Installation Lunar Lander & Citizen Socket © tatwort

KLIMAWANDEL!-Ausstellung

Im Rahmen der VIENNA BIENNALE FOR CHANGE 2019 wurde die Ausstellung "KLIMAWANDEL! Vom Massenkonsum zur nachhaltigen Qualitätsgesellschaft" im MAK - in Kooperation mit dem Bundesministerium für Nachhaltigkeit und Tourismus (BMNT) - realisiert.

Im Rahmen der VIENNA BIENNALE FOR CHANGE 2019 wurde die Ausstellung "KLIMAWANDEL! Vom Massenkonsum zur nachhaltigen Qualitätsgesellschaft" im MAK - in Kooperation mit dem Bundesministerium für Nachhaltigkeit und Tourismus (BMNT) - realisiert. Mit teils sehr konkreten, teils experimentellen Installationen zeigt das Designtrio von EOOS auf, welchen Beitrag Transformationsdesign im Kampf gegen den Klimawandel leisten kann.

1. LUNAR LANDER - Strom aus Urin

Lunar Lander von EOOS lässt Mikroben im Urin, der über ein Urinal gesammelt wird, in Strom umwandeln. Die transformative Technologie wurde vom Bristol Robotics Lab an der University of West England entwickelt, um Bio-Roboter autark mit Energie aus biologischen Nährstoffen zu betreiben. Für eine Kilowattstunde Energie braucht es 85 Liter Urin. Zum Vergleich: Wenn beispielsweise alle BesucherInnen des Donauinselfestes die Toilette benutzen und insgesamt rund 350 ml Urin hinterlassen, ergibt das eine Gesamtmenge von rund 1 Mio. Liter Urin. Daraus ließe sich genügend Energie gewinnen, um 30 Mio. Stunden telefonieren zu können.

Mit der Mondlandefähre Lunar Lander (2018) von EOOS soll deutlich gemacht werden, dass das Nutzen natürlicher Ressourcen keine technologische, sondern eine gesellschaftspolitische Fragestellung ist.

2. KITCHEN COW - Energie aus Küchenabfällen

Das spekulative Designprojekt Kitchen Cow / Küchenkuh (2019) untersucht die Möglichkeit, aus Nahrungsabfällen wieder Energie zum Kochen zu produzieren. Die Werkbank besteht aus einem Trichter, in dem Nahrungsabfälle, aber auch heißes Kochwasser eingefüllt werden. Über eine Kurbel wird die Nahrung zerkleinert und gelangt über eine Art Speiseröhre in einen „gläsernen Magen“. Der Fermenter erzeugt aus den Bioabfällen schließlich Biogas, das in einem Biogasspeicher gesammelt und dann wieder zum Kochen verwendet werden kann.

3. GREENFREEZE 2 - Modulares Kühlschrank-System

Der Kühlschrank Greenfreeze 2 wartet über wesentliche ökologische Verbesserungen im Vergleich zu herkömmlichen Kühlschränken auf: Das Kühlaggregat ist modular und einfach zu tauschen oder durch eine neuere Technologie zu ersetzen. Eine Umstellung der Wirtschaft auf nachwachsende Rohstoffe (Bioökonomie) wird durch die Verwendung von Holz und Schafwolle als Bauelemente für den Korpus vorgezeigt. Die in KLIMAWANDEL! gezeigte Variante besteht aus drei Elementen für frische Lebensmittel, länger haltbare Lebensmittel und einer Box für Getränke, die durch eine Klimaschleuse verbunden sind. So können nicht verwendete Elemente energiesparend vom Strom getrennt werden. Greenfreeze 2 passt sich damit auch den veränderten Lebensbedingungen an.

Greenfreeze 2 basiert auf einem 1991 entwickelten Prototypen eines FCKW- und FKW-freien Kühlschranks initiiert von Greenpeace und stellt mit den Modulen nun eine weitere Zukunftsvision dar.

4. SOCIAL VEHICLE + POWER PLANT - Elektro-Leichtfahrzeug mit Solar-Modul

Das von EOOS entwickelte SOV – Social Vehicle (2018–) ist ein kompaktes Elektro-Leichtfahrzeug mit drei Sitzplätzen, das mit einer „Open Design“-Lizenz in kleinen, lokalen Werkstätten gebaut, verbessert und repariert werden kann. Der Ressourcenverbrauch in der Herstellung beträgt gerade ein Zehntel von dem eines durchschnittlichen Mittelklassewagens. Das Projekt befindet sich in einem offenen Entwicklungsprozess und wird über die Dauer der Ausstellung in einem partizipativen Designprozess weiterentwickelt.

Für das SOV hat EOOS ein Solar-Erweiterungsmodul entwickelt, das über das Dach und die Frontscheibe des Fahrzeugs geklappt werden kann und so in der nicht genutzten Zeit Strom generiert. Das SOV wird in Sonnenkorridoren geparkt und richtet sich – wie ein Heliostat – stets nach der Sonne. Das Kraftwerk (2019) versorgt das SOV mit ausreichend Energie für die täglichen innerstädtischen Fahrten.

5. CITIZEN SOCKET - Temporäre Stromtankstellen im öffentlichen Raum

Fehlende Infrastruktur für das Laden von Elektromobilen verlangsamt den Übergang zu einer von Erdöl und Erdgas freien Mobilität. Die BürgerInnen-Steckdose Citizen Socket (2019) ist ein Designprojekt, bei welchem BürgerInnen temporäre Stromtankstellen im öffentlichen Raum organisieren können. Mit Hilfe einer sogenannten Wallbox, die mit einer Software betrieben wird und alle Citizen Sockets miteinander verbindet, kann ein Starkstromkabel in den öffentlichen Raum verlegt und temporär eine Stromtankstelle ermöglicht werden. Die Verrechnung erfolgt über das Peer-to-Peer Netzwerk, die Nutzungsbedingungen sowie ein fairer Preis werden unter den PlattformbetreiberInnen ausgehandelt.

Mehr zu den Hintergründen der Installationen findet ihr im News-Beitrag zum Interview mit Harald Gruendl, einem der drei EOOS Masterminds.

Im Laufe der Ausstellung hat Bewusst Kaufen im Juli 2019 ein Voting der Installationen durchgeführt, dabei wurde "LUNAR LANDER" als Gewinner gekürt.

VIENNA BIENNALE FOR CHANGE 2019

Die KLIMAWANDEL!-Ausstellung im Rahmen der "VIENNA BIENNALE FOR CHANGE 2019: Schöne neue Werte. Unsere Digitale Welt gestalten" läuft noch bis 6. Oktober 2019. Mehr Informationen gibt's auf der Website www.viennabiennale.org.

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