© Hoffmann Martin KategorienNachgefragtKlimafreundlich leben mit „trastic“ Wie können aus Joghurtbechern Möbel entstehen? trastic liefert uns im Interview die Antwort darauf. Das Team sieht Plastik nicht als Wegwerfprodukt sondern als Werkstoff. Erfahre, wie aus scheinbarem Abfall innovative Möbel entstehen und welche Rolle Design, Handwerk und Kreislaufdenken dabei für eine nachhaltigere Zukunft des Wohnens spielen. Wie entstand die Idee, Kunststoff nicht als Müll, sondern als wertvollen Rohstoff zu denken? Die Idee entstand 2019 – auf einem Baugerüst. Wir waren gerade mitten im Hausbau und haben nach hochwertigen und gleichzeitig nachhaltigen Materialien für unsere Einrichtung gesucht. Dabei haben wir festgestellt, dass es im Interior-Bereich kaum wirklich überzeugende Lösungen gibt. Die Inspiration kam dann aus einer ganz anderen Richtung: Wir haben in einer Armbanduhr ein Ziffernblatt aus recyceltem Meeresplastik gesehen. In diesem Moment war klar – genau so etwas braucht es auch im Möbelbereich. Nur größer. So entstand der Gedanke, Kunststoff nicht als Abfall zu sehen, sondern als langlebigen Werkstoff mit großem Potenzial. Was heute Abfall ist, kann morgen ein langlebiger Werkstoff sein. Arno und Wolfgang sind Teil des Teams von trastic und entwickeln aus Plastik neue Möbel.© Daniel Waschnig Wie sieht der Weg von einem gebrauchten Joghurtbecher bis hin zu einem neuen Tisch aus? Woher bezieht ihr die Plastikabfälle? Am Anfang steht das Sammeln und Sortieren von Kunststoffabfällen – zum Beispiel aus Lebensmittelverpackungen oder aus reinsortigen Produktionsabfällen.Diese Materialien werden gereinigt, aufbereitet und anschließend zu neuen Vollkernplatten aus recyceltem Polyethylen gepresst. Diese Platten bilden die Grundlage für unsere Möbel und Einrichtungslösungen. Die Materialien stammen unter anderem aus recycelten Lebensmittelverpackungen, Produktionsausschuss und weiteren Kunststoffströmen. So entsteht am Ende tatsächlich eine Einrichtung, in der über eine Million recycelte Joghurtbecher stecken.Der große Vorteil dieses Materials liegt vor allem in seiner Funktionalität: Es ist wasserfest, feuchtigkeitsresistent und eignet sich besonders gut für den Einsatz im Außenbereich oder überall dort, wo klassische Materialien an ihre Grenzen stoßen. trastic verbindet traditionelles Handwerk mit moderner Recyclingtechnologie. Welche Chancen seht ihr darin für eine zirkuläre Möbelindustrie und eine ressourcenschonende Zukunft des Wohnens? Wir sehen darin eine große Chance, Kreislaufwirtschaft im Möbelbereich tatsächlich umzusetzen. Kunststoff ist ein sehr langlebiges Material, wird aber oft nur kurz genutzt. Wenn es gelingt, diesen Werkstoff wieder in hochwertige Anwendungen zu bringen, verlängert man seine Lebensdauer enorm.Gleichzeitig entwickeln wir unsere Produkte so, dass sie möglichst lange im Einsatz bleiben können. Wir arbeiten aktuell an einem Rücknahmeprogramm und bieten von Beginn an die Möglichkeit, Oberflächen wiederaufzuarbeiten und aufzufrischen. Trastic Platten sind so aufgebaut, dass sie mehrfach aufgearbeitet werden können – ein entscheidender Vorteil für einen funktionierenden Kreislauf. Ob bei Veranstaltungen…© Philipp Lipiarski …in Büros…© Arno Trinkl …oder zur privaten Nutzung. Die Möbel von trastic sind vielseitig einsetzbar.© Sarina Dobernig Eure Möbel bestehen aus 100 % recyceltem Kunststoff. Wo werden sie gefertigt? Spielt Nachhaltigkeit auch hier eine Rolle? Wir arbeiten hauptsächlich mit Partnern im Alpe-Adria-Raum, also in Österreich, Slowenien und Norditalien. Dadurch halten wir Transportwege kurz und können möglichst regional produzieren. In einzelnen Fällen greifen wir auch auf Partner in Deutschland zurück, wenn spezielles Know-how gefragt ist.Nachhaltigkeit spielt also nicht nur beim Material, sondern auch in der Produktion eine wichtige Rolle – insbesondere durch kurze Lieferketten und eine bewusste Auswahl unserer Partner. Die Möbel von trastic werden in Österreich oder in Nachbarländern gefertigt. So können die Transportwege kurz gehalten werden.© Felix Franz Wenn wir an nachhaltige Möbel denken, denken wir nicht nur an Möbel, die ökologisch unbedenklich sind, sondern auch an Gegenstände, die keine negativen Auswirkungen auf unsere Gesundheit haben. Ist das bei Kunststoff-Möbeln gewährleistet? Ja. Unsere Möbel bestehen aus reinsortigem Polyethylen, einem Kunststoff, der seit Jahrzehnten im Lebensmittelbereich und in medizinischen Anwendungen eingesetzt wird. Das Material ist schadstofffrei, sicher und unbedenklich, frei von Weichmachern und Ausgasungen. Gleichzeitig ist es hygienisch und leicht zu reinigen – Eigenschaften, die besonders im Wohn- und Arbeitsbereich wichtig sind. Der verwendet Kunststoff wurde zuvor im Lebensmittelbereich verwendet und ist daher frei von Weichmachern und Ausgasungen.© Sarina Dobernig Werfen wir einen Blick in die Zukunft: Wie könnte nachhaltiges Einrichten in zehn Jahren aussehen – und welche Rolle möchte trastic dabei spielen? Wir glauben, dass nachhaltiges Einrichten in Zukunft viel stärker in Kreisläufen gedacht wird – sowohl beim Material als auch bei der Konstruktion. Deshalb entwickeln wir unsere Möbel so, dass sie wiederaufbereitet, repariert und langfristig genutzt werden können. Wir arbeiten bewusst mit wenigen Grundmaterialien wie Kunststoff und Metall – teilweise ergänzt durch Holz – und setzen auf mechanische Verbindungen statt Verklebungen, damit Möbel später einfach zerlegt, angepasst oder getrennt werden können. Neben unseren Möbel- und Einrichtungslösungen entwickeln und produzieren wir unsere eigenen Trastic® Möbelbauplatten. Seit letztem Jahr bieten wir diese gezielt für Verarbeiter und Privatpersonen an, damit sie selbst Möbel und Projekte im Trastic-Design umsetzen können. So können wir den Einsatz von Recyclingmaterial deutlich erhöhen und mehr Kunststoff im Kreislauf halten. Unsere Rolle sehen wir darin, Materialien und Systeme zu schaffen, die es ermöglichen, Möbel langfristig im Kreislauf zu halten. Trastic ist die Verbindung von Nachhaltigkeit, Design und Funktion in einem Werkstoff. Viele Menschen möchten nachhaltiger leben, wissen aber nicht, wo sie beginnen sollen. Welche Tipps habt ihr für unsere Leser:innen, um das eigene Zuhause nachhaltiger zu gestalten? Ein wichtiger Schritt ist, bewusster zu entscheiden, welche Produkte man kauft und wie lange man sie nutzt – und Dinge auch einmal zu hinterfragen.Viele wissen zum Beispiel nicht, dass heute rund 90 % aller Möbeloberflächen aus Kunststoff bestehen – oft nur als Beschichtung in Holzoptik. Wenn man sich das bewusst macht und Materialien einmal selbst erlebt, entsteht oft ein Aha-Moment. Auf langlebige Materialien achten Möbel wählen, die reparierbar oder aufarbeitbar sind Qualität und klassische Designs vor kurzfristigen Trends stellen Materialien und deren Herkunft bewusst hinterfragen Wenn man einmal ein hochwertiges Material mit angenehmer Haptik erlebt hat, wird schnell klar, dass nachhaltige Lösungen auch funktional und ästhetisch überzeugen können.Gleichzeitig gibt es viele spannende Ansätze für nachhaltige Einrichtungslösungen. Auch wir arbeiten mit unterschiedlichen Materialien und bieten Lösungen aus verschiedenen Ursprüngen an – etwa aus Bierbrauresten, Oliven, Recyclingfilzen bis hin zu Stoffen aus recycelten Materialien. Nachhaltigkeit bedeutet also nicht, alles sofort zu verändern – sondern Schritt für Schritt bessere und bewusstere Entscheidungen zu treffen. Mit langlebigen, hochwertigen Materialien kann man sich ein entspanntes, nachhaltiges Zuhause schaffen. © Sarina Dobernig Kontakt und weitere Informationen: Website: www.trastic.at teilen teilen teilen E-Mail Was dich noch interessieren könnte Zurück Ratgeber 10 Tipps für nachhaltiges Wohnen Ratgeber 12 Tipps für nachhaltiges Einrichten Ratgeber Möbel und Bodenbeläge Ratgeber 5 Tipps für mehr Nachhaltigkeit bei Heimtextilien Ratgeber 7 Tipps für mehr Nachhaltigkeit beim Kauf von Matratzen Ratgeber Möbel und Bodenbeläge ALT Ratgeber Welcher Bodenbelag passt? 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