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Ratgeber8 Tipps zu Kräutern und Gewürzen

Kräuter und Gewürze sind als Heil- und Gewürzpflanzen aus unserem Alltag nicht wegzudenken. Im Handel gibt es jedoch keine verpflichtenden Herkunftsangaben für Kräuter und Gewürze, was die Transparenz bei Produktionsbedingungen und Rückverfolgbarkeit erschwert. Im Rahmen von Kontrollen werden bei konventioneller Supermarktware immer wieder auch Pestizidrückstände nachgewiesen. Deshalb bewährt sich besonders der Kauf von heimischen Kräutern und Gewürzpflanzen aus kontrolliert biologischem Anbau. Mit folgenden Tipps trägst du dazu bei, die Umweltauswirkungen von Kräutern und Gewürzen zu minimieren und gleichzeitig nachhaltigere Konsumentscheidungen zu treffen.

1. Setze auf biologischen Anbau

Setze bei Kräutern und Gewürzen auf kontrolliert biologischen Anbau, gekennzeichnet durch Bio-Labels wie Austria Bio Garantie, BIO Austria, AMA-Biozeichen oder EU-Bio-Logo. Bio-Kräuter und -Gewürze werden bodenfreundlich bzw. ohne den Einsatz von chemischen Pestiziden und Düngemitteln angebaut, was die Umweltbelastung verringert.

2. Greife bevorzugt zu Kräutern und Gewürzen aus regionalem Anbau

Greife bevorzugt auf Kräuter und Gewürze aus deiner Region zurück – das reduziert den CO2-Fußabdruck durch den Transport und unterstützt die lokale Landwirtschaft. Achte auf geschützte Ursprungsbezeichnungen. Geerntet werden hierzulande insbesondere Pfefferminze, Zitronenmelisse, Ringelblumen und Küchenkräuter.

3. Bevorzuge saisonale Ware

Kaufe Kräuter und Gewürze in der Saison, wenn sie am frischesten und am nachhaltigsten verfügbar sind.

4. Achte auf faire und transparente Produktionsbedingungen

Achte bei importierten Kräutern und Gewürzen auf fair gehandelte Produkte. Das FAIRTRADE-Siegel garantiert den Produzentinnen und Produzenten ein geregeltes Mindesteinkommen und soziale Standards eingehalten werden. Damit förderst du die Unterstützung von besseren Lebens- und Arbeitsbedingungen der Familien in den Herkunftsländern.

5. Reduziere Verpackungsmüll

Kaufe Kräuter und Gewürze wenn möglich auf Märkten, bei regionalen Anbieter:innen oder in Unverpackt-Läden, um unnötige Verpackungen zu vermeiden. In letzteren kannst du deine eigenen wiederverwendbaren Behälter mitbringen. Bei verpackten Waren, entscheide dich bevorzugt für jene mit minimaler oder umweltfreundlicher Verpackung, z.B. Verpackungen aus recycelbarem Material.

6. Setze auf die richtige Lagerung

Frische Kräuter lassen sich sehr gut durch Einfrieren oder Trocknen haltbar machen. Bei getrockneten Kräutern und Gewürzen tragen luftdicht verschlossene und lichtundurchlässige Behältnisse dazu bei, dass sie ihren Geschmack bewahren und länger halten.

7. Achte auch bei Eigenanbau auf Umweltfreundlichkeit

Du kannst Kräuter und Gewürze natürlich auch selbst anbauen bzw. vermehren – egal ob Garten, Balkon oder Fensterbank. So behältst du die Kontrolle über die Anbaumethoden und minimierst den Transportaufwand. Greife bei Samen bzw. Jungpflanzen auf Ware in Bio-Qualität zurück und verzichte auf chemischen Dünger.

8. Nimm Rücksicht auf die Natur bei Wildsammlungen

Achte bei wild gesammelten Kräutern darauf, die Bestände zu schützen und eine Überernte zu verhindern.

Kräuter
© Pixabay

Ernte und Handel von Kräutern und Gewürzen

Weltweit werden jährlich mehr als 400.000 Tonnen Heilpflanzen und Aromapflanzen, mit bis zu 70.000 verschieden Pflanzenarten, gehandelt. Ein großer Teil stammt aus natürlichen Vorkommen aus Wildsammlungen wie etwa von Wiesen, Wäldern oder Feldern.

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Diese Arten tragen einen erheblichen Teil zur Gesundheitsversorgung der Menschheit bei und liefern das Ausgangsmaterial für die Tee-, Gewürz- und Kräuter-, Pharma-, Kosmetik- und Duftstoffindustrie.

Bedauerlicherweise hat die steigende Nachfrage zur Ausbeutung natürlicher Bestände geführt. So sind laut Schätzungen der Weltnaturschutzorganisation IUCN bereits rund 15.000 Wildpflanzenarten durch Übernutzung und Lebensraumverlust bedroht.

Kräuter und Gewürze brauchen zur Bildung ihrer einzigartigen Geschmacks- und Inhaltsstoffe die richtigen Nährstoffe, viel Sonne und Wärme. Daher gedeiht der Großteil an Kräutern und Gewürzen aus dem Handel in wärmeliebenden Regionen, wie etwa im Nahen Osten, in Indien und im Mittelmeerraum. Zu den teuersten Gewürzen zählen unter anderem Safran, Vanille und Kardamom, deren aufwändige Produktion sich auf wenige Länder konzentriert. Generell sinken die Gewürzpreise stetig, zum Beispiel ist auch Pfeffer heute wesentlich billiger als noch vor zwanzig Jahren.

Unterschiedliche Ernteprodukte wie Wurzeln, Blüten, Samen oder Blätter stellen, sowohl aus landwirtschaftlicher Sicht als auch auf technischer Ebene, eine große Herausforderung dar. Der Anbau, die laufende Pflege und Ernte der Pflanzen erfordern Fachkenntnisse und einen hohen manuellen Arbeitsaufwand. Die Qualität des Endproduktes ist von der Sorgfalt und Präzision bei der Herstellung und Weiterverarbeitung abhängig. Werden Kräuter und Gewürze schonend verlesen und getrocknet, bleiben die Aromen am besten erhalten.

Rechen
© Pixabay

Anbau in Österreich

Österreich hat ein optimales Klima für das Gedeihen von Kräutern – vor allem in höheren Lagen wachsen diese auch wild. So befinden sich rund 400 Kräuter in der alpinen Natur Österreichs. Geerntet werden hierzulande insbesondere Pfefferminze, Zitronenmelisse, Ringelblumen und Küchenkräuter.

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Mit allerdings nur rund 4.000 Hektar sind die Anbauflächen für Kräuter und Gewürze überschaubar, denn der Anbau ist anspruchsvoll, mit viel Handarbeit verbunden und erfordert hohe Fachkenntnisse. Alleine der oberösterreichische Heil- und Gewürzpflanzenanbau umfasst eine Fläche von über 2.000 Hektar, auf der unter anderem Mohn, Kümmel, Gewürzkoriander, Blattkräuter und Ölleinen kultiviert werden. Tendenziell arbeiten heimische Betriebe auf kleineren Flächen mit sehr arbeitsintensiven Pflanzenkulturen.

Da geerntete Pflanzen weder gewaschen noch erhitzt werden dürfen, muss stark auf Hygiene und möglichst kurze Verarbeitungsketten geachtet werden. Dies setzt eine eigene Trocknungsanlage oder geeignete Abnehmer in der Nähe voraus. Wie bei allen regional erzeugten Produkten sinkt durch stark verkürzte Transportwege gleichzeitig die CO2-Belastung. Zudem leisten Kräuter- und Gewürzpflanzen einen wichtigen Beitrag zur Bodenfruchtbarkeit. Denn gesunde Böden und eine artenreiche Umgebung sind Lebensraum für viele verschiedene Tierarten wie Insekten, Vögel, Kleinsäuger und Wild. Es entsteht ein großer ökologischer Nutzen, mit Einfluss auf viele Pflanzen und Lebewesen.

Gewürze
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Umweltbelastung von Heil- und Gewürzpflanzen

Der Bedarf an Heil- und Gewürzpflanzen wird in Österreich größtenteils durch Importe gedeckt. Dabei zeigt sich regelmäßig bei Import-Kontrollen in die Europäische Union, dass diese Produkte durch Pestizide, Schwermetalle oder Schimmelpilze belastet sein können.

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Insbesondere Produkte aus dem asiatischen Raum weisen mitunter hohe Blei-Konzentrationen auf. Gewürze wie Paprika, Chili oder Curry aus Vietnam, Russland, Pakistan oder der Türkei können bestimmte Azofarbstoffe enthalten, die in der Europäischen Union verboten sind.

Da die Pflanzen nach der Ernte nicht gewaschen werden, können besonders frische Kräuter aus Übersee, wie beispielsweise aus Thailand oder Kambodscha, eine höhere Belastung an Pestiziden aufweisen. Allerdings gibt es für Kräuter im Handel keine verpflichtenden Herkunftsangaben, demnach ist es für die Konsumentinnen und Konsumenten schwer nachvollziehbar, woher die Kräuter stammen.

Pflanzgefäße
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Unterschiede zwischen konventionellem und biologischem Anbau

Bio-Kräuter werden durch eine ausgeklügelte Fruchtfolge, Gründüngung und organische Düngemittel wie Stallmist oder Kompost mit Nährstoffen versorgt. Der biologische Anbau, der prinzipiell gentechnikfrei ist, kommt ganz ohne Pestizide und Herbizide aus.

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Es werden ausschließlich pflanzliche oder tierische organische Dünger eingesetzt. Zudem werden die Felder durch eine wechselnde Bepflanzung nicht so stark ausgelaugt und der Boden geschont. Bei Schädlingsbefall können durch den Einsatz von Nützlingen sehr gute Ergebnisse erzielt werden. Außerdem erleben durch den Bio-Anbau in Vergessenheit geratene Kräuter und standortangepasste Sorten wieder einen Aufschwung.

Auch Wildkräuter können unter bestimmten Voraussetzungen biologisch sein. Dazu müssen etwa die Flächen auf denen essbare Wildpflanzen gesammelt wurden drei Jahre zuvor den Bio-Richtlinien entsprechen.

In getrockneten Kräutern und Gewürzen werden häufig hohe mikrobiotische Belastungen festgestellt, die auch krankheitserregende Keime enthalten können. Mit ionisierender Bestrahlung wird die Abtötung von Mikroorganismen bewirkt, der Reifungs- und Keimungsprozess verzögert und die Haltbarkeit verlängert. Im Biolandbau hingegen sind chemische und radioaktive Entwesungs- und Entkeimungsmittel verboten, nur der Einsatz von Kälte zur Schädlingsvorbeugung ist erlaubt.