Trashdesign

THEMENSPECIAL: Fairer Schmuck

Wer Schmuck kauft, will sich selbst oder jemand anderem damit eine Freude machen. Dass es auch bei Schmuck Produkte mit nachhaltigem Mehrwert gibt, bei deren Produktion ökologische und soziale Aspekte berücksichtigt werden, ist vielen nicht bewusst.

Daher gibt es besonders auch in diesem Bereich neben Lebensmitteln, Textilien, Handwerk, etc. einen großen Handlungsbedarf.

Recyclingschmuck - Die nachhaltige Alternative

Interview mit Silvia Schweiger, T.D.M (Trash Design Manufaktur) Wien - zum Interview

Derzeit bieten erst wenige Geschäfte verantwortungsvoll produzierten und fair gehandelten Schmuck an. Wer beim nächsten Kauf von Schmuck nach der Herkunft und sozialen Verträglichkeit oder einem Zertifikat fragt, kann bereits einen kleinen Beitrag zum Umdenken in der Schmuckindustrie leisten.

Was versteht man unter nachhaltigem Schmuck?

Nachhaltiger Schmuck bedeutet:

  • Produktion ohne Ausbeutung von Menschen
  • Faire Entlohnung
  • Keine Zwangsarbeit
  • Frei von Kinderarbeit, Korruption und Konflikten
  • Herkunft/Materialgewinnung aus legaler Produktion/legalem Abbau/legalem Handel
  • Enthält keine Schwermetalle
  • Umweltschonende und ökologisch verträgliche Produktion

Ökologische und soziale Folgen

Die Gewinnung von Edelmetallen wie Silber und vor allem Gold zieht vielfach katastrophale Schäden bei Natur und Mensch nach sich. Durch die Gewinnung der Rohstoffe geraten bei sorglosem Umgang Chemikalien wie Zyanid und Quecksilber in die Flüsse und vergiften damit Pflanzen, Menschen und Tiere.

Um Gold abzubauen, werden u.a. riesige Mengen von Gestein abgebaut und zermahlen. Die Goldgruben sind oft mehrere hundert Meter tief und das eindringende Wasser muss künstlich abgepumpt werden. Dieses Verfahren kann beispielsweise den Grundwasserspiegel derart absenken, dass die lokale Trinkwasserversorgung der Bevölkerung gefährdet wird.

In Brasilien wird das Gold aus Sekundärlagerstätten gewonnen, dabei handelt es sich um goldhaltige Erdschichten, die sich vor langer Zeit in Flussniederungen abgelagert haben und nun zum Großteil wieder mit Regenwald bewachsen sind. Um an das Gold zu kommen, wird der Regenwald abgeholzt. Dabei geht der Lebensraum der Ureinwohner sowie der Tier- und Pflanzenwelt unwiederbringlich verloren.

Gewonnen in Afrika, geschliffen in Indien

Jeder fünfte Diamant kommt vom Schwarzmarkt. In Ländern wie Angola, Sierra Leone, Liberia oder im Kongo tragen die so genannten Blutdiamanten zur Finanzierung von Waffenimporten bei. Die ArbeiterInnen werden ausgebeutet und Kinderarbeit steht an der Tagesordnung. Laut Fair Trade in Gems and Jewelery arbeiten rund 13 Millionen Menschen im so genannten Kleinbergbau. Dort werden die Rohstoffe per Handarbeit gewonnen. Jährlich werden Rohdiamanten im Wert von rund 1,5 Millionen Euro gehandelt - die ArbeiterInnen  sehen davon wenig und leben in großer Armut in den rohstoffreichen Gebieten.

In Bombay und Surat werden rund 80 Prozent der weltweit gewonnenen Diamanten auf ausbeuterische Art geschliffen, damit sie dann in unseren Juwelierauslagen die Augen zum Leuchten bringen. 16 Stunden täglich arbeiten eine Million Menschen für jeweils weniger als einen Euro pro Tag in dunklen Verschlägen ohne ausreichend Licht oder Belüftung. Sie atmen ätzende Chemikalien und Diamantenstaub ohne schützende Atemmasken o.Ä. ein. Gesundheitliche Schäden wie Haut- und Schleimhautverätzungen, Seh- und Nierenfunktionsstörungen, Tuberkulose, Atemwegserkrankungen und Haltungsschäden sind die Folge.

Labels für fairen Schmuck

EZA Fairer Handel

Seit über 30 Jahren setzt sich die EZA als Importorganisation für einen gerechteren Nord-Süd-Handel ein. Eine transparente Wirtschaftsweise, die hohe soziale und ökologische Standards als wichtige Bestandteile der Produktqualität begreift, ist die Basis.

fair  & green

Fair Trade in Gems und Jewelery  ist eine Initiative, die fairen Handel mit Edelmetallen und Edelsteinen etabliert und fair produzierten Schmuck mit dem Label fair & green kennzeichnet.  Mit dem fairen Handel werden Kleinproduzenten in Entwicklungsländern unterstützt, so dass sie ihre Waren zu einem angemessenen Preis verkaufen können und keine hohen Summen an Zwischenhändler verlieren. „Green“ bedeutet, dass die Edelmetalle von Kleinbergbaukooperativen stammen, die die Förderung auf saubere und ökologische Verfahren umgestellt haben: kein Zyanid- und Quecksilbereinsatz, nur Schwerkrafttrennung, das bekannte "Goldwaschen". Die ökologische und soziale Situation in den Dörfern wird damit verbessert. Voraussetzung für die Zertifizierung ist, dass:

  • es sich um legal konstituierte Kleinproduzenten handelt, die basisdemokratisch organisiert sind
  • die Produkte in umweltgerechter und sozialverträglicher Weise gewinnen

GEPA Fair

Seit fast 35 Jahren steht GEPA für einen sozialen und umweltverträglichen Handel. Ihre Partner sind Produzentinnen und Produzenten in über 150 Genossenschaften und Vermarktungsorganisationen in Afrika, Asien und Lateinamerika. Von ihnen werden zu fairen Preisen und Konditionen Lebensmittel, Handwerk (u. a. Schmuck) und Textilien bezogen.  Die Produkte sind z. B. in den Weltläden erhältlich.

Mit dem GEPA Label gekennzeichnete Produkte tragen zur Verbesserung der Lebens- und Arbeitsbedingungen von Menschen vor allem im Süden bei, durch:

  • Zahlung fairer Preise, die die Produktionskosten decken und darüber hinaus Spielraum für Entwicklungsaufgaben lassen
     
  • Langfristige und verlässliche Handelsbeziehungen
     
  • Förderung von ökologischem Anbau
     
  • Beratung der Handelspartner vor Ort
     
  • Vorfinanzierung und Kredite bei Bedarf
     
  • Verzicht auf den Einsatz von Gentechnik
     
  • Ausschluss ausbeuterischer Kinderarbeit
     

Ausblick:


Edelmetalle

Beim Handel mit Edelmetallen wie Gold und Silber wurde bisher noch kein verpflichtendes, international anerkanntes Gütezeichen zum Nachweis der ökologischen und sozialverträglichen Herkunft etabliert. Es gibt jedoch Initiativen wie EZA, Fair Trade in Gems und Jewelery und GEPA Fair, die sich dafür einsetzen und bereits Schmuck mit nachhaltigem Mehrwert anbieten.

Diamanten

Seit dem Kimberley Abkommen gibt erste internationale Bemühungen: 49 Staaten, die sich beteiligen, dürfen nur Diamanten handeln, für die offizielle Herkunftszertifikate des Ursprungslandes vorliegen. Eine entsprechende UNO-Resolution und die EU-Verordnung (EG) Nr. 2368/2002 des Rates vom 20. Dezember 2002 regeln die Umsetzung des Zertifikationssystems des Kimberley-Prozesses für den internationalen Handel mit Rohdiamanten in den einzelnen Mitgliedsstaaten.

Problematik

Die Bestimmung der Herkunft bei Diamanten ist schwierig, da die Zertifikate oft gefälscht sind.

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Leserkommentare (1)

Profilbild: Lieselotte Türkmen-Barta
Lieselotte Türkmen-Barta
05.06.2010 / 10:51

Obwohl ich viel mit Schmuck zu tun habe, habe ich mir bisher nie Gedanken gemacht, dass z.B. der Goldabbau der Umwelt schaden könnte. Dafür ist es eben wichtig, dass es Organisationen gibt, die sich mit allen diesen Fragen befassen und den KonsumentInnen die Augen öffnen.
Herzliche Grüße
L. Türkmen-Barta

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