Unsere Lebensmittel sind kostbar © Unsplash

Initiativen gegen Lebensmittelverschwendung

1,3 Milliarden Tonnen Lebensmittel werden jährlich weggeworfen oder sind Verluste entlang der Wertschöpfungskette. Das entspricht rund einem Drittel aller weltweit produzierten Lebensmittel. Doch mehrere Initiativen haben dieser Lebensmittelverschwendung den Kampf angesagt.

Die Vermeidung von Lebensmittelabfällen - so lautet das gemeinsame Ziel zahlreicher Initiativen in Österreich. Ob Smartphone-App, Website oder Sharingkooperativen - es gibt viele Varianten und jede/r Einzelne kann einen Beitrag dazu leisten.

Auf den Teller statt in die Tonne

Seit 2015 gibt es das Konzept "Too Good to go" gegen Lebensmittelverschwendung, welches ursprünglich in Dänemark gestartet wurde, und seit August 2019 nun auch in Österreich verfügbar ist. Mithilfe der gleichnamigen App können Gastronomiebetriebe ihre Lebensmittel kurz vor Ladenschluss für einen reduzierten Preis an Selbstabholerinnen und Selbstabholer verkaufen, anstatt sie wegzuschmeißen. Die Nutzerinnen und Nutzer können damit schauen, welche übriggebliebenen Speisen von Unternehmen billiger verkauft werden. Gemäß dem Motto "Auf den Teller statt in die Tonne" arbeitet Too Good to go weltweit schon mit über 25.000 Restaurants, Cafés, Bars und Supermärkten zusammen.

Initiative "Lebensmittel sind kostbar!"

Egal ob Brot und Gebäck, Milchprodukte, Obst, Gemüse, Fleisch- oder Wurstwaren: Jährlich landen in Österreich rund 157.000 Tonnen verpackter und unverpackter Lebensmittel und Speisereste im Restmüll. Die Gründe hierfür sind unterschiedlich: Entweder wird zu viel und zu unüberlegt eingekauft, die Ware wird falsch gelagert und verdirbt zu Hause oder übriggebliebene Reste werden nicht verwertet. Lebensmittel im Abfall sind ein ethisches, aber auch wirtschaftliches und soziales Problem mit enormen Auswirkungen auf unsere Umwelt.

Qualitativ hochwertige, sichere und leistbare Lebensmittel sind wesentliche Grundelemente für ein lebenswertes Österreich. Die Sicherung dieser Lebensgrundlagen hat deshalb einen zentralen Stellenwert - aus diesem Grund hat das Bundesministerium für Nachhaltigkeit und Tourismus (BMNT) „Lebensmittel sind kostbar!“ gestartet. Die Initiative möchte aufklären, informieren und Bewusstsein für die Wertschätzung von Lebensmitteln schärfen.

Foodsharing und Foodcoops

foodsharing ist vernetzt Privathaushalte miteinander und zielt darauf ab, Überschüsse im Netzwerk weiterzugeben statt wegzuwerfen. Personen bieten über die Website „Essenskörbe“ an, die von Interessierten abgeholt werden. Auch Fair-Teiler sind eine Möglichkeit, Essen einfach weiterzugeben. Dabei handelt es sich um Kühlschränke oder Depots, bei denen man überzählige Lebensmittel abgeben bzw. abholen kann. Bei FoodCoops schließen sich gleich mehrere Personen und Haushalte zusammen, die selbstorganisiert meist biologische Produkte direkt von lokalen Bauernhöfen, Gärtnereien, Imkereien & Co.beziehen.

United Against Waste

United Against Waste wurde im Jahr 2014 in Form einer branchenübergreifenden Plattform ins Leben gerufen. Gemeinsam verfolgen Unternehmen aus dem Food Service Markt sowie Bund, Länder, Wissenschaft und NGOs ein ambitioniertes Ziel: Die vermeidbaren Lebensmittelabfälle in Küchenbetrieben sollen bis zum Jahr 2030 um die Hälfte reduziert werden.

Etwa 175.000 Tonnen vermeidbare Lebensmittelabfälle im Warenwert von 320 Millionen Euro werden in österreichischen Betriebskantinen, Gesundheitseinrichtungen, Hotels und Restaurants jährlich entsorgt. Diese Hochrechnungen basieren auf detaillierten Abfallerhebungen, die United Against Waste (UAW) 2014 und 2015 gemeinsam mit dem Institut für Abfallwirtschaft der BOKU Wien und der FH Oberösterreich durchgeführt hat. Dabei wurden Mengen und Ursachen von Lebensmittelabfällen in mehr als 50 heimischen Küchenbetrieben wissenschaftlich untersucht. Nicht aufgegessene Schnitzel, unangetastete Beilagen oder nicht ausgegebene Speisen – viele Abfälle und die damit verbundenen Kosten und Umweltwirkungen sind vermeidbar. Um das Einsparpotenzial beim Lebensmittelabfall zu nutzen, unterstützt UAW Küchenbetriebe mit einem umfangreichen Informations- und Serviceangebot.

Tipp: von 14. bis 20. Oktober 2019 findet unter dem Motto "Nix übrig für Verschwendung" die Aktionswoche von United Against Waste statt. An mehr als 150 Großküchenstandorten von Vorarlberg bis Wien werden Gäste, PatientInnen und HeimbewoherInnen mittels Tisch- und Buffetaufsteller, Flyer, Poster, Roll-Ups und Slide-Shows zum Thema Lebensmittelabfallvermeidung in der Gemeinschaftsverpflegung sensibilisiert. Begleitet wird die Bewusstseinskampagne von betriebsinternen Aktionen wie zum Beispiel vergünstigte „Restlmenüs“, ein Foto-Gewinnspiel und Presseevents mit Auszeichnung besonders engagierter KüchenleiterInnen.

Einkaufstipps

  • Erst planen, dann einkaufen. Wer nur kauft, was benötigt wird, wirft auch weniger weg. Vor dem Einkauf lohnt es sich daher, die Vorräte und den Inhalt des Kühlschrankes zu kontrollieren. Auf dieser Basis lassen sich ein Speiseplan für die kommenden Tage und eine Einkaufsliste erstellen. An diese Liste sollte man sich nach Möglichkeit halten. Um Impulskäufe zu vermeiden, ist es sinnvoll, nicht spontan und nicht hungrig in den Supermarkt zu gehen.
  • Achten Sie auf die richtige Menge. Aktionsangebote und Multipacks verlocken dazu, größere Mengen zu kaufen, als man braucht. Hinterfragen Sie solche Angebote daher kritisch und wählen Sie stets die benötigte Packungsgröße. Eine Möglichkeit, ganz genau nach Bedarf einzukaufen, bieten verpackungsfreie Supermärkte, die es mittlerweile in Graz, Innsbruck, Linz und Wien gibt.
  • Geben Sie „Außenseitern" eine Chance. In der EU gelten Vermarktungsnormen für eine Reihe landwirtschaftlicher Erzeugnisse. Ihre Einhaltung gewährleistet die Verzehrbarkeit, die Sortierung nach Klassen und Größen und die Preiswürdigkeit der Erzeugnisse und dient damit dem Verbraucherschutz. Das bedeutet aber gleichzeitig, dass Obst und Gemüse mit einem optischen Makel seltener in den Handel gelangt. Grund ist der hohe Anspruch der KundInnen: Was nicht makellos aussieht, bleibt liegen und wird entsorgt. Mittlerweile sind solche „Außenseiter" in einigen Supermärkten zu finden, denn auch „nicht so schöne Früchte oder Gemüse" dürfen verkauft werden, sofern die allgemeine Vermarktungsnorm oder die Klasse II eingehalten ist. Mit steigender Nachfrage wird auch stetig mehr „individuelles" Obst und Gemüse angeboten werden - entscheiden Sie sich daher möglichst häufig für „Außenseiter".
  • Befassen Sie sich mit der Herkunft Ihrer Lebensmittel. Wer weiß, woher die Nahrungsmittel stammen und wie viel Mühe hinter ihrer Produktion steht, wird automatisch weniger wegwerfen. Dafür gibt es viele Möglichkeiten - ob man selbst einen Gemüsegarten bewirtschaftet, einige Pflanzen auf dem Balkon oder dem Fensterbrett zieht, oder einer Lebensmittelkooperative beitritt und die Nahrungsmittel direkt von den ProduzentInnen bezieht.

Quellen und weitere Informationen:

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