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Ratgeber7 Tipps für eine klimafreundliche Ernährung

Klimafreundlich zu essen bedeutet sich so lokal, pflanzlich, saisonal, wenig verarbeitet und abfallarm wie möglich zu ernähren. Wie dir das gelingt, zeigen wir dir in unseren Tipps – gereiht nach dem Ausmaß ihrer positiven Auswirkungen auf das Klima.

Hintergrundwissen

  • Der Einfluss unserer Ernährung auf den Klimawandel
    • Was wir täglich essen, hat direkte Auswirkungen auf das Klima. Unser aktuelles Ernährungssystem ist für 21–37 % der globalen Treibhausgasemissionen verantwortlich (CCCA).
    • Ein besonders großer Teil davon fällt auf tierische Produkte: Obwohl nur 23 % unseres Lebensmittelkonsums auf Fleisch- und Milchprodukte entfallen, verursachen sie 67 % der Emissionen des gesamten Nahrungsmittelsektors (WWF).
    • Der Umstieg auf eine vegetarische oder zumindest stärker pflanzenbasierte Ernährung kann einen entscheidenden Beitrag leisten: Laut CCCA lassen sich dadurch bis zu 48 % der ernährungsbedingten Treibhausgasemissionen einsparen. Wenn Fleisch, Milch und Co Teil deines Speiseplans sind, solltest du besonders auf Regionalität und Herkunft achten: Tierische Produkte aus Österreich sind oft mit kürzeren Transportwegen, strengeren Umweltstandards und besserer Tierhaltung verbunden – und damit die klimafreundlichere Wahl (CCCA).
    • Neben der direkten Klimabelastung spielt auch der Flächenverbrauch eine Rolle: Für den weltweiten Anbau von Futtermitteln wie Soja sowie Rohstoffen wie Palmöl werden riesige Waldflächen gerodet – häufig im Amazonasgebiet, in Brasilien oder Argentinien. Pro Minute verschwinden mehr als 21 Hektar Wald – auch für Produkte, die auf unseren Tellern landen, etwa Kakao, Obst oder Kaffee (WWF).

1. Reduziere den Konsum von Fleisch und tierischen Lebensmitteln

Für eine positive Auswirkungen auf die Umwelt, musst du nicht ganz auf Fleisch oder Milch verzichten. Laut dem Climate Change Center Austria können bei einer Reduktion von zwei Dritteln des Fleischkonsums 28 % der Treibhausgas-Emissionen in Österreich eingespart werden (CCCA).

Unser Tipp: Versuch‘s doch mal mit maximal 2 Fleischtagen pro Woche – das tut der Umwelt und deiner Gesundheit gut.

  • Die Einsparung gelingt unter anderem durch den geringeren Tierbestand und die damit einhergehende reduzierte Belastung mit Ammonium und Lachgas – zwei starke Treibhausgase, die bei der Düngung mit Gülle austreten. Außerdem wird durch den geringeren Bedarf an Futtermitteln mehr Fläche für pflanzliche Lebensmittel frei, was wiederum zur Ernährungssicherheit beiträgt (APCC Special Report).
  • Eine abwechslungsreiche Ernährung aus Gemüse, Obst, Vollkornprodukten, Nüssen und Hülsenfrüchten tut nicht nur der Umwelt, sondern auch dir gut. Denn, ein reduzierter Fleischkonsum senkt das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, bestimmte Krebsarten, Diabetes und Übergewicht (thelancet.com).
  • Wusstest du? Für die Herstellung von 1 kg Hülsenfrüchten werden 3,6 m2 Ackerfläche benötigt, im Vergleich dazu wird für 1 kg Rindfleisch fast das 13-fache (46 m2)  benötigt (WWF).
  • Wenn du gerne Fleisch und Milchprodukte isst, dann greife zu regionalen Produkten. Tierische Produkte aus Österreich sind oft mit kürzeren Transportwegen, strengeren Umweltstandards und besserer Tierhaltung verbunden – und damit die klimafreundlichere Wahl.
  • Schau mal in unsere Tipps für einen nachhaltigen Obst- und Gemüsekonsum und entdecke Rezept für eine klimafitte Ernährung im Kochbuch Kochen mit Bohnen, Erbsen & Co. Eine Liste an köstlichen Hülsenfrüchten findest du unter den Hülsenfrüchten des Monats.
  • Noch mehr Infos findest du in unseren Beiträgen zum Thema Vegan for Future und Weniger Fleisch essen.

Übrigens: Österreich liegt mit einem durchschnittlichen Verzehr von 90,8 kg Fleisch pro Person im Jahr über dem europäischen Durchschnitt von 80 kg pro Kopf (APCC Special Report). Eine vegetarische oder sogar vegane Ernährungsweise kann bis zu einer Tonne an Treibhausgasen vermeiden und wird als sogenannter „Big Point“ bezeichnet. „Big Points“ sind Handlungen, die einen starken Einfluss auf deinen ökologischen Fußabdruck haben
(nachhaltigerkonsum.info).

2. Vermeide Lebensmittelverschwendung

Zum Beispiel, indem du nur die Menge an Lebensmitteln kaufst, die du auch wirklich brauchst oder zaubere aus Küchenresten neue Speisen.

  • In Österreich werden eine Million Tonnen Lebensmittel pro Jahr weggeworfen – der größte Teil davon (rd.  521.000 Tonnen) – im Haushalts-Restmüll. Insbesondere bei Fleisch- und Milchprodukten können wir durch die Vermeidung von Abfällen zum Klimaschutz beitragen, denn diese machen über 69 % der gesamten Treibhausgasemissionen der Lebensmittelabfälle aus.
  • Mehr Tipps gegen Lebensmittelabfälle, findest du in unserem Ratgeber zum wertschätzenden Umgang mit Lebensmitteln.

3. Verzichte auf stark verarbeitete Produkte

Wir alle kennen es: manchmal muss es schnell gehen und die Tiefkühlpizza schmeckt einfach zu gut. Wir wissen, dass sie für unsere Gesundheit nicht die beste Wahl ist, aber auch der Umwelt tut sie nicht gut. Fertiggerichte werden häufig unter hohem Ressourceneinsatz hergestellt und stellen somit ein Umweltproblem dar.

  • Als verarbeitet gilt ein Lebensmittel dann, wenn es in der Herstellung durch eine industrielle Bearbeitung – z.B. durch Einfrieren, Erhitzen, Trocknen oder Backen – verändert wurde. Für den Grad der Verarbeitung gibt es Abstufungen: Hochverarbeitete Lebensmittel sind laut NOVA-Klassifizierung Fertiggerichte, die nicht aus vollständigen Lebensmitteln, sondern aus vielen einzelnen Zutaten bestehen und direkt oder nach kurzer Erhitzung verspeist werden können (utopia.de).
  • Bevor wir zu den Nachteilen kommen, zuerst ein paar Vorteile: längere Haltbarkeit, bessere Lagerung und Genießbarkeit durch Backen, Kochen und Garen sprechen für die Verarbeitung von Lebensmitteln
    (veganuary.com).
  • Nachteile sind jedoch ein hoher Energie- und Wasserverbrauch in der Herstellung (z.B. durch Tiefkühlung), sowie eine oftmals aufwändige Verpackung.
  • Wirft man einen Blick auf die langen Zutatenlisten, zeigt sich außerdem, dass hochverarbeitete Produkte viele Zusatzstoffe wie Zucker, Salz und ungesunde Fette enthalten. Meist stammen die Zutaten aus unterschiedlichen Ländern, was zu langen Transportwegen und intransparenten Lieferketten führt.

4. Kaufe regional und saisonal

Der regionale und saisonale Einkauf geht Hand in Hand. Die beste Wahl für dein klimafreundliches Essen sind daher Lebensmittel, die gerade bei uns Saison haben und ganz in der Nähe von dir reifen. Pluspunkt: durch kürzere Transportwege schmecken die Produkte intensiver, da noch mehr Nährstoffe enthalten sind (klimaaktiv).

  • Wusstest du, dass Wintertomaten aus österreichischen Gewächshäusern einen höheren CO2-Ausstoß haben, als importierte im Freien wachsende Tomaten aus Spanien? 5,2 kg mehr CO2-Äquivalente werden von 1 kg Wintertomaten in beheizten Gewächshäusern im Vergleich zu saisonal-regionalen Tomaten (0,3 kg CO2-Äquivalente) ausgestoßen (landschafftleben.at).
  • Wann warst du das letzte Mal auf einem Bauernmarkt? Bei einem Einkauf auf regionalen Märkten schonst du die Umwelt noch mehr, da die Produkte weniger verpackt sind. Hier findest du einen Überblick über Bauernmärkte in ganz Österreich. Wann welches Obst und Gemüse in Österreich saisonal verfügbar ist, findest du in unserem Saisonkalender.
  • Obst und Gemüse selbst anbauen? Regionaler geht’s nicht. Wie du deinen grünen Daumen auf deinem Balkon und in deiner Wohnung ausleben kannst, findest du in unseren Tipps für nachhaltiges Gärtnern, sowie in unseren Beiträgen zum Thema Lebensmittel selbst anbauen. Und im Beitrag DIY-Anzuchttöpfe erfährst du wie du Pflanzen und Samen selber ziehen kannst.
Einkauf auf dem Bauernmarkt
Ein regionaler Einkauf auf einem Markt schont die Umwelt durch kürzere Transportwege und weniger Verpackungsmaterial.© Envato

5. Vermeide Verpackungsmüll

Unverpackt einzukaufen schont Ressourcen. Doch können damit auch Treibhausgasemissionen eingespart werden?

  • Verpackungen tragen dazu bei, die Haltbarkeit von Lebensmitteln zu verlängern, wodurch die Lebensmittelverschwendung reduziert wird (siehe Tipp 2). Die Einsparung von Emissionen durch die längere Haltbarkeit könnte die Emissionen der Verpackung aber überwiegen.
  • Unsere Empfehlung ist dennoch: Greife bei gut haltbaren Lebensmitteln wie Obst und Gemüse zu unverpackten Produkten oder nimm deine eigenen Behälter. Kaufe außerdem nur das, was du auch wirklich (ver-)brauchst. So vermeidest du nicht nur Verpackungsmüll, sondern auch Lebensmittelabfälle.
Unverpackter Einkauf
Mit selbst mitgebrachten Behältern kannst du bei deinem Einkauf Verpackungsmaterial reduzieren.© Envato

6. Kaufe mehr Bioprodukte

Durch den Konsum von pflanzlichen Lebensmitteln aus biologischer Landwirtschaft kannst du pro eingekauftem Kilogramm 10-35 % CO2-Äquivalente im Vergleich zu einem konventionellen Produkt einsparen.

  • Der Begriff „Bio“ heißt zwar nicht automatisch, dass das Lebensmittel gesünder ist, jedoch kannst du dich dabei darauf verlassen, dass keine schädlichen Pestizide in der Herstellung verwendet wurden (Greenpeace).
  • Halte Ausschau nach dem EU Biolabel: Produkte mit dieser Auszeichnung enthalten zu 95 % Zutaten aus biologischer Landwirtschaft. Außerdem wird beim Label angegeben, an welchem Ort die Rohmaterialien angebaut wurden. Mehr zum EU Biolabel und anderen Biosiegeln findest du in unserem Label-Kompass.

Übrigens: In Österreich wurden 2023 27,4 % der landwirtschaftlichen Flächen biologisch bewirtschaftet (bmluk.gv.at). In der Biolandwirtschaft werden im Vergleich zur konventionellen Landwirtschaft 30 bis 60 % weniger CO2-Emissionen pro Hektar ausgestoßen. Die Reduktion der Emissionen wird vor allem durch den Verzicht von synthetischem Düngemittel und importierten Futtermitteln aus Regenwaldgebieten erreicht (CCCA). Durch die Beachtung der Fruchtfolge und den Verzicht auf Pestizide fühlen sich Lebewesen auf den Feldern wohl, was zum Erhalt der Artenvielfalt beiträgt. Außerdem haben Tiere auf biologischen Betrieben mehr Platz, verfügen über Freiflächen und das Futter ist frei von synthetischen Inhaltsstoffen (klimaaktiv). Durch die sanftere Bewirtschaftung des Bodens wird zudem der Hummusanteil erhöht, was wiederum dazu führt, dass mehr CO2 im Boden gespeichert werden kann (klimaaktiv).

Abbildung des EU Biosiegels
Das europäische Bio Label kennzeichnet biologische Lebensmittel.

7. Wähle Produkte mit geringem Wasserverbrauch

  • Wusstest du? Manche Lebensmittel benötigen in der Reife- bzw. Herstellungsphase sehr viel Wasser. Ein bekanntes Beispiel ist der Wasserverbrauch von Rindfleisch. Einer Studie vom Institute for Water Education zufolge braucht es für die Herstellung von einem Kilogramm Rindfleisch in Österreich im Schnitt 8.300 Liter Wasser (landschafftleben.at). Damit könntest du 138 Mal ca. 5 Minuten lang duschen gehen (bmluk.gv.at).
  • Auch der Obst- und Gemüseanbau hat einen hohen Wasserverbrauch und ist von gefördertem Wasser abhängig. Eine Studie des WWF Deutschland aus dem Jahr 2021 ergab, dass eine pflanzliche Ernährung zwar den geringsten Ausstoß an Treibhausgasen verursacht, dafür aber am meisten Wasser benötigt und somit zur Wasserknappheit in Ländern, aus denen wir unser Obst und Gemüse importieren, beiträgt (WWF Deutschland).
  • Wie viel Wasser, welches Lebensmittel benötigt ist natürlich immer davon abhängig, wo dieses wächst oder hergestellt wird. Für die Herstellung von 1 kg Karotten in Österreich werden beispielsweise 130 Liter Wasser benötigt, für Kartoffeln 210 Liter (konsument.at). Einen Überblick über den globalen durchschnittlichen Wasserverbrauch von Lebensmitteln findest du auf www.waterfootprint.org.

Dieses Obst und Gemüse braucht pro Kilogramm am meisten Wasser (migros.ch):

  • Avocado: bis zu 1500 Liter/Kg
  • Spargel: bis zu 1400 Liter/Kg
  • Äpfel: 700 Liter/Kg
  • Gurken: 350 Liter/Kg

Unser Tipp: achte auch hier auf die Regionalität und Saisonalität der Lebensmittel, da diese tendenziell immer weniger Wasser benötigen als weit gereiste Lebensmittel.