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Ratgeber

Nachwachsende Rohstoffe bei Konsumprodukten

Ob Textilien, Waschmittel oder Verpackungen: eine Vielzahl von Alltagsprodukten wird aus Materialien auf Erdöl-Basis hergestellt. Mögliche Alternativen dazu können Produkte aus nachwachsenden Rohstoffen (NAWARO) sein. Unter diesem Begriff werden Rohstoffe pflanzlichen und tierischen Ursprungs verstanden, die außerhalb des Ernährungsbereichs stofflich oder energetisch genutzt werden können. Diese verfügen nicht nur über eine bessere Umweltbilanz, sonderlich liefern auch neue Anwendungsperspektiven.

Nicht nur aus Gründen des Klimaschutzes, sondern auch aufgrund der begrenzten Ressource (laut internationaler Energieagentur soll spätestens im Jahre 2025 die maximale Förderung der globalen Erdölvorkommen erreicht sein), ist es wichtig im Sinne einer nachhaltigen Entwicklung entsprechende Alternativen zu forcieren.

Denn, nachwachsende Rohstoffe…

  • schonen unser Klima:  Bei ihrer Nutzung entsteht kein zusätzlicher Treibhauseffekt
  • schonen unsere begrenzten Ressourcen und damit unsere Umwelt
  • sind Teil unseres natürlichen Kreislaufs
  • bieten die Chance für innovative Entwicklungen im Produktionsbereich
  • stärken den ländlichen Raum durch regionale Wertschöpfung

Textilien und Kleidung

Die Nachfrage nach neuen Kleidungsstücken und die damit verbundenen Konsumausgaben der privaten Haushalte in Österreich sind in den letzten Jahren kontinuierlich gestiegen und liegen derzeit bei über 9 Milliarden Euro im Jahr (Statista, 2018). Über Jahrtausende wurden Textilien nur aus Naturmaterialien wie Flachs und Wolle hergestellt, die zu einfachen, robusten Stoffen verarbeitet wurden. Heute werden fast alle Textilien industriell aus verschiedenen Fasern und Fasermischungen hergestellt. Im Jahr 2019 wurden weltweit rund 107,5 Millionen Tonnen an Textilfasern produziert – etwa 80,5 Millionen Tonnen davon waren chemischer Natur (Statista, 2019). Mit Blick auf Ressourceneffizienz und Nachhaltigkeit gewinnen nachwachsende Rohstoffe und Naturfasern zunehmend an Bedeutung.

Bunte Garne
© Pixabay

Naturfasern und Faserproduktion

Naturfasern weisen eine höhere Atmungsfähigkeit und ein besseres Tragefühl als synthetische Fasern auf, sie nehmen Feuchtigkeit auf und geben diese wieder an die Umgebung ab. Synthetikfasern hingegen werden aus Erdöl hergestellt und benötigen wesentlich mehr Energie – so wird Beispiel für die gleiche Menge an Polyester viermal mehr Energie als zur Erzeugung von Baumwollfasern benötigt. Der Wasser- und Energieverbrauch ist generell von der Produktionsform und dem Fasertyp abhängig. Fasern aus biologischer Landwirtschaft verbrauchen tendenziell weniger Energie in der Produktion, da der Einsatz chemisch synthetischer Pestizide und Düngemittel ausgeschlossen ist.

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Die Auswahl der Faser hängt vom Verwendungszeck ab: Baumwolle und Seide ist besonders bei hautnah getragener Kleidung beliebt, aus ökologischer Sicht sollte jedenfalls zu Textilien aus Bio-Baumwolle gegriffen werden. Auch Hanf schneidet im ökologischen Ranking besser ab als konventionelle Baumwolle. Bei sommerlichen Stoffen sollte zu ungefärbtem Leinen gegriffen werden. Für weich fließende Stoffe eignet sich TENCEL bzw. Lyocell oder Nesselstoffe. Für wärmende Kleidung empfiehlt sich Wolle oder Recycling-Fleece.

Weiße Wäsche aufgehängt zum Trocknen
© Pixabay

Ökologisches Nutzungsverhalten

Nicht nur die Wahl der Faser ist wichtig, sondern auch das Nutzungsverhalten der Kleidung. Häufiges Waschen und Bügeln machen im Produktlebenszyklus den größten Anteil des Energieverbrauches aus. Die Ökobilanz der Nutzung kann durch einige gezielte Maßnahmen deutlich verbessert werden, z.B. durch die Verwendung von Ökostrom, ökologischen Reinigungsmitteln, niedrigen Waschtemperaturen und effizienten Elektrogeräten. Zudem entsteht beim Waschen von Kleidung mechanischer Abrieb – bei Textilien aus Kunstfasern problematisches Mikroplastik, das über das Abwasser in die Umwelt gelangt. Durch den Griff zu Kleidung aus Naturfasern kann also auch die Entstehung von Mikroplastik vermieden werden.

Weberei
© Pixabay

Herkunft & Produktion: Nachwachsende Rohstoffe in Österreich

In Österreich werden kaum nachwachsende Rohstoffe explizit für Kleidung angebaut. Die geringen Flächen an Hanf oder Flachs werden hauptsächlich zu Produkten wie beispielsweise Heimtextilien verarbeitet. Auch heimische Schafschurwolle hat nur eine untergeordnete Rolle: die zu Garnen verarbeitete Wolle wird auf Plattformen wie Biowol angeboten, Wolltextilien erstehen kann man z.B. von Tirolwool oder direkt von Bio-Bauernhöfen. Das tiroler Unternehmen Gießwein verarbeitet Merinowolle aus Uruguay oder Vieböck und Leitner Flachs aus Frankreich, Belgien oder Holland.

Worauf Sie beim Kauf von Kleidung aus NAWARO achten sollten

  • Angaben auf dem Etikett
    • Auf dem Etikett muss (gut sichtbar und leicht lesbar) die genaue Faserzusammensetzung und richtige Pflege angegeben werden.
    • Dies ist bereits beim Kauf eine wichtige Orientierungshilfe: Welche Materialien sind im Kleidungsstück oder Textilstoff enthalten? Sind z.B. kostengünstige Polyester-Fasern beigemischt?
  • Biologischer Anbau
    • Mit dem Kauf von zertifizierten biologisch angebauten Rohstoffen (Bio-Baumwolle, Bio-Wolle, Bio-Seide) wird der Einsatz von umweltschädlichen Mitteln (Pestizide, Düngemittel, chemische Entlaubungsmittel) reduziert.
    • Nur biologisch angebaute Rohstoffe sind auch garantiert gentechnikfrei.
    • Die geschützten Begriffe „Bio“, „Öko“ oder „aus kontrolliert biologischem Anbau (kbA)“ geben Auskunft darüber, dass die Richtlinien des ökologischen Landbaus eingehalten werden.
  • Kontrolliert biologische Haltung
    • Mit der Bezeichnung „aus kontrolliert biologischer Tierhaltung (kbT)“ können Sie sicher sein, dass die Tiere (z.B. bei Wolle) artgerecht gehalten wurden.
    • KbT schreibt unter anderem vor, dass die Tiere große Weideflächen haben, sich natürlich fortpflanzen können, keine Pestizide oder Masthilfen eingesetzt werden. Auch das umstrittene Mulesing ist verboten. Zudem fordert die Richtlinie schonende Tiertransporte.
    • Mulesing-freie Produkte gibt es u.a. bei folgenden Anbietern zu kaufen: Armedangels, Engel Natur, Grüne Erde, Hessnatur, Lanius, Ortovox, Zerum, Patagonia, Vaude, Avocadostore
  • Nachhaltige Labels
    • „Naturtextil“ IVN Best: Der IVN zertifiziert nur Produkte, die zumindest zu 95 % Prozent aus Naturfasern bestehen. Die Naturfasern müssen zudem vollständig aus biologischem Anbau (kbA)
    • GOTS 95-100 % (Global Organic Textile Standards): GOTS ist ein Qualitätssiegel für hochwertige, konsequent ökologische und sozial verträgliche Textilien, die aus mindestens 95 % kontrolliert ökologisch erzeugten Naturfasern (kbA) bestehen.
    • Responsible Wool Standard (RWS): Der Responsible Wool Standard schützt das Wohlergehen von Schafen und Weideland und garantiert den Tierschutz basierend auf den fünf Freiheiten der Nutztiere u.a. kein Mulesing.
    • TENCEL: ist eine Eigenmarke von Lenzing für die Stoffart „Lyocell.“ Das Ausgangsmaterial für die Herstellung von TENCEL ist Eukalyptusholz aus nachhaltig bewirtschafteten Plantagen (PEFC oder FSC zertifiziert).

NAWARO für Kleidung im Überblick

Textilien aus Baumwolle mit Pflanze
© Unsplash

Baumwolle

Mit 38 % an der gesamten Weltfaserproduktion hat die Baumwolle den höchsten Anteil daran. Der Anbau und die Verarbeitung von Baumwolle bieten einen entsprechend großen (Arbeits-)Markt, etwa 100 Millionen Haushalte verdienen ihren Lebensunterhalt damit. Lediglich 1 % der weltweit angebauten Baumwolle stammt jedoch aus kontrolliert biologischem Anbau. Baumwolle wird aus den Samenhaaren der Baumwollpflanze gewonnen. Sie ist sehr saugfähig und kann zu vielfältigen Stoffen wie Jersey, Flanell oder Samt weiterverarbeitet werden.

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Anbau: konventionell vs. biologisch

Die Herstellung von konventioneller Baumwolle ist mit bis zu 11.000 Litern für 1 kg Baumwolle sehr wasserintensiv (im Vergleich zu Biobaumwolle mit einem Wasserverbrauch von 5.000 Litern pro Kilogramm), zudem werden 25 % der weltweit eingesetzten Pestizide für den Anbau von Baumwolle eingesetzt. Biobaumwolle wird hingegen nach den Richtlinien des ökologischen Landbaus produziert, der Einsatz von chemischen Pestiziden, Düngemitteln oder chemische Entlaubungsmitteln ist verboten. Außerdem dürfen keine Monokulturen angelegt oder genmanipuliertes Saatgut verwendet werden. Mit dem Kauf eines T-Shirts aus Bio-Baumwolle können sieben Quadratmeter Anbaufläche vor Pestiziden und künstlichem Dünger bewahrt werden (lt. Umweltinstitut München). Angebaut wird Biobaumwolle auf insgesamt 161.000 ha in 22 Ländern. Zu den wichtigsten Produzenten ökologisch angebauter Baumwolle zählen die Türkei, die USA, Indien und Peru.

In den letzten Jahren gibt es seitens der Textilindustrie Initiativen, die erste Schritte in eine nachhaltige Textilproduktion setzen. Beispiele dafür sind „Better Cotton Initiative“ (BCI) und „Cotton made in Africa“, Kooperationen von Textilunternehmen mit NGOs mit dem Ziel, den Anbau von konventioneller Baumwolle nachhaltiger zu gestalten. Diese Initiativen sind zwar begrüßenswert, aber gehen bisher nicht über das gesetzlich Vorgeschriebene hinaus, weswegen beide Labels von der Initiative „Bewusst Kaufen“ auch nicht empfohlen werden. Mehr Informationen dazu, siehe Label-Kompass.

Pflege von Kleidung und Textilien aus Baumwolle

  • Vor der Wäsche sollte auf die Pflegehinweise im Etikett geachtet werden.
  • Richtige Waschtemperatur: Unterwäsche, Handtücher oder Bettwäsche können meist bei 60 oder 90 Grad gewaschen werden, Baumwoll-Shirts in der Regel bei 40 Grad. Baumwollkleidung in strahlenden oder dunklen Farben bzw. feine Kleidung sollten bei niedrigeren Temperaturen (max. 30 Grad) gewaschen werden, damit sie ihre Form oder intensive Farbe nicht verlieren. Bei kombinierten Materialien (zum Beispiel Baumwolle mit Elasthan) sollte auch eher bei niedriger Temperatur gewaschen werden.
  • Zur Fleckenentfernung können allgemeine Lösungsmittel verwendet werden, da Baumwolle nicht Lösungsmittelempfindlich ist.
  • Grundsätzlich ist die Behandlung im Trockner möglich, wobei auch hier die Hinweise auf dem Pflegeetikett beachtet werden sollten.
  • Baumwolltextilien sollten bei ca. 200 Grad und angefeuchtet gebügelt werden.

Garn und Stoffe aus Hanf
© Shutterstock

Hanf

Hanf ist eine gute Alternative zu Baumwolle und benötigt weit geringe Wassermengen. Zudem wächst Hanf sehr schnell und auf europäischen Böden und findet so aufgrund kürzerer Transportwege wesentlich energieschonender den Weg zum Konsumenten. In Österreich wird Hanf auf 1.583 ha kultiviert (Statistik Austria, 2018), vor allem in Niederösterreich, Oberösterreich und der Steiermark. Er ist relativ resistent gegenüber Schädlingen und Erkrankungen, wodurch keine Pflanzenschutz- oder Insektenschutzmittel notwendig sind.

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Die positive Ökobilanz von Hanf bezieht sich jedoch hauptsächlich auf die hohen Hektarerträge – Hanf produziert mehr Biomasse als Baumwolle, wodurch sich höhere Erträge bei geringerem Energie- und Rohstoffaufwand ergeben. Ein Hanffeld liefert im Vergleich zu einem Baumwollfeld die dreifache Menge an Fasern. Derzeit ist Kleidung aus Hanf allerdings noch ein Nischenprodukt in Österreich, da der Anbau der Hanfpflanze erst seit ca. 20 Jahren wieder erlaubt ist. Demnach stammt der Großteil des Nutzhanfs noch immer aus China.

Der Markt für Hanfmode in Europa ist jedoch noch klein und in erster Linie von kleinen Modelabels geführt: so zum Beispiel von Daniela Salazar aus Berlin, Life Tree aus Augsburg, Bleed Clothing aus Oberfranken oder Uprise aus Belgien. Deren T-Shirts, Röcke oder Kleider aus Hanf können zum Beispiel auf den Online-Plattformen Avocadostore oder Grüne Erde erstanden werden.

Pflege von Kleidung und Textilien aus Hanf

  • Dank der mikrobiellen Eigenschaften müssen Kleidungsstücke aus Hanf seltener gewaschen werden, Gerüche bleiben kaum im Stoff haften. Oft reicht deshalb ein gründliches Auslüften.
  • Auf die Waschanleitung achten: Je nach Pflegeanleitung können Hanftextilien meist in der Maschine gewaschen werden (bei 30 Grad), nur bei besonders fein verarbeiteten Teilen aus sehr dünnem Garn empfiehlt sich Handwäsche. Flüssiges Bio-Waschmittel eignet sich für die Reinigung am besten.
  • Da es sich bei Textilien und Kleidung aus Hanf meist um Material-Mischungen (z.B. Hanf-Leinen, Hanf-Baumwolle oder Hanf-Seide) handelt, sollte auf den Wäschetrockner verzichtet werden. Lufttrocknen erhöht zudem die Lebensdauer der Kleidung.

Wollknäuel in verschiedenen Farben
© Shutterstock

Wolle

Wolle wird bereits seit mehr als 10.000 Jahren zu wärmender Kleidung verarbeitet. Trotz Kunstfasern und Baumwolle, besitzt Wolle in der internationalen Wirtschaft eine große Bedeutung. Laut der International Wool Textile Organisation (IWTO) produzieren jährlich mehr als eine Milliarde Schafe weltweit mehr als 3,4 Milliarden Kilogramm Wolle. Wolle wird in der industriellen Verarbeitung häufig mit Chemikalien behandelt, damit sie mit den Eigenschaften synthetischer Materialien mithalten kann. In der konventionellen Schafzucht werden Schafe für die Wollproduktion beispielsweise durch Pestizidbäder geführt, um Parasiten zu bekämpfen. Bio-Wolle hingegen stammt aus kontrolliert biologischer Tierhaltung (kbT) von Tieren, die artgerecht gehalten werden, zudem ist der Einsatz von Pestiziden verboten.

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Australien ist für rund ein Viertel der weltweiten Produktion, gefolgt von China, den USA und Neuseeland. Auch in Österreich gibt es wieder verstärkt Bemühungen, heimische Schafwolle zu produzieren und zu verarbeiten. So wird zum Beispiel im Rahmen der Initiative „Tirolwool“ Schafschurwolle aus Tirol gesammelt und zu Kleidung für den heimischen Markt verarbeitet. Die Tiroler Wolle ist u.a. atmungsaktiv, temperaturregelnd, isolationsfähig und auch bei Nässe warmhaltend und eignet sich gut für Funktionskleidung. Zudem werden heimische Wollprodukte häufig auch von Biohöfen wie beispielsweise schafwolle-pur.at zum Kauf angeboten.

Schafwolle

  • Je nach Faserstruktur – fein, mittelgrob oder grob – kommt die Schafwolle in verschiedenen Bereichen zum Einsatz: Feine Wolle wird in erster Linie für Kleidung und Handarbeiten wie Stricken und Häkeln verwendet, grobe Wolle hingegen zum Beispiel für Teppiche. Zu den hochwertigsten Wollsorten zählt Wolle vom Merinoschaf, welche besonders weich und anschmiegsam ist.
  • Merinowolle stammt allerdings zu 75 % aus Australien, wo das grausame „Mulesing“ (den Schafen wird dabei ohne Betäubung ein großer Hautstreifen in der Nähe des Schwanzes weggeschnitten, um Parasitenbefall zu verhindern) praktiziert wird. Neben Australien wird Merinowolle auch in Neuseeland, Südafrika und Argentinien produziert, wo diese Methode verboten oder nicht üblich ist. Die lückenlose Rückverfolgbarkeit der gesamten Lieferkette stellt immer noch eine große Herausforderung dar. Recherchen ergaben, dass nur drei von 14 österreichischen Unternehmen (Hervis, SCROC und Zerum) die komplette Rückverfolgbarkeit ihrer Lieferkette sicherstellen und für Kontrollen bis zum tierhaltenden Betrieb sorgen.
  • Drei Labels garantieren nach Angaben der Tierschützer die Einhaltung des Tierwohls und die Rückverfolgbarkeit über die gesamte Lieferkette: „Responsible Wool Standard“, „New Merino“ und „ZQ Merino“.

Ziegenwolle

  • Mohair: Mohair ist das besonders weiche, wärmende und strapazierfähige Haar der Angoraziege. Hergestellt werden daraus zum Beispiel Socken, Schals, Pullover, Jacken oder Mäntel.
  • Kaschmir: Die Wolle der seltenen Kaschmierziege wird aus dem Auskämmen des Unterbauchs gewonnen, jährlich allerdings nur ca. 100 g. Die feine Wolle wird hauptsächlich zu Schals oder Tücher weiterverarbeitet und kommt häufig als Mischung mit anderen Wollarten in den Handel.

Weitere Wollarten

  • Alpaka / Lama: Alpakas und Lamas (ursprünglich aus Peru), werden heute auch in Österreich gezüchtet. Die Wolle ist temperaturausgleichend und besonders warm und meistens wird sie mit anderen Wollarten vermischt.
  • Angora: Als besonders wärmend gilt die feine Wolle des Angora-Kaninchens. Allerdings werden

Pflegetipps für Kleidung aus Wolle

  • Waschen Sie nicht zu oft: Wolle besitzt eine hohe Selbstreinigungskraft, oftmals reicht schon gründliches Auslüften.
  • Wolle verträgt keine alkalischen Reiniger, wie sie in Vollwaschpulver oder Seife enthalten sind. Verwenden Sie daher immer ein spezielles Wollwaschpulver.
  • Schonende Handwäsche oder Feinwaschgang, sowie eine Wassertemperatur unter 30° verhindern das Verfilzen. Bei Maschinenwäsche soll eine Schleuderdrehzahl von 600 Umdrehungen/Minute nicht überschritten werden.
  • Zum Trocknen sollten die Wollprodukte aufgelegt oder in ein Handtuch eingerollt werden. Knitterfalten lassen sich am besten unter Einwirkung von Dampf entfernen.
  • Verwenden Sie Lavendel oder Zedernholz als Mottenschutz im Kleiderschrank

Flachsfasern und Garne aus Flachs
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Flachs / Leinen

Die Leinenfaser wird aus den Stängeln der Flachspflanze gewonnen. Weltweit werden ca. zwei Millionen Tonnen Leinen jährlich produziert, zum Großteil in China, Frankreich, Belgien, Russland, Weißrussland, der Ukraine und Ägypten. Die europäischen Hauptanbaugebiete liegen in Frankreich und Belgien, auch in Oberösterreich findet man noch kleinere Kulturen, die jedoch keine Rolle in der Modeindustrie spielen. Seit dem späten 19. Jahrhundert wurde Leinen in der Textilindustrie fast völlig von Baumwolle verdrängt.

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Stoffe aus Leinen sind strapazierfähig und lange haltbar, und eigenen sich daher besonders gut für Heimtextilien wie Bettwäsche, Handtücher oder Vorhänge. Neue Einsatzgebiete wie Kleidung kommen hinzu, besonders in Form handgewebter hochpreisiger Produkte. Kleidungsstücke aus Leinen haben viele positive Eigenschaften, u.a. sind sie kühlend, atmungsaktiv und schmutzabweisend. Wie alle anderen Bio-Textilrohstoffe wird mit der Bezeichnung des kontrolliert biologischen Flachsanbaus (kbA) auf den Einsatz von chemischen Düngemitteln und Pestiziden verzichtet.

Kleidung aus heimischen Flachsrohstoff gibt es nicht. Die zwei österreichischen Produzenten Vieböck und Leitner stellen jedoch aus Leinen Kleidungsstücke wie Hemden, Damentops oder Pyjamas her. Auch in den Webshops von Grüne Erde oder Avocadostore gibt es Mode aus Leinenstoffen.

Pflege von Kleidung aus Leinen

  • Waschanleitung laut Etikett beachten: Leinen kann man gut waschen, sogar bis 90 Grad. Am besten aber bei 30 oder 40 Grad in Kombination mit Kleidung in der gleiche Farbe. Da sich Pulverwaschmittel gerne im groben Leinenstoff absetzt, lieber flüssiges Waschmittel benutzen.
  • Verwenden Sie für die Leinenwäsche generell keine chlorhaltigen Bleichmittel, da diese den Stoff vergilben können.
  • Leinen ist nicht sehr farbfest und bleicht leicht aus, weswegen Leinen nicht lange in der Sonne getrocknet werden sollte.
  • Wählen Sie die Bügeltemperatur je nach Stoffstärke: Reines Leinen kann sehr heiß gebügelt werden. Testen Sie die Temperatur an einer Ecke des Kleidungsstücks.
  • Leinenstoffe sollten noch leicht feucht gebügelt werden. So lassen sich Streifen und Falten vermeiden, die sich sonst nur schwer entfernen lassen.

Bunter Seidenstoff
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Seide

Es gibt zahlreiche Seidenarten, die je nach Art der Seidenspinnerraupen, Herstellung oder Gewerbeart unterschieden werden. Die bekanntesten zwei Seidenarten sind Maulbeerseide und Wildseide. Ursprünglich aus China, blühte im 16. Jahrhundert auch in Italien und Frankreich die Seidenraupenindustrie als Wirtschaftszweig kurzzeitig auf. Mitte des 19. Jahrhunderts vernichtete die sogenannte Fleckenkrankheit die Seidenraupen in ganz Europa. Heute findet die Seidenraupenzucht wieder in erster Linie in Asien statt – mit einer Jahresproduktionsmenge von 68.600 Tonnen (entspricht 63 % der weltweiten Produktionsmengen) liegt China hier klar an erste Stelle, gefolgt von Indien (35.820 Tonnen = 32,9 %) und Usbekistan (1.800 Tonnen = 1,65 %).

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Bio-Seide wird nach kbT (kontrolliert biologische Tierhaltung) Standards produziert, d.h. dass das Futter (Hauptnahrungsquelle sind Maulbeerblätter) nicht mit Pestiziden behandelt werden darf. Ebenso sind Hormonbehandlungen nicht erlaubt. Bei der Stoffverarbeitung (Abkochen, Zwirnen, Weben und Färben), werden ausschließlich gesundheits- und umweltschonende Chemikalien und Farbstoffe verwendet.

  • Maulbeerseide wird aus den Kokons der Seidenraupe gewonnen und ist die einzige in der Natur vorkommende textile Endlosfaser. Die Seide ist im Sommer kühlend, im Winter wärmend und hat einen angenehmen Tragekomfort. Es gibt auch Non-violent-Silk, bei der der Kokon vorsichtig geöffnet wird, damit die Tiere schlüpfen können, ehe die Seide gewonnen wird.
  • Wildseide stammt von den Raupen der wildlebenden Tussahspinner (Japanische Eichenseidenspinner), einer wild lebenden Schmetterlingsart. Im Unterschied zur Zuchtseide werden die Kokons erst gesammelt und abgewickelt, wenn der Schmetterling den Kokon verlassen hat. Diese Seidenfasern sind kürzer, haben eine natürliche Färbung und einen angenehmen Tragekomfort.

Pflege von Kleidung aus Seide

  • Waschanleitung lt. Etikett beachten: Einige Seidenfasern können bei 30 Grad in der Waschmaschine gewaschen werden, andere jedoch müssen einer chemischen Reinigung unterzogen werden.
  • Einzelne Flecken nicht mit Wasser oder anderen Reinigungsmitteln entfernen
  • Keine Weichspüler oder Bleichmittel verwenden
  • Nicht auswringen, da die Kleidung sonst außer Form geraten kann.
  • Immer von der Rückseite und nicht zu heiß bügeln
  • Beim Bügeln nicht mit Wasser besprühen. Wenn der Seidenstoff zu trocken ist, kann ein feuchtes Tuch darübergelegt werden.
  • Nicht mit Parfum oder Deo besprühen, da diese Flecken erzeugen können.
  • Selten direkt starkem Sonnenlicht aussetzen, da die Seide sonst ausbleichen kann.

Brennnessel Pflanze
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Brennnessel

Bereits im Mittelalter wurden wildwachsende Brennnesseln zur Gewinnung von Fasern für die Herstellung textiler Gewebe genutzt. Aufgrund des Aufkommens von Baumwolle und Seide, verlor die Brennnessel im 16. Jahrhundert an Beliebtheit, wurde während des ersten Weltkriegs aber wiederentdeckt. Dank neuer Spinntechniken und Mischzüchtungen verschiedener Pflanzenarten werden inzwischen Nesselpflanzen mit hohem Faseranteil gewonnen, die stark und zugleich biegsam sind.

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Zudem können Garne aus Nesselfasern sowohl kühlen, als auch wärmen: Je nachdem, wie stark oder locker das Garn zusammen gedreht wird, kann der gewonnene Stoff mehr oder weniger isolieren. Demnach findet Nesselstoff Verwendung für warme Kleidungsstücke wie Pullover oder Strickjacken und kühlende Kleidungsstücke wie T-Shirts oder Röcke. In Österreich wird zurzeit jedoch keine Kleidung aus Brennnessel hergestellt, es gibt nur einige wenige Anbieter wie beispielsweise Textura aus Großbritannien oder die Designerin Gesine Jost aus Deutschland.

Ramie

Ramie, auch Chinagras genannt, ist eine Pflanze aus der Familie der Brennnesselgewächse. Sie wird in Südamerika und vereinzelt in Europa als Faserpflanze angebaut. Die Ramiefaser besitzt ähnliche Eigenschaften wie Baumwolle oder Leinen, ist elastisch und knitterfähig. Aufgrund der weißen Farbe muss Ramie nicht gebleicht werden und dank der Reißfestigkeit wird Ramie häufig mit Flachs zu hochwertigen Leinengarnen oder mit Baumwollfasern versponnen.

Fasern aus Zellulose
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Viskose

Viskose wird auf Basis von Holz (Zellulose) von Buchen, Fichten, Bambus oder Eukalyptus in einem chemischen Verfahren hergestellt. Aufgrund der positiven Eigenschaften des Stoffes und der vielfältigen Verarbeitungsmöglichkeiten, kommt er in zahlreichen Bereichen der Textilindustrie zum Einsatz und wird häufig gemeinsam mit anderen Stoffen wie Baumwolle verarbeitet. Viskose-Fasern sind keine Kunstfasern, jedoch wird aufgrund der zugesetzten chemischen Stoffe aus dem Endprodukt ein synthetischer Stoff (weswegen sie zu Chemiefasern gerechnet werden). Viskose wird ebenso als „Rayon“ oder Kunstseide bezeichnet und häufig als kostengünstigere Alternative zu Seide verwendet.

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Neben dem herkömmlichen Verfahren zur Herstellung von Viskose, gibt es auch umweltschonendere Varianten dieser Faser:

  • Lyocell: wird zwar künstlich verarbeitet, jedoch nur mit ungiftigen organischen Lösungsmitteln. Die für die Herstellung von Lyocell benötigte Zellulose stammt aus asiatischem, nachhaltig produziertem Eukalyptusholz. Seit den 1990er Jahren dient die Faser als Material für die Textilindustrie. Die Fasern können zu einem Garn gesponnen und zu unterschiedlichen Stoffarten verarbeitet werden – als glatte Stoffe für Hemden, Blusen oder T-Shirts, als festerer Stoff für Hosen oder Jeansstoffe sowie als weiches Gewebe für Unterwäsche, Handtücher oder Bettwäsche. Lyocell ist auch unter dem Namen TENCEL bekannt, der Markenname der Firma Lenzing für diese Stoffart.
  • Lenzing Modal®: Modalfasern sind künstlich hergestellte Fasern auf Basis von Zellulose (aus nachhaltig bewirtschafteten Buchenwäldern). Der Unterschied zu Viskose liegt im Spinnverfahren, wodurch sich andere Eigenschaften des fertigen Stoffs ergeben: Modalstoffe sind im Vergleich zur Viskose glatter, saugfähiger, hitzebeständiger und haben eine höhere Festigkeit. Durch den Anbau in Europa entfallen lange Transportwege. Außerdem kann so der Gebrauch von Eukalyptus ersetzt werden, der in einigen Anbauregionen zu Wasserknappheit führen kann.
  • Lenpur Viskose: Die Grundlage der Lenpur Viskose bildet Zellulose aus dem Rückschnitt von Bäumen in der Forstwirtschaft, d.h. zur Herstellung muss kein Baum oder Bambus gefällt werden. Wie auch bei Lyocell findet die Gewinnung ohne chemische Zusätze statt. Die Textilfaser ist so weich wie Kaschmir und so glänzend wie Seide, verfügt über eine hohe Feuchtigkeitsaufnahme und -transport und nimmt Gerüche schwer auf.

Viskosekleidung von Lenzing wird bereits von zahlreichen Firmen angeboten – von kleinen Labels wie Armed Angels, über Hersteller für Outdoorbekleidung wie Ortovox bis hin zu großen Modeketten wie H&M.

Pflege von Textilien und Kleidung aus Viskose

  • Waschanleitung laut Etikett beachten: Viskose-Fasern sind recht dünn und saugen viel Wasser auf. Beim Schleudern können sie beschädigt werden. Ein schonender Waschgang mit Feinwaschmittel auf niedriger Temperatur schützt die Fasern und spart zudem Energie.
  • Auf Weichspüler verzichten, die feinen Fasern werden nach dem Trocknen wieder von selbst weich.
  • Kleidung aus Viskose ist nicht geeignet für den Trockner und sollte besser nach dem Waschen feucht aufgehängt werden. So trocknet sie knitterfrei.
  • Feucht, auf links gedreht und bei niedriger Temperatur bügeln, um die hitzeempfindlichen Faser zu schonen.

Rinde der Korkeiche
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Kork

Zwar bekannt für Taschen, Portemonnaies oder Gürtel, aber in der Textilbranche ein noch neuer Rohstoff ist Kork. Das Material weist jedoch viele positive Eigenschaften auf: es ist pflegeleicht, strapazierfähig und langlebig, leicht im Gewicht, wasserundurchlässig und farbresistent. Der bedeutendste Korkproduzent der Welt, wo Korkeichen wachsen, ist Portugal.

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Die nachwachsende Korkrinde kann im Laufe des Baumlebens  bis zu 16 Mal geerntet werden. Um aus Kork Kleidung herzustellen, wird das Material in ganz dünnen Schichten geschnitten, auf ein Trägermaterial wie Baumwolle aufgetragen und lässt sich dann wie Leder weiterverarbeiten. Obwohl Bleed Clothing im Jahr 2015 eine Jacke aus Kork kreierte, gibt es sonst noch keine Produzenten von Korkkleidung.


Mehr Informationen zum Thema Nachwachsende Rohstoffe bei Kleidung gibt es in der Broschüre „Schickes Outfit“ oder „Ecofashion“ von DIE UMWELTBERATUNG.


Waschen und Reinigen mittels Naturstoffen

Bis vor etwa hundert Jahren wurden Reinigungsmittel ausschließlich mit Hilfe von natürlichen Rohstoffen hergestellt. Im 20. Jahrhundert verdrängten kostengünstigere Produkte auf Erdölbasis die traditionellen Seifen, jedoch feiern natürliche Alternativen nun wieder ein Comeback. Inzwischen wird ca. die Hälfte der Tenside (Schmutzlöser) wieder aus Pflanzen gewonnen. Der Erfolg der pflanzlichen Reiniger liegt neben der Eigenschaft als guter Schmutzlöser vor allem darin, dass sie nachwachsend, ungiftig und biologisch leicht abbaubar sind.

Person hält Kastanien in der Hand
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Waschmittel mit natürlichen Tensiden

Waschmittel bestehen hauptsächlich aus Tensiden, Wasserenthärtern und Wasseralkalien. Enthärter und Alkalien bestehen zu einem Großteil aus mineralischen Rohstoffen – in erdölbasierten genauso wie in biobasierten Produkten. Der Unterschied liegt bei den Tensiden: In Reinigungsmitteln auf Pflanzenbasis bestehen die Tenside vollständig aus den für Mensch und Umwelt unschädlichen Zutaten Zucker und Fettalkohol. Gewonnen werden diese aus der Stärke von nachwachsenden Pflanzen wie Mais und aus Pflanzenölen wie Kokos-, Raps- oder Palmkernöl.

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Zur Herstellung von natürlichen Waschmitteln eignen sich aber auch andere Pflanzen, vorausgesetzt sie enthalten den Stoff Saponin. Dazu zählen beispielsweise Kastanien, Efeublätter, Seifenkraut oder Waschnüsse. Saponine sind natürlich vorkommende, pflanzliche Tenside, die mit Wasser einen seifenartigen Schaum entwickeln. Mit diesem lassen sich Fett- und Schmutzpartikel leicht lösen und auswaschen.

Badezimmer mit Toilettenartikel
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Toilettenartikel aus Bambus und Holz

Jährlich werden in Österreich rund 17 Millionen Zahnbürsten verkauft. Auch bei diesem Pflegeprodukt, welches meist zum Großteil aus Plastik besteht, gibt es eine umweltfreundlichere Variante. Zahnbürsten aus Bambus oder Holz sind recyclebar, ressourcenschonend und schadstofffrei und gibt es mittlerweile online oder häufig auch im stationären Handel wie Drogerien zu kaufen. Auch bei den Borsten gibt es derzeit viele Bestrebungen, diese aus reiner Bambus-Viskose herzustellen.

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Eine nachhaltige Alternative zu herkömmlichen Wattepads sind waschbare Abschminkpads zum Beispiel aus Bio-Baumwolle oder Bambus. Die Pads sind häufig wiederverwendbar und können in der Waschmaschine (bei max. 60 Grad) gewaschen werden.


Bio-Kunststoff als Alternative zu klassischen Kunststoff-Einwegprodukten?

Beim sogenannten „Bio-Kunststoff“ unterscheidet man zwischen biobasierten und biologisch abbaubaren Kunststoffen. Erstere bestehen bis zu einem bestimmten Prozentsatz aus nachwachsenden Rohstoffen und brauchen bei der Herstellung keine bzw. weniger fossile Ressourcen. Zweitere sind Kunststoffe, die sich unter bestimmten Bedingungen zersetzen und beim Abbau CO2 und Wasser hinterlassen. Aus ökologischer Sicht weisen biobasierte Kunststoffe aus Pflanzenmaterial gegenüber herkömmlichen Kunststoffen allerdings nur unwesentliche Vorteile auf.

Flaschen aus Bio-Kunststoff
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Vor- und Nachteile von Bio-Kunststoff

Mit Hilfe verschiedener Verfahren können aus nachwachsenden Rohstoffen wie Mais, Weizen, Kartoffeln, Zuckerrohr, Zuckerrüben, Bambus oder Holz unterschiedliche Kunststoffarten produziert werden (Stärke-, PLA- oder zellulosebasiert). Nach Schätzungen von Branchenexperten liegt die weltweite Produktionskapazität für biobasierte und biologisch abbaubare Kunststoffe bei ca. 2,1 Mio. Tonnen (Statista, 2018).

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Bis zum Jahr 2023 wird sich die Produktionskapazität auf etwa 2,6 Millionen Tonnen erhöhen. Im Vergleich dazu, wurden etwa 360 Millionen Tonnen (Statista, 2018) an konventionellen Kunststoffen produziert. Der Anteil an „Bio-Kunststoffen“ ist begrenzt und zudem sind sie auch umstritten: Laut einem Papier der Assoziation ökologischer Lebensmittelhersteller (AöL) können zwar Emissionen von 20-80 % eingespart werden; aus vergleichenden Ökobilanzen geht jedoch hervor, dass sich die Umweltauswirkungen (aufgrund des benötigten Flächenverbrauchs für die Rohstoffe)  nicht wesentlich verbessern, wenn die Rohstoffe bio- statt fossilbasiert sind.

Die Verwendung von essbaren Pflanzen als Rohmaterial kann zudem auch zu einer Konkurrenzsituation zur Nahrungsmittelproduktion führen und auch für nicht essbare Pflanzenrohstoffe gehen wertvolle Flächen für den Anbau von Lebensmitteln verloren. Auch die richtige Entsorgung von Einwegprodukten aus biobasierten und biologisch abbaubaren Kunststoffen ist nicht unproblematisch, da diese oftmals gar nicht einer Kompostierung zugeführt werden können, sondern schlussendlich nur thermisch verwertet werden können. Die meisten Rohstoffe für Bioplastikgeschirr stammen zudem aus Schwellenländern wie z.B. aus China, Indien oder Thailand, wodurch auch angemessene Arbeitsbedingungen und faire Entlohnung nicht sichergestellt sind.

Generell gilt: Vermeidung von (Bio)Plastik

Das Ziel ist weiterhin, Plastik generell weitestgehend zu vermeiden und auf Alternativen zu setzen – z. B. wiederverwendbare Tragetaschen aus Papier oder Stoff. Wenn sich Kunststoff nicht vermeiden lässt, sollten jedenfalls Produkte aus recyceltem Kunststoff bevorzugt werden, die eine lange Lebensdauer haben und wiederverwendbar sind, wie beispielsweise Vorratsdosen oder Jausenboxen.


Einwegartikel: Geschirr, Besteck, Trinkhalme

Als „Einwegkunststoffartikel“ gelten Produkte, die ganz oder teilweise aus Kunststoff hergestellt werden und nur für den einmaligen oder kurzzeitigen Gebrauch bestimmt sind. Nicht ordnungsgemäß entsorgte Abfälle aus Kunststoff landen zum Großteil in den Ozeanen. Weltweit verschmutzen mehr als 100 Millionen Tonnen Plastikmüll die Meere – und jährlich kommen geschätzt weitere zehn Millionen Tonnen hinzu. Ab 2021 sind Kunststoffartikel wie Einweggeschirr und „To Go“-Behälter innerhalb der Europäischen Union verboten. Vom Markt genommen werden beispielsweise Wattestäbchen, Plastikgeschirr und -besteck sowie Strohhalme aus Plastik.

Mehrweg statt Einweg

Mit dem Verbot der Einwegkunststoffartikel soll ein Beitrag gegen die großen Mengen an Plastikmüll geleistet werden. Heute gibt es zudem bereits ökologisch nachhaltigere Alternativen. Generell sollten Einwegartikel allerdings vermieden und auf ökologische Mehrwegvarianten gesetzt werden – dies gilt insbesondere bei den klassischen Single-use Produkten wie Kaffeebecher, Trinkhalme oder Geschirr. Denn auch die im Folgenden aufgezählten Einwegprodukte aus nachwachsenden Rohstoffen weisen eine vergleichsweise schlechtere Umweltbilanz auf, als deren Mehrwegpendant.

Bunte Trinkhalme aus Papier
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Trinkhalme

Statt Trinkhalmen aus Plastik, kommen zum Beispiel welche aus Papier in Frage. Allerdings sollten diese auch mehrmals verwendet werden, da sonst die Umweltbilanz trotz des nachwachsenden Rohstoffs nicht besser ist, als die eines Plastikhalms. Als Ersatz für Plastik-Trinkhalme sollte bestenfalls zur Mehrwegvariante in Form von Glas oder Edelstahl gegriffen werden.

Einweggeschirr aus Holz
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Geschirr und Besteck

Einweggeschirr kommt bei klassischen „To Go“-Snacks oder Getränken sowie bei Veranstaltungen häufig zum Einsatz – und besteht meistens aus Plastik. Die Verwendung von Mehrweggeschirr (Trinkgläser, Mehrwegkunststoffbecher, Porzellangeschirr, Metallbesteck) ist im Vergleich zu Einweggeschirr wesentlich umweltfreundlicher und klimaschonender. Durch die Verwendung eines Mehrwegsortiments kann z. B. auch das Abfallaufkommen um bis zu 90 % reduziert werden.

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Neben den klassischen Einwegprodukten aus Kunststoff gibt es auch ein wachsendendes Sortiment an kompostierbaren oder aus nachwachsenden Rohstoffen bestehenden Artikeln. In der Auflistung finden sich die gängigsten davon, welche aber trotzdem – nach Mehrwegvarianten – nur die zweite Wahl sein sollten.

  • Holz / Zellulose

Holz ist ein nachwachsender Rohstoff mit vielen Vorteilen, so auch als Alternative für Einwegartikel aus Kunststoff. Ob Zahnstocher, Geschirr oder Besteck – Holz ist für trockene, feuchte und fettende Lebensmittel geeignet und zugleich biologisch abbaubar. Da Holz/Zellulose auch unbehandelt verwendbar ist und nicht gebleicht werden muss, ist es ein reiner und geschmacksneutraler Rohstoff.

  • Bambus

Eine der zwölf Unterfamilien aus der Familie der Süßgräser ist der Bambus. Bambus wächst mit bis zu einem Meter pro Tag sehr schnell und ist auch bei der Entsorgung bis zu 100 % kompostierbar. Bambus verfügt über eine sehr hohe Festigkeit, Elastizität und Formstabilität und eignet sich gut als Alternative zu Einwegprodukten aus Kunststoff. Er ist zudem geschmacksneutral und kommt somit häufig im Lebensmittelbereich zum Einsatz.

  • Palmblatt

Die Blätter der Betelnuss-Palme können ebenfalls als Rohstoff für Einwegprodukte fungieren: Sie werden getrocknet, gepresst und ohne sonstige Zusatzstoffe zum Beispiel zu Geschirr verarbeitet. Geschirr aus Palmblättern ist stabil, temperaturbeständig und wasserresistent, wodurch es auch für heiße Gerichte verwendet werden kann.

  • Zuckerrohr

Das schnell wachsende Zuckerrohr stammt aus der Familie der Süßgräser und ist der weltweit wichtigste Rohstofflieferant für die Herstellung von Zucker. Als Nebenprodukt aus der Zuckerindustrie bleibt der faserige Anteil zurück, die sogenannte Bagasse. Unter Zugabe von Wasser und natürlichem Bindemittel wird die Bagasse zu einem homogenen Brei gemahlen, verarbeitet und in Form gepresst. Geschirr aus Zuckerrohrfasern ist wasserresistent, öl-, fett- und hitzebeständig (bis 90 Grad), für die Mikrowelle und den Kühlschrank geeignet. Das Fasergeschirr ist zu 100 % kompostierbar und biologisch abbaubar.

  • Stärke (Mais, Kartoffeln, Rüben)

Auf Basis von Stärke – zum Beispiel von Mais, Kartoffeln oder Rüben – wird Polylactid (PLA) hergestellt, ein weiterer biobasierter Kunststoff, welcher den Produkten aus Plastik sehr ähnlich sieht. Wenn die Stärke aus dem Gewächs gärt, entstehen Milchsäuren. Diese werden in weiteren Schritten zu Granulaten und Kunststoffprodukte wie Einweggeschirr geformt. Bei CPLA wird noch Talkpulver beigemischt, um das Material hitzebeständig zu machen. Da PLA mit einer hohen Transparenz und Festigkeit überzeugt und zudem wasserdampfdurchlässig ist, wird es für Sichtfenster oder auch Becher für Kaltgetränke verwendet. Das intransparente CPLA wird als Material für Besteck oder auch Deckel von Heißgetränkebechern verwendet.

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