Ratgeber9 Tipps für einen nachhaltigen Schmuckkauf Schmuck begleitet uns durchs Leben: Erinnerungen, Persönlichkeit und Freude in einem Stück. Doch hinter funkelnden Edelsteinen stecken oft eine hohe Umweltbelastung und problematische Arbeitsbedingungen. Mit ein paar bewussten Entscheidungen kannst du Schmuck fairer und nachhaltiger wählen. Unsere 9 Tipps zeigen dir, wie das geht: von Second Hand Schmuck über faires Gold und Silber bis hin zu Labordiamanten. Hintergrundwissen Missstände im Abbau von Rohstoffen Schmuck besteht meist aus Edelmetallen und Edelsteinen, deren Gewinnung mit erheblichen Umwelt- und Sozialfolgen verbunden ist. Der Abbau von Edelmetallen wie Gold und Silber sowie Edelsteinen (u.a. Diamanten, Rubine, Saphire) verursacht massive Umweltprobleme. Oftmals steht der Abbau in Zusammenhang mit Konflikten sowie Kinderarbeit. Gold: Auf der Erde liegen die größten Goldvorkommen in China, Australien, Russland, Kanada, den USA und Mexiko, doch auch in vielen tropischen Regionen wird nach Gold gegraben. Im Amazons-Regenwald beispielsweise wird viel Gold in artisinalen Verfahren gewonnen – häufig auch illegal und in Bereichen, die unter Naturschutz stehen. Das trägt zu einer massiven Entwaldung und Zerstörung von Lebensräumen bei. (regenwald-schuetzen.org) Saphire: Saphire werden vor allem in Madagaskar sowie in kleinerem Umfang in Sri Lanka, Ostafrika und Asien abgebaut. Der Abbau ist häufig von gefährlichen Arbeitsbedingungen, Armut, Kinderarbeit, Umweltschäden und Korruption geprägt; die lokalen Arbeiter und der Staat profitieren kaum, während Zwischenhändler und internationale Schmuckfirmen hohe Gewinne erzielen und die Lieferketten oft kaum transparent oder kontrolliert sind. (Public Eye Magazin Nr. 45, 2024) Hinzu kommt, dass beim Goldabbau häufig giftige Stoffe wie Quecksilber oder Zyanid eingesetzt werden die nicht nur für die Arbeiter:innen vor Ort gesundheitsschädlich sind, sondern auch Böden, Flüsse sowie Grundwasser vergiften. (regenwald-schuetzen.org; greenjournal.greenpeace.at) Viele Goldminen sind in Regionen angesiedelt, in denen indigene oder lokal ansässige Gemeinschaften leben. Der Abbau bedeutet für sie oft den Verlust ihres Landes. Sozial kommen häufig Ausbeutung, unfaire Arbeitsbedingungen und Kinderarbeit hinzu. Missstände kommen vor allem in handwerklichen Kleinbergwerken vor, die auch unter dem Begriff „Artisanal and small scale mining“ (ASM) zusammengefasst werden. (regenwald-schuetzen.org; fairmined.org; responsiblemines.org) Schadstoffe in Billigschmuck Tests zeigen, dass Billigschmuck stark mit Schadstoffen belastet sein kann: In Shein-Halsketten wurden mehr als 85% Cadmium gefunden – eine sehr gefährliche Menge, denn der EU-Grenzwert liegt bei nur 0,01%. Das Metall ist krebserregend und kann Knochen- und Nierenschäden verursachen. Solltest du Bedenken haben und deinen Schmuck entsorgen wollen, bringe ihn unbedingt zu einer Schadstoffsammelstelle. (orf.at, 2025) Intransparente Lieferketten In einem Bericht von 2020 wurden 15 große Schmuck- und Uhrenfirmen hinsichtlich der Verhinderung von Menschenrechts- und Umweltverstößen analysiert. Das Ergebnis war ernüchternd: die meisten können ihre Gold- und Diamantenlieferketten nicht bis zu den Minen rückverfolgen. Außerdem gibt es laut dem Bericht keine gründlichen Menschenrechts-Risikoanalysen und auch Branchenzertifikate sind oft zu wenig rigoros und intransparent. (hrw.org, 2020) Welche Branchenzertifikate eine Rückverfolgung bis zu den Minen sicherstellen können, findest du weiter unten im Text und in unserem Label-Kompass. Vor einem etwaigen Neukauf 1. Frag dich, ob du wirklich neuen Schmuck brauchst Wirf einen Blick in dein Schmuck-Kästchen, bevor du dir etwas Neues zulegst. Vielleicht findest du dort ein längst vergessenes Schmuckstück das plötzlich wieder zu deinem Lieblings-Accessoire wird. Kette oder Ohrring kaputt? Oft lassen sie sich ganz einfach reparieren. Mit einer kleinen Zange kannst du Verschlüsse auch selbst wieder anbringen. Bei komplizierteren Reparaturen ist ein Juwelier der richtige Ansprechpartner. 2. Bastle deinen Schmuck selbst Mit ein bisschen Kreativität kannst du deinen eigenen Schmuck herstellen. Ein handgemachtes Schmuckstück hat nicht nur einen persönlichen Wert, sondern ist auch ein echtes Unikat und kann eine nachhaltige Geschenkidee sein. Es gibt unzählige Do-it-yourself (DIY) Sets und Tutorials, mit denen du aus natürlichen Materialien oder upgecycelten Dingen deine eigenen Kreationen erschaffen kannst. In unserem Beitrag Nachhaltiger DIY-Schmuck, findest du Tipps und Bastelanleitungen für die Herstellung von Schmuck aus Materialien, die du zu Hause hast. 3. Greife zu Second-Hand-Schmuck Schaue dich auf Flohmärkten oder Secondhand-Plattformen um. Dort findest du wundervolle Schmuckstücke, denen du ein zweites Leben schenken kannst. Achte dabei auf einen fairen Preis, denn wenn der Schmuck zu günstig angeboten wird, hat er vielleicht eine schlechte Qualität oder es könnte sich sogar um Diebesgut handeln. Eine gute Alternative sind Auktionshäuser wie das Dorotheum, die für eine seriöse Herkunft bürgen. 4. Leihen statt Kaufen Für eine besondere Gelegenheit wie den Valentinstag kannst du auch in Betracht ziehen ein besonderes Schmuckstück für das Ausgehen zu mieten. Dies ist eine besonders gute Option für extravagante Stücke, die man nur selten tragen würde. Auf diese Weise reduzierst du die Nachfrage nach neuem Schmuck. Mit deinem selbst gebastelten Schmuck kannst du deiner Kreativität freien Lauf lassen. Gleichzeitig schonst du die Umwelt und deine Geldbörse.© Envato Auf Flohmärkten oder bei einer Tauschparty mit Freund:innen findest du besondere Schmuckstücke mit Geschichte.© Envato Bei einem Neukauf Achte beim Kauf auf folgende Tipps, falls du ein neues Schmuckstück benötigst. 1. Kaufe weniger, dafür qualitativ hochwertigen Schmuck Investiere lieber etwas mehr in dein Schmuckstück. So hast du länger Freude damit und kannst es ohne Sorge tragen. Informiere dich am besten direkt bei einem Juwelier über die Herkunft deines Schmuckstückes und die verwendeten Materialien. Denn neben gesundheitsschädlichen Metallen wie Cadmium (siehe Hintergrundwissen), können günstige Ohrstecker auch einen hohen Anteil an Nickel aufweisen, das Allergien auslösen kann. Nickel ist unsichtbar – ein einfacher Schnelltest aus der Apotheke gibt dir Auskunft über den Nickel-Gehalt. 2. Wähle natürliche Materialien Immer mehr Designer:innen nutzen alternative Materialien wie Holz, Ton, recycelte Glasperlen oder auch Bioplastik. Diese Schmuckstücke sind oft besonders einzigartig und haben keine negativen Auswirkungen auf deine Gesundheit oder die Umwelt. Ein:e Juwelier:in oder ein:e Goldschmied:in kann dir Auskunft über die Qualität deines Schmuckstückes geben.© Envato Schmuck aus nachhaltigen Materialien wie Holz schonen die Umwelt und sind echte Hingucker.© Unsplash 3. Zeitloser Schmuck statt Fast Fashion Wähle langlebige Schmuckstücke anstatt billige Massenware aus großen Produktionsketten. Zeitlose Klassiker begleiten dich länger als kurzfristige Trend-Accessoires. So vermeidest du den stetigen Neukauf und sparst auf lange Sicht Geld und Ressourcen. Dabei solltest du dir bewusst sein, dass sowohl Metalle wie Gold, Silber oder Kupfer als auch Edelsteine problematisch sind. Selbst bei zertifizierter Herkunft bleibt Schmuck aus neu gewonnenen Materialien aus ethischer und ökologischer Sicht schwierig. 4. Goldschmuck – aber fair! Ökologisch gewonnenes Gold: Während sich Gold, das frei in Flüssen vorkommt, durch einfaches Waschen herauslösen lässt, benötigt die Gewinnung aus Gestein umweltschädliche Stoffe wie Quecksilber oder Zyanid. Da das Goldwaschen jedoch weniger profitabel ist, wird es seltener praktiziert. Frag am besten direkt bei deinem Juwelier oder Goldschmied nach, wie das verwendete Gold gewonnen wurde. Achte auf Gütezeichen. Sie geben dir in den oft intransparenten Lieferketten einen Orientierungspunkt. Siegel wie Fairtrade Gold oder auch Fairmined setzen sich für eine transparente Herkunft, faire Arbeitsbedingungen in den Goldminen und eine gerechte Preisgestaltung ein. Für Silber und Platin, die als Nebenprodukte bei der Goldgewinnung anfallen, gelten die gleichen Standards wie für das Fairtrade Gold Siegel. Problem gelöst mit Recycling-Gold? Auch wenn zertifzierter Schmuck eine gute Wahl darstellt, schonst du die Umwelt mit Schmuck aus recycelten Materialien noch mehr. Recycling-Gold besteht aus recycelten Schmuckerzeugnissen oder Industrieabfällen. Damit wird der Bedarf an neu abgebauten Rohstoffen reduziert. Achte aber auch bei Schmuck aus recycelten Materialien darauf, dass diese nachweislich aus verantwortungsbewusster Herkunft stammen.Achtung: Irgendwann wurde auch dieses Gold abgebaut. Recycling-Gold ist daher zwar eine bessere Wahl, löst aber das Ursprungs-Problem des unfairen und umweltschädlichen Gold-Abbaus nicht. (responsiblemines.org) Minimalistischer Schmuck fällt nicht aus der Mode, ist leicht zu kombinieren und begleitet dich wahrscheinlich länger als Trend-Schmuck.© Pexels Informiere dich bei einem Goldkauf über die Produktion und Herkunft der Materialien und achte auf faire Arbeitsbedingungen.© Canva 5. Achte auf Gütezeichen Gütezeichen helfen dir dabei, nachhaltige und ethisch hergestellte Schmuckstücke zu wählen. Durch Zertifzierungen wie Certified Sustainability Rated Diamonds, Fairtrade Gold oder Responsible Jewellry Council wird sichergestellt, dass die Arbeiter:innen in den Abbauregionen unter fairen und sicheren Bedingungen arbeiten und eine gerechte Entlohnung erhalten. Fairtrade Gold: Das Siegel steht für faire Arbeitsbedingungen und schließt Zwangsarbeit und Diskriminierung aus. Es fördert Kleingewerbliche und handwerkliche Bergleute sowie deren Gemeinschaften, sodass sie sich organisieren und für ihre Rechte einsetzen können. Der Standard verlangt Transparenz und Rückverfolgbarkeit vom Minenstandort bis zum Endprodukt, mit unabhängigen Kontrollen und Dokumentation jeder Transaktion. Sicherheitsstandards und wirtschaftliche Gerechtigkeit zählen ebenso zu den Fairtrade-Kriterien. Bergbauorganisationen, die keine Chemikalien einsetzen erhalten außerdem eine höhere Prämie für ihr Gold, um die Kosten der Umweltkontrollen tragen zu können. Die Fairtrade-Standards sind explizit auf Goldminen ausgelegt, decken aber auch die Edelmetalle Silber und Platin ab. Responsible Jewellery Council: Der Responsible Jewellery Council (RJC) ist eine 2005 gegründete gemeinnützige Normungsorganisation. Sie agiert nach einem eigenen Verhaltenskodex, welcher der Einhaltung sozialer und ökologischer Standards entlang der gesamten Lieferkette dient, vom Abbau des Rohmaterials bis zum Einzelhandel. Dabei stehen die Arbeitnehmerrechte und gute Arbeitsbedingungen ebenso im Fokus, wie die Gesundheit, Sicherheit und der Umweltschutz. Der RJC bietet eine Chain of Custody (CoC)-Norm, mit der Unternehmen eine nachprüfbare Lieferkette für Materialien einrichten können, inklusive Dokumentation der Übergaben entlang der Produktion. Allerdings bedeutet das nicht automatisch, dass alle zertifizierten Produkte bis zur Mine rückverfolgbar sind, sondern dass das Unternehmen Systeme zur Kontrolle und Dokumentation hat. Certified Sustainability Rated Diamonds: Dieses Gütezeichen gilt sowohl für natürliche als auch im Labor gezüchtete Diamanten und versichert, dass der Edelstein strengen Kriterien in Hinblick auf Umwelt, Soziales und Unternehmensführung entspricht und eine Rückverfolgbarkeit bis hin zur Quelle des Materials nachweislich durchführbar ist. Der Fokus wird zudem auf einen Netto-Null-Kohlenstoff-Fußabdruck und nachhaltige Produktionspraktiken gelegt. Fairmined: Der Standard fördert eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen, ein verbessertes Umweltmanagement sowie einen Beitrag zum Wohlergehen der Familien und der Gemeinschaft, indem der Zugang zu besseren Märkten ermöglicht wird, die einen fairen Preis anerkennen und Prämien gewähren. Darüber hinaus gewährleistet das Fairmined Labeled Modell, dass das zertifzierte Edelmetall physisch und lückenlos von der Mine bis zum Markt rückverfolgbar und getrennt von nicht-zertifiziertem Material gehalten wird. Mit dem umweltfreundlichen Standard Fairmined Ecological Gold, darf beim Gewinnungsprozess kein Quecksilber oder Zyanid verwendet werden. Dafür erhalten die produzierenden Organisationen eine höhere finanzielle Prämie. Anerkannte Schmuck-Labels helfen dir bei der Orientierung und Kaufentscheidung von nachhaltigem Schmuck© RJC, Fairmined, Certified Sustainability Rated Diamonds, FAIRTRADE Du fragst dich was Laborgezüchtete Diamanten (LGD) sind? Für die Herstellung von Labor-Diamanten wird mithilfe von Hochdruck, Hitze und einem chemischen Verfahren eine Umgebung hergestellt, die die gleichen Bedingungen, wie im inneren unserer Erde aufweist. So können synthtetische Diamanten entstehen mit den gleichen pyhsischen, chemischen und optischen Eigenschaften, wie natürliche Diamanten. Die Produktion von synthetischen Diamenten benötigt jedoch sehr viel Energie, die leider oft aus fossilen Brennstoffen stammt. Bei einer Umstellung auf erneuerbare Energien, sind Labordiamanten die umweltfreundlichere Wahl. Außerdem ist die Produktion im Labor aus ehtischer Sicht deutlich unbedenklicher. Und auch deine Geldbörse freut sich: Labor-Diamanten können um bis zu 75% günstiger sein. Der Begriff Labor-Diamanten klingt zwar nicht so edel, die Edelsteine haben aber die gleiche Qualität und werden umweltschonender und fairer produziert.© Pexels Versuche Informationen über die Produktionsbedingungen zu erhalten, damit du eine nachhaltige Kaufentscheidung treffen kannst.© Unsplash Zum Schluss: Niemand kauft immer perfekt. Jede bewusste und informierte Kaufentscheidung zählt. So kannst du dein Accessoire ohne Bedenken und hoffentlich sehr lange mit großer Freude tragen. teilen teilen teilen E-Mail Was dich noch interessieren könnte Zurück Wissenswert Nachhaltiger DIY-Schmuck Wissenswert Aus Alt mach Neu: Upcycling Nachhaltig im Alltag Ein nachhaltiger Valentinstag Wissenswert Capsule Wardrobe: So erstellst du deinen minimalistischen Kleiderschank Nachgefragt Nachgefragt bei… astwerk® Interview Kristina Riedl: Nachhaltiger Schmuck Weiter