, richtig und schön zusammensetzen zu können. Ich möchte mit meinem Label auch das Schneiderhandwerk unterstützen und stärken. Dadurch dass die industrielle Fertigung in den letzten zwei Jahrzenten verstärkt in den asiatischen oder osteuropäischen Raum verlagert wurde, ist auch das Schneiderhandwerk ein aussterbender Berufsstand in Österreich. Nur noch wenige Fertigungsstätten mit langer Tradition sind übrig. Eine dieser Produktionsstätten fertigt in Krumbach Niederösterreich meine Modelle.

Wo kann man Ihre Mode beziehen und wie kann man mit Ihnen in Kontakt treten?

Im Augenblick verkaufe ich meine Modelle nur direkt über Messen wie WearFair und Events z.B. in Kooperation mit dem hochwertigen Fahrradeinzelhandel. Ich möchte meine Kunden kennen lernen, um ein besseres Verständnis für meine Zielgruppe zu bekommen und vor allem um meine Modelle zu optimieren. In erster Linie richte ich mich an eine urbane Bevölkerung, welche immer mehr das Rad nutzt bzw. an ein trend- und stilbewusstes Publikum, das großen Wert auf Nachhaltigkeit und handwerkliche Perfektion legt. In Zeiten des E-Bike-Booms können auch immer weitere Distanzen überwunden werden, ohne vollkommen verschwitzt im Büro anzukommen. Meine Mode kann dabei unterstützen, nachhaltige Mobilität in den Arbeitsalltag zu integrieren!

Vielen Dank für das Gespräch!

Mehr Infos gibt's unter:

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