Palmöl

Palmöl in Kosmetika

Der Anbau der Ölpalme hat enorme Auswirkungen auf die lokalen Ökosysteme und auf das Weltklima. Palmöl und Palmkernöl finden sich in sehr vielen Kosmetika. Ein kompletter Verzicht darauf ist aber keine Lösung: Er hätte zur Folge, dass es durch weniger ertragreiche Pflanzenöle ersetzt werden müsste.

Palmöl wird aus dem orangeroten Fruchtfleisch, Palmkernöl aus den Samen der Ölpalme gewonnen. Palmöl macht Kosmetikartikel wie Seifen, Cremes und Duschgel geschmeidig und dient als Grundlage für nahezu alle Seifen. Es wirkt rückfettend und antioxidativ. Palmkernöl ist häufig Grundstoff für wasch- und reinigungsaktive Substanzen in Kosmetika und Waschmittel.

Besondere funktionale Eigenschaften

Es gibt kein anderes pflanzliches Fett, das von Natur aus bei Zimmertemperatur einen festen Zustand hat und die gleichen Eigenschaften aufweist. Daher ist es schwer durch andere Öle zu ersetzen. Das Öl ist nicht nur sehr gut zu verarbeiten, die bis zu 30 Meter hohen Ölpalmen liefern auch einen enormen Ertrag: Er ist knapp drei Mal so hoch wie bei Raps, mehr als vier Mal so hoch wie bei Sonnenblumen, etwa fünf Mal so hoch wie bei Soja, und sieben Mal so hoch wie bei Kokospalmen. All diese Eigenschaften haben dazu beigetragen, dass Palmöl und Palmkernöl mit 30 Prozent Marktanteil das wichtigste Pflanzenöl der Welt ist.

Umweltproblematik und negative CO2-Bilanz

Die Ölpalme wächst in allen Tropenregionen der Welt. Aufgrund des großen Ertrages und der Vielseitigkeit des Öls werden immer mehr Ölpalmen angepflanzt - zumeist in riesigen Monokulturen, für die zuvor tropischer Regenwald abgeholzt und abgebrannt wurden. Mit dem Wald geht auch Lebensraum für viele Kleinbauern und die überaus reiche Artenvielfalt verloren. Das Schlägern und Abbrennen des Regenwaldes verursacht auch einen immensen CO2-Ausstoß.

Wie kann man Palmöl in Kosmetika erkennen?

Es ist nicht einfach zu erkennen, ob in Kosmetika oder Reinigungsmittel Palmöl enthalten ist. Da das Öl meist zur Herstellung von Emulgatoren oder Tensiden verwendet wird, steckt es hinter zahlreichen Bezeichnungen. Das Portal „Umweltblick.de" hat Bezeichnungen aufgelistet hinter denen sich Palmöl verbergen kann. Die Liste, die dort zum Download bereit steht, umfasst ca. 80 verschiedene Einträge. Für KonsumentInnen ist es also nahezu unmöglich, den Überblick zu bewahren.

Welche Alternativen gibt es?

Aufgrund der Umweltschäden, die durch den Anbau von Palmöl verursacht werden, wird von vielen Seiten ein Palmöl-Boykott gefordert. Laut Ilka Peterson vom WWF ist aber mittlerweile klar, dass ein völliger Verzicht auf Palmöl auch keine Lösung ist, sondern das Problem nur verschiebt: Denn ein Boykott von Palmöl hätte zur Folge, dass es durch andere Pflanzenöle ersetzt werden müsste. Dadurch würde sich der Druck auf die natürlichen Ressourcen, Tier- und Pflanzenarten und auf die weltweite Nahrungsmittelproduktion weiter erhöhen. Um das Problem zu lösen, muss der Fokus bei Palmöl und bei allen Alternativ-Ölen auf nachhaltigem Anbau liegen.

Nachhaltiges Palmöl

Verschiedene Initiativen arbeiten daran, den Anbau von Palmöl nachhaltiger zu gestalten:

Roundtable on Sustainable Palm Oil (RSPO)

Um die Produktion von Palmöl nachhaltiger zu gestalten, hat der WWF 2004 gemeinsam mit anderen Stakeholdern aus der gesamten Palmöl-Lieferkette den „Roundtable on Sustainable Palm Oil" (RSPO, „Runder Tisch für nachhaltiges Palmöl") initiiert. Dabei handelt es sich um eine freiwillige Initiative mit dem Ziel, auf den Plantagen höhere Standards für Naturschutz und Menschenrechte zu etablieren, als diese gesetzlich in den jeweiligen Anbauländern vorgeschrieben sind. Als freiwilliger Mindeststandard ist der RSPO ein wichtiger erster Schritt. Um die Entwaldung wertvoller Regenwälder zu stoppen bedarf es allerdings aus Sicht des WWF unbedingt weiterer Zusatzkriterien, da immer noch Regenwald gerodet wird und gefährliche Herbizide eingesetzt werden.

Palm Oil Innovators Group (POIG)

Die Palm Oil Innovators Group - POIG - agiert international und besteht auf Produzentenseite aus RSPO-Mitgliedern sowie aus verschiedenen Nichtregierungsorganisationen wie Greenpeace, Rainforest Action Network, WWF und anderen. Die Produzenten erfüllen weiterführende soziale und ökologische Kriterien und setzen sich für strengere Kriterien im Anbau von Palmöl ein.

Forum Nachhaltiges Palmöl (FONAP)

Das Forum Nachhaltiges Palmöl - FONAP - hat das Ziel, den deutschen, österreichischen und schweizerischen Markt möglichst schnell mit 100 % segregiertem, zertifiziertem Palmöl und Palmkernöl zu versorgen. Es setzt sich zusätzlich für die Weiterentwicklung und Verbesserung der bestehenden Zertifizierungssysteme ein.

Palmölfreie Kosmetik

Für Kosmetikhersteller ist es eine große Herausforderung, Palmöl komplett zu ersetzen. Die folgenden Hersteller verzichten laut eigenen Angaben bei allen ihren Produkten komplett auf Inhaltsstoffe aus Palmöl oder Palmölderivaten:

  • Pure Skin Food: Das österreichische Unternehmen Pure Skin Food stellt bio-zertifizierte und vegane Kosmetik her. Alle Produkte tragen das Siegel Austria-Bio-Garantie. Die Zustellung erfolgt CO2-neutral und plastikfrei.
  • dieNikolai: dieNikolai ist die Kosmetiklinie des Demeter-zertifizierten Weinguts Nikolaihof aus der Wachau. In den Produkten kommen vorwiegend regionale Inhaltsstoffe wie Traubenkernöl zum Einsatz.
  • Martina Gebhardt Naturkosmetik: Martina Gebhardt ist bereits seit über 25 Jahren auf dem Gebiet der Naturkosmetik tätig. Alle Produkte sind Demeter-zertifiziert.
  • Sanoll: Das österreichische Unternehmen verwendet natürliche und gentechnikfreie Rohstoffe, der überwiegende Teil stammt aus biologischem oder Demeter-zertifiziertem Anbau.

 

Quellen und weitere Informationen:

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