Diese Seite nutzt Cookies. Durch die fortgesetzte Benützung der Seite stimmen Sie der Cookienutzung zu. Mehr Informationen zu diesem Thema finden Sie in derDatenschutzerklärung.

RatgeberBewusst streichen: Farben und Lacke für gesunde Wohnräume

Farben und Lacke werden in Wohnräumen vielseitig eingesetzt – zum Beispiel für Wände, Möbel oder Holzoberflächen. Sie beeinflussen nicht nur das Aussehen, sondern auch Gesundheit, Raumluft und Umwelt. Viele herkömmliche Produkte enthalten problematische Inhaltsstoffe, die noch lange nach dem Auftragen ausdünsten können. Nachhaltige Alternativen helfen dabei, Wohnräume umwelt- und gesundheitsfreundlicher zu gestalten.

Was steckt in herkömmlichen Farben und Lacken?

Konventionelle Wandfarben und Lacke können Lösungsmittel, Konservierungsstoffe, Weichmacher oder Schwermetalle enthalten. Diese Stoffe zählen oft zu den flüchtigen organischen Verbindungen (sog. „VOC“), die während und nach dem Streichen an die Raumluft abgegeben werden. Besonders in Innenräumen kann das zu Reizungen, Kopfschmerzen oder allergischen Reaktionen führen. Auch Lacke, die für Möbel oder Holzoberflächen verwendet werden, sind häufig stark belastet – v.a. lösmittelbasierte Produkte.

Vorab: Streiche nur dort, wo es wirklich nötig ist

Ein nachhaltiger und guter Umgang mit Farben und Lacken bedeutet unter anderem auch, Oberflächen nicht öfter als nötig neu zu streichen. Sparsamer Einsatz reduziert Kosten, Abfall und Umweltbelastung. Und: Nach dem Streichen ist gründliches Lüften wichtig, um eventuell freigesetzte Gase rasch aus den Innenräumen zu entfernen. Möbel oder Gegenstände sollten wenn möglich im Freien gestrichen und getrocknet werden.

Wähle Produkte passend zum Einsatzbereich

Beim Streichen ist der Verwendungszweck entscheidend. Häufig werden Produkte eingesetzt, die für den jeweiligen Anwendungsbereich überqualifiziert sind – etwa stark belastbare Lacke für einfache Innenflächen. Diese enthalten oft zusätzliche Inhaltsstoffe, die nicht notwendig wären. Eine gezielte Auswahl reduziert Schadstoffe und schont Ressourcen.

Tipp: Wenn du dich nicht gut genug auskennst, frage im Fachhandel einfach nach, welche Produkte wofür am besten geeignet sind (und auch schadstoffarm sind).

Frau und Kind streichen eine Wand
Ist orange die richtige Farbe? Wähle deine Wandfarbe möglichst so, dass sie dir auch wirklich lange gefällt, man muss ja nicht bei jedem Trend mitmachen.© envato

Wie erkennst du umweltfreundliche Farben und Lacke?

Nachhaltige Farben zeichnen sich durch schadstoffarme Rezepturen und eine umweltverträgliche Herstellung aus – wir haben die wichtigsten Tipps zusammengefasst:

1. Achte auf schadstoffarme Inhaltsstoffe

Herkömmliche Farben und Lacke können Lösungsmittel, Weichmacher, Konservierungsstoffe oder Schwermetalle enthalten. Besonders problematisch sind unter anderem:

  • Terpene
  • aromatische Kohlenwasserstoffe
  • Formaldehyd‑Abspalter
  • Acrylate
  • chlorierte Kohlenwasserstoffe
  • Kobalt‑Verbindungen

Diese Stoffe können als flüchtige oder schwerflüchtige organische Verbindungen ausgasen und die Raumluft über längere Zeit belasten. Auch Ablagerungen im Hausstaub sind möglich.

2. Greife zu geprüften ökologischen Produkten

Produkte mit anerkannten Labels helfen dabei, gesundheitlich und ökologisch problematische Stoffe zu vermeiden. Dazu zählen beispielsweise folgende – diese Labels kennzeichnen Farben und lacke, die auf Umwelt- und Gesundheitsverträglichkeit geprüft wurden:

  • das Österreichische Umweltzeichen
  • der Blaue Engel
  • das EU Ecolabel

Wichtig: Bezeichnungen wie „Bio“, „Öko“ oder „Natur“ sind nicht gesetzlich geschützt. Auch solche Produkte können Lösungsmittel enthalten – etwa ätherische Öle aus Zitrusschalen –, die dieselben Umweltwirkungen haben wie synthetische Lösemittel.

3. Setze gezielt auf Naturfarben

Naturfarben bestehen aus natürlichen Rohstoffen wie Kreide, Lärchen- oder Kiefernharz, Latschenkieferöl, pflanzliche Ölen. Sie werden häufig im Fachhandel angeboten und sind in der Regel emissionsarm. Naturfarben sind diffusionsoffen (= atmungsaktiv), unterstützen ein ausgeglichenes Raumklima und kommen ohne problematische Zusatzstoffe aus.

Mehr Informationen dazu gibt’s in unserem Beitrag Nachhaltige Wandfarben

Mehrere Farbtöpfe mit Pinseln
Achte bei allen Farben oder Lacken darauf, auf möglichst schadstofffreie und wasserbasierte Produkte zurückzugreifen und immer zu schauen, welches Produkt ist für welchen Zweck auch wirklich das Richtige.© envato

4. Vermeide Produkte mit Schwermetallen

Achte darauf, keine Farben oder Lacke mit Schwermetallen zu kaufen. Pigmente auf Basis von Blei, Chrom oder Cadmium werden heute zwar kaum noch verwendet, können aber in bestimmten Produkten – insbesondere in Rostschutzmitteln – weiterhin vorkommen.

Tipp: Sind die Inhaltsstoffe auf der Verpackung nicht eindeutig angegeben, lohnt es sich natürlich, im Fachhandel gezielt nachzufragen.

5. Bevorzuge emissionsarme und wasserbasierte Wandfarben und Lacke

Wandfarben unterscheiden sich je nach eingesetzten Binde- und Lösemitteln:

  • Leimfarben (Lösemittel: Wasser) gelten als emissionsarm
  • Kalkfarben (Lösemittel: Wasser) sind ebenfalls emissionsarm
  • Silikatfarben (Lösemittel: Wasser oder geringe organische Anteile) weisen meist niedrige Emissionen auf
  • Dispersionswandfarben können Weichmacher enthalten
  • Naturharzfarben verwenden organische Lösemittel, z. B. Zitrusschalenöl

Dispersionsfarben auf Wasserbasis enthalten deutlich weniger Lösungsmittel als klassische Farben. Produkte mit sehr niedrigem oder keinem VOC Gehalt sind besonders empfehlenswert.

Auch Lacke und Lasuren enthalten Binde- und Lösemittel. Sie unterscheiden sich vor allem durch den Pigmentanteil: Lasuren lassen die Holzmaserung durchscheinen, während Deck- oder Buntlacke Oberflächen vollständig abdecken.

  • Wasserbasierte Lacke eignen sich gut für Innenräume.
  • Naturharzlacke auf Basis von Leinöl oder anderen Pflanzenölen sind eine bewährte Alternative für Holzoberflächen.
  • Ein hochwertiger Lack muss seltener erneuert werden – das spart Material, Energie und langfristig auch Kosten.

Nicht vergessen: Entsorge Farben und Lacke fachgerecht

Auch die Entsorgung spielt eine wichtige Rolle:

  • Vollständig entleerte Gebinde können meist recycelt werden
  • Eingetrocknete Farbreste gehören in den Hausmüll
  • Flüssige Farb- und Lackreste müssen bei autorisierten Sammelstellen für Altlacke abgegeben werden

Tipp: Regionale Mistplätze geben dir Auskunft über die richtige Entsorgung.

Fazit: Nicht nur die Farbe an sich zählt

Wer beim Kauf von Farben und Lacken auf schadstoffarme Inhaltsstoffe, emissionsarme Produkte, anerkannte Labels und den passenden Einsatzbereich achtet, schützt Gesundheit und Umwelt gleichermaßen. Ein bewusster Umgang mit Materialien und eine fachgerechte Entsorgung runden nachhaltiges Streichen ab.