Diese Seite nutzt Cookies. Durch die fortgesetzte Benützung der Seite stimmen Sie der Cookienutzung zu. Mehr Informationen zu diesem Thema finden Sie in derDatenschutzerklärung.

Ratgeber12 Tipps für nachhaltiges Einrichten

Nachhaltiges Einrichten bedeutet nicht perfekt ökologisch zu wohnen. Vielmehr geht es darum, vorhandene Ressourcen besser zu nutzen, langlebige Entscheidungen zu treffen und Räume bewusst zu gestalten. Schon kleine Veränderungen können viel bewirken – für den Wohnkomfort, die Umwelt und das eigene Budget. Dieser Ratgeber zeigt dir, welche Maßnahmen sofort möglich sind – und welche langfristig besonders nachhaltig wirken.

Was bedeutet Einrichten?

  • Einrichten

    Das Einrichten eines Wohnraumes umfasst die Auswahl von Möbeln, Farben und Stilen, um den Raum funktional und ästhetisch zu gestalten.

    Wohnen umfasst hingegen die grundlegenden Bedingungen unseres Lebensraums: Raumklima, Materialien, Energieverbrauch, Gesundheit und langfristige Wohnqualität. Du möchtest mehr über nachhaltiges Wohnen erfahren? Dann schau in unserem Ratgeber 10 Tipps für nachhaltiges Wohnen vorbei.

Warum kann unsere Einrichtung Umwelt und Gesundheit belasten?

  • Hoher Ressourcenverbrauch
    • Für Möbel werden Holz, Metalle, Kunststoffe und Energie eingesetzt – je häufiger Möbel ersetzt werden, desto höher ist der Ressourcenverbrauch.
    • Günstige Möbelstücke legen oft einen weiten Weg zurück und verursachen auf ihrem Weg zu uns zusätzliche CO₂-Emissionen.
    • Billigmöbel landen oft nach einer sehr kurzen Nutzungsdauer auf dem Sperrmüll.
    • Trendbasierte Dekogegenstände bestehen oft aus Mischmaterialien oder Kunststoff, sind schwer recycelbar und müssen daher im Restmüll entsorgt werden.
    • Heimtextilien aus konventioneller Produktion benötigen viel Wasser in der Produktion.

     

    Quellen: umwelbundesamt.at; energieinstitut.at

  • Freisetzung von Chemikalien

    Durch unsere Möbel und Heimtextilien können Schadstoffe wie Kleber, Lackierungen, Lösemittel oder Beschichtungen, die in der Produktion verwendet wurden, in die Innenraumluft gelangen. Auch wenn die Konzentration der giftigen Stoffe alleine sehr gerin ist, können sie in Summe unsere Gesundheit beeinträchtigen.

    Quelle: energieinstitut.at

Kleine Änderungen mit vorhandenen Dingen

  • Aufwand und Kosten: gering
  • Wirkung: Mehr Überblick und Ordnung, neu gestaltete Räume, gepflegte Einrichtungsgegenstände

Viele nachhaltige Verbesserungen beginnen nicht im Möbelhaus, sondern im eigenen Zuhause. Mit einfachen Handgriffen lässt sich viel verändern – ganz ohne Neukauf.

1. Schaffe Ordnung und gewinne den Überblick

Ein nachhaltiges Zuhause beginnt mit Klarheit. Was wir in unseren Räumen aufbewahren und wie wir sie gestalten, wirkt direkt auf unser Wohlbefinden. Unsere Raumgestaltung beeinflusst aber nicht nur wie wohl wir uns fühlen, sondern auch unser Konsumverhalten und sogar unsere Gesundheit. Was sichtbar und leicht zugänglich ist, wird häufiger genutzt und besser gepflegt.

2. Hinterfrage kritisch wie viel du besitzen möchtest

Dinge, die ungenutzt bleiben, benötigen Platz, Pflege und unsere Aufmerksamkeit. Wer den Überblick verliert, kauft schneller Dinge nach, die eigentlich schon vorhanden sind. Das kostet Geld und braucht doppelte Ressourcen. Zu viele Gegenstände können zudem unterbewusst Stress in uns auslösen. Das kannst du tun:

  • Gehe Raum für Raum bewusst durch und sortiere selten genutzte Dinge aus.
  • Lege klare Funktionsbereiche fest: z.B. Arbeiten, Kochen, Essen, Entspannen, Schlafen
  • Schaffe sichtbare Ordnung indem du Dinge gruppierst. Zum Beispiel mit Körben, Boxen oder Tabletts.

Wie du dein Zuhause zu einem richtigen Wohlfühlort machen kannst und warum unser Zuhause mehr mit uns macht, als wir denken, erfährst du im Gastbeitrag von Ordnungscoach Carmen Berger-Steiner.

3. Pflege deine Einrichtung

Die nachhaltigste Einrichtung ist jene, die lange genutzt wird. Ein paar einfache regelmäßige Pflegeschritte verlängern die Lebensdauer deutlich.

  • Holz ölen oder wachsen: schützt vor Austrocknung und Rissen
  • Polster reinigen: entfernt Schmutz, der Materialien schneller altern lässt
  • Kleine Kratzer oder Schäden ausbessern: Möbelwachs oder Reparaturstifte helfen schnell.
  • Matratzen pflegen: Matratzenschoner verwenden, regelmäßig absaugen, drehen und wenden. Noch mehr Tipps für die richtige Pflege von Matratzen findest du in unserem Beitrag Matratzen richtig pflegen – So verlängerst du die Lebensdauer.

4. Gestalte Räume mit bestehenden Dingen neu

Neues schaffen, ohne Neues zu kaufen? Ja das geht, oft sogar einfacher als gedacht.

  • Ordne Möbel neu an: so verändern sich Wege in deinem Wohnraum und du wirfst vielleicht einen neuen Blick auf manche Dinge.
  • Lege natürliche Lichtquellen frei: Binde deine Vorhänge z.B. zur Seite, um mehr Tageslicht reinzulassen. Schau mal durch deine Räume und prüfe, ob manche Möbel vielleicht den Lichteinfall in deine Räume verstellen. Findest du einen anderen Platz für sie?
  • Setze vorhandene Teppiche gezielt in Räumen ein, in denen die Akustik nicht so gut ist oder du das Gefühl hast, dass der Raum kalt wirkt.  
  • Ordne Bilder neu an oder bringe sie in anderen Räumen unter. Vielleicht findest du auch alte Fotos, die du aufhängen oder einrahmen könntest?

5. Setze nachhaltige Textilien ein

Textilien verändern Räume besonders schnell und wirkungsvoll. Sie schaffen ein Gefühl von Gemütlichkeit und Wärme und können Farb-Akzente setzen. Der Austausch von Vorhängen, Kissenbezügen, Teppichen oder Decken kann einen großen Unterschied machen. Bei der Wahl von Textilien empfehlen wir dir auf folgende Dinge zu achten:

  • Schadstoffgeprüfte und umweltfreundliche Stoffe ohne Chemikalien: Zertifikate wie das Österreichische Umweltzeichen, Blauer Engel oder GOTS geben dir Auskunft über mögliche enthaltene Schadstoffe.
  • Naturstoffe wie Baumwolle, Leinen oder Wolle aus fairer Produktion.
  • Langlebige, waschbare und gut verarbeitete Materialien.
  • Zeitlose Farben und Designs, die dir lange gefallen, anstatt kurzfristiger Trends.

Mehr dazu erfährst du in unserem Ratgeber 5 Tipps für mehr Nachhaltigkeit bei Heimtextilien.

6. Wähle Dekoartikel bewusst

Hand aufs Herz: Wir alle waren schon mal im Möbelhaus und schon landet ein kleiner netter Dekoartikel in unserer Einkaufstasche. Trendartikel sind kurzfristig schön, können uns aber schon nach kurzer Zeit nicht mehr gefallen. Entweder sie verstauben bei uns zuhause oder landen im Müll. Auch wenn die Angebote verlockend sind, verursachen sie oft übermäßigen Konsum. Das kannst du tun:

  • Kaufe Dekoartikel nur, wenn du sie wirklich brauchst. Überlege dir bereits davor, was du gerne hättest und an welchen Ort der Gegenstand hinkommen soll. Achte auch darauf, welche Farben und Textilien zu deiner vorhandenen Dekoration passen könnten. Mehr Tipps gegen Inspirationsshopping ohne Plan findest du im Gastbeitrag von Ordnungscoach Carmen Berger-Steiner.
  • Wähle hochwertige Stücke, die länger haltbar sind.
  • Tausche Deko: Du möchtest etwas Neues? Hör dich bei Freunden oder innerhalb deiner Familie um. Vielleicht möchte jemand gerne Deko tauschen. So bekommt der Gegenstand auch gleich eine persönliche Note.
  • Greife zu natürlichen Materialien wie zum Beispiel unbehandeltes Holz, Stein, Keramik, Naturfasern wie Leinen oder Baumwolle.
  • Bastle dir deine eigene Deko:
    • Trockne Blumen aus deinem Garten und binde daraus einen Trockenblumenstrauß. Sieht nicht nur toll aus, sondern bleibt auch lange erhalten.
    • Bastle eine Deko aus Zweigen, Zapfen, Steinen oder Treibholz aus deiner Umgebung. Ob ein Mobile oder eine Tischdeko; selbst hergestellte Dinge haben einen größeren Wert und machen mehr Freude.

Neuer Look für deine Möbel und Räume

  • Aufwand und Kosten: mittel
  • Wirkung: Erneuerung und Upcycling von Möbelstücken, mehr Grün im Wohnraum

Wer etwas mehr investieren möchte, kann mit gezielten Maßnahmen die vorhandene Einrichtung nachhaltig aufwerten.

1. Erneuere Möbelstücke und schenke ihnen ein neues Leben

Dein Möbelstück hat schon bessere Zeiten gesehen? Das muss nicht heißen, dass du es gleich entsorgen musst. Mit ein paar einfachen Tricks kannst du sie wieder aufpeppen. Wusstest du? Oft besitzen ältere Möbel eine höhere Materialqualität als neue Massenprodukte – ihre Aufarbeitung lohnt sich also besonders.

  • Lasse alte Sessel oder Bänke neu polstern.
  • Schleife Holztische oder Holzmöbel ab und öle oder wachse sie neu.
  • Ziehe lockere Schrauben nach, um für mehr Stabilität deiner Möbel zu sorgen.
  • Gib deinen Möbeln einen neuen Anstrich.

2. Probiere dich im Upcycling

Upcycling verlängert nicht nur die Produktlebenszyklen, sondern ermöglicht es dir Dinge ganz individuell zu gestalten. Mit wenig Materialeinsatz entstehen so einzigartige Einzelstücke statt Wegwerfprodukte. Hier ein paar Ideen:

  • Baue aus vorhandenen Dingen neue Möbel: Aus alten Holzkisten oder Paletten lassen sich Regale oder Sitzmöbel herstellen. Auch aus Büchern lassen sich neue Dinge basteln wie zum Beispiel ein Beistelltisch.
  • Tausche Griffe oder Beine, um deinen Möbeln einen neuen Touch zu verleihen. Tipp: auf Flohmärkten findet man oft alte Knopfgriffe, die zu echten Hinguckern auf deinen Möbeln werden können.
  • Lackiere Kommoden oder Schränke neu. Achte dabei auf die Wahl von nachhaltigen Lacken und Farben.

Solltest du deine Möbel dennoch weggeben wollen, kannst du sie auch spenden oder in Verkaufs-, Tausch- und Schenkbörsen inserieren. Im Beitrag Gebrauchte Möbel – Alternativen zum Sperrmüll findest du eine Liste an Annahmestellen für Möbel- und Sachspenden.

3. Zimmerpflanzen – kleine Veränderung mit großer Wirkung

Zimmerpflanzen verbessern das Raumklima, erhöhen das Wohlbefinden und sogar unsere Stimmung. Außerdem bringen sie natürliche Farben in deinen Wohnraum.

Größere Pflanzen können auch zur Abgrenzung und Einteilung von Räumen dienen. Überlege dir daher vor dem Kauf:

  • Wo soll die Pflanze stehen?
  • Wie viel Licht ist dort?
  • Wie viel Pflege braucht sie?
  • Welche Größe passt zum Raum?

Bei der Wahl der Übertöpfe kann auf natürliche Materialien wie Keramik oder Holz geachtet werden.

Welche Pflanzen für die Innengestaltung deiner Räume geeignet sind und was du bei der Pflege deiner Pflanzen beachten solltest, erfährst du in unserem Beitrag Darauf solltest du bei Zimmerpflanzen achten.


Ganzheitlich neues Einrichtungskonzept

  • Aufwand und Kosten: hoch
  • Wirkung: Neues Raumgefühl mit Materialien, die sich positiv auf Gesundheit und Umwelt auswirken

Du möchtest deine Räume grundlegend neugestalten? Dann lohnt es sich, sich Gedanken über ein klares Konzept zu machen.

  • Was genau soll umgestaltet werden? Ein kleiner Bereich, ein Raum, eine Etage oder eine ganze Wohnung/ein ganzes Haus?
  • Was ist dir bei der Umgestaltung wichtig? Komfort, Gemütlichkeit, Nachhaltigkeit, Modernität?
  • Wie viel Budget hast du dafür zur Verfügung?
  • Möchtest du vieles selbst umsetzen oder dir Unterstützung holen?

Nachdem du diese Fragen beantwortet hast, kann es an die Umsetzung gehen.

1. Denke dein Raumkonzept ganzheitlich

Die nachhaltigste Einrichtung ist zeitlos. So reduzierst du spätere Neuanschaffungen und damit den Ressourcenverbrauch.
Folgende Denkanstöße können dir dabei helfen:

  • Farbwahl: wähle ruhige, langlebige Farbpaletten
  • Textilien: plane gut, in welchen Räumen du welche Textilien einsetzen möchtest. Braucht es in allen Räumen Vorhänge oder Teppiche?
  • Möbelwahl: entscheide dich für flexible Möbelkombinationen, die sich an deine Lebensumstände anpassen lassen oder auch für andere Zwecke in anderen Räumen geeignet sind.
  • Stil: ob Landhaus, Moderne oder klassischer Charme. Entscheide dich für einen klaren Stil statt einem kurzfristigen Trend. Das erleichtert einerseits Kaufentscheidungen und verringert andererseits das Risiko an Fehlkäufen.

2. Achte auf qualitativ hochwertige Möbel

Beim Neukauf lohnt es sich auf die Qualität und somit auch die Lebensdauer zu achten, anstatt nur anhand des Preises zu entscheiden. Hochwertige Möbel können dich über viele Lebensphasen begleiten. In unserem Beitrag zum Thema Nachhaltige Holzmöbel findest du Tipps für einen nachhaltigen Möbelkauf. Vor deinem Einkauf empfehlen wir dir einen Blick auf diese Checkliste:

  • Lässt sich das Möbelstück gut zusammenbauen und im Fall des Falles auch reparieren?
  • Ist das System vielleicht sogar modular und lässt sich somit je nach Bedarf und Lebenslage anpassen, umbauen oder erweitern?
  • Gibt es Ersatzteile?
  • Besteht das Möbelstück aus Massivholz statt kurzlebiger Verbundstoffe wie Furniere?
  • Stammt das Material aus fairer Produktion und wird es über möglichst kurze Transportwege geliefert?
  • Ist das Möbelstück mit einem anerkannten Siegel ausgezeichnet wie zum Beispiel mit dem Eco-Institut oder dem Indoor Air Comfort-Label. Oder wurde es nach dem Cradle-to-Cradle-Prinzip hergestellt? Mehr zu den einzelnen Labels findest du in unserm Label-Kompass.

Möbel aus recyceltem Plastik? Wie man aus altem Plastik neue Möbel herstellen kannst, erfährst du im Interview mit trastic. Und auch aus Papier lassen sich Möbel herstellen. Im Interview mit PulpStack erklären uns die Gründer:innen, was mit 3D-Druck alles möglich ist.

3. Unser letzter Tipp

Die Neugestaltung von Böden kann Räumen ein ganz neues Wohngefühl verleihen. Mehr dazu erfährst du in unserem Beitrag Welcher Bodenbelag passt?.


Nachhaltiges Einrichten beginnt mit bewussten Entscheidungen

Nachhaltigkeit im Wohnbereich entsteht nicht durch Perfektion, sondern durch viele kleine Schritte. Wer Räume bewusst gestaltet, schafft nicht nur ein nachhaltigeres Zuhause, sondern auch mehr Ruhe, Qualität und Wohnkomfort im Alltag.