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Algen - sie kleiden Hausfassaden genau so wie Füße

Lebensmittel auf Algen-Basis sind gesund – doch ein Zuviel dieses „Multitalents“ in den weltweiten Gewässern ist problematisch. Was ist also naheliegender, als den überschüssigen Rohstoff abzuernten und für sinnvolle Utensilien, oder gar für Innovationen zu verwenden?

Bioreaktor an der Hausfassade

Algen an der Gebäudefassade, das klingt im ersten Moment nach Schadensfall. Beschäftigt man sich allerdings mit dem 2013 in Hamburg Wilhelmsburg errichteten BIQ-Gebäude, wird man unweigerlich zum Fan der kleinen Organismen in der Hausfassade. Das vierstöckige, quadratische Gebäude, das an einen „grünen Würfelzucker“ erinnert, ist mit zwei unterschiedlichen Fassaden ausgestattet ­ die Bioreaktor-Fassade dient als lebende Biohaut der Energiegewinnung. Im Inneren der Fassade leben die Mikroalgen, die unter Sonneneinstrahlung, Zugabe von flüssigen Nährstoffen und CO2, Biomasse und Wärme produzieren und in Kombination mit Geothermie, Solarthermie sowie Fernwärme ein ganzheitlich regeneratives Energiekonzept bilden.

Innovative Materialien

Leder und Plastik für Schuhe, Baumwolle aus wasserintensiven und pestizidreichen Anbau sowie Kunstfasern auf Erdölbasis scheinen in der Massenkonfektion derzeit noch in Stein gemeißelt. Allerdings sind den althergebrachten Rohstoffen die Innovatoren aus dem Wasser bereits auf den Fersen. Ob Schuhe aus Algen – wie von Vivobarefoot in Kooperation mit Bloom/Mississippi zuletzt umgesetzt – oder in der Modebranche, das Thema Nachhaltigkeit und die dementsprechende Suche nach ressourcenschonenden Alternativmaterialien, beschäftigt die ProduzentInnen und ForscherInnen immer intensiver. Brennnesseln, Milchreste, Bananenfasern, Krabbenschalen und Soja-Abfälle gehören ebenfalls zum Rohmaterial, aus denen Textilien hergestellt werden können. Auch die Kompostierbarkeit am Lebensende der Kleidung rückt immer mehr in den Mittelpunkt nach dem Motto: Wenn schon Müll, dann wenigstens für die Biotonne.

Genug ist nie genug

So interessant und notwendig die umweltschonenden alternativen Rohstoffe sind, und in Anbetracht des stetigen Wachstums der Weltbevölkerung in Zukunft sein werden, so wird es doch schwierig sein, den weltweiten Bedarf damit zu decken. Der Gesamtbedarf an Textilfasern stieg weltweit allein im letzten Jahrzehnt von 51 Mio. Tonnen (2000) auf 76 Mio. Tonnen (2010) und 25 Mio. Tonnen davon entfielen im Jahr 2010 auf Baumwollfasern. Deshalb sind sich die ExpertInnen einig, liegt der Schluss nahe den Hebel dort anzusetzen wo er am besten greift - beim Konsumverhalten:  Wer Ideen hat, wie sich Alltagsgegenstände oder Kleidung länger nutzen kann, kann diese noch bis 15. September beim Ideenwettbewerb auf Bewusst kaufen einreichen.


Quellen und weitere Informationen

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