Einkaufen – ganz ohne Verpackung © Unsplash

Unter der Lupe: Zero Waste

Mehr als 1,3 kg Abfall wirft jede/r von uns in Österreich pro Tag weg. Auf‘s Jahr gerechnet ist das ein ziemlich großer Müllberg. Die Gegenbewegung heißt: „Zero Waste“. Zahlreiche Blogger, Communities und sogar Städte haben sich ihr angeschlossen. Ihr Credo: reduce, reuse, recycle.

Beim Besuch im Supermarkt kaufen wir ihn in Form von Verpackungen mit, jeder Coffee-to-go im Einwegbecher oder jedes Plastiksackerl verwandelt sich nach Gebrauch in solchen: Abfall. Mit knapp 500 kg an Müll pro Jahr – das entspricht dem Gewicht eines Pferdes – , hinterlässt jede Österreicherin und jeder Österreicher einen großen Berg an weggeworfenen Überresten. Einen Großteil davon könn(t)en wir vermeiden. Wie sieht ein müllfreier Alltag aus? Und was kann jeder Einzelne von uns für ein Weniger an Abfall tun? Ein Blick hinter die Kulissen der „Zero Waste“-Bewegung.

Verpackungswahn aus Plastik

Man kennt das: ein klassischer Wocheneinkauf führt zu Bergen an Verpackungsabfällen. Oft werden Produkte mehrfach verpackt oder befinden sich in angeblich größeren Mengen in der „XXL-Riesenpackung“ . Insbesondere die Plastikschachteln, -hüllen und -folien bereiten vielen Menschen Kopfzerbrechen. Schätzungen zufolge wurden bisher rund 8,3 Milliarden Tonnen Plastik produziert, Tendenz: steigend. Der Erfolg ist insbesondere auf die vielfältige Einsatzbarkeit, lange Haltbarkeit und günstige Produktion zurückzuführen. Allerdings ist er auch wesentlich verantwortlich für ein globales Umweltproblem. Jeden Tag landen neue Müllberge an Plastik in unserer Natur, in den Meeren und Flüssen – und am Ende in unserer Nahrungskette.

Unverpackt und Umweltbewusst

Wie kann ein Alltag ganz ohne Verpackungen aussehen? Zum Beispiel, indem man den wöchentlichen Lebensmitteleinkauf auf den Markt verlegt. Die Vorteile liegen auf der Hand: man kauft nur die Menge, die man tatsächlich braucht, kann nachfragen und sich dadurch zusätzlich informieren und kann das gekaufte Obst, Gemüse, Nüsse etc. gleich im mehrfach nutzbaren Tragetaschen nach Hause bringen – ganz ohne Verpackungen.

Sogar ganze Supermärkte versuchen mittlerweile ihr Angebot verpackungsfrei anzubieten. Dazu zählen zum Beispiel „Lunzer’s Maß-Greißlerei“ oder „Der Greißler“ in Wien. Wie der Name schon sagt, besinnt man sich bei dem Konzept auf die Zeit der kleinen Läden um die Ecke, lange vor dem Verpackungs-Boom. Im Sortiment finden sich ausschließlich unverpackte Produkte, die auch mit Bio-Qualität punkten. Viele Lebensmittel wie Reis, Nudeln, Essig, Öl oder verschiedene Tees, werden in eigenen mitgebrachten Behältern abgefüllt. Getränke und Milchprodukte werden in Pfandflaschen angeboten, die nach dem Konsum einfach wieder zurückgebracht werden.

Die Trendsetter

Viele Blogger haben es sich zur Lebensaufgabe gemacht, wie man im Alltag Müll vermeiden kann. Zu den bekanntesten Trends zählt zum Beispiel das „Ein-Jahres-Glas“, d.h. in einem Jahr nur so viel Abfall zu hinterlassen, wie in ein Glas passt. So zum Beispiel Annemarie Miesbauer. Auf ihrem Blog „Ein Jahr im Glas“ erzählt sie, wie es möglich ist, nahezu alles an Müll zu vermeiden. Im Mittelpunkt steht dabei: das Einkaufen. Indem man vorab auf Verpackungen verzichtet, sammelt sich automatisch weniger Abfall an.

Eine weitere Pionierin der Zero Waste-Bewegung ist Bea Johnson. Die Franko-Amerikanerin lebt mit ihrer Familie seit Jahren müllfrei und hat mit ihrer 5 „R“-Methode viele zum gleichen Lebensstil inspiriert:

  • Refuse = Nicht annehmen und vermeiden

Um Müll zu vermeiden, sollte alles Ungewollte und Unnütze wie zum Beispiel Werbewurfsendungen oder Werbegeschenke gar nicht erst angenommen werden. Das spart Ressourcen, mindert die Nachfrage danach und seien wir uns ehrlich: wie viele gratis Kugelschreiber verwendet man eigentlich wirklich?

  • Reduce = Reduzieren

Im Laufe der Jahre sammeln sich viele Gegenstände im Haushalt an. Aber was und wie viel brauche ich? Eine große Aufräumaktion hilft, sich einen Überblick über alle Habseligkeiten zu verschaffen und sich von einigen Gegenständen zu trennen. Für die Zukunft kann man dann schon vorab überlegen, was man wirklich braucht und bei jedem Kauf berücksichtigen. Mehr zum Thema, wie ein einfaches Leben mit Verzicht möglich ist, gibt’s im „Minimalismus“-Beitrag.

  • Reuse = Wiederverwenden

Einkaufssackerl, Behälter oder Flaschen – „Mehrweg statt Einweg“, lautet die Devise. Der Tausch von Einwegartikeln zu Wiederverwendbaren hilft der Umwelt und schont den Geldbeutel. Dazu zählt auch die Second Hand Kleidung. Was für den einen nur noch Ballast ist, ist für den anderen vielleicht ein zukünftiges Lieblingsstück im Kleiderkasten.

  • Recycle = Wiederverwerten

Wenn die Erzeugung des Abfalls im Vorhinein nicht vermieden werden konnte, sollt man sich nach Recycling-Möglichkeiten umschauen. Wichtig ist dabei das richtige Trennen des Mülls. Nur so kann dieser wieder aufbereitet und als Rohstoff für neue Produkte verwendet werden.

  • Rot = Kompostieren

Nur biogene Abfälle kann die Natur gut verwerten - auch hier ist richtiges Sammeln und Sortieren gefragt und dann ab auf den Kompost oder in die Biotonne.

Communities als Multiplikator

„Zero Waste“-Communities sind maßgeblich für eine erfolgreiche Verbreitung des Müllvermeidungsansatzes in der Gesellschaft. Zahlreiche Ideen rund um das Leben ohne Müll werden beispielsweise auf der Plattform „Zero Waste Austria“ gesammelt. Dahinter steckt Helene Pattermann – Zero Waste-Botschaferin mit Leidenschaft. Seit 2015 arbeitet sie daran, die Zero Waste-Bewegung voranzutreiben, indem sie Akteurinnen und Akteure miteinander vernetzt, Veranstaltungen zum Thema organisiert und Müllvermeidungs-Projekten eine Plattform bietet. Mit dabei sind u.a. auch das StartUp Unverschwendet, die aus überschüssigem Obst und Gemüse Marmelade, Chutneys oder Sirupe zaubern. Mehr dazu gibt’s im News-Beitrag „Ideen gegen Lebensmittelverschwendung“.

Die „Zero-Waste-Stadt“

Eine japanische Stadt zeigt, dass „Zero Waste“ auch großangelegt funktionieren kann: in Kamikatsu im Süden Japans wird schon seit Jahren im großen Stil recycelt – und zwar in 45 unterschiedlichen Kategorien. Alle Einwohnerinnen und Einwohner trennen und sortieren ihre Abfälle zuhause und bringen diese dann zur lokalen Sammelstelle. Zudem gibt es auch ein eigenes Tauschgeschäft namens „Kuru-Kuru“, wo gebrauchte Gegenstände gegen andere nützliche Dinge eingetauscht werden können. Zu Beginn noch mit Skepsis begegnet, hat sich die Bevölkerung nun an das Recyclingsystem gewöhnt – mit Erfolg: bis heute erreicht Kamikatsu eine Recyclingquote von 80 Prozent. Ziel ist es, bis 2020 ganz müllfrei zu werden.

Müllfreie Welt

Mehr und mehr Menschen schließen sich der „Zero Waste“-Bewegung an, um unsere Welt vor den Unmengen an Müll zu beschützen. Auch wenn man den „Zero Waste“-Lebensstil nicht rigoros für sein eigenes Leben umsetzen möchte oder kann, kann jede kleine Umstellung Großes bewirken. Den Lebensmitteleinkauf auf dem Markt zu erledigen oder in einem verpackungsfreien Supermarkt einzukaufen ist immer ein Erlebnis – und minimiert zugleich unsere Abfallberge, eine Win-Win-Situation für uns und die Umwelt.

Quellen und weiterführende Links:

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