© Envato KategorienWissenswertNachhaltige Brille: So behältst du den Durchblick Brillen aus Ozeanplastik, Holz, Kork oder der Rizinuspflanze? Die Auswahl an Brillenmaterialien wird immer größer. Hast du dich schon mal gefragt, woraus deine Brille besteht und unter welchen Bedingungen sie produziert wurde? Im Beitrag zeigen wir dir, worauf du bei einem nachhaltigen Brillenkauf achten kannst. Von Herstellung über Material bis Langlebigkeit. Die Brille als Alltagsbegleitung & Accessoire Brillen begleiten viele Menschen durch den Alltag. 2023 benötigten 60% der Österreicher:innen eine Sehhilfe. Besonders bei Jugendlichen steigt der Anteil der Personen, die optische Gläser benötigen (wko.at, 2024). Mit unserer Brille wollen wir in erster Linie gut sehen. Natürlich wollen wir uns aber auch damit wohlfühlen und sie gerne tragen. Neben ihrer wichtigen Funktion als Sehhilfe ist sie also auch ein Accessoire. Damit unterliegt sie jedoch leider oft Modetrends und wird öfter getauscht, als eigentlich nötig. Alte Brillen verstauben so in Schubladen oder landen im Müll. Woraus besteht eine Brille? Brillengestelle: Neben erdölbasierten Kunststoffen, werden heute viele Brillen mit dem leichten biobasierten Kunststoff Acetat hergestellt. Acetat ist eine chemisch hergestellte Faser aus Cellulose, also Baumwolle oder Holzfasern. Vermischt mit Essigsäure entsteht durch eine chemische Reaktion der halbsynthetische Bio-Kunststoff Acetat. Brillengläser: Auch diese bestehen heutzutage meist aus Kunststoff, da dieser bruchsicherer und leichter ist im Vergleich zu Glas. Kleinteile: Damit sich die Fassung zu deiner Brille zusammensetzen lässt, braucht es schließlich noch chemische Klebstoffe, oder Scharniere aus Edelstahl oder Metallen. Eine sortenreine Trennung und somit ein korrektes Recycling ist nach diesem Herstellungsprozess kaum noch möglich. Möchtest du deine Brille entsorgen, musst du sie also in den Restmüll geben. Viele Brillenfassungen werden aus erdölbasiertem Kunststoff oder dem Cellulose-Werkstoff Acetat hergestellt.© Envato Für den besonderen Eye-Catcher werden die Brillengestelle gefärbt.© Envato Durch die vielen unterschiedlichen Materialien, die zur Zusammensetzung der Brille nötig sind, kann man sie nur noch im Restmüll entsorgen.© Envato Worauf du achten solltest: Zeitloses Design und guter Sitz Bei der Wahl einer nachhaltigen Brille solltest du darauf achten, dass du sie möglichst lange tragen kannst und möchtest: Achte auf ein zeitloses Design statt kurzlebiger Modetrends: Schau, ob du ein Modell findest, das mehrere Jahre hält – das spart Geld und Ressourcen. Informiere dich bei deiner/deinem Optiker:in, ob die Gläser austauschbar sind. Sollte sich deine Sehstärke verändern, benötigst du dann keine neue Fassung. Viele Optiker:innen bieten mittlerweile ein kostenloses Service der Brille an: Schrauben werden nachgezogen, der Sitz der Brille überprüft und die Brille gut gereinigt. Sollte mal etwas zu Bruch gehen, empfehlen wir dir zuerst die Einschätzung von Expert:innen einzuholen, ob eine Reparatur möglich ist oder wirklich ein neuer Brillenkauf notwendig ist. Nachhaltige Materialien Aus welchem Material deine Brille besteht, kann dir dein:e Optiker:in beantworten – am besten also einfach nachfragen. Acetat: Wie oben erwähnt, werden daraus heute die meisten Brillen hergestellt. Die Faser besteht aus Cellulose, also Baumwolle oder Holzfasern und wird mit Essigsäure vermischt. Dadurch gibt es eine chemische Reaktion aus der der halbsynthetische Bio-Kunststoff Acetat entsteht. Prinzipiell ist dieser Stoff biologisch abbaubar. Das bedeutet, dass 90% des Stoffes innerhalb von 6 Monaten zersetzt sind. Aber Achtung: Acetat wird oft mit gesundheitsschädlichen Weichmachern gemischt, um das Material biegsamer und anpassungsfähiger zu machen. Außerdem soll es bereits in Form von Mikroplastik in der Arktis gefunden worden sein. Unsere Empfehlung: Greife nur zu Acetat, wenn kein anderes Material zur Auswahl steht. Biokunststoff aus Rizinusöl: Wunderbaum – so wird die Rizinuspflanze oft genannt. Das kaltgepresste Öl aus den Samen dieser Pflanze dient als Grundstoff für Biokunststoffe. Die Rizinuspflanze wächst in subtropischen Regionen, hauptsächlich in Indien und Afrika, aber auch im Süden von Europa. Der Rohstoff legt daher oft einen weiten Weg zurück. Umso wichtiger ist ein biologischer Anbau der Pflanze, denn an sich braucht sie nicht viel, um ihre Wunder zu vollbringen: sie wächst in Gebieten, die für andere Nutzpflanzen oft zu trocken oder nährstoffarm sind. Damit stellt sie auch keine Konkurrenz zum Anbau von Nahrungsmitteln dar. Sparsam wie sie ist, benötigt sie nicht unbedingt eine Düngung oder Bewässerung. Für die Gewinnung wird außerdem weniger Energie verbraucht als bei erdölbasierten Kunststoffen. Plus: das Material ist frei von Chemikalien wie BPA oder BPS und Weichmachern und daher nicht gesundheitsschädlich. Holz: Auch aus Holz können Brillen gefertigt werden. Achte dabei auf die Wahl von heimischen Hölzern wie Walnuss, Ahorn, Buchen, Zwetschken oder Apfel. Da Holz ein lebendiges Material ist, muss bei der Fertigung darauf geachtet werden, dass keine Spannungen auf die Gläser wirken. Ein bisschen Naturöl verleiht der Brille einen schönen Glanz. Zusätzlicher Pluspunkt: die Holzbrillen sind echte Unikate, denn die Maserung unterscheidet sich von Modell zu Modell. Für noch mehr Individualität, kannst du deine Brille bei einem Holzbrillenbaukurs von Werksalon selbst erstellen. Naturmaterial Kork: Schon mal daran gedacht eine Brille aus Kork zu wählen? Kork ist ein nachwachsender Rohstoff und wird durch das Ablösen der Rinde von der Korkeiche gewonnen. Der Baum wird dabei nicht gefällt und lebt weiter. Das ist wichtig, denn die Korkeiche bindet sehr viel CO2. Der Prozess ist jedoch aufwändig und wird von Hand gemacht. Ein Blick auf faire Arbeitsbedingungen ist daher wichtig, ebenso wir die Sicherstellung einer nachhaltigen Forstwirtschaft. Recycelte Materialien: Aus Alt-Plastik werden neue Brillen. Marken sammeln beispielsweise Müll aus dem Meer und verwenden alte funktionsfähige Schrauben und Scharniere, um sie zu einer neuen Brille zusammenzusetzen. Auch alte Kunststoffe wie PET oder Acrylglas und auch Metalle wie Titan, Edelstahl oder Kupfer eigenen sich für ein Recycling. Können Bio-Kunststoffe in der Bio-Tonne entsorgt werden? Nein. Bio-Kunststoffe brauchen zu lange, um sie in unseren Kompost werfen zu können. Bei österreichischen Entsorgungsunternehmen zersetzt sich der Bio-Abfall in der Regel innerhalb von 10-12 Wochen (Abfallberatung Wien, 2022). Bio-Kunststoffe benötigen viel länger und gehören daher in die gelbe Tonne. Aus dem Öl der Rizinuspflanze kann Biokunststoff hergestellt werden.© Envato Kork ist ein vielfältig einsetzbares Material und wird auch für so manche Brillenfassungen verwendet.© Envato Eine Brille aus recyceltem Plastik kann doppelte Vorteile haben: Verringerung der Plastikverschmutzung und Ressourcenschonung.© Envato Nachhaltige Produktion Niemand muss sich im Detail durch Lieferketten wühlen. Oft reicht eine einfache Frage an deine:n Optiker:in. Viele können dazu Auskunft geben und manchmal entdeckt man dabei ganz neue Marken aus Europa oder sogar Österreich. Achte auf kurze Transportwege: Manche Rohstoffe legen einen weiten Weg zurück, bis sie zu deiner Brille verarbeitet werden. Umso wichtiger ist eine transparente Lieferkette. Informiere dich am besten bei deinem Optikbetrieb, wo die Brille produziert wurde (idealerweise in Österreich oder Europa) und woher dieser die Einzelteile bezieht. Faire Arbeitsbedingungen: Faire Löhne und die Einhaltung von internationalen Arbeitsnormen sind ein Muss. Egal ob beim Anbau einer Rizinuspflanze für einen Bio-Kunststoff oder in den Produktionshallen von herkömmlichen Brillen. Energieeffiziente Herstellungsprozesse: im besten Fall werden für die Produktion erneuerbare Energien verwendet und es wird schonend mit Ressourcen wie Wasser umgegangen. Pflege deine Brille Deine Brille unterstützt dich tagtäglich, schenk ihr deshalb auch hin und wieder ein bisschen Aufmerksamkeit. Ein paar kleine Handgriffe im Alltag können die Lebensdauer deiner Brille verlängern: Brille in einem robusten Hartschalen-Etui aufbewahren Regelmäßig sanft reinigen und auf aggressive Reinigungsmittel verzichten. Manche Optiker:innen bieten auch ein Nachfüll-System für Reinigungsmittel an. So sparst du Verpackungsmüll. Gläser mit Brillenputztuch reinigen Kleine Schäden früh reparieren lassen Informiere dich beim Optikbetrieb oder der Marke, wie und wo deine Brille hergestellt wurde.© Envato Ein zeitloses Brillendesign begleitet dich länger als ein kurzfristiger Modetrend.© Envato Mit einer sorgsamen Pflege bleibt deine Brille lange wie neu.© Envato Deine Checkliste für einen nachhaltigen Brillenkauf Wirf vor deinem nächsten Brillenkauf einen bewussten Blick auf diese Checkliste: Produktion: Führt der Optikbetrieb bewusst europäische oder sogar österreichische Hersteller? Stammt die Brille aus heimischer oder europäischer Produktion unter fairen Arbeitsbedingungen? Material: Ist die Fassung recycelt, biobasiert oder besonders langlebig? Gibt es Modelle aus Bio-Acetat, Holz, Titan oder recyceltem Kunststoff? Reparatur und Service: Gibt es Ersatzteile, Service-Angebote (Nachjustierung), oder Reparatur- und Rücknahmeangebote? Können die Brillengläser oder die Fassung bei Bedarf z.B. angepasst oder erneuert werden? Verpackung und Pflege: Wird auf unnötige Plastikverpackung verzichtet? Gibt es Nachfülllösungen für Reinigungssprays? Tipp: Eine etwas teurere, hochwertige Brille ist oft nachhaltiger als mehrere günstige Modelle. © Unsplash Wohin mit alten Brillen? Bring deine noch intakte Brille zu einer Sammelstelle und spende sie. Viele Optiker:innen nehmen alte Brillen zurück und arbeiten mit Hilfsorganisationen zusammen. Die größte Sammelaktion in Österreich ist „Brillen ohne Grenzen“. Du kannst deine Brille ganz einfach per Post (ohne Etui) einsenden oder sie persönlich ins Blindenapostolat Wien bringen. Solltest du deine Brille nicht spenden wollen, musst du sie im Restmüll oder in einem Altstoffsammelzentrum entsorgen. Achtung: Brillengläser gehören nicht in den Altglas-Container, da sie eine andere Zusammensetzung als Verpackungsglas haben. Alte Brillenetuis gehören in den Restmüll. Fazit: Bewusst sehen heißt bewusst entscheiden Eine Brille ist ein kleines Alltagsprodukt – und gleichzeitig ein Gegenstand, der uns jeden Tag begleitet. Wer beim Brillenkauf auf Materialien, Herkunft und Langlebigkeit achtet, unterstützt umweltfreundlichere Produktionsweisen und setzt ein Zeichen für bewussten Konsum. teilen teilen teilen E-Mail Was dich noch interessieren könnte Zurück Start-ups aus Österreich Klimafreundlich leben mit „yooy.design“ Ratgeber 9 Tipps für einen nachhaltigen Schmuckkauf Interview Kristina Riedl: Nachhaltiger Schmuck Wissenswert Nachhaltiger DIY-Schmuck Wissenswert Capsule Wardrobe: So erstellst du deinen minimalistischen Kleiderschank Weiter