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Ratgeber

Spielzeug

Mit allem was leuchtet, rattert oder singt liegt man bei der Auswahl von Spielwaren meist richtig. Doch beim Einkauf sollten noch mehr Aspekte berücksichtigt werden. Denn der Großteil der Spielwaren, der in der EU verkauft wird, wurde außerhalb der EU hergestellt. Rund 85 % sind „made in china“, das macht es schwieriger nachzuvollziehen, welche Inhaltsstoffe in den Spielwaren sind und unter welchen Bedingungen sie hergestellt werden. Richtlinien, Gütezeichen und ein paar einfache Tipps helfen bei der richtigen Wahl.

Worauf Sie achten sollten

  • Prüfen mit allen Sinnen
    • Schnuppern, reiben, ziehen und wackeln Sie am Spielzeug: Spielzeug mit starkem „typischen“ Plastikgeruch sollte gemieden werden.
    • Auch Produkte, die stark parfümiert wurden oder scharfe Kanten aufweisen, sind kein ideales Kinderspielzeug.
    • Duftstoffe können Allergien auslösen oder unangenehme Materialgerüche überdecken.
  • Ökologische und faire Produktion
    • Prüfsiegel wie „GS-Zeichen“ garantieren die Sicherheit von Spielsachen.
    • Bevorzugen Sie beim Einkaufen Spielzeug, das ökologisch hergestellt und fair produziert wurde. Die Gütezeichen „Österreichisches Umweltzeichen“ oder „Blauer Engel“ geben darauf Rückschluss.
  • Spielzeug aus Holz
    • Bevorzugen Sie beim Kauf von Holzspielzeug Vollholzprodukte mit dem FSC (Pure) und PEFC-Zeichen. Das garantiert eine nachhaltige Wertschöpfung in der Produktion.
    • Sperrholzprodukte enthalten nämlich im Gegensatz dazu Leim, der gesundheitsschädliche Stoffe ausdünsten kann. Idealerweise sollte das Holz auch unlackiert sein. Denn oft befinden sich die Schadstoffe im Lack.
    • Kaufen Sie lieber Holzspielzeug, das mit biologischen Ölen oder Bienenwachs behandelt wurde. Wichtig ist, dass das Holz nicht ganz unbehandelt ist. Besonders für Babys ist dies nicht geeignet, da es den optimalen Nährboden für Bakterien bietet.
    • Vermeiden Sie batteriebetriebene Spielwaren: Batterien sind Problemstoffe und in Spielwaren nicht immer kindersicher eingebaut.
  • Harter Kunststoff
    • Greifen Sie bei Spielzeug aus hartem Kunststoff, wie etwa aus Polypropylen (PP) oder Polyethylen (PE) statt aus PVC. Das bannt die Gefahr, dass gefährliche Weichmacher im Spiel waren.
    • PVC erkennen Sie am Recyclingdreieck mit der Ziffer 03 und der Kennzeichnung PVC.
  • Waschen nach dem Kauf
    • Stoff- und Plüschtiere bei niedrigen Temperaturen in der Waschmaschine reichen, um Rückstände von Chemikalien zu entfernen oder kaufen Sie gebrauchte Stofftiere, wo die potentiellen Schadstoffe nicht mehr am Material haften.
  • Wenig Verpackung
    • Vermeiden Sie unnötige Verpackungen
    • Achten Sie auf umweltgerechte Entsorgung der verschiedenen Materialien
  • Robustheit und Reparierfähigkeit
    • Gutes Spielzeug ist robust und hält der Beanspruchung beim Spielen stand.
    • Sollte etwas kaputt gehen, kann es repariert werden z.B. beim Puppendoktor. Dann kann es auch noch an die nächste Generation vererbt oder an die Nachbarskinder weitergegeben werden.
  • Gebrauchtes oder gemietetes Spielzeug
    • Greifen Sie zum gebrauchten oder gemieteten Spielzeug. Gebrauchte Spielwaren sind schon ausgedämpft, falls flüchtige Schadstoffe enthalten waren. Gehen Sie dazu in Second-Hand-Läden, zu Tauschflohmärkten oder auf Onlinetauschplattformen. Wenn ihr Kind sich dann satt-gespielt hat, können Sie es über dieselben Möglichkeiten wieder weiterverkaufen.
    • Wenn Sie merken, ihr Kind spielt immer nur wenige Tage mit einem Spielzeug, ist die beste Option für Sie wahrscheinlich das Mieten von Spielzeug. Unter picoclan.at kann man sich Spielzeug ausborgen und zahlt dafür pro Tag einen kleinen Betrag.
  • Erweiterbare und kombinierbare Spielwaren
    • Ein Baukastensystem, das sich ergänzen lässt, oder eine Puppe mit vielen Kleidern erhält nachhaltig das Interesse der Kinder.

EU-Richtlinien für Spielzeug

In der EU gelten gewisse Mindeststandards: Die EU-Richtlinien zur Sicherheit von Spielzeug regeln die Produktanforderungen, die Spielzeug erfüllen muss, damit es als gesundheitlich unbedenklich eingestuft werden kann. Dabei wird der Begriff Spielzeug für Produkte verwendet, die von Kindern unter 14 Jahren zum Spielen verwendet werden. Diese Richtlinien fokussieren sich jedoch primär auf die gesundheitlichen Aspekte und beziehen keine ökologischen und sozialen Aspekte mit ein. Tatsächlich werden 85 % des Spielzeugs in der EU aus China importiert, einem der größten CO2-Emittenten weltweit, wo arbeitsrechtliche Bestimmungen laut Berichten von Menschenrechtsorganisationen oft nicht eingehalten werden.

Die europäische Spielzeugrichtlinie ist in Österreich durch die Spielzeugverordnung im Lebensmittelsicherheits- und Verbraucherschutzgesetz (LMSVG) umgesetzt. Sie stellt sicher, dass gesundheitsschädliche Produkte und Gegenstände, die für den vorgesehenen Gebrauch nicht geeignet sind, verboten sind. Amtliche Kontrollen stellen sicher, dass die Richtlinie eingehalten wird. Werden trotzdem Produkte entdeckt, die gesundheitsschädlich sind oder die Richtlinie nicht erfüllen, treten sofort Schutzmaßnahmen in Kraft (z.B. durch eine Rückholaktion).

Gemäß Spielzeugverordnung muss Spielzeug, das in den österreichischen Handel kommt:

  • wesentliche Sicherheitsanforderungen erfüllen.
  • mit Gefahrenhinweisen und Gebrauchsvorschriften versehen sein.
  • die CE-Konformitätskennzeichnung tragen.
  • die Gesundheit oder Sicherheit von Kindern oder Dritten nicht gefährden.
  • der Weichmacher-, Azofarbstoff- und Magnetspielzeugverordnung entsprechen.
Kind spielt mit Spielzeugautos
© Unsplash

Wichtiger Wirtschaftszweig: Spielwaren aus dem Supermarkt

Der Umsatz auf dem Spielzeugmarkt wächst weltweit. Mit 90 Milliarden Dollar ist die Spielwarenindustrie ein wichtiger Wirtschaftszweig geworden, der von wenigen Großkonzernen dominiert wird. In Österreich ist der Umsatz jedoch rückläufig und viele Spielwarenhändler haben zu kämpfen.

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Im Jahr 2017 gaben Österreicherinnen und Österreicher nur etwa € 65,40 pro Jahr für Spielwaren aus, wobei ein großer Teil davon in Elektrospielzeug, Videospiele und Spielcomputer investiert wurde und traditionelles Holzspielzeug immer seltener im Einkaufskorb landet. Besonders schwer haben es Händler, die sich auf Spielzeug spezialisieren. Die heutigen Kundinnen und Kunden kaufen nämlich verstärkt in den Spielwarenabteilungen großer Supermarktketten ein oder bestellen einfach gleich im Internet.

Plastikenten im Badezimmer
© Unsplash

Spielzeug und Gesundheit: Problematische Inhaltsstoffe

Obwohl Spielzeug nicht als Lebensmittel einzustufen ist, sollte hier genauso streng auf die Inhaltsstoffe geschaut werden. Denn Spielzeug wird von Kindern nicht nur in die Hand, sondern auch oft in den Mund genommen. Die Produkte sollten daher schadstofffrei sein, um das Kind keinen gesundheitlichen Risiken auszusetzen.

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Vor allem buntes Kunststoffspielzeug kann oft solche Risiken bergen. Viele Kunststoffe enthalten nämlich Chlor sowie andere Stoffe, die Kinder nicht in den Mund nehmen sollten. Wenn also unbedingt Kunststoffspielzeug gekauft werden muss, sollte die Wahl auf Produkte aus chlorfreien Kunststoffen fallen, wie z.B. Polyethylen (PE) oder Polypropylen (PP). Diese enthalten weniger schädliche Inhaltstoffe als PVC. Im Zweifel fragen Sie den Fachhändler nach der verarbeiteten Kunststoffart.

Bunte Spielbälle aus Plastik
© Unsplash

Spielzeug aus PVC

Im Allgemeinen sollte Spielzeug vermieden werden, das PVC enthält. PVC ist ein Umweltgift und verursacht im gesamten Lebenszyklus (Produktion bis Entsorgung) eine Reihe schädlichen Auswirkungen auf die Umwelt. Außerdem ist PVC ein harter Kunststoff, der häufig mit Weichmachern (Phthalaten) versetzt wird, um ihm Plastizität zu verleihen. Diese können sich jedoch durch Speichel aus dem Kunststoff lösen und in den Körper gelangen wo sie langfristig gesundheitsschädlich wirken.

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Seit 1999 ist die Verwendung von Phthalaten in Spielzeug für Kinder bis zum Alter von 36 Monaten europaweit verboten. Trotzdem muss die Verwendung von PVC auf der Verpackung nicht gekennzeichnet werden, weshalb es auf Importprodukten oft als „Vinyl“ getarnt wird.

Kind spielt mit bunten Bauklötzen
© Unsplash

Soziale Aspekte: Fairplay in der Spielzeugproduktion

85 % aller Spielwaren in der EU werden aus China importiert, da viele große Spielwarenhersteller Teile ihrer Produktion in die Billiglohnländer Asiens ausgelagert haben. Das mag die Effizienz steigern und schafft auch Arbeitsplätze vor Ort, ist jedoch trotzdem kritisch zu sehen.

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Durch eine Recherche der Organisation Südwind konnten in den dortigen Spielzeugfabriken grobe Missstände aufgedeckt werden. Das chinesische Arbeitsrecht sieht zwar für die Industrie eigentlich eine 40-Stunden Woche, beschränkte Überstunden und eine Sozialversicherung vor, doch in neun von zehn Fällen halten sich die Fabriken nicht an diese Vorgaben. Bis zu 400 Arbeitsstunden im Monat sind dort keine Seltenheit, geregelte Überstunden und Einkommen gibt es oft nicht. Auch an Schutzkleidung und den nötigen Sicherheitsmaßnahmen mangelt es oft, was zu einer hohen Frequenz von Arbeitsunfällen führt. Diese Vorwürfe betreffen oft auch Zulieferbetriebe von beliebten Spielzeugherstellern. Hierzu lassen sich viele Berichte der NGO China Labour Watch nachlesen.

Ethical Toy Program

Ein Gütesiegel für faire Produktionsbedingungen für Spielsachen gibt es noch nicht. Einige große Spielzeughersteller bekennen sich jedoch im Rahmen des Ethical Toy Program zur Einhaltung eines Verhaltenskodex. Dieser soll die Wahrung von Menschen- und Arbeitsrechten in der globalen Lieferkette sicherstellen. In der praktischen Umsetzung des Kodex gibt es allerdings noch deutlichen Nachbesserungsbedarf, etwa die Etablierung unangekündigter Fabrikkontrollen.


Auf diese Gütezeichen sollten Sie achten

Österreichisches Umweltzeichen

Das Österreichische Umweltzeichen bietet Konsumentinnen und Konsumenten eine Informationsgrundlage für umweltfreundliche Kaufentscheidungen. Es ist das offizielle, vom Bundesministerium für Klimaschutz (BMK) vergebene Gütesiegel, das im Vergleich umweltverträglichere Produkte und Dienstleistungen kennzeichnet. Der Verein für Konsumenteninformation (VKI) ist für die Entwicklung der Anforderungen und für die Organisation der Überprüfungen verantwortlich. 2017 wurde erstmals ein Spielzeug mit dem Österreichischen Umweltzeichen ausgezeichnet. Es handelt sich dabei um Bioblo, ein neuartiges Bausteinset aus ökologischen Materialien.

Blauer Engel

Das deutsche Umweltzeichen Blauer Engel gibt es für Spielzeug aus Holz und für textiles Spielzeug. Das Umweltzeichen stellt strenge Anforderungen an die verwendeten Materialien, Verarbeitung und zugesetzte Stoffe, die im Produktionsprozess verwendet werden.

„spiel gut“

Die rote Plakette kennzeichnet pädagogisch sinnvolles Spielzeug, das von Fachleuten getestet und gemeinsam mit Kindern erprobt wurde. Spielsachen aus PVC werden nicht zertifiziert, da PVC ein sehr umstrittener Kunststoff ist. Herausgeber des „spiel-gut“ Zeichens ist der deutsche „spiel gut – Arbeitsausschuss Kinderspiel und Spielzeug e.V.. Jährlich werden etwa 250 Spielwaren mit dem Siegel ausgezeichnet. Hinsichtlich der Umweltverträglichkeit werden folgende Kriterien bewertet: Verwendetes Material, Produktion, Gebrauch und Entsorgung, Langlebigkeit, Wiederverwendbarkeit und Sicherheit (Einhaltung der EU Normen).

FAIRTRADE

Wie auch bei Lebensmitteln und Kleidung, steht das Gütezeichen für faire Produktionsbedingungen, wobei die Einhaltung unabhängig kontrolliert wird. Dieses Label gibt es z.B. für Fußbälle, die ohne Einsatz von Kinderarbeit produziert wurden.

CE- Konformitätszeichen

Dieses Zeichen findet sich auf jedem Spielzeug, das innerhalb der EU verkauft wird. Der Hersteller oder Händler erklärt damit, dass das Produkt die gültige Europa-Norm EN 71 einhält. Die Einhaltung der Kriterien muss aber nicht überprüft werden, daher ist das CE Zeichen kein Qualitätssiegel, sondern lediglich ein Konformitätszeichen, das noch keine Garantie für gutes und sicheres Spielzeug bietet.

GS-Zeichen (geprüfte Sicherheit)

Das GS-Zeichen ist auf Spielzeug zu finden, das der Hersteller entsprechend den festgelegten Sicherheitsanforderungen freiwillig hat überprüfen lassen. Die Prüfung nimmt eine unabhängige zugelassene GS-Stelle vor. Produkte mit dem nationalen GS-Zeichen erfüllen die grundlegenden Sicherheits- und Gesundheitsanforderungen. Oft ist auf zertifizierten Spielwaren auch die Prüfstelle angegeben (z.B. TÜV, DEKRA, ÖVE, etc.).

„Nicht für Kinder unter 3 Jahren geeignet“

Spielzeug für Kinder unter 36 Monaten muss strengere Auflagen erfüllen als für ältere Kinder. Hier geht es vor allem um drei Aspekte: Die Farben müssen speichelecht sein, das Spielzeug muss speziell bruchfest sein und es muss eine gewisse Größe haben, damit Kleinteile nicht verschluckt oder eingeatmet werden können. Der Warnhinweis „Nicht geeignet für Kinder unter 3 Jahren (bzw. 36 Monaten)“ sollte daher unbedingt beachtet werden.


Überprüfungen durch AGES

Es wird immer wieder Spielzeug auf dem Markt gefunden, das die Gesundheit der Kinder gefährden kann. Um die Sicherheit von Spielzeug zu überprüfen, führt die Österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) regelmäßig Untersuchungen durch und prüft Spielzeug auf ihre Inhaltsstoffe und physikalischen Eigenschaften. Wenn Sie einen Verdacht auf unsicheres Spielzeug haben, können Sie die Agentur kontaktieren, sodass hier nähere Untersuchungen durchgeführt werden. Mehr Informationen finden Sie unter www.ages.at.

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