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KategorienNachgefragtKlimafreundlich leben mit „PulpStack“

Wie lässt sich 3D-Druck nachhaltig denken? Während bislang vor allem Kunststoffe die Branche dominieren, geht PulpStack einen anderen Weg: Das Team setzt auf Zellulose – den natürlichen Grundbaustoff von Pflanzen – und entwickelt daraus ein kreislauffähiges Material für die digitale Fertigung. Im Interview erzählt Georg Feiler, wie die Idee entstand, Papier für den 3D-Druck nutzbar zu machen, welche ökologischen Vorteile ihr Ansatz bietet und wie daraus neue Möglichkeiten für Design, Industrie und nachhaltiges Wohnen entstehen.

Wie ist die Idee zu PulpStack entstanden, und welches Problem wolltet ihr ursprünglich lösen?

In der Welt des 3D Drucks wird aktuell sehr wenig mit nachhaltigen Rohstoffen gearbeitet. Hier dominiert der Kunststoff und im industriellen Umfeld wird für spezielle Anwendungen mit Metall und Keramik gearbeitet. Wir wollten ein wirklich durch und durch nachhaltiges und kreislauffähiges Material für den 3D Druck nutzbar machen und haben uns die Frage gestellt: „Kann man auch Papier für den 3D Druck nutzen?“

Teamfoto PulpStack in der Natur. Die Personen halten 3D-gedruckte Elemente in der Hand.
Das Team von PulpStack. V.l.n.r.: Georg Feiler, Birgit Schlager, Harald Schürz© PulpStack

PulpStack arbeitet mit Zellulose – einem nachwachsenden Rohstoff. Was ist Zellulose genau und warum habt ihr euch dafür entschieden?

Zellulose ist der Baustein, der Pflanzen ihre Struktur gibt und damit quasi Grundbaustoff der Natur. Deshalb ist Zellulose das am häufigsten vorkommende Biomolekül überhaupt. Zellulose wird vor allem in Form von Papier bereits seit langer Zeit in in großem Stil von uns Menschen als Werkstoff eingesetzt. Daher wird der Naturstoff bereits in großen Mengen hergestellt, aber auch recycelt. Wir bauen also auf eine Wertschöpfungs- und Verwertungskette auf, die bereits sehr gut funktioniert und sehr ausgeklügelt ist.

Euer Ansatz verbindet digitale Fertigung mit biobasierten Materialien. Welche ökologischen Vorteile ergeben sich daraus im Vergleich zu herkömmlichen Produktionsmethoden und Kunststoffen?

Herkömmliche Produktionsmethoden für dreidimensionale Bauteile aus Papier sind leider sehr eingeschränkt. Hier kann man entweder Papierfasern in Formen gießen – zum Beispiel die typische „Eierkarton Verpackung“ – oder das Papier in flache Formen walzen und anschließend aufwändig falten. Bei beiden Methoden ist es sehr schwierig, leistungsfähige Bauteile herzustellen und es sind große Investitionen in Gussformen oder spezielle Werkzeuge notwendig. Die Produktion ist also nicht sehr flexibel. Unser digitaler Ansatz eröffnet hier völlig neue Möglichkeiten.
Bei Kunststoffen ist es hingegen sehr schwierig wirklich nachhaltige Produkte herzustellen. Hier wird mit Biokunststoffen geworben die leider oft nur „Greenwashing“ sind, da die Ökobilanz oft sehr schlecht ausfällt. Wenn ein Biokunststoff beispielsweise als „kompostierbar“ beworben wird, dann oft nur in speziellen industriellen Anlagen und nicht in der Natur oder z.B. in Meerwasser. Im Bereich der Kunststoffe muss man sehr genau auf das „kleingedruckte“ schauen und es wird viel getrickst.

Der 3D-Druck-Prozess und das PulpStack-Logo
Schicht für Schicht wird die Zellulose vom 3D-Drucker an die gewünschten Stellen platziert. Im Vordergrund das Logo von PulpStack.© PulpStack

Bewusst zu kaufen, bedeutet oft auch regionale Wertschöpfung. Welche Chancen bietet eure Technologie für den Wirtschaftsstandort Österreich?

Österreich ist historisch ein großer Papierproduzent. Wir haben die Biomasse, vor allem hochwertiges Holz, und auch das Know-How um sehr gutes Papier herzustellen. Unsere Vision ist es, eine neue industrietaugliche Produktionsmethode für die Papierindustrie auf den Markt zu bringen, um den Rohstoff Papier auch an Orte zu bringen, an denen der Einsatz aufgrund der beschränkten Möglichkeiten bisher nicht möglich war.

Welche Branchen oder Alltagsprodukte könnten durch zellulosebasierten 3D-Druck besonders schnell nachhaltiger werden – wo seht ihr das größte Potenzial?

Unser Material kann man sich wie massives, sehr dichtes und starkes Papier vorstellen – quasi so fest wie leichtere Hölzer. Damit lässt sich das Material ähnlich wie Holz für Alltagsprodukte wie Möbelstücke einsetzen. Da das Material recycelbar und umweltfreundlich ist, sehen wir auch großes Potenzial bei Einwegprodukten, die bisher aus Kunststoff gefertigt wurden, z.B. in der Medizinbranche. Unsere große Vision ist es in Zukunft den Durchsatz so weit zu steigern und damit die Kosten zu senken um von maßgeschneiderten Verpackungen bis zu allgemeinen Bauteilen ein breites Spektrum abzudecken.

Inwiefern lassen sich eure Produkte in der Möbelbranche einsetzen? Welche Angebote gibt es bereits für den Wohnraum?

Wir haben beispielsweise einen Konzept-Couchtisch 3D gedruckt der die Form eines Baumstammes hat und auch sehr belastbar ist. Derzeit arbeiten wir mit Designstudios an Produkten für den Wohnraum, die in kleinen Serien produziert werden sollen. Für interessierte Pionier-Kund:innen bieten wir gerne erste Produkte auf Anfrage an. Die ersten Kleinserienprodukte werden bald über ausgewählte Händler verfügbar sein.

Couchtisch aus Zellulose
Zellulose innen und außen: Der Couchtisch von PulpStack besteht aus Zellulose und erinnert an einen Baumstamm.© Valerie Oberreiter

Viele nachhaltige Produkte sind aktuell noch teurer als konventionelle. Welche Schritte sind notwendig, damit nachhaltige Materialien für eine breite Zielgruppe leistbar werden?

Wir sehen hier den Aufholbedarf bei der Fertigungstechnologie. Hier hat sich in den letzten Jahrzehnten zu wenig bewegt – Strukturen sind sehr träge und Akteure sehr konservativ. Nachhaltige Materialien sind gut verfügbar, ihre Nutzung für hochwertige Produkte jedoch schwierig und daher teuer. Das ist das Problem bei dem wir ansetzen wollen und bei dem die Industrie sich noch weiter entwickeln muss.

2025 wurdet ihr unter die Top3 greenstars 2025 gewählt. Herzliche Gratulation! Inwiefern beeinflusst diese Auszeichnung eure Entwicklung und was sind eure nächsten Schritte?

Wir waren bis dato ein typisches „Garagen-Startup“ und haben im Keller und der Garage meines Mitgründers Harald begonnen. Durch die Unterstützung von Greenstart war es nicht nur möglich unseren Unternehmensplan deutlich zu verbessern, sondern auch früher aus der Garage in unser erstes Büro zu ziehen. Bis Ende des Jahres möchten wir mit einem Investor oder strategischen Partner den nächsten Wachstumsschritt starten und die nächste Generation unseres 3D Druckers entwickeln.


Kontakt und weitere Informationen:
Website: www.pulpstack.tech
Mail: info@pulpstack.tech
Telefon: +43 660 1411 707