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Nachhaltige Geldanlage: Grüne Investments = Zukunft

Nachhaltigkeit ist in Österreich auf dem Vormarsch, viele KonsumentInnen greifen bevorzugt zu Produkten die unter fairen Bedingungen produziert werden, lassen sich mit Ökostrom beliefern, oder wissen genau welche Textilien sie mit gutem Gewissen kaufen können. Große Ausnahme: Finanzprodukte.

Wer investiert, schafft an

Gerade bei Finanzprodukten scheint es vielen KonsumentInnen noch nicht bewusst zu sein, dass sie mit ihren Entscheidungen Einfluss nehmen und dadurch die oftmals abstrakte Finanzwirtschaft mitgestalten können. Die Entscheidung für nachhaltige Finanzprodukte weist die Richtung, wie „grün“ und „fair“ sich nicht nur die Finanzwelt entwickeln soll.

Gewichtiges Wort der österreichischen Haushalte

Das Finanzvermögen der heimischen Haushalte betrug 2016 laut Österreichischer Nationalbank 625 Milliarden Euro. Damit halten die privaten Haushalte fast die Hälfte des gesamten Finanzvermögens des Landes (Unternehmen: 500 Milliarden Euro; öffentliche Hand: 206 Milliarden Euro) und hätten ein gewichtiges Wort dabei mitzureden, wie, bei wem und wo investiert werden soll. Soweit die Theorie, die Praxis sieht momentan noch anders aus, denn nach wie vor ist des Österreichers liebstes Finanzprodukt das Sparbuch, auf dem die Ersparnisse gebunkert werden.

Beredtes Schweigen bei Grünen Investments

Der Markt für nachhaltige Geldanlagen ist in Österreich zwar noch relativ klein, aber er wächst kontinuierlich, von rund 1,2 Milliarden Euro im Jahr 2005, auf ein Volumen von immerhin 10,72 Milliarden Euro im Jahr 2016. Im Vergleich dazu erhöhte sich im selben Zeitraum in Deutschland und der Schweiz das Volumen um das über 25-Fache. Ob der österreichische Wert höher wäre, etwa durch eine bessere Beratung und aktivere Bewerbung nachhaltiger Finanzprodukte durch heimische Banken, dieser Frage ging der KONSUMENT im Rahmen einer Erhebung, im Juni diesen Jahres nach. In 14 Bankfilialen erhoben anonyme Tester des Vereins für Konsumenteninformation (VKI) in Wien, Graz, Linz und Innsbruck, wie es um die Beratung interessierter Kunden bei nachhaltigen Investments steht.

Nachhaltigkeitskriterien bei Finanzprodukten

Was man unter einer nachhaltigen/ethischen Geldanlage verstehen kann, ist im Grunde schnell erklärt: Herkömmliche Geldanlage + Ökologie + Ethik + Soziales = Nachhaltiges Finanzprodukt. Die Berücksichtigung dieser drei Aspekte erfolgt durch verschiedene Ansätze und lässt sich anhand des Ausschlusskriteriums am einfachsten erklären. Demnach dürfen Unternehmen in die investiert wird, keine Umsätze (oder z.B. nur zwei Prozent davon) mit Atomkraft, Waffen, Glücksspiel, etc. erwirtschaften. Oder wenn in Staaten, mittels Anleihen, investiert wird, dann kommen Kriterien wie Arbeits- und Menschenrechte, Todesstrafe oder hohe Rüstungsbudgets zum Tragen. Im Falle der Positivkriterien werden gezielt Unternehmen bzw. Staaten finanziert, die bestimmte positive Merkmale aufweisen, eines der Positivkriterien, das Best-in-Class-Kriterium zielt beispielsweise darauf ab, dass nur die (z.B. drei) nachhaltigsten Unternehmen einer Branche finanziert werden.

Zertifizierte Fonds einfach erkennen

Gütesiegel bieten eine gute Orientierungshilfe, um sich dem Thema „Nachhaltig anlegen" zu nähern, drei Beispiele wären:

  • Umweltzeichen
    Das Österreichische Umweltzeichen für nachhaltige Finanzprodukte (ZU 49) hat aktuell 78 Fonds zertifiziert. Um das Label zu erhalten, müssen die Fonds klare Kriterien erfüllen: Ausschlusskriterien wie z.B. Atomkraft oder Rüstungsgüter sind verpflichtend. Darüber hinaus sind Positivkriterien wie Lieferketten, Biodiversität, Mitarbeiter- und Klimaschutz definiert.

  • FNG-Siegel
    Das Siegel wurde 2015 im deutschsprachigen Raum eingeführt, aktuell führen es 38 Fonds. Zertifiziert wird ein Fonds mit dem FNG-Siegel, wenn er gewisse Mindestanforderungen erfüllt (u.a. Ausschluss von Waffen und Kernkraft, Berücksichtigung von Menschen- und Arbeitsrechten, Umweltschutz und Bekämpfung von Korruption und Bestechung). Zudem gibt es eine Auszeichnung mit bis zu drei Sternen für Fonds mit besonderen Nachhaltigkeits-Leistungen.

  • Eurosif-Label
    Das European Sustainable and Responsible Investment Forum (Eurosif) prüft nicht die soziale oder ökologische Qualität eines Fonds, sondern nur dessen Transparenz. Es geht also darum‚ dass Konsumenten sich umfassend informieren können. Aktuell sind mehr als 700 Fonds zertifiziert.

Österreichs Banken nur bedingt „grün-fit“

Wie das Ergebnis der KONSUMENT-Erhebung zeigte, rasselte keine der Banken mit Bomben und Granaten durch, allerdings gibt es sehr viel Luft nach oben. Neun Mal lautete das Ergebnis „gut“, fünf Mal „durchschnittlich“ und es zeigte sich, dass vor allem in Oberösterreich das Thema „grüne Investments“ bereits stärker präsent zur sein scheint, denn drei der vier getesteten oberösterreichischen Banken finden sich unter den Top 5 wieder. Nähere Infos und Details zu der Erhebung finden Sie hier.

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