Obst im Plastiksackerl © Unsplash

Verpackung neu gedacht

Weltweit werden jährlich 240 Millionen Tonnen Plastik produziert. Verpackungen machen davon etwa ein Drittel aus und verursachen große Mengen an Abfällen. Warum Bio-Gemüse trotzdem in Plastik verpackt wird und welche Verpackungs-Innovationen dazu beitragen, den Müllberg zu reduzieren...

Für umweltbewusste Verbraucher unverständlich und ärgerlich zugleich: häufig liegen ausgerechnet biologisches Obst und Gemüse in Plastik eingeschweißt im Supermarktregal. Allerdings gibt es dafür auch einen Grund: Jedes biologische Produkt unterliegt einer Kennzeichnungspflicht und soll eine klare Unterscheidbarkeit zu konventionellen Lebensmitteln haben. Dabei wird die kleinere Menge – also größtenteils die biologische Ware – meist in Plastikverpackungen angepriesen, da weder Banderolen noch Aufkleber praxistauglich sind. Auch stärkebasierte Verpackungsprodukte sind nicht unbedingt nachhaltiger da diese sich oft nur sehr langsam zersetzen. Dabei gibt es gute Alternativen.

Nachhaltige Innovationen gegen Verpackungsmüll

Der beste Weg um die ökologischen und gesundheitlichen Auswirkungen von Verpackungsmaterialien so gering wie möglich zu halten ist es schlichtweg, so wenig Verpackungsmaterial wie möglich anfallen zu lassen. Eine Lösung für das Verpackungsproblem im Einzelhandel ist etwa ein neues Verfahren, das eine umweltschonende Beschriftung von Obst und Gemüse mithilfe eines Lasers ermöglicht. Beim sogenannten Natural Branding erfolgt die Kennzeichnung unmittelbar auf dem Produkt, ohne Verpackungsmaterialien oder Etiketten. Mit einem Laser wird die oberste Pigmentschicht der natürlichen Schale entfernt und dabei der gewünschte Schriftzug eingebrannt. Das Verfahren ist in Australien bereits seit 2009 erprobt und immer mehr Einzelhändler sind auch hier an der Technik interessiert.

Doch nicht nur die neue Lasertechnologie macht den Plastikverpackungen Konkurrenz. Für nachhaltige Verpackungsalternativen eignen sich besonders Materialien, die aus Abfallprodukten hergestellt werden. So können beispielsweise aus Holzfasern Zellulose erzeugt werden. Die österreichische Erfindung des Zellulose-Netzes eignet sich bestens für Obst und Gemüse und zu 100 % abbaubar.

Ein weiteres preisgekröntes natürliches Abfallprodukt ist das Stroh. Anstatt umweltschädliches Styropor zum Kühlen zu verwenden, werden in Form gepresste Strohplatten eingesetzt, die eine genauso gute isolierende Eigenschaft haben wie Styropor. Styropor braucht hingegen Jahrhunderte um sich zu zersetzen und wird weltweit aber nur zu 1 % recycelt. Eine andere noch nicht ganz marktreife, aber geniale Idee stammt von dem isländischen Studenten Ari Jóhnson, der eine plastikfreie Wasserflasche aus Rotalgenpulver und Wasser entwickelt hat, die sich selbst zersetzt sobald die Flasche nicht mehr mit Wasser befüllt ist.

Optimierte Verpackungen und die Haltbarkeit

Nachhaltige Verpackungsalternativen boomen. Aber auch optimierte Verpackungen erzeugen fast immer ökologische Vorteile, weil der Nutzen von vermiedenen Lebensmittelabfällen deutlich höher ist als der Aufwand der Verpackungsproduktion. Das kann aber auch für Verpackungen aus Plastik gelten, lt. einer Studie der denkstatt: Der Plastikstrumpf bei Gurken wird häufig kritisiert, kann aber die Haltbarkeit erheblich verlängern. So hält eine Salatgurke unverpackt etwa drei Tage frisch. Verpackt behält die Gurke ihre Frische für rund 20 Tage. Dadurch kann auch die Abfallrate im Handel durch die Folie um 50 % reduziert werden. Die unverpackte Variante schneidet dann besser ab, wenn es sich um saisonale und regionale Feldgurken mit geringen Transportwegen handelt. Die Mindesthaltbarkeit eines eingeschweißten Beiried Steaks verlängert sich von 6 auf 16 Tage. Der CO2-Fußabdruck ist dabei um 200 mal größer als jener der Verpackung. Generell sollte ein hochwertiges Produkt durch eine hochwertige Verpackung geschützt werden.

Wiederverwertung

Ein grundsätzliches Problem beim Verpackungsmüll liegt in der Wegwerfkultur und in der mangelnden Wiederverwertung. Die Mülltrennung wird viel zu nachlässig betrieben. Nur ein Drittel des Plastiks in Österreich wird recycliert. Dafür gibt es zwei Gründe: die mangelhafte Trennung des Plastikmülls und zu wenig Abnehmer für recycliertes Plastik. Hier braucht es Investitionen, um den Einzelhandel und die Verbraucher besser zu erreichen.

Der Selbstversuch für ein verpackungsfreieres Leben Bea Johnson, die Erfinderin der „Zero Waste“ Bewegung hat es mit der 5 „R“ Regel auf den Punkt gebracht: „Refuse – Reduce – Reuse – Recycle – Rot“ (mehr dazu, siehe auch unseren Unter der Lupe Beitrag "Zero Waste"). Mit dieser Haltung und einigen Tipps für den Alltag kann jede/r in den eigenen vier Wänden zu einem nachhaltigeren Umgang mit Verpackungsmüll beitragen:

  • Einkaufskörbe und Stofftaschen statt Plastiksackerl verwenden
  • Mehrweg- statt Einwegprodukte kaufen
  • Nachfüllpackungen und Konzentrate bevorzugen
  • Statt Frischhalte- oder Alufolie praktische Bienenwachstücher verwenden
  • Trinkflaschen und Aufbewahrungsboxen aus Edelstahl oder Glas verwenden
  • Milchprodukte in Mehrweg-Gläsern und Flaschen kaufen
  • Einkaufen am Markt
Quellen:


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