Grün(e Konzepte) auf der Straße © Pixabay

Unter der Lupe: Green Mobility in the City

Unsere Städte werden größer und größer. Das Resultat: wir brauchen neue Konzepte für unseren Verkehr. Denn noch nie hat sich das System der Mobilität in so einem evolutionären Umbruch befunden – insbesondere in urbanen Gebieten.

Bis 2030 werden fast zwei Drittel der Weltbevölkerung in Städten leben. Der Trend der ständig wachsenden Megacities bringt große Herausforderungen für die Verkehrs-, Stadt- und Umweltplanung. Wie können wir zukünftig die Infrastruktur noch effizienter und ökologisch verträglicher nutzen? Bewusst Kaufen hat sich die interessantesten Ansätze für eine nachhaltige Stadtmobilität genauer angesehen.

Vom Privatauto zum Gemeinschaftsauto

Immer noch eines der häufigsten Fortbewegungsmittel im städtischen Bereich, gilt gleichzeitig als das Ineffizienteste: das Auto. Rund 90 % der Zeit wird es nicht bewegt, die durchschnittlichen AutofahrerInnen kommen im Jahr auf nur 12.000 Kilometer. Städten machen die Blechlawinen besonders zu schaffen – Autos verursachen nicht nur Feinstaub und Emissionen, sondern nehmen auch enorm viel Platz in Anspruch.

Für viele liegt die Lösung dafür schon länger im Sharing-Gedanken: weg vom Besitz, hin zur gemeinsamen Nutzung. Laut einer Umfrage von Ford sehen insbesondere die Millennials (80er bis 2000er geborene Menschen) die geteilte Mobilität als wichtiges Fortbewegungsprinzip und jede/r Zehnte/r dieser Generation nutzt bereits Carsharingdienste – Tendenz steigend (siehe hierzu auch unseren Beitrag zur Sharing Economy).

Multimodal & Digital: mit wenigen Klicks von A nach B

Damit sich nachhaltige urbane Mobilitätskonzepte entfalten können, ist es notwendig, dass wir unsere Vorstellung von Fortbewegung von Grund auf überdenken. Der derzeit wichtigste Ansatz: Mit digitalen Apps am Handy kann man bereits seine gesamten Wege durch die Nutzung aller in einer Stadt zur Verfügung stehenden Verkehrsmittel, ob Taxi, Bus, Zug, Rad oder Car Sharing zurücklegen. In Helsinki wird dieses Modell einer „on-demand mobility“, eine Kooperation der Stadt mit Privatanbietern, bereits umgesetzt. Ziel ist es, dass man bis 2025 das eigene Auto nicht mehr benötigt.

Andere Mobilität-Apps wiederum leiten mit einem intelligenten Verkehrsleitsystem und mit Echtzeitdaten die VerkehrsteilnehmerInnen von den verkehrsgeplagten Gebieten in der Stadt auf die weniger frequentierten Strecken. Barcelona, Boston, Jakarta und Rio De Janeiro sind bereits Partnerschaften mit solchen Softwareanbietern eingegangen. Hierbei ist jedoch der sogenannte „Rebound“-Effekt nicht zu vernachlässigen. Das bedeutet, dass der Energieverbrauchaufgrund einer Effizienzsteigerung  ansteigt. Zum Beispiel: wenn Verkehrsleitsysteme intelligenter werden und die AutofahrerInnen somit effizienter und schneller von A nach B kommen, könnten wiederum mehr Autos angeschafft werden. Dies würde nicht dem eigentlichen Ziel entsprechen, ohne Autos auszukommen, sondern sogar den gegenteiligen Effekt mit sich bringen.

Mobil Denken: Städteplanung von morgen

Grüne Mobilität heißt aber vor allem auch städteplanerisch innovativ zu sein – auch in Bezug auf öffentliche Verkehrsmittel, Fuß- und Radstrecken. Mit der Entlastung etablierter öffentlicher Verkehrslinien (durch Taktung), der Schaffung von zusätzlichen Stationen (durch U- und Straßenbahnausbau) oder der Adaptierung von Kapazitäten (mehr Stehmöglichkeiten in Straßenbahngarnituren) entlang der starkfrequentierten Hauptrouten, arbeiten Städte schon länger an grundlegenden Voraussetzungen, um die Herausforderungen von wachsenden Metropolen zu meistern.

Europa, Asien, Südamerika – Beispiele für neuere Ansätze und Zugänge:

  • In Chengdu, einer chinesischen Stadt mit rund 14 Millionen EinwohnerInnen, entsteht zum Beispiel gerade ein neuer Stadtteil, der so konzipiert ist, dass die rund 80.000 BewohnerInnen in 15 Minuten zu Fuß an alle Orte des Viertels gelangen können.
  • In Wuppertal wird gerade der Bau einer Seilbahn vom Hauptbahnhof zur Universität geprüft. Die Bahn wird dort als Projekt zur Erweiterung des öffentlichen Personennahverkehrs gesehen und aufgrund der Topografie als Alternative zu einer normalen Buslinie diskutiert. In der bolivianischen Hauptstadt La Paz helfen ebenfalls Seilbahnen, die Bevölkerung zu befördern. Bis 2019 soll das Gondel-Netz bereits 30 km lang sein.
  • Bessere Einbindung des Umlandes: Seit in Nürnberg im Jahr 2008 die erste fahrerlose Bahnlinie in Betrieb genommen wurde, sind einige weitere Städte auf den Zug aufgesprungen, u.a. in Barcelona, Sao Paulo oder Paris und bringen die BürgerInnen aus der Umgebung in die Stadt.
  • Die dänische Hauptstadt Kopenhagen ist bekannt für ihr weitreichendes Fahrradnetz. Ca. 62 % Prozent der BewohnerInnen sind in der Stadt am Sattel unterwegs. Aufgrund zahlreicher Bemühungen der Stadt, konnte sich Kopenhagen in den letzten Jahren erfolgreich als „Fahrradhauptstadt“ etablieren. Es wird laufend mehr Platz für RadfahrerInnen (und FußgängerInnen) geschaffen und breite Radwege auf beiden Seiten der Fahrbahn machen das Radeln in der Stadt attraktiv.

Elektro im Vormarsch?

Das Thema elektrischer Antrieb, insbesondere, wenn es um private PKW geht, befindet sich fast täglich in den Schlagzeilen. Für viele scheint es die Lösung zu sein, um endlich vom Öl wegzukommen. Auch die Zahlen in Österreich zeigen einen Aufwärtstrend. Wurden 2016 noch rund 9.000 E-Auto zugelassen, waren es Ende 2017 bereits 14.600 Fahrzeuge. Damit zählt Österreich im Vergleich zu anderen EU-Ländern zu jenen Ländern mit dem höchsten Anteil von reinen E-Autos bei den Neuzulassungen. Eine wesentliche Rolle spielt die Energieversorgung der Fahrzeuge. Mit einem Anteil von über 75 Prozent erneuerbarer Energie an der gesamten Stromerzeugung ist Österreich hierfür sehr gut aufgestellt.

Es gibt allerdings noch viele Gründe, warum sich viele KäuferInnen gegen Elektro-Autos entscheiden: Zu wenig Reichweite, zu lange Ladezeiten und zu teuer – das heißt, es gibt noch einiges zu Optimieren. An der TU Graz wurde kürzlich ein Konzept präsentiert, dass schnelles Aufladen mit automatisiertem Parken kombiniert. Hilfe beim „Tanken“ soll es von einem Roboter-Tankwart geben. Für Wien ist der Einsatz für sieben große Elektrobusse geplant. Ende 2018 wird der erste E-Bus, der rund 12 Meter lang ist, in Wien unterwegs sein. Geladen werden die Fahrzeuge durch einen Stromabnehmer am Dach des Busses.

Der lange Weg zum autonomen Fahren

Selbstfahrende Autos werden ein immer wahrscheinlicheres Szenario unseres zukünftigen Alltags. Das reduzierte Unfallrisiko ist eines der stärksten Argumente für autonomes Fahren. Mit Hilfe von Videokameras, Ultraschall, Radar- und Laserscanner sowie zahlreichen Sensoren scannen sie permanent das Verkehrsgeschehen und passen sich daran an. Die ersten Tests in den USA oder in Deutschland sind am Laufen, werden jedoch von Zwischenfällen und Pannen überschattet. Probleme stellen derzeit noch Extremsituationen dar, wie schwere Regen- oder Schneefälle, Abendlicht oder unvorhersehbares Verhalten der anderen VerkehrsteilnehmerInnen.

Verkehrskonzepte der Zukunft

Wie immer in Zukunft unsere Mobilität aussehen wird – es zeichnet sich ab, dass sich unsere gewohnten Formen der Fortbewegung radikal verändern werden. Von selbstfahrenden (E-)Autos und führerlosen Zügen, Mobilitätsapps oder Seilbahnen als öffentliche Verkehrsmittel – vieles davon ist schon in Erprobung, weitere Ideen für innovative Konzepte warten auf Realisierung. Nicht neu, jedoch immer noch bewährt: Auto stehen lassen, auf’s Rad schwingen, Öffis nützen oder den Genuss des Gehens wieder entdecken.

Quellen und weitere Informationen:

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