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KategorienWissenswertMerinowolle – nachhaltig und ohne Tierleid

Merinowolle erfreut sich zunehmender Beliebtheit, denn durch ihre positiven Eigenschaften (besonders weich, reguliert die Körpertemperatur, neutralisiert Gerüche, absorbiert Flüssigkeit und muss viel seltener gewaschen werden) eignet sie sich besonders gut für Sport-, Outdoor- und Winterbekleidung. Die Kehrseite an der Nachfrage nach dieser hochwertigen Schurwolle ist, dass die Gewinnung häufig mit der umstrittenen und für Tiere schmerzvollen „Mulesing“-Praktik verbunden ist. Einige österreichische Marken gehen bereits mit gutem Beispiel voran und gewährleisten Merinoprodukte aus artgerechter Tierhaltung mit lückenloser Rückverfolgung. Auf welche Labels Konsument:innen achten können und was es mit der „100-day-dress-challenge“ auf sich hat, steht in diesem Newsbeitrag.

Funktionale Super-Faser

Die Schurwolle von Merinoschafen gilt aufgrund ihrer Eigenschaften als besonders hochwertig und funktional:

  • Aufgrund ihrer Faserstruktur ist sie besonders weich, elastisch und kratzt nicht
  • Sie kann bis zu einem Drittel ihres Eigengewichts an Wasser aufnehmen und hält auch bei feuchtem Wetter langanhaltend warm
  • Reine Merinowolle reguliert die Körpertemperatur, d.h. sie wärmt, wenn es kalt ist und kühlt, wenn es warm ist
  • Wie Schurwolle allgemein neutralisiert sie Gerüche wie Schweiß, was sie besonders für Sportkleidung prädestiniert
  • Merinowolle schützt vor UV-Strahlen bis zu einem LSF 50

Sie spart zudem Ressourcen wie Wasser und Energie, denn sie muss seltener als andere Textilien gewaschen werden – oft reicht es aus, Merino-Kleidung gut auszulüften.

100 Tage, 1 Merino-Kleid, 0 x Waschen?

Um die positiven Eigenschaften von Merinowolle vor Augen zu führen, hat die amerikanische Textilfirma wool& die Aktion „100-day-dress-challenge“ ins Leben gerufen, bei der Teilnehmer:innen ein- und dasselbe Merinokleid für bis zu 100 Tage am Stück tragen. Die Kampagne zeigt, wie langlebig, aber auch vielseitig ein einzelnes Kleidungsstück sein kann, wie selten es gewaschen werden muss und dass es durchaus Alternativen zu einem übervollen Kleiderschrank gibt.

Die Schattenseite – Tierleid durch „Mulesing“

Neben all den positiven Aspekten der sogenannten „Hochleistungsfaser“ Merinowolle gibt es leider auch eine Schattenseite. Um den Wollertrag zu erhöhen, wurden Merinoschafe mit besonders vielen Hautfalten gezüchtet. Diese Schafe werden dadurch allerdings anfällig für Fliegen, die in den Hautfalten ihre Eier ablegen und nisten. Der Madenbefall bereitet den Tieren nicht nur Schmerzen, sondern kann besonders am Hinterteil zu Infektionen durch Kot führen und die Tiere erkranken oder verenden. Als Gegenmaßnahme hat sich die veraltete, umstrittene Praxis „Mulesing“ etabliert, bei der Jungtieren ein handgroßes Stück Haut rund um den Schwanz weggeschnitten wird – das aber ohne Betäubung oder anschließende Wundversorgung. Die Praktik ist heute nur noch in Australien in Anwendung, doch dort wird fast drei Viertel der weltweiten Merinowolle gewonnen.

Merinowolle aus artgerechter Tierhaltung

Bei einem Check von Vier Pfoten und des Konsumentenschutz der AK OÖ konnten vier von 14 österreichischen Marken (mit Stand März 2020) durch Rückverfolgbarkeit bis zum tierhaltenden Betrieb nachweisen, dass die verarbeiteten bzw. angebotenen Merinowolle-Produkte nicht mit Tierleid durch „Mulesing“ in Verbindung stehen: Das sind die Sportartikelkette Hervis, der oberösterreichische Sportbekleidungs-Hersteller SCROC, das nachhaltige Grazer Modelabel ZERUM Lifestyle und Grüne Erde. Zahlreiche weitere (internationale) Marken sprechen sich ebenfalls gegen die Verstümmelungs-Praxis aus oder setzen bereits gezielt Maßnahmen dagegen. Konsument:innen können im Rahmen der Tierschutzkampagne „Wolle mit Po“ selbst ein Zeichen setzen. Langsam vollzieht sich auch in Australien ein Wandel, vorangetrieben durch Best-Practice-Beispiele, die zeigen, dass ein Verzicht auf „Mulesing“ bzw. gezieltes Züchten erhöhtes Tierwohl, aber auch ökonomische Vorteile bringen kann.

Quellen und weitere Infos:

Labels für nachhaltige (Merino)-Wolle:

An folgenden Labels für (Merino-)Wolle können Konsument:innen Wollprodukte aus nachhaltiger bzw. artgerechter Haltung erkennen:

Der GOTS-Standard verbietet „Mulesing“ nicht explizit, wenn es unter Betäubung der Schafe durchgeführt wird – dies kann allerdings schwer kontrolliert werden.

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