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RatgeberSecond Hand statt Fast Fashion: 8 Tipps für einen nachhaltigen Kleiderschrank

Mode ist Ausdruck unserer Persönlichkeit – doch Fast Fashion verursacht hohe Umweltbelastungen, viel Textilmüll und oft problematische Arbeitsbedingungen. Eine nachhaltige Alternative ist Second Hand Mode: Sie schont Ressourcen, verlängert die Lebensdauer von Kleidung und hilft dabei, bewusster zu konsumieren. In diesem Ratgeber findest du Tipps für den leichten Einstieg in die Welt der Second Hand Mode.

Die Auswirkungen von Fast Fashion

  • Ressourcenintensive Herstellung

    Die Textilindustrie zählt zu den ressourcenintensivsten Branchen weltweit: Für die Herstellung von Kleidung werden große Mengen an Wasser, Energie und Rohstoffen benötigt, gleichzeitig entstehen hohe CO2-Emissionen.

    • 2022 wurden in der EU für die Textilproduktion 355 kg CO2 pro Person verursacht – das entspricht einer Autofahrt von 1.800 Kilometern.
    • Für ein Baumwoll-T-Shirt werden 2.700 Liter Wasser benötigt. Damit kann man eine Person zweieinhalb Jahr mit Trinkwasser versorgen. (Europäisches Parlament, 2025)
  • Künstliche Fasern erhöhen Mikroplastik-Belastung

    Auch in der Nutzungsphase hat die Kleidung Auswirkungen auf Mensch und Umwelt: Bei jedem Waschgang gelangen Mikroplastikfasern aus synthetischen Textilien über das Abwasser in Flüsse und Meere. Laut dem Europäischen Parlament können bei einer einzigen Wäsche von Polyesterkleidung bis zu 700.000 Mikroplastikfasern freigesetzt werden. Das entspricht dem Gewicht von ca. 1.000 ausgewachsenen Elefanten.

  • Große Mengen an Textilabfall

    Nach einer kurzen Tragezeit landet unsere Kleidung oft auf Deponien (vor allem im globalen Süden) von denen ein Großteil verbrannt wird. In Österreich fallen laut dem Statusbericht zur Abfallwirtschaft von 2025 für das Referenzjahr 2023 jährlich rund 213.000 Tonnen an Textilabfällen an. Pro Person werden also rund 23 kg Kleidung pro Jahr weggeworfen.

  • Schlechte Arbeitsbedingungen

    Auch die sozialen Auswirkungen sind gravierend. Ein großer Teil der Kleidung wird in Ländern mit niedrigen Löhnen produziert, wo Beschäftigte häufig unter schwierigen Bedingungen arbeiten. Lange Arbeitszeiten, geringe Bezahlung sowie mangelnde Arbeitssicherheit sind in Teilen der Branche nach wie vor Realität. Ein Beispiel, das die nach wie vor vorherrschenden Missstände weltweit sichtbar gemacht hat, ist der Einsturz der Textilfabrik Rana Plaza im Jahr 2013 mit mehr als 1.100 Todesopfern. Bis heute gilt diese Tragödie als Mahnung für mehr Verantwortung entlang der Lieferketten

So findest du langlebige Second Hand-Schätze

1. Starte mit kleinen Kleidertauschevents

Nicht jedes neue Outfit muss gekauft werden. Bei einem Kleidertausch kannst du meist kostenlos oder gegen eine geringe Teilnahmegebühr Mode mit anderen tauschen.

Kleidertauschpartys unter Familie, Freund:innen oder Nachbar:innen sind oft ein guter Einstieg für Second Hand Mode. Du weißt, wer das Stück davor getragen hat und hast so eine Erinnerung an eine deiner liebsten Personen. Verbinde den Kleidertausch mit einem gemütlichen Brunch oder Abendessen und mach ihn zu einem besonderen Erlebnis.

Für mehr Auswahl an Größen und Stilen empfehlen wir dir öffentliche Kleidertauschevents. Schnapp dir die Kleidung, die du nicht mehr trägst und gib sie beim Event ab. Je nach System wird bunt durchgetauscht oder direkt von Person zu Person. So schonst du nicht nur Ressourcen und Geld, sondern knüpfst vielleicht auch neue Kontakte.

2. Stöbere durch Second Hand Läden

In Österreich gibt es zahlreiche Möglichkeiten nachhaltig einzukaufen. Bei der Wahl des Second Hand Shops, empfiehlt sich ein genauer Blick hinter die Kulissen. Informiere dich online oder frag in den Shops nach: Woher kommt die Kleidung? Was passiert mit dem Erlös? Wohin kommt Kleidung, die nicht verkauft werden kann?

Diese Möglichkeiten gibt es in Österreich:

  • Lokale Second Hand Geschäfte in vielen Städten und Gemeinden
  • Vintage-Boutiquen mit ausgewählten Einzelstücken: Achtung! Vintage ist nicht gleich Second Hand. Frage am besten nach, ob die Kleidung neu hergestellt wurde, oder tatsächlich Second Hand-Ware ist.
  • Sozialkaufhäuser, deren Erlöse sozialen Projekten zugutekommen
  • Flohmärkte und saisonale Märkte
  • Online-Plattformen für gebrauchte Kleidung: Hinter manchen großen Second Hand Online-Shops stecken große Fast Fashion Brands. Setze auf Shops wie WIDADO, die nicht nur Second Hand Mode anbieten, sondern auch mit sozialwirtschaftlichen und karitativen Organisationen in Österreich zusammenarbeiten. Oder nutze Plattformen, bei denen du direkt von Privatpersonen kaufen kannst.
  • Charity Shops verschiedener gemeinnütziger Organisationen

In der Öko-Textil-Datenbank der Umweltberatung kannst du nach Second Hand Shops filtern und Angebote in deiner Nähe entdecken.

3.  Kaufe auch bei Second Hand bewusst

Second Hand sollte kein Freifahrtschein für übermäßigen Konsum sein. Überlege vor jedem Kauf, ob das Kleidungsstück wirklich zu deinem Stil passt, sich gut kombinieren lässt und du es regelmäßig tragen wirst. Denn Nachhaltigkeit bedeutet nicht nur gebraucht zu kaufen, sondern insgesamt bewusster zu konsumieren.

4. Trau dich, zu unperfekten Stücken zu greifen

Vor dem Tausch oder Kauf lohnt sich ein genauer Blick. Ein kaputter Reißverschluss, gelöste Nähte oder Knöpfe, oder kleine Flecken und Löcher sind nicht zwingend ein Ausschlussgrund für die Wahl des Kleidungsstücks. Kleine Mängel lassen sich oft leicht reparieren. Schneidereien oder kostenlose Reparatur Cafés können dir bei der Reparatur helfen. Auf der Plattform repaircafés kannst du nach einem Angebot in deiner Nähe suchen.

5. Löse dich von Vorurteilen gegenüber Second Hand Kleidung

Die meisten Second Hand Stücke werden vor dem Verkauf kontrolliert oder gereinigt. Wasche neu erworbene Kleidung vor dem ersten Tragen, dann kannst du sie wie jedes andere Kleidungsstück bedenkenlos nutzen.

6. Setze auch bei Second Hand Kleidung auf zeitlose Schnitte

Die perfekte Wahl? Second Hand und Langlebigkeit vereint. Gebrauchte Stücke bieten die perfekte Gelegenheit, eine langlebige Garderobe aufzubauen. Zeitlose Farben und klassische Schnitte lassen sich vielseitig kombinieren. So werden sie dich viele Jahre begleiten und können womöglich sogar nochmal weitergegeben werden.

7. Mach einen Materialcheck

Nicht jedes Material altert gleich gut. Naturfasern sind häufig langlebiger, atmungsaktiver und angenehmer zu tragen. Besonders robust sind oft Baumwolle, Leinen, Hanf oder Wolle. Achte außerdem auf Materialmischungen. Je mehr unterschiedliche Materialien vermischt werden, desto komplizierter ist die Trennung. Das Recycling wird somit erschwert. Gleichzeitig lohnt sich ein Blick auf das Pflegeetikett, damit das Kleidungsstück auch im Alltag zu deinen Bedürfnissen passt.

8. Bleib offen für Überraschungen

Second Hand Shopping funktioniert anders als der Einkauf im klassischen Modegeschäft. Meistens gibt es Einzelstücke, die es kein zweites Mal gibt. Stöbere am besten offen durch und suche nicht nach einem ganz bestimmten Kleidungsstück. Lass dich auf neue Stile ein und bring so frischen Second Hand-Wind in deinen Kleidungsstil.  


Second Hand Mode ist eine einfache Möglichkeit, nachhaltiger einzukaufen und Fast Fashion zu reduzieren. Wer gebrauchte Kleidung kauft schont Ressourcen, verlängert die Lebensdauer von Textilien und spart oft Geld. Ob Kleidertausch, Second Hand Shop oder Online-Plattform – jeder bewusste Kauf trägt zu einem nachhaltigeren Kleiderschrank und einer ressourcenschonenderen Zukunft bei.


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