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KategorienWissenswertRäume mit Wirkung – warum unser Zuhause mehr mit uns macht, als wir denken.

Nachhaltiges Einrichten bedeutet weit mehr als natürliche Materialien oder kurze Transportwege. Es beginnt bei der bewussten Wahrnehmung unserer Räume und der Frage, wie das, was uns umgibt, auf unser Wohlbefinden wirkt. Ordnungscoach Carmen Berger-Steiner zeigt, warum nachhaltiges Wohnen im Kopf beginnt und wie kleine Veränderungen das Zuhause zu einem echten Wohlfühlort machen können.

Wer sich mit dem Thema nachhaltiges Einrichten beschäftigt, denkt zuerst an schöne Holzmöbel sowie natürliche Materialien und Stoffe. Man achtet auf Herkunft, Produktionsbedingungen und Transportwege. Das sind alles wichtige Überlegungen.
Doch für mich beginnt nachhaltiges Einrichten noch einen Schritt früher – nämlich mit dem Bewusstsein, dass alles, was uns umgibt, auf uns wirkt.

Wie Räume auf uns wirken

Das, was wir sehen, ist nicht immer das, was wir fühlen.
Betreten wir einen Raum, nehmen wir ihn mit unserem Unterbewusstsein wahr noch bevor wir ihn bewusst erfassen. Aus der Sinnesforschung weiß man, dass pro Sekunde rund 11 Millionen Sinneseindrücke von unserem Gehirn verarbeitet werden. Davon nehmen wir jedoch nur etwa 40 Eindrücke bewusst wahr. Der Rest wird in unserem Unterbewusstsein verarbeitet.

Die Wirkung von Farben auf uns Menschen macht sich heute nicht nur die Raumgestaltung zunutze. Auch im Marketing werden Farben gezielt eingesetzt, um Emotionen zu lenken und Kaufentscheidungen zu beeinflussen. Studien konnten beispielsweise bereits zeigen, dass die Farbe Grün – als Symbol für Natur – in Krankenhäusern eingesetzt wird und zur Genesung von Patientinnen und Patienten beitragen kann.

Sowohl die Farblehre als auch die Bewusstseinsforschung zeigen: Räume und ihre Gestaltung haben eine starke Wirkung auf uns – auch wenn uns das oft nicht bewusst ist.

Couchtisch und Sofa mit Dekorationen
Räume haben eine Wirkung auf uns. Daher macht es Sinn, Gegenstände und deren Farben bewusst zu wählen.© Carmen Berger-Steiner

Unser Gehirn scannt ständig mit

Nicht immer war die Welt für uns so sicher wie heute. Unser Gehirn ist deshalb noch immer darauf trainiert, unsere Umgebung fortlaufend nach möglichen Gefahrensituationen zu scannen. Wenn wir einen Raum betreten, versucht es, diesen einzuordnen und sein Gefahrenpotenzial einzuschätzen.

  • Ist ein Raum sehr überladen und unordentlich, erzeugt das einen ständigen visuellen Reiz für unser Gehirn. Unsere Sinne verarbeiten unablässig Informationen, die eigentlich unwichtig sind. Das wirkt ermüdend und wir können uns schlechter konzentrieren.
  • Ist ein Raum hingegen übersichtlich und sind Dinge sinnvoll gruppiert angeordnet, können wir uns gut orientieren. Das sind Räume, in denen wir uns besonders wohlfühlen und entspannen können. Sie geben uns Sicherheit, schaffen Klarheit und ermöglichen es uns, bessere und bewusstere Entscheidungen zu treffen.

Will ich, dass dieser Gegenstand mich beschäftigt?

Doch wie oft hinterfragen wir die Dinge, mit denen wir uns umgeben? Alle Gegenstände, die wir besitzen, verbrauchen nicht nur Ressourcen in der Herstellung – einmal gekauft, beanspruchen sie unsere Aufmerksamkeit und Energie.

Wir wenden Zeit auf, um Geld zu verdienen und sie zu kaufen. Wir packen sie aus, müssen das Verpackungsmaterial entsorgen und einen Platz für sie finden. Wir räumen sie hervor und wieder weg. Vielleicht suchen wir nach ihnen. Wir reinigen sie. Wir denken daran, sie zu warten und zu pflegen. Wir reparieren sie – und am Ende entsorgen wir sie. Das klingt ganz schön aufwändig. Und das ist es auch.

Deshalb sollten wir uns bei jedem einzelnen Gegenstand – und besonders vor jeder neuen Kaufentscheidung – die Frage stellen: Ist es das wert? Will ich, dass dieser Gegenstand mich beschäftigt?

Und ja, viele Gegenstände sind es wert, von uns gepflegt zu werden. Andere hingegen fristen ein vergessenes und ungenutztes Dasein in unseren Schränken – zu gut, um entsorgt zu werden, aber nicht gut genug, um gemocht und regelmäßig verwendet zu werden.

Altes bewusst verabschieden

Wenn es uns schwerfällt, uns von Gegenständen zu trennen, sind wir damit nicht allein. Vielen Menschen geht es so – und es gibt ganz unterschiedliche Gründe, die uns an Dingen festhalten lassen.
Oft ist es die Sorge, einen Gegenstand in Zukunft noch einmal zu brauchen. Vielleicht war er besonders teuer oder schwer zu bekommen. Manche bewahren Dinge auf, die an vergangene Lebensphasen erinnern – aus Pflichtgefühl, aus Unsicherheit oder aus Angst, die Erinnerung zu verlieren. Doch Räume dürfen sich mit uns entwickeln.

Wenn wir Altes bewusst verabschieden, entsteht Platz für das, was wirklich zu unserem aktuellen Leben passt. Beginnen wir, Dinge bewusst auszuwählen, verändert sich auch unser Verhältnis zum Konsum grundlegend. Wir kaufen seltener, dafür ausgewählter, weil wir einen guten Überblick darüber haben, was wir besitzen und was wir wirklich brauchen. Wir reparieren, statt zu ersetzen – und wir schätzen, was wir haben.

Loslassen kann überwältigend sein. Ausmistmethoden à la Marie Kondo erzeugen bei Manchen zusätzlichen Druck – und lassen uns deshalb oft gar nicht erst anfangen. Doch es geht nicht um eine große Entrümpelungsaktion, sondern darum, in kleinen Schritten ins Tun zu kommen.

Eine einfache Methode ist es, einen Timer zu stellen und jeweils nur fünf Minuten auszusortieren. Am besten beginnt man mit dem Offensichtlichen – zum Beispiel kaputten Gegenständen oder leeren Verpackungen – oder mit wenig emotionalen Dingen wie Putzmitteln oder der Besteckschublade. So fällt es später leichter, auch schwierigere Entscheidungen zu treffen.

Hilfreich kann es sein, sich dabei bewusst Fragen zu stellen: Würde ich mir dieses Ding heute noch einmal kaufen?
Habe ich es im letzten Jahr verwendet – oder werde ich es im nächsten Monat verwenden? Wenn du die Entscheidung getroffen hast, Dinge zu gehen zu lassen, denke daran, sie fachgerecht zu entsorgen. Bei rundgehts.at findest du nähere Informationen dazu.

3 Tipps, wie dein Zuhause zum Wohlfühlort wird

Ein Zuhause, in dem wir uns wohlfühlen, entsteht nicht durch Zufall. Es ist das Ergebnis bewusster Entscheidungen und einer achtsamen Gestaltung.
Oft sind es nicht große Veränderungen, sondern kleine Anpassungen, die eine spürbare Wirkung haben. Mit einfachen Prinzipien lässt sich Schritt für Schritt mehr Ruhe, Klarheit und Behaglichkeit in die eigenen vier Wände bringen. Die folgenden drei Tipps können dabei ein erster Start sein.

Sofa mit Decken und Polstern
Mit ein paar einfachen Tricks können wir für ein zu Hause sorgen, in dem wir uns so richtig wohlfühlen und entspannen können.© Carmen Berger-Steiner

1. Kein Inspirationsshopping ohne Plan

Ab und zu passiert es, dass ein wunderschöner Dekogegenstand im Laden begeistert und schon landet er in unserer Einkaufstasche. Zu Hause merken wir aber, dass wir schon ähnliche Stücke haben, er farblich nicht dazu passt oder wir gar keinen passenden Platz dafür haben.

Oft handelt es sich dabei um ungeplantes Inspirationsshopping: Es wird gekauft, was im Moment gefällt, ohne klares Einrichtungskonzept. Ein Einrichtungskonzept ist wie ein roter Faden, der sich durch ein Zuhause zieht. Es verbindet Farben, Materialien und den persönlichen Stil zu einem stimmigen Gesamtbild.
Wer sein Konzept vor Augen hat weiß, was passt und wirklich gebraucht wird und vermeidet unnötige Fehlkäufe.
Ein guter Anfang kann sein, sich zu fragen, mit welchen Farben man sich umgeben möchte und dieser Farbwelt treu zu bleiben. Fehlkäufe lassen sich auch vermeiden, wenn man sich vorab genau überlegt, wo ein Gegenstand seinen Platz im Zuhause finden soll und ob er dort wirklich gut wirkt.

2. Visuellen Lärm reduzieren – weniger ist mehr

Du hast schon wieder eine schöne Vase gefunden, die sich zu deiner Vasen-Sammlung zu Hause gesellen darf?
Wie bereits beschrieben, erzeugen zu viele bunt durcheinandergewürfelte Gegenstände ständige Reize in unserem Gehirn – man spricht in diesem Zusammenhang auch von „visuellem Lärm“. In einem Wohlfühlzuhause ist weniger definitiv mehr. Wir dürfen also den Mut zur Lücke wieder lernen. Eine große, schön platzierte Vase mit ausreichend Raum wirkt oft stärker als eine Vielzahl kleiner Vasen.
Ähnlich ist es bei Bildern. Die Auswahl an schönen Bildern ist groß, doch der Platz auf deinen Wänden begrenzt. Bilder entfalten ihre Wirkung besser, wenn sie den Proportionen der Wand angepasst sind und für sich stehen dürfen.

Beistelltisch mit Deko
Schon kleine Deko-Gegenstände lockern unsere Räume auf. Weniger ist mehr und hilft uns im Alltag den Überblick zu behalten.© Carmen Berger-Steiner

3. Gruppieren und den Dingen einen Rahmen geben

Besonders harmonisch – und für unser Gehirn aufgeräumt – wirkt es, wenn Gegenstände nicht nur gruppiert aufgestellt sind, sondern zusätzlich einen Rahmen erhalten. Dieser Rahmen kann ein Tablett auf dem Esstisch für Kerzen und Blumen sein oder ein schöner Becher für täglich genutzte Stifte.
Durch den Rahmen (wie zum Beispiel ein Korb, eine Box oder ein Tablett) werden mehrere Dinge als Einheit wahrgenommen. Gleichzeitig schafft er eine natürliche Begrenzung und sorgt für visuelle Ruhe.
Als zusätzlichen Bonus erleichtert dies nicht nur das Aufräumen, sondern durch die Begrenzung breiten sich Dinge auch nicht mehr so schnell im ganzen Haus aus.
Hat man einen guten Überblick über seine Dinge, dann hilft dies nicht nur sie rasch wieder zu finden, sondern man vermeidet auch unnütze Doppelkäufe. Dies spart uns nicht nur Zeit und Geld, sondern schont auch die Umwelt.

Tisch mit Dekoration
Gruppiere Dinge und gib ihnen einen fixen Platz. So findest du Dinge schneller und das Aufräumen fällt leichter.© Carmen Berger-Steiner

Nachhaltiges Einrichten beginnt in der Verbindung zu unseren Räumen

Nachhaltig zu leben, bedeutet nicht, perfekt zu sein. Es bedeutet, bewusst zu sein. Bewusst zu kaufen. Bewusst zu entscheiden. Und sich bewusst mit seinen Räumen zu verbinden.
Wenn wir uns mit unseren Räumen beschäftigen und aussortieren, reduzieren wir nicht nur Besitz – wir reduzieren inneren Lärm. Wir schaffen Wohlbefinden und Sicherheit statt Reizüberflutung. Und es entsteht ein neues Bewusstsein für unser Zuhause und die Dinge, die uns umgeben. Dann ist es auch nicht mehr egal, wer diese Dinge hergestellt hat und unter welchen Bedingungen.

Ein bewusst gestalteter Raum ist also kein Luxus.
Er ist eine Grundlage für ein leichteres und nachhaltigeres Leben.


Frau, die auf Couch sitzt und lächelt.
© Sabine Wieser Fotografie

Über die Autorin:

Carmen Berger-Steiner von Raumgeflüster
Carmen ist Feng Shui Beraterin und Ordnungscoach. Sie zeigt Menschen, wie sie ihre Räume von unnötigem Ballast befreien und sie zu Wohlfühlräumen machen. Auf ihrem Raumgeflüster-Blog teilt sie Tipps und Inspiration für ein aufgeräumtes, entspanntes und leichtes Leben & Wohnen.
www.raumgefluester.at