Waldviertler

Waldviertler - der österreichische Schuh

Sarah Pfleger von Waldviertler erzählt im Interview mit bewusstkaufen.at, was hinter der Produktion der Waldviertler-Schuhe steckt.

  • Wie entstand die Idee, nachhaltige Schuhe zu produzieren? Was ist die Motivation dahinter?

1983 traf sich Heini Staudinger mit Karl Immervoll, einem Betriebsseelsorger, der bis heute für das Obere Waldviertel zuständig ist. Sie besprachen die Lieferantenprobleme, die für GEA immer gravierender wurden. Da es im Waldviertel eine unglaubliche Arbeitslosigkeit gab, entstanden 1983 die ersten Pläne für eine eigene Schuhwerkstätte und 1984 wurde die Waldviertler Schuhwerkstatt in einem Gebäude in Schrems, das in der Nähe der heutigen Produktionsstätte liegt, eröffnet.

Im 25-jährigen Jubiläumsheft beschreibt Heini die Gründung als „ohne Zweifel ein Werk von Träumern und Nichtexperten".

  • Bitte erklären Sie Ihren nachhaltigen Ansatz.

Ein wichtiges Anliegen ist uns  der schonende Umgang mit den Ressourcen der Erde. Wir  versuchen, durch regionale Materialien, langanhaltende und zeitlose Produkte und gewissenhafte Nutzung von Energie ein Beispiel für andere Fabriken zu sein. Eines unserer größten und effizientesten  Projekte ist die Photovoltaikanlage am firmeneigenen Dach, die mehr Strom erzeugt, als wir im Alltag selbst verbrauchen.

  • Ist es schwierig, mit Billigproduktion zu konkurrieren? Was gibt es für Herausforderungen, wenn man nachhaltig produziert?

Nur ein bestimmter Prozentsatz vom Verkaufspreis landet direkt bei der Person, die den Schuh auch tatsächlich herstellt. Dass dieser Anteil in Produktionsländern wie China, Indien oder Vietnam enorm niedrig ist, ist bekannt.

Vergleich zu China: In China arbeiten die Angestellten einer Schuhproduktionsfirma meist mehr als 40 Stunden pro Woche für einen durchschnittlichen Lohn von € 75,00 bis € 100,00 im Monat. Der Durchschnittspreis eines chinesischen Schuhs inklusive Materialkosten liegt dabei unter € 5,00.

Der Regelfall ist, dass Schuhe um € 3,00 bis € 4,00 nach Europa kommen und im Verkauf rund € 40,00 bis € 60,00 kosten. Ausnahmen von diesem Durchschnittspreis sind die bekannten Sportschuhproduzenten wie Nike, Adidas oder Puma, die diese extrem günstigen Einkaufspreise noch mit der Markenbekanntheit „aufwerten".

  • Wie ist Ihre Haltung zum (früheren?) Image von nachhaltigen Schuhen, die oft den Stempel „verstaubt" getragen haben?

Zum nachhaltigen Schuh gehört auch ein zeitloses Design, das nicht jede Modeerscheinung mitmacht und nach jeder Saison extrem billig abverkauft werden muss, damit es wieder Platz für den nächsten Kassenschlager gibt. Wir haben Kunden, die unsere Modelle bereits 30 Jahre tragen und immer wieder bei uns reparieren lassen, z.B. Erneuerung der abgelaufenen Sohle oder ähnliches. Wenn verstaubt heißt, dass es Modelle bereits sehr lange gibt, gehören die Waldviertler dazu. „Was braucht man zum guten Leben?", ist die Frage, und die sehen wir nicht in Modeerscheinungen beantwortet, sondern in Waren, die lange leben und zeitlos sind. Mit Saisonfarben versuchen wir trotzdem ein Stück zur Erfrischung des Sortiments beizutragen, und können durchaus stolz behaupten, dass wir erfolgreich sind.

  • Wie beziehen Sie die Rohmaterialien für die Schuhe? Auf was legen Sie besonders wert? Wie ist die Lieferkette?

Auch wenn wir uns auf eine regionalere Produktion konzentrieren, können nicht alle Rohstoffe und Schuhe direkt in Österreich produziert werden. Ein italienischer Schuh durchläuft meist vier verschiedene Fabriken, denn Schuhe machen ist immer Teamsport.

Das Leder wird hauptsächlich von der deutschen Firma Heinen bezogen. Heinen arbeitet mit CO2-neutraler Energie, fokussiert sich auf Wasserschutz und den verantwortungsvollen Umgang mit Chemikalien. Die übrigen Lieferungen kommen Großteils von der Firma Conceria Italia und kleine Teile auch aus Österreich und der Türkei.

In Österreich gibt es keine Gerberei, die die Nachfrage der Waldviertler abdecken könnte und so gute Kontrollen hat, wie die derzeitigen Lieferanten.

Die Sohlen werden bei der Firma Komponenty in Tschechien und der Firma Analco Auxiliar Calzadoaus in Spanien bestellt, die Brandsohlen von der Firma Jafra aus Tschechien. Die Kinderschuhe wie die GehGuTiGut- oder GehNinJo-Serie werden aufgrund der benötigten Maschinen hauptsächlich in Ungarn hergestellt.

Jegliche Lieferanten oder Fabrikanten werden als Partner angesehen, die die gleichen Werte und Standards, wie wir vertreten.

Weitere Infos

Schwerpunktaktion "Nachhaltige Schuhe"

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