Radek Karpienko (Research & Co-Founder), Christian Sommeregger (Tech, AI & Co-Founder), Marion Oberenzer (CEO & Founder) © LOLA KategorienInterviewKlimafreundlich leben mit „LOLA market“ Weniger besitzen, mehr nutzen: LOLA market möchte nachhaltigen Konsum einfach, sozial und attraktiv machen. Im Interview spricht die Gründerin Marion Oberenzer über die Vision hinter der Plattform, die Kraft von Communities und darüber, warum Second Hand der neue Standard werden sollte. 1. LOLA steht für „Long-Lasting“ und setzt auf Kreislaufwirtschaft. Was war die ursprüngliche Motivation hinter der Gründung von LOLA market? Die ursprüngliche Idee kam beim Wandern im Winter mit einer Freundin. Sie fragte mich, ob sie sich Schneewanderschuhe kaufen sollte. Ich schlug ihr vor, stattdessen zuerst meine auszuleihen, um einen möglichen Fehlkauf zu vermeiden. Dabei kam mir der Gedanke: Eigentlich könnte ich sie auch an andere Menschen verleihen, da ich sie selbst nur selten brauche. So entstand die Idee eines Share Markets. Später kamen das Verkaufen, Verschenken und Tauschen hinzu, weil die Kreislaufwirtschaft so viele bunte und nachhaltige Konsumwege bietet. Und ich wollte ermöglichen, nicht einschränken. 2. Viele Menschen verbinden Nachhaltigkeit noch immer mit Verzicht. Wie schafft es LOLA, nachhaltigen Konsum attraktiv, einfach und sozial zu gestalten? Solange Konsum individuell organisiert wird, ist es beinahe unmöglich, nachhaltig ohne Verzicht zu leben. Und so führt unser Konsumverhalten als Gesellschaft zu Überkonsum, der in Kombination mit begrenzten Ressourcen eine Herausforderung darstellt. Wir Menschen und auch die Umwelt leiden an einem „Consumption Hangover“. 😉 Wir wollen mit LOLA mehr Konsum für alle – aber anders und nachhaltig. Wir tun uns zusammen und schon haben wir gemeinsam mehr. Genau darin sehen wir den Weg raus aus dem Verzichtsdenken. Die LOLA App steckt zwar noch in den Kinderschuhen, aber unsere Roadmap ist klar: Wir übersetzen das altbewährte Miteinander in einen modernen, bunten und einladenden Community Marketplace. Und legen den Fokus auf Nutzen statt Besitzen. LOLA am Second Life Markt am Zukunftshof (27.06.2026): Marion Oberenzer, Sandra Thornton© Regina Halbauer 3. Welche Rolle spielen Nachbarschaften, Freundeskreise und lokale Communities für den Erfolg von Second Hand-Angeboten? Kreislaufwirtschaft funktioniert, wenn viele Menschen mitmachen. Der Schlüssel dazu liegt für uns in Communities. Menschen mit gleichen Interessen – zum Beispiel Sportler:innen oder Musiker:innen –, in einer ähnlichen Lebensphase wie Studierende oder Jungeltern, mit demselben Mindset oder aus der eigenen Nachbarschaft haben oft ähnliche Konsumbedürfnisse und können voneinander profitieren. Auf LOLA hat beispielsweise Regina Halbauer gemeinsam mit Susanne Essl die Verleihgruppe „LeihWand Wienerwald“ ins Leben gerufen. Dort wird bereits fleißig verliehen, getauscht und gemeinsam genutzt. Sich innerhalb der eigenen Lebens- und Konsumwelten digital wieder stärker zu vernetzen, macht Sinn und ist praktisch. Es schafft Vertrauen, Zugehörigkeit und stärkt das Miteinander. Genau das macht lokale Communities so wertvoll – nicht nur für den Erfolg von Second Hand-Angeboten, sondern auch für eine lebendige, zirkuläre Gesellschaft. 4. Das Thema Second Hand erlebt besonders im Bereich der Mode aktuell einen enormen Aufschwung. Ist Kleidung ein besonders wichtiger Hebel für nachhaltigeres Konsumverhalten? Kleidung ist für viele Menschen der Einstieg in die Kreislaufwirtschaft. Second Hand ist hier bereits in allen Altersgruppen in der Mitte der Gesellschaft angekommen und zeigt, dass nachhaltiger Konsum modern, hochwertig und selbstverständlich sein kann. Und Spaß machen kann! Spaß ist wichtig. Gleichzeitig steckt noch viel größeres Potenzial in anderen Produktkategorien. Werkzeuge, Sportgeräte, Küchengeräte, Bücher oder Musikequipment werden oft nur selten genutzt und könnten viel länger und intensiver im Umlauf sein. Deshalb möchten wir den Gedanken hinter Second Hand auf den gesamten Konsum ausweiten. Unser Ziel ist, dass Menschen vor jedem Neukauf kurz überlegen: Gibt es das vielleicht schon in meiner Community auf LOLA – und kann ich es mir ausleihen? 5. Eure Vision ist es, dass zirkulärer Konsum zur ersten Wahl wird. Was müsste passieren, damit Second Hand-Käufe genauso selbstverständlich werden wie der Neukauf? Ja, und das ist eine große Herausforderung. In Wahrheit konkurrieren wir mit Online-Marktplätzen wie Temu, Amazon & Co, die mit 1-Click-Bestellung und schneller Lieferung direkt vor die Haustür den Neukauf extrem einfach und attraktiv machen. Unser Angebot ist: Menschen können ihre Dinge auf LOLA anbieten oder nachfragen, bestehenden Gruppen beitreten oder eigene Communities gründen. Verkaufen, verschenken, verleihen oder tauschen – alles untereinander. Dabei geht es auch darum, sich kennenzulernen und voneinander zu profitieren. Für eine einfache Übergabe bieten wir ab Sommer Drop & Go über mehr als 1.600 Paketboxen in Österreich oder ab Herbst klassische Delivery-Optionen wie Post oder Fahrradkurier. Dinge machen Menschen nicht glücklich – soziale Kontakte meistens schon. Über die LOLA App können Dinge verkauft, getauscht, verschenkt oder verliehen werden.© LOLA 6. Was waren bisher eure größten Meilensteine? Und worauf dürfen wir uns in Zukunft bei LOLA freuen? Der App-Launch im März dieses Jahres war ein großer Moment für uns. Nur zwei Tage später erhielten wir eine aws-Förderzusage zu Preseed – Innovative Solutions. Die ersten Wochen waren ein wilder Ritt. Seitdem bauen wir mit LOLA an einem sehr coolen und zirkulären Marktplatz, inklusive AI-Unterstützung für eine längere Lebensdauer von Produkten. Ein AI-Autofill zum raschen Hinzufügen von Produkten ist bereits eingebaut. Auf unserer Roadmap für 2026/2027 steht der Ausbau des Verleihs mit Kalender, Payment und Versicherung sowie – gemeinsam mit Drop & Go über Paketboxen und Delivery (Post oder Fahrradkurier) – eine rasche und einfache Übergabe. Gleichzeitig rücken wir Communities stärker in den Mittelpunkt. Geplant sind außerdem Formate wie Flohmärkte und Tauschpartys sowie eine bessere Sichtbarkeit aller zirkulären Angebote in der Nachbarschaft – von Second-Hand- und Verleihläden bis hin zu Kost-nix-Läden. Als Special entwickeln wir zudem AI-gestützte Lösungen zur Verlängerung der Produktlebensdauer gemeinsam mit einem Forschungsprojekt der WU Wien. Unser Ziel ist es, frischen und bunten Wind in die Kreislaufwirtschaft zu bringen und einen Paradigmenwechsel einzuleiten, von Besitz zu Nutzen oder von Neukauf zu Second Hand. 7. Wenn ihr unseren Leser:innen nur eine Botschaft zum Thema Second Hand mitgeben könnten – welche wäre das? Second Hand bedeutet bei uns nicht weniger, sondern mehr: Mehr Möglichkeiten, mehr Verbindung und mehr Leben für bestehende Dinge. Bevor wir neu kaufen, lohnt sich immer der Blick darauf, was es schon gibt – in der eigenen Community. Und das hoffentlich auf LOLA. Kontakt: https://lola.market/ teilen teilen teilen E-Mail Was dich noch interessieren könnte Zurück Ratgeber Second Hand statt Fast Fashion: 8 Tipps für einen nachhaltigen Kleiderschrank Ratgeber 11 Tipps für bewussten Modekonsum und nachhaltige Kleidung Wissenswert Capsule Wardrobe: So erstellst du deinen minimalistischen Kleiderschank Nachgefragt Nachgefragt bei... WIDADO Sehenswert Kleider machen Müll Start-ups aus Österreich Klimafreundlich leben mit..."uptraded" Weiter