Fairphone II

Fairphone 2 - tauschbare Teile, langlebige Elektronik!

"Reparaturfeindliche" Elektronik mit fest verbauten Bestandteilen, wie z.B. Akkus: Bei vielen Geräten ist das traurige Realität. Das modulare Fairphone 2 ist dabei eine rühmliche Ausnahme! Wir haben mit Fabian Hühne von Fairphone über spannende Aspekte des Produktdesigns gesprochen.

Welche Erkenntnisse über Produkt-Langlebigkeit sind bei der Entwicklung des Fairphone 2 eingeflossen?

Das Fairphone 2 ist stark beeinflusst von unseren Erfahrungen mit dem Fairphone 1: Das Fairphone 1 war ein lizenziertes Design. Das heißt, dass wir ein Design gekauft haben, das bereits existierte. Dementsprechend hatten wir sehr wenig Einfluss was das Design selber und Lieferkette dieses Designs angeht. Für das Fairphone 2 haben wir das Design selber entwickelt und beim modularen Aufbau des Telefons die Komponenten isoliert, die am meisten kaputt gehen und diese Module leicht reparierbar gemacht. Das Display, welches am häufigsten bricht, lässt sich komplett ohne Werkzeug reparieren. Da wir nun die Lieferkette unseres Telefons selber kontrollieren, können wir auch besser darauf reagieren und besser vorhersehen, wenn Hersteller von bestimmten Komponenten aufhören bestimmte Ersatzteile zu produzieren.

Durch welche Features des Telefons ist die möglichst große Reparierbarkeit gewährleistet?

Das ist vor allem durch den modularen Aufbau gesichert - Das Telefon ist in Module aufgeteilt, die sich wie zum Beispiel bei alten Computern oder Autos reparieren lassen. Dazu muss man allerdings nicht so technikaffin sein: Das Fairphone 2 lässt sich ohne Werkzeuge öffnen und mit einem herkömmlichen Schraubenzieher zerlegen. So kann jedeR Reparaturen selbst durchführen, mit Ersatzteilen, die wir in unserem Webshop verkaufen

Das Fairphone 2 ist modular aufgebaut - wenn mal etwas kaputt geht, kann man es austauschen. Welche Bauteile lassen sich tauschen? Wie lange sind diese bei euch verfügbar? Wenn sich Technologien weiterentwickeln, sind dann Updates möglich?

Das Telefon ist in mehrere Module aufgeteilt. Es gibt eine austauschbare Batterie, ein Display, 2 Kamera Module, ein Hauptmodul, dass den Prozessor enthält und ein Top und ein Bottom Modul, die jeweils unterschiedliche andere Komponenten enthalten, wie z.B. den Kopfhörer-Eingang oder die USB-Schnittstelle. Diese Ersatzteile sind über unseren Webshop erhältlich und wir wollen sie so lange wie möglich dort anbieten. Wir peilen dabei eine erhöhte Nutzungsdauer von 3-5 Jahren an. Durch die modulare Infrastruktur sind auch Upgrades möglich. Wir haben zum Beispiele gerade neue Kameramodule herausgebracht, die es Nutzern ermöglichen die beiden Kameras von 2 auf 5 und von 8 auf 12 Megapixel zu verbessern.

Gibt es Berechnungen, um wie viel länger man das modulare Fairphone nutzen kann, im Vergleich zu Mobiltelefonen mit fest verbauten Bauteilen? Gibt es Berechnungen, wie viel CO2 dabei eingespart wird?

Eine solche Berechnung gibt es noch nicht, allerdings ist der Schluss recht einfach. Ein Telefon, dass verschweißt ist lässt sich kaum reparieren. Sollte die Batterie Schaden nehmen oder langsamer werden, kann man es kaum weiter verwenden. Fairphone hat Berechnungen angestellt ob durch den modularen Aufbau CO2-Emissionen gespart werden können. Das Ergebnis war, dass selbst wenn man sein Fairphone über die Dauer von 5 Jahren regelmäßig repariert, zum Beispiel mit einem neuen Display und einer neuen Batterie, trotzdem 30% der Emissionen eingespart werden. Ebenfalls werden deutlich weniger Ressourcen benutzt. Der Vergleich ist im Verhältnis zu einem Fairphone, das nur zwei Jahre genutzt wird. Im Vergleich zu andere Telefonen, die zum Beispiel nur ein Jahr genutzt werden sind diese Werte wohl noch höher.

Welches Feedback erhaltet ihr von euren KundInnen zum Aspekt Langlebigkeit und zum modularen Aufbau des Telefons?

Es gibt großes Lob für den Ansatz des Fairphone 2, das durch die Bank von vielen Leuten geteilt wird. Für den modularen Aufbau haben wir zum Beispiel den Deutschen Umweltpreis gewonnen. Besonders was die Reparatur des Fairphone 2 angeht erhalten wir sehr gutes Feedback. Die Reparatur gelingt sehr einfach und wird von unseren Kunden super umgesetzt, auch wenn sie nicht Technik affin sind. Das Upgrade der neuen Kamera war binnen weniger Stunden ausverkauft.

Auf der anderen Seite gab es auch Kritik was das erste Fairphone angeht, das wir mittlerweile nicht mehr herstellen. Die Erwartung hat sich hier auch an unserer Kommunikation über das Fairphone 2 orientiert. Die Geräte sind allerdings sehr unterschiedlich. Ich glaube, dass wir sehr viele Menschen dazu motiviert haben, idealistischer über Ressourcen und Elektronikprodukte nachzudenken. Es ist klar, dass sie sich nicht mit weniger zufriedengeben. Das ist auch ein Erfolg, wenn auch etwas ‚bittersweet' in diesem Zusammenhang.

Welche Tipps habt ihr für unsere LeserInnen, die auf nachhaltige und langlebige Produkte achten, generell für den Kauf von Elektronik?

Man kann auch größere Hersteller dazu bewegen umzudenken. Das ist was Fairphone vorantreibt. Das wichtigste was wir zeigen können, ist, dass es einen Markt für fairere Produkte gibt. Im Moment spielt Nachhaltigkeit in der Elektronikindustrie eine verschwindende Rolle. Es gibt eher einen Trend zu mehr Verschwendung, mehr Elektroschrott, mehr Ausbeutung. Man kann durch bewussten Kauf ein Zeichen setzen. Wir sind überzeugt: Wenn genug Menschen es machen wird sich etwas ändern!


Quellen und weitere Informationen:

 

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