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Ratgeber11 Tipps für bewussten Modekonsum und nachhaltige Kleidung

Nicht ausreichende Arbeitsstandards in Textilfabriken, ein hoher Ressourcen- und Energieverbrauch sowie die Verwendung von Chemikalien – es gibt zahlreiche Argumente bei der Modeauswahl genauer hin zu schauen.

Hintergrundwissen

  • Das Problem mit unserem Modeverhalten und Textilkonsum

    Die Mode-Industrie verursacht mit einem jährlichen Ausstoß von 4 Milliarden Tonnen CO2-Äquivalenten etwa 8% des globalen Ausstoßes und damit mehr als der gesamte internationale Flug- und Schiffsverkehr. In Europa ist der Textilkonsum bereits die viert-größte Ursache für Umwelt- und Klimabelastungen und somit stark mitverantwortlich für die Klimakrise. Zudem steht insbesondere Fast-Fashion mit unzureichenden Arbeitsstandards entlang der Textil-Wertschöpfungskette, sowie mit giftigen Chemikalien, die Gesundheit und Umwelt belasten, in Verbindung. Jährlich landen zudem allein in Österreich rund 221.800 Tonnen Textilien im Müll, das entspricht dem Gewicht von 2,77 Millionen Menschen oder auch von über 660 ÖBB-Railjet Zügen. Von allen Alt-Textilien werden nur 17 Prozent wiederverwendet und recycelt, der überwiegende Teil wird verbrannt. Gleichzeitig wird einer Umfrage zufolge etwa jedes achte Kleidungsstück (rund 13 Prozent) in Österreich nie, fast nie oder nur sehr selten getragen. Insgesamt ergibt das für Österreich mindestens 72 Millionen Kleidungsstücke, die vollkommen oder nahezu ungenutzt nur für den Schrank produziert wurden – eine enorme Ressourcen- und Energieverschwendung, die Mensch und Umwelt schadet. All das sind Gründe bei Modekonsum genauer hinzuschauen! Folgende Tipps helfen dir am Weg zu einem nachhaltigeren Umgang mit Kleidung.

1. Hinterfrage Fast Fashion und kaufe weniger Kleidung

  • Im Schnitt konsumieren wir in Österreich zu viel Kleidung, die wir zu kurz oder zu wenig nutzen. Überlege dir daher vor jedem Kauf, ob du ein neues Kleidungsstück auch wirklich brauchst – generell gilt: Je weniger du kaufst, desto besser (nicht nur für die Umwelt, sondern auch für die Geldbörse).
  • Die Initiative THE JUMP empfiehlt, dass wir pro Jahr nicht mehr als drei neue Kleidungsstücke kaufen – so könnten wir rund 6 Prozent klimaschädlicher Emissionen und zahlreiche weitere Ressourcen wie z.B. Wasser einsparen.
  • Wurden früher üblicherweise zwei bis vier Kollektionen pro Jahr im Rhythmus der Jahreszeiten produziert, sind es heute bereits bis zu 24. Mode ist damit zur schnelllebigen Wegwerfware verkommen und wir werden dazu bewegt, mehr zu kaufen, als wir eigentlich brauchen würden. Bleibe deshalb kritisch und lass dich nicht von vermeintlichen Trends oder Aktionen zum Kauf verleiten.
  • Tipp:  Erstelle deinen minimalistischen Kleiderschrank!
  • Manche Modetrends sind übrigens besonders fragwürdig, wie z.B. der „Used Look“, der unter für Arbeiter:innen gefährlichen und für die Umwelt bedenklichen Bedingungen produziert wird. Mach darum besser nicht bei allen Modetrends mit und informiere dich über Herstellungsverfahren und deren Auswirkungen.
  • Wusstest du eigentlich? Baumwolle hat einen enorm hohen Wasserbedarf – für einen Kilo Baumwolle werden zwischen 3.000 bis 7.000 Liter Wasser benötigt. Umgerechnet heißt das: Die Herstellung eines T-Shirts allein braucht in etwa so viel Wasser, wie ein Mensch in 2,5 Jahren trinkt (nämlich 2.700 Liter). Außerdem kommen v.a. bei Monokulturen oft aggressive chemische Düngemittel zum Einsatz, was Mensch und Natur in den Anbauländern stark belastet. Das heißt auch hier gilt: weniger Konsum spart wertvolle Ressourcen. Erfahre mehr über den Rohstoff Baumwolle.

2. Trage deine Kleidung möglichst lange und behandle sie gut

  • Trage deine Kleidung länger! So sparst du Ressourcen und CO2-Emissionen!  
  • Achte auf das Material deiner Kleidung und pflege sie gut:
    • Halte dich an die Pflegesymbole am Etikett.
    • Wasche lieber seltener und wenn, dann bei niedriger Temperatur bzw. mit einer geringen Schleuderzahl.
    • Lass die Wäsche lufttrocknen – das schont deine Materialien, spart Energie im Vergleich zu einem Trockner und kann auch das Raumklima verbessern.
    • Abdampfen statt Bügeln ist sanfter und schont die Fasern.
  • Repariere deine Kleidung bei Schäden oder Abnutzung! Ein Loch im Strick-Pullover, eine abgenutzte Jeans oder dein Kleidungsstück passt nicht mehr? Repariere bzw. gestalte deine Lieblingsstücke durch Kürzen, Umnähen und Aufnähen um.
  • Support und Inspiration findest du z.B. in Repair- bzw. Nähcafés, auf Onlineplattformen wie YouTube, oder du bringst deine Kleidung zu Änderungsschneidereien und unterstützt damit auch kleine, lokale Betriebe in deinem Umfeld.
  • Tipp: Kennst du das repair:festival? Hier kannst du dich inspirieren lassen und Reparatur-Initiativen kennenlernen!

3. Besuche oder organisiere Tauschevents

  • Bevor du Kleidung neu kaufst, nutze dein persönliches Umfeld für einen Kleidertausch! Du willst „alte“ Kleidung loswerden und gleichzeitig Abwechslung in deinen Kleiderschrank bringen? Bei einem Kleidertausch funktioniert genau das gleichzeitig, und zwar kostenlos und nachhaltig.
  • Und das funktioniert so: Bei einem Kleidertausch treffen sich mehrere Personen mit Kleidung, die sie selbst nicht mehr tragen wollen, an einem Ort, um sie dort miteinander zu tauschen. Das kann im privaten Bereich (Kleidertausch zwischen Freund:innen, Schul- oder Arbeitskolleg:innen), oder auch im öffentlichen Bereich passieren (Tauschevent wird von einem Verein oder einer Organisation veranstaltet).
  • Auf der Website Kleidertausch.de lassen sich Kleidertauschevents im gesamten deutschsprachigen Raum finden und eintragen. Auch Social Media ist eine gute Möglichkeit, Events ausfindig zu machen oder auch selbst im eigenen Umkreis zu organisieren. Wie wäre es z.B. mit einem Kleidertausch mit den besten Freund:innen oder für die Kinder und deren Schulkolleg:innen zum Schulstart?
  • Was am Ende übrig bleibt, wird entweder wieder mitgenommen oder gleich gespendet.
  • Tipp: Auf sachspenden.at findest du Standorte, an denen du Altkleidung mit sozialem Mehrwert spenden kannst!

4. Nutze (Online-)Flohmärkte oder Second Hand-Läden

  • Schaue dich auf Flohmärkten oder in Second Hand-Läden um, bevor du zu neuer Ware greifst. So kommst du einfach und günstig an nachhaltige Second-Hand Kleidung.
  • Vor allem das Online-Angebot ist in den letzten Jahren stark gewachsen. Mit Hilfe von Apps wie „Willhaben“, „Vinted“, „Ebay“, „Shpock“, „Mädchenflohmarkt“ oder „Depop“ lassen sich gebrauchte Klamotten ganz einfach finden und auch selbst verkaufen.
  • Ob Low-Budget oder Luxus – auch im Einzelhandel gibt es bei Second Hand-Mode vor allem in Städten bereits ein umfangreiches Angebot, welches von unterschiedlichen Läden abgedeckt wird. Damit kauft man nicht nur nachhaltiger, man unterstützt auch lokale Betriebe und Arbeitsplätze.
  • Auch Online gibt es immer mehr Angebote – bald kann man in Österreich z.B. auf WIDADO sozial, günstig und nachhaltig Second-Hand online shoppen.
  • Bist du skeptisch, Kleidung zu tragen, die bereits von anderen verwendet wurde? Denke daran: Second Hand-Läden reinigen ihre Artikel gründlich, bevor sie in den Verkauf gelangt.
  • Warum ist gebrauchte Kleidung eigentlich nachhaltiger als neue? Für gebrauchte Kleidung werden keine neuen Ressourcen benötigt und durch die längere Nutzungsdauer zahlt sich der hohe Ressourceneinsatz, der für die ursprüngliche Produktion aufgewendet werden musste (Rohstoffe, Wasser, Energie, Arbeitskraft…) mehr aus. Auch die Schadstoffbelastung auf den Körper wird minimiert, da sich bedenkliche Farb- und sonstige Stoffe bei Second-Hand-Kleidung meist schon ausgewaschen haben. Mehr zum Thema haben wir für dich im Beitrag Second Hand statt neu gekauft zusammengetragen.

5. Nutze Miete oder Verleih

  • Leihe bzw. miete statt zu kaufen! Besonders bei einmaligen Anlässe wie Hochzeiten, Bällen oder anderen feierlichen Events überlege dir, ob Ausleihen oder Mieten eine Alternative zum Neukauf sein kann. Vielleicht hat eine:n Freund:in ein Outfit, das du dir ausborgen kannst? Ansonsten wirst du z.B. auch bei Anbietern wie endlosfesch.at fündig, wenn du festliche Outfits wie Kleider, Röcke und Blazer von (heimischen) Designer:innen zum Mieten suchst. Auch Trachten kannst du dir z.B. bei Tostmann leihen.
  • Auch bei Baby- oder Kinderkleidung kann Miete vorteilhaft sein, denn die Kleidergrößen wechseln schnell und durchs Gemeinsam-Nutzen sparst du dir Geld und du tust der Umwelt etwas Gutes. Kindby oder Räubersachen bieten neben Kinderkleidung auch Schuhe, Tragehilfen und Accessoires zum Leihen. Erfahre mehr über Kleidung zum Mieten.

6. Spende nicht genutzte Kleidung bzw. entsorge Textilien richtig, damit sie weiterverwendet werden können

  • Verschaffe dir regelmäßig (z.B. jedes halbe Jahr) einen Überblick über deinen Kleiderbestand und sortiere Teile, die du nicht mehr trägst, aus. Sind sie noch gut erhalten, verschenke sie weiter oder stelle sie gemeinnützigen Organisationen oder Vereinen zur Verfügung.
  • Nicht mehr tragbare Kleidung kann auch zu Putztüchern umfunktioniert und so ein zweites Leben geschenkt werden.
  • Achtung bei Altkleidercontainern: manche werden ohne offizielle Genehmigung aufgestellt. Wenn du eine vertrauenswürdige Abgabestelle mit sozialem Mehrwerst suchst, wirst du unter sachspenden.at fündig.
  • Schon gewusst? Die Menge an Alttextilien pro Kopf hat sich in Österreich in den letzten 20 Jahren verfünffacht. Um den niedrigen Recyclinganteil zu erhöhen, sollen bis spätestens 2025 gemäß EU-Vorgaben alle Alttextilien getrennt gesammelt werden.

7. Greife beim Kauf zu natürlichen und unbehandelten Bio-Materialien

  • Wenn du Kleidung kaufst, greife zu natürlichen und unbehandelten Materialien wie Leinen, Hanf, Wolle oder Baumwolle.
  • Vermeide synthetische Fasern wie Polyester, Polyamid, Elasthan oder Polyacryl (Plastik). Diese werden aus nicht fossilen Rohstoffen (Kohle, Erdöl oder Erdgas) gewonnen und geben beim Waschen Mikroplastik in die Umwelt ab. Rund ein Drittel des gesamten Mikroplastiks im Meer ist auf die Wäsche der synthetischen Textilien (mit 34,8%) zurückzuführen. Mehr dazu erfährst du im Ratgeber Nachwachsende Rohstoffe und im Beitrag zu Mikroplastik.
  • Auch bei Sport- und Funktionskleidung gibt es natürliche Alternativen zu synthetischen Stoffen, wie z.B. Merinowolle oder TENCEL™, eine Funktionsfaser pflanzlichen Ursprungs. Sie hat dieselben positiven Eigenschaften, wie gängige synthetische Fasern und ist dabei auch noch frei von Chemie. Übrigens: Bei der Suche von nachhaltiger Sportbekleidung kannst du dich an der Bewertung der Clean Clothes Kampagne orientieren. Erfahre mehr über nachhaltige Sportbekleidung
  • Vermeide Mischmaterialien. Diese sind schwieriger zu recyceln, weil die unterschiedlichen Stoffe nicht immer voneinander getrennt werden können.

8. Achte beim Neukauf auf qualitätsvolle Gütesiegel

  • Die Textilindustrie hat aktuell einen riesigen negativen Einfluss auf Umwelt, Klima und wird häufig mit schlechten Arbeitsbedingungen in den Produktionsländern in Verbindung gebracht. Um das in Zukunft zu ändern, arbeitet die EU aktuell an einer Strategie für nachhaltige und kreislauffähige Textilien sowie an einem Lieferkettengesetz, das Unternehmen in die Pflicht nehmen soll, Menschenrechte und Umweltschutz zu wahren.
  • Um beim Kauf von Kleidung bereits jetzt sicherzugehen, dass ökologische und soziale Standards bei der Produktion gewahrt werden, achte auf anerkannte Gütesiegel wie GOTS (Global Organic Textile Standard), Naturtextil IVN zertifiziert BEST und das EU-ECO Label. Mit dem Kauf FAIRTRADE-zertifizierter Produkte bzw. die Unterstützung von WearFair-Betrieben leistest du ebenfalls einen Beitrag zur Verbesserung von Lebens- und Arbeitsbedingungen entlang der Textil-Wertschöpfuntskette. Anerkannte Labels, die die Verwendung von Chemikalien reglementieren sind die bereits erwähnten GOTS, Naturtextil IVN zertifiziert BEST, sowie der Blaue Engel, Bluesign und der Grüne Knopf.
  • Achte auf die geschützten Begriffe „Bio“, „organic“ „kbA“ (kontrolliert biologischer Anbau) und „kbT“ (kontrolliert biologische Tierhaltung) – sie werden von einer anerkannten Kontrollstelle zertifiziert. Im Fall der Baumwolle z.B. garantieren Biolabel, dass die Baumwolle frei von Genmanipulation und Pestiziden ist.
  • Du bist unsicher, welche Gütesiegel glaubwürdig sind? Der bewusstkaufen Label-Kompass bietet dir Orientierung im Hinblick auf die gängigsten Nachhaltigkeitslabels für Kleidung.

Tipp: Der Fair Fashion Guide gibt umfangreiche Infos zum Thema nachhaltige und regionale Mode, die unter guten Arbeitsbedingungen hergestellt wurde und qualitativ hochwertig ist. Im Internet gibt’s unter www.greenality.de oder www.avocadostore.at nachhaltige Mode und Textilien. Und mit dem FashionChecker der der Clean Clothes Kampagne kannst du herausfinden, ob die Menschen, die deine Kleidung herstellen, einen fairen Lohn erhalten.

9. Berücksichtige Tierschutz und artgerechte Tierhaltung

10. Achte auf die schadstoffarme Verarbeitung der Textilien

  • Oftmals werden bei der Herstellung von Textilien chemische Stoffe zugesetzt, z.B. um Mikroben abzutöten, Geruchsbildung oder das Ausfärben zu verhindern. Dabei gibt es Hinweise darauf, dass manche dieser Stoffe gesundheitliche Beeinträchtigungen hervorrufen können.
  • Wenn du auf Textilien ohne Chemie wertlegst, vermeide Kleidung, die folgende Attribute aufweist: antimikrobiell, flammgeschützt, antismell, wasserabweisend (PVC) oder bügelfrei.
  • Der „Crash Look“ ( Produkte sollen zerknittert aussehen und auch so bleiben) oder „Fade-out / Used Look“ ist vor allem bei Jeans sehr beliebt, wird allerdings durch das Sandstrahlenverfahren hergestellt, das viel Feinstaub erzeugt und so die Arbeiter:innen stark belastet. In manchen Ländern ist dieses Verfahren bereits verboten. Abgetragen aussehende Jeans kaufst du daher am besten tatsächlich abgetragen, z.B. im Second-Hand Geschäft.
  • Auch bei der Färbung kommen häufig Schadstoffe zum Einsatz. Nachhaltige Labels achten auf möglichst umwelt- und gesundheitsverträgliche Farben. Mehr über ungefärbte Mode

11. Greife zu (österreichischen) Modelabels, mit hohen ökologischen und sozialen Standards

  • Kaufe wenn möglich regional verarbeitete Textilien – so unterstützt du heimische, meist kleine Betriebe, sicherst Arbeitsplätze in der Region und hältst die Transportwege minimal. Zudem bewahrst du traditionelles Handwerk und Wissen zur Textilproduktion.
  • Auf lokalen (Design-)Märkten wie WeFair, Feschmarkt oder Edelstoff kannst du nachhaltige Kleiderlabels aus Österreich bzw. Europa sowie die Menschen dahinter kennen lernen.
  • In Österreich wächst aus klimatischen Bedingungen keine Baumwolle, es gibt aber regionale Alternativen wie z.B. Flachs, Hanf und Wolle. Die Produktion der alten Kulturpflanzen Flachs (für Leinen) und Hanf ist dabei wesentlich umweltfreundlicher als Baumwolle – etwa hinsichtlich des Wasserbedarfs.
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