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Gastbeitrag

Susanne Hasenhüttl: Nachhaltig investieren

Der Trend zur Nachhaltigkeit macht auch vor Investments nicht halt. Welche Ansätze werden verfolgt? Welche Möglichkeiten gibt es für mich als Anlegerin oder Anleger? Und wie erkenne ich nachhaltige Geldanlagen? Dies und mehr beantwortet Susanne Hasenhüttl in Ihrem Blogbeitrag.

Green Investment-Profi Susanne Hasenhüttl beschäftigt sich bereits seit Jahren mit dem Thema nachhaltiger Anlagemöglichkeiten. In ihrer Funktion u.a. als Leiterin der Nachhaltigkeitszertifizierung für betriebliche Vorsorge- und Pensionskassen sowie als Mitglied der Geschäftsführung der Crowdinvesting-Plattformen Crowd4Climate und Crowd4Energy zeigt sie für Bewusst Kaufen die vielfältigen Möglichkeiten des Nachhaltigen Investments auf.

Nachhaltig investieren – oder wie legen Sie Ihr Geld an?

Unter dem Konzept der Nachhaltigen Entwicklung versuchen Unternehmen in ihre ökonomisch basierten Entscheidungen ökologische und soziale Aspekte mit zu berücksichtigen. Auch die Finanzmärkte honorieren in zunehmendem Maße diese Bemühungen und belohnen nachhaltig wirtschaftende Unternehmen mit guten Unternehmensbewertungen. Der Trend zur Nachhaltigkeit macht sich in der Folge auch an der stetig steigenden Zahl an Nachhaltigen Investmentprodukten bemerkbar. Nachhaltige Geldanlagen erfuhren im Jahr 2016 im österreichischen Markt ein hohes Wachstum und kamen auf ein Gesamtvolumen von 13,2 Milliarden Euro. Gesamt betrachtet sprechen wir dennoch nach wie vor von einem (wachsenden) Nischenmarkt von rund 7,6 Prozent des Gesamtmarktes.

Grüne Investments in nachhaltige Branchen und Staaten

Im Grunde gibt es für Anlegerinnen und Anleger fast alle Bankprodukte auch in einer grünen bzw. nachhaltigen Ausrichtung. Am häufigsten vertreten bzw. bei fast allen österreichischen Banken angeboten werden Nachhaltigkeits- bzw. Ökofonds. Es gibt verschiedene Ansätze, wie aus einem konventionellen Investmentfonds eine nachhaltige Variante davon wird: Zumeist werden Branchen, die als nicht-nachhaltig gelten (z.B. Rüstungsindustrie, Kernenergie, Gentechnik, Menschenrechtsverletzungen in Unternehmen), aus dem Investmentuniversum ausgeschlossen. Das heißt, dass in diese Branchen nicht investiert werden darf.

Ein „positiver“ Zugang wäre, gezielt in Branchen oder Unternehmen zu investieren, die eine gute Nachhaltigkeitsperformance aufweisen (z.B. Unternehmen, die ökologischer oder energieeffizienter produzieren oder Unternehmen aus der erneuerbaren Energie-Branche). Das gleiche Prinzip gilt auch für Investments in Staaten – auch hier wird ein nachhaltiges Investment Staaten bevorzugen, die eine nachhaltige Entwicklung in ihrem Land vorantreiben.

„Best-in-Class“-Prinzip: Belohnung der Vorreiter

Ein weiterer Ansatz ist das sogenannte Best-in-Class Prinzip: Dabei werden die – aus Nachhaltigkeitssicht – besten Unternehmen einer Branche ausgewählt, um deren Vorreiterrolle zu belohnen. Das ist auch der Grund, warum es möglich ist, dass z.B. Unternehmen der Automobilbranche in nachhaltigen Fonds vertreten sein können, was oft für Verwunderung und Unverständnis sorgt.

Zunehmende Berücksichtigung finden seit den letzten Jahren klimapolitische Aspekte: Einige Vorreiterinnen und Vorreiter in der Finanzbranche leisten ihren Beitrag zu einer „Dekarbonisierung“, also zu einer kohlenstoffärmeren Wirtschaft, indem sie – meist schrittweise – aus der fossilen Industrie aussteigen. Konkret bedeutet das, dass Investments aus dieser Industrie abgezogen werden (man spricht vom sogenannten „Divestment“). Ein weiterer Ansatz zur Dekarbonisierung beizutragen, besteht darin, die fossile Energiebranche nicht mehr zu finanzieren (z.B. keine Kredite für Kohleunternehmen). Allein darin zeigt sich, welche Bedeutung der Finanzindustrie für eine nachhaltige, zukunftsfähige Wirtschaftsentwicklung zukommt.

Labels schaffen Transparenz

Wie erkennen nun aber Konsumentinnen und Konsumenten bzw. Anlegerinnen und Anleger nachhaltige Geldanlagen? Wie bei jedem Investment ist den (privaten) Anlegerinnen und Anlegern anzuraten, sich gut zu informieren und beraten zu lassen, bevor ein Investment getätigt wird. Transparenz zu schaffen bzw. den Investorinnen und Investoren Unterstützung bei der Wahl grüner Fondsprodukte in die Hand zu geben, ist das Ziel des „Österreichischen Umweltzeichens für Nachhaltige Finanzprodukte“.

Dieses Umweltzeichen, das es auch für andere Produktgruppen gibt (bekannt z.B. von Mineralwasser-Glasflaschen, Wandfarben, Toilettenpapier, Gastronomiebetriebe, etc.), zeichnet Investmentfonds aus, die strengen nachhaltigen Kriterien genügen. Mittlerweile gibt es bereits an die 100 Fonds, die das Umweltzeichen tragen. Seit 2015 gibt es ein weiteres Gütezeichen, das FNG-Label, das nach strengen Kriterien Investmentfonds im deutschsprachigen Raum auszeichnet .

Förderung von Umwelt- und Sozialprojekten

Neben Investmentfonds gibt es aber auch z.B. sogenannte Umweltsparbücher, die zumeist so ausgerichtet sind, das mit dem Geld der Sparerinnen und Sparer bestimmte Umwelt- oder Sozialprojekte finanziert werden. Allerdings gibt es dazu noch ein sehr geringes Angebot am Markt. Grundsätzlich gilt: Fragen Sie in Ihrer Bank nach entsprechenden nachhaltigen/grünen Produkten! Aktiv angeboten werden diese leider nach wie vor in den seltensten Fällen. Erst einige Bankfilialen, die entsprechend geschulte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben, bieten bereits aktiv nachhaltige Investmentprodukte an.

Eine weitere Hilfestellung für Anlegerinnen und Anleger bei der Auswahl ihrer Investments soll die Website www.gruenesgeld.at bieten. Dieses Internetportal, vom Österreichischen Umweltministerium und der ÖGUT initiiert, bietet einen Überblick über, nach nachhaltigen Kriterien ausgerichtete, Investmentprodukte.

Die Power der Crowd nützen

Eine weitere Alternative für nachhaltige/grüne Geldanlagemöglichkeiten liegt in den verschiedenen Angeboten von Bürgerinnen- und Bürgerbeteiligungsmodellen. Es geht hierbei zumeist um Investitionen in Erneuerbare Energieträger (v.a. Wind, Kleinwasserkraft, PV). Diese Modelle können vertraglich sehr unterschiedlich ausgestaltet sein (z.B. sog. Sale-and-Lease-back Modelle, Gutscheinmodelle etc.). Ein konkretes Beteiligungsmodell ist das „Crowdinvesting“. Dabei handelt es sich um eine Finanzierungsmethode, bei der ein Projekt (oder ein Unternehmen) gemeinsam von vielen – zumeist Kleininvestorinnen und Kleininvestoren – über eine Internetplattform, die als Vermittlungsplattform fungiert, finanziert wird.

In Österreich gibt es derzeit vier Crowdinvesting-Plattformen, die explizit Beteiligungen in nachhaltige und grüne Unternehmen und Projekte bieten: Crowd4Climate, Crowd4Energy, Green Rocket und Crowdfunding für Gemeinwohl (wobei bei der letzteren Plattform der Investmentgedanke nicht im Vordergrund steht). Wichtig bei allen Investitionsmöglichkeiten ist es aber, sich gut zu informieren, sich beraten zu lassen und neben der zweifelsfrei interessanten ökologischen Komponente auch das Risiko jedes Investments zu beachten. Fragen Sie nach! Die private Geldanlage ist neben einer möglichst ökologischen Lebensweise ein weiterer Beitrag, den jede und jeder zu einer nachhaltigen Entwicklung leisten kann.

Vorsorgekassen als Vorreiter in Österreich

Neben den Möglichkeiten, die Privatanlegerinnen und Privatanleger haben, ihr Geld nachhaltig anzulegen, stellt sich die Frage, was eigentlich die Großinvestorinnen und Großinvestoren (Vorsorge- und Pensionskassen, Versicherungen, Banken) tun. Indem sich diese Institutionellen Investorinnen und Investoren zunehmend zu diesem Thema bekennen, wird das Wachstum der nachhaltigen Geldanlagen maßgeblich angekurbelt.

Ein österreichisches Spezifikum sind die Betrieblichen Vorsorgekassen, die seit 2003 die „Abfertigungsgelder“ der österreichischen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer veranlagen: Alle acht Vorsorgekassen am Markt veranlagen diese Gelder nach nachhaltigen Grundsätzen. Konkret bedeutet das, dass zumindest ein Teil der Altersvorsorge der Österreicherinnen und Österreicher nachhaltig veranlagt wird.

Zukünftige Entwicklung und Ausblick

Besonders spannend zu beobachten sind derzeit die jüngsten Entwicklungen auf EU-Ebene: Aufbauend auf einem Expertinnen- und Expertenpapier, das im Vorjahr erarbeitet wurde, hat die EU-Kommission im März dieses Jahres einen Aktionsplan für ein nachhaltigeres Finanzsystem entwickelt. Die Kommission will Kapitalflüsse in nachhaltige Investments leiten, Transparenz und langfristiges Handeln fördern. Bereits im Mai will die Kommission erste Regulierungsvorschläge dazu vorlegen. Das ist ein beachtliches Tempo, bedenkt man, dass es in der Vergangenheit weder auf EU-Ebene noch in einem Mitgliedstaat besonders bemerkenswerte fördernde (rechtliche) Rahmenbedingungen für nachhaltige Investments gegeben hat. Aber die Zeit spricht für diese Entwicklung und auch für das hohe Tempo. In Anbetracht des Klimawandels ist es höchst an der Zeit, einen entsprechenden Rahmen zu schaffen, der die nötige Finanzierung für zukunftsfähige Investitionen sicherstellen kann.

Mag.a Susanne Hasenhüttl

ÖGUT – Österreichische Gesellschaft für Umwelt und Technik

Portrait von Susanne HasenhüttlMag.a Susanne Hasenhüttl begann 2001 im Fachbereich „Ökologische Ökonomie“ als wissenschaftliche Mitarbeiterin ihre Tätigkeit in der ÖGUT. Zuvor arbeitete sie in der Projektmanagement Group der WU-Wien. Susanne Hasenhüttl baute in der ÖGUT das Themenfeld „Nachhaltiger Finanzmarkt bzw. Grünes Investment“ auf und beschäftigt sich seither mit den vielfältigen Fragestellungen in diesem Bereich. Sie ist seit 2004 Leiterin der Nachhaltigkeitszertifizierung für betriebliche Vorsorgekassen und Pensionskassen. Susanne Hasenhüttl ist zudem in unterschiedlichen Fachbeiräten und Jurys vertreten, z.B. in der ASRA-Jury für die besten Nachhaltigkeitsberichte oder in der Jury von GREEN BRANDS. Zudem ist sie Komiteemitglied des FNG-Siegels für nachhaltige Publikumsfonds. Seit März 2018 ist Susanne Hasenhüttl Mitglied der Geschäftsführung der Crowdinvesting-Plattformen Crowd4Climate und Crowd4Energy.

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