© cyclebee KategorienNachgefragtKlimafreundlich leben mit „cyclebee“ cyclebee will Radreisen mit einer All-in-One-App einfacher, zugänglicher und nachhaltiger machen. Im Interview erzählen die Gründer:innen, wie eine Hochzeitsreise auf einem Tandem zur Geschäftsidee wurde, welchen Beitrag Radreisen zur Mobilitätswende leisten können und warum nachhaltiger Tourismus auch regionale Wertschöpfung und Community bedeutet. Was ist cyclebee und wie ist die Idee dazu entstanden? cyclebee ist eine personalisierte, kollaborative All-In-One Radreise-App. Entstanden ist die Idee nach der mehrmonatigen Hochzeitreise durch Europa und Südamerika auf einem Stufentandem von Katharina und Matthias, zwei der fünf Gründer:innen. Wir wurden nach unserer Rückkehr immer wieder darauf angesprochen, dass Mann/Frau gerne auch mal eine Radreise machen möchte, aber Hindernisse gesehen werden wie fehlende Informationen, unsportliche Partner:innen, Kinder etc. Dafür wollten wir Abhilfe schaffen und kamen dabei mit unseren drei Mitgründer:innen Daniel, Hannes und Katrin in Kontakt – alle überzeugte Radfahrende und begeisterte Reisende. Die Gründer:innen von cyclebee sind selbst begeisterte Radreisende. © Maria Schnabl, Velvetlove.at Welchen Beitrag kann Radreisen aus eurer Sicht zur Mobilitätswende leisten – besonders im Vergleich zu klassischen Urlaubsformen? Der Tourismus verursacht bis zu 12% der weltweiten CO2-Emissionen (Berechnungen variieren je nach Institution). 3/4 davon werden durch den Verkehr, der durch den Tourismus entsteht, verursacht. Durch das Reisen mit dem Rad entsteht im Vergleich zu Reisen mit dem Flugzeug, Kreuzfahrtschiff oder dem Auto hingegen nur einen Bruchteil an CO2-Emissionen. Das heißt, wenn du dich für das Rad bei Urlaub und Reisen entscheidest, leistet du einen wesentlichen Beitrag zur CO2-Reduktion. Jede:r einzelne kann mit seiner Urlaubswahl einen Beitrag zu einer nachhaltigen Lebenweise machen. Mit cyclebeeOnRails verbindet ihr Fahrrad und Bahn. Wie wichtig ist die Kombination verschiedener nachhaltiger Verkehrsmittel für eine echte Verkehrswende – und wo braucht es noch strukturelle Verbesserungen? Abgesehen von zu Fuß gehen, ist Bahn+Rad die nachhaltigste Mobilitätsform. So lassen sich sowohl große als auch kleine Distanzen zurücklegen. Leider ist die Radmitnahme immer noch eine Herausforderung z.B. bei Umstiegen oder Zugausfällen. Hier liegt es an den Bahngesellschaften das Angebot und den Kundenservice zu verbessern. In der Planung ist die Sammlung der notwendigen Informationen zu Themen wie Reservierungspflicht, Kapazitäten, Radwegeanschlüssen an Bahnhöfen etc. mit viel Aufwand verbunden. Hier möchten wir Abhilfe schaffen. Aktuell schaffen wir das über unsere kostenlose Community-Plattform cyclebeeOnRails. In Zukunft werden wir die Bahn & Rad-Kombination auch direkt in der App abbilden. Die Kombination von Rad und Öffis ist eine der nachhaltigsten Mobilitätsformen.© Anna Weinzettl Nachhaltiger Tourismus bedeutet mehr als CO₂-Reduktion. Berücksichtigt cyclebee auch soziale und regionale Wertschöpfung? Radtourismus bringt auf mehreren Ebene Vorteile für soziale und regionale Wertschöpfung: Radreisende bewegen sich deutlich langsamer als z.B. Autofahrende oder Busreisende. Sie verweilen somit länger in einer Region. In dieser Zeit konsumieren sie vorrangig lokal, weil es auf einem Rad nur begrenzt möglich ist, Verpflegung mitzubringen. Das Einbinden entsprechender regionaler Angebote ist uns ein großes Anliegen. So starten wir gerade gemeinsam mit Partner:innen eine Initiative, um mehr Campingplätze radfreundlich zu gestalten und für Radreisende leicht auffindbar zu machen. Wir sind laufend auf der Suche nach radfreundlichen Beherbergungsbetrieben, Campingplätzen, Wirten, Shuttlediensten oder Radverleihen und freuen uns über alle, die mit uns in der ersten Saison pilotieren möchten. Viele Menschen möchten nachhaltiger reisen, wissen aber nicht genau wie. Wie unterstützt die App Nutzer:innen dabei, bewusstere Entscheidungen zu treffen? Personen, die bei Reisen und im Urlaub noch nicht aufs Rad steigen, dies aber gerne möchte, sind uns ein besonderes Anliegen. Wir bieten daher verschiedene Informationsangebote, die Fragen beantworten und Zweifel nehmen: Ein Mal im Monat findet ein kostenloser Online-Stammtisch statt – zum Beispiel mit Schwerpunkten wie Frauen oder Familien. Des Weiteren betreiben wir den Podcast Freilauf, der die Vielfalt des Radreisens aufzeigt. Wir haben ganz unterschiedliche Gesprächspartner:innen vom Extremsportler Christoph Strasser bis zur Lastenradreisenden Mama. Der Podcast liefert Tipps & Tricks, Learnings von den Gesprächpartnern, und Ideen, wie und wo die nächste Radreise hingehen könnte. Außerdem bieten wir über unsere Website Planungshilfen wie den Radlbusguide und demnächst auch ein analoges Planungsdashboard für Radreiseneulinge. In der App wird es ein Planungsdashboard geben, das die verschiedensten Aspekte einer Radreise übersichtlich bündelt und somit bei der Planung unterstützt – also mit der Zeit, zu einem Reiseplanungs-Copilot wird. cyclebee beteiligt sich auch an Forschungsprojekten. In welchem Bereich? Und welche Ziele verfolgt ihr damit? Ein userzentrierter Ansatz ist uns ein großes Anliegen ebenso wie eine gender- und diversitätsspezifische Zielgruppenansprache. Die Forschung ermöglicht uns das. Daher entwickeln wir unsere App in Forschungsprojekten. Radreisen sind nicht nur etwas für sportliche Männer, sondern sehr viele können sich für diese Form des Urlaubs entscheiden, wenn sie die für sich passende Herangehensweise entdecken z.B. auch Familien, alleinreisende Frauen oder ältere E-Biker. Forschungsprojekte und Start Up-Acceleratoren haben es uns außerdem ermöglicht mit Aspekten der Mobilität und des Tourismus zu beschäftigen. Welche Rolle spielt die Community in der Weiterentwicklung von cyclebee? Können Nutzer:innen aktiv dazu beitragen, nachhaltige Routen, Unterkünfte oder Best Practices sichtbar zu machen? Wir haben von Anfang im Rahmen unserer Forschungsprojekte mit einem Nutzer:innen zentrierten Ansatz gearbeitet und eine Testuser:innen-Community aufgebaut, die die App-Entwicklung regelmäßig in unterschiedlichen Formaten testet. In der App werden wir zur besseren Sichtbarmachung von auf Radtourismus ausgerichteten Angeboten auch mit der Einbindung von entsprechenden Zertifizierungen arbeiten. Hierfür bauen wir aktuell Kooperationen auf. User:innen werden Erfahrungen, Kenntnisse und Bewertungen einbringen können. Die Testuser:innen-Community wird beim Softrelease Ende März und im Laufe des Aprils auch als erstes die Nutzung freigeschalten bekommen. Wer unter den ersten User:innen dabei sein möchte, sollte sich also noch schnell auf unserer Website für die Testuser-Community anmelden. Auf Radreisen entdeckt man Regionen und Länder auf eine ander Art und Weise.© cyclebee Was würdet ihr Leser:innen raten, die gerne nachhaltiger leben möchten, aber beim Thema Mobilität noch zögern, ihr Verhalten zu verändern? Ausprobieren und sich langsam herantasten: man muss nicht gleich den zweiwöchigen Urlaub mit dem Rad machen. Man kann mit dem Tagesausflug starten, dann mal ein Wochenende probieren und so langsam herausfinden, was am besten passt: Welche Art von Strecken mag ich? Bin ich die Bergradlerin oder liebe ich Flußradwege? Wie gestalte ich die An-/Abreise? Wie möchte ich nächtigen? Auf welchem Rad fühle ich mich wohl? Möchte ich das Radfahren mit etwas kombinieren wie Wellness oder kulinarischen Genuss? etc. Zuletzt noch ein persönliches Anliegen von mir als Mama: Für (Klein)kinder ist Radreisen eine tolle Möglichkeit und ein unglaubliches Abenteuer die Welt und die Natur zu entdecken: es begegnen ihnen spannende Tiere, sie werden Freundschaften schließen und Neues beobachten. Man muss nur die Distanzen und die Routen auf das Alter anpassen. Besonders für kleine Kinder ist es eine tolle Selbsterfahrung und -bestärkung, wenn sie Strecken auf sicheren Radwegen selbst bewältigen können. Wir als Eltern werden den Tag nie vergessen, an dem unser damals Zweijähriger mit seinem Laufrad selbstständig mehr als zwei Kilometer bewältigte. Und den Stolz in den Augen unserer damals vierjährigen Tochter als sie ihre erste vollständige Tagesetappe aus eigener Kraft erradelt. Aus Erwachsenensicht waren es zwar nur 10 km, aber für sie war es eine ganz alleine bewältigte Tagesetappe. Baby’s schlafen außerdem super im Kinderanhänger ;-). Ich möchte daher allen Eltern Mut aussprechen: Probiert es aus! Vielleicht lautet dann die Antwort auf die Frage in den Freundschaftsbüchern eurer Kinder, was sie am liebsten machen auch: “Radreisen”. Kontakt und weitere Informationen: Website: https://cyclebee.app/Mail: hello@cyclebee.app teilen teilen teilen E-Mail Was dich noch interessieren könnte Zurück Wissenswert Mit dem Rad in den Urlaub: So planst du effizient und bewusst Ratgeber 11 Tipps für Fahrräder Ratgeber Klimafreundlich reisen: 11 Tipps für einen nachhaltigen Urlaub Wissenswert Mit dem Fahrrad klimafreundlich unterwegs Start-ups aus Österreich Klimafreundlich leben... mit EDDI Bike Wissenswert Klimafreundlich urlauben Weiter