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RatgeberReparieren statt Wegwerfen – 8 Tipps zu Reparatur und Neukauf, um Elektrogeräte länger zu nutzen

Egal ob Waschmaschine, Geschirrspüler, Laptop oder Smartphone: Viel zu viele Produkte wandern viel zu früh in den Müll – auf Kurzlebigkeit ausgelegte Herstellung und Dumpingpreise, immer kürzere Innovationszyklen und Lockangebote, fehlende Ersatzteile oder Updates und erschwerte Reparaturmöglichkeit, aber auch unser Konsum- und Nutzungsverhalten tragen dazu bei. In diesem Ratgeber findest du Tipps rund um Reparatur und Neukauf für eine längere Nutzung.

Ist das Gerät defekt? Reparieren statt neu kaufen!

Muss es unbedingt ein neuer Geschirrspüler sein oder lässt sich der alte vielleicht auch durch den Tausch eines Teils reparieren? Kann ich das kaputte Kinderfahrrad nicht auch in die Werkstatt statt auf den Mistplatz bringen und ist mein Laptop wirklich nicht mehr zu gebrauchen? Bevor ein bestehendes Gerät aussortiert und durch ein neues ersetzt wird, solltest du deine Verbraucher:innenrechte (Gewährleistung/Garantie) sowie etwaige Reparaturmöglichkeiten ausloten. Reparieren ist in den meisten Fällen umweltfreundlicher als ein Neukauf, da sich so der ursprünglich hohe Energie- und Ressourcenbedarf eines Produkts (man spricht auch von der sogenannten „Grauen Energie“, die bei Herstellung, Transport, Lagerung, Verkauf und Entsorgung eines Produkts und seiner Vorprodukte anfällt) auf eine insgesamt längere Nutzungsdauer verteilt.

1. Nutze deine Rechte als Verbraucher:in wie Gewährleistung und Garantie

  • Die Gewährleistungspflicht ist gesetzlich vorgeschrieben – wenn der Mangel einer Ware schon zum Zeitpunkt der Übergabe bestanden hat, hast du das Recht auf Behebung des Defekts durch Reparatur oder Umtausch der Ware.
  • Die Garantieleistung ist freiwillig und vom Hersteller/Verkäufer abhängig – Garantieerklärungen verlängern häufig die gesetzlichen Gewährleistungsfristen, in denen z.B. Reparaturleistungen kostenlos übernommen werden. Mehr Infos zu Gewährleistung und Garantie

2. Informiere dich über die Reparierbarkeit und Ersatzteile deiner defekten Geräte

  • Beim Hersteller/Verkäufer
  • Bei einem Reparaturbetrieb/Fachbetrieb
  • Online z.B. im Reparatur-Ratgeber von topprodukte

3. Führe kleine Reparaturen selbst durch

4. Hole dir Unterstützung in einem (oder organisiere selbst ein) Reparicafé

  • Eine weitere Möglichkeit für Reparaturen bieten sogenannte Repaircafés, welche meist von Privatpersonen oder Kommunen organisiert werden – hier wirst du nicht nur mit Rat und Tat unterstützt, sondern auch das passende Werkzeug kann in geselliger Atmosphäre gemeinschaftlich genutzt werden.

5. Beauftrage Reparaturbetriebe bzw. Fachspezialisten

Mit dem Reparaturbonus österreichweit Kosten sparen

Ab 26. April 2022 ist der vom Klimaschutzministerium initiierte bundesweite „Reparaturbonus“ erhältlich – damit sparen Verbraucher:innen bis zu 200 EUR auf die Reparatur eines Elektrogeräts. Mit Stand April 2022 sind bereits 700 Reparaturbetriebe beteiligt, bei denen die Bons eingelöst werden können. Zum Reparaturbonus

Zusätzlich gibt es auch regional gültige Reparaturboni wie z.B.:
Reparaturbonus Wien
Reparaturbonus Kärnten
Reparaturbonus Salzburg
Grazer Reparaturmaßnahmen

Übrigens:  Seit 1.1.2021 gilt ein ermäßigter Steuersatz von 10% auch auf sogenannte kleine Reparaturdienstleistungen (einschließlich Ausbesserung und Änderung), um Reparaturbetriebe zu stärken. Das betrifft z.B. Fahrräder, Schuhe, Lederwaren, Kleidung oder Haushaltswäsche.

Vor einem etwaigen Neukauf

Falls der Neukauf eines elektronischen Geräts ins Haus steht, du aber trotzdem möglichst nachhaltig vorgehen willst, dann kannst du folgende Dinge beachten:

1. Stelle dir die Frage: Brauche ich das wirklich?

  • Vor dem Neukauf eines Geräts solltest du dir zuallererst die Frage stellen: „Brauche ich das neue Produkt wirklich und wie oft würde ich es nutzen?“ Aggressive Werbung, Lockangebote und Rabattaktionen, genauso wie immer kürzere Innovationszyklen bei Produkten mit teilweise nur geringfügig neuen Funktionen verleiten uns oft unbewusst zu Impulskäufen.

2. Nutze Alternativen zum Neukauf: Mieten, Leihen, Gebraucht bzw. Refurbished

  • Außerdem solltest du dich fragen: Muss ich das neue Gerät wirklich selbst anschaffen, oder kann ich es vielleicht auch mieten, leihen oder auf eine gemeinschaftliche Nutzung zurückgreifen?
  • Über Social Media Gruppen wie z.B. „Verkaufen-Verschenken-Tauschen“ oder Kaufplattformen wie Willhaben wirst du bei Gebrauchtgeräten fündig. Bei Privatverkäufen sollte man vorsichtig sein und die Funktionsfähigkeit jedenfalls vorab kontrollieren, da die Gewährleistungspflicht in diesem Fall auch ausgeschlossen werden kann.
  • Auch reparierte bzw. wieder instand gesetzte Geräte („refurbished“) sind eine umweltfreundlichere Alternative zum Neukauf.
    Geräte mieten kannst du zum Beispiel über das R.U.S.Z, Re-Use-Betriebe in Österreich findest du auf Widado und hier geht´s zum Refurbed-Marktplatz für erneuerte Produkte.

3. Vergleiche Geräteeigenschaften vor dem Kauf und frage nach Umweltbilanz und Reparierbarkeit

  • Steht ein Neukauf an, solltest du dich im Idealfall vorab bereits genau über Lebensdauer, Energieeffizienz, Wartung und Reparierbarkeit von Produkten informieren. Als Konsument:in kann man zwar oft nur schwer beurteilen, wie hochwertig und langlebig Produkte sind (das trifft in besonderem Maß auf Elektrogeräte zu, in die man nicht „hineinschauen“ kann) – hier müssen die Hersteller in die Pflicht genommen werden –  gezielte Recherchen vor dem Kauf können dennoch als Orientierungshilfe für eine bewusste Kaufentscheidung dienen.
  • Tendenziell gilt: Greife auf möglichst langlebige, reparaturfreundliche Geräte der höchsten Energieklasse zurück und achte auch auf die Gerätegröße, denn je größer ein Gerät, desto höher der Energieverbrauch trotz gleicher Energieeffizienzklasse.

Checkliste beim Gerätekauf:

  • Gibt es eine Garantieleistung bzw. wenn ja in welcher Form?
  • Gibt es einen Kundendienst und wie ist dieser erreichbar?
  • Welche Komponenten sind verbaut bzw. wie hochwertig sind diese?
  • In welche Energieeffizienzklasse fällt das Gerät?
  • Was ist bei der Pflege bzw. Wartung zu beachten?
  • Sind Ersatzteile verfügbar?
  • Wie lange garantiert der Hersteller die Ersatzteilverfügbarkeit?
  • Lässt sich das Gerät (leicht) öffnen bzw. aufschrauben?
  • Sind potenzielle Verschleißteile bzw. Komponenten (leicht bzw. unabhängig voneinander) erreichbar und austauschbar?
  • Lässt sich das Gerät mit herkömmlichem Werkzeug reparieren?

Lieber langfristig denken und auf Qualität setzen

Zwar bedeutet ein höherer Preis oder eine bekannte Marke nicht immer auch höhere Qualität, trotzdem ist bei sehr günstigen Produkten und Lockangeboten dennoch Vorsicht geboten. Denn tendenziell sind in teureren Produkten auch höherwertige Komponenten verbaut, die die Geräte bei Energieeffizienz, Reparaturfähigkeit und Langlebigkeit besser abschneiden lassen. Langfristig schont das nicht nur die Umwelt, sondern du sparst auch Geld, z.B. durch einen geringeren Strom- und Energieverbrauch, geringeren Wartungsaufwand und weniger Bedarf einer Neuanschaffung.

Labels und Gütezeichen bieten Orientierung

Labels zum Thema "Langlebige Produkte"
Labels können bei der Orientierung und Kaufentscheidung rund ums Thema „Langlebige Produkte“ helfen
  • Österreichisches Umweltzeichen: Hinsichtlich langlebiger und reparierbarer Produkte sind u.a. Kriterien wie das einfache Tauschen von Akkus, die Ersatzteilversorgung über einen längeren Zeitraum oder Kundenservice- und Garantieleistungen wichtig. Im Rahmen des Österreichischen Umweltzeichens wird der „Lebenszyklus-Ansatz“ angewandt. Das heißt, es werden die Umweltauswirkungen sowohl beim Gebrauch, als auch bei der Herstellung und Entsorgung berücksichtigt – dazu zählen der Rohstoff- und Energieverbrauch, die Toxizität der Inhaltsstoffe, Emissionen (Abgase, Abwasser, Lärm etc.), Abfälle und Recyclingfähigkeit, Verpackung, Vertrieb und Transport.
  • Blauer Engel: Der Blaue Engel (deutsches Umweltzeichen) legt in vielen Produktgruppen das Augenmerk auch auf Langlebigkeit und Reparaturfreundlichkeit. So ist die leichte Austauschbarkeit von Akkus bei Notebooks und Mobiltelefonen eine wichtige Anforderung. Der Blaue Engel stellt auch Garantieanforderungen, die über gesetzliche Vorgaben zur Gewährleistung hinausgehen und die Bereitstellung von Ersatzteilen nach Vermarktungsende einschließt.
  • EU Eco-Label: Hersteller von PCs, Notebooks und Tablets müssen für eine Kennzeichnung mit dem EU-Umweltzeichen EU Eco-Label Vorgaben zur Energieeffizienz und Upgrade-Fähigkeit der Produkte erfüllen und zudem bei der Produktion auf die Wiederverwendbarkeit der einzelnen Bestandteile achten. Bei der Kennzeichnung von Möbeln geht es beispielsweise um die Verwendung gefährlicher Bestandteile.

In anderen Ländern gibt es zudem Gütezeichen, die die Qualität reparierter Ware garantieren bzw. über deren Aufbereitung Auskunft geben, oder Labels, die an Re-Use-Zentren verliehen werden.

Hintergrund: Ressourcenverbrauch als Herausforderung

Weltweit werden mittlerweile fast neun Mal so viele Ressourcen von uns verbraucht wie zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Das liegt auch daran, dass wir immer mehr Geräte besitzen, die wir immer kürzer nutzen und die dann entsorgt werden. Eine Waschmaschine wird in Österreich im Durchschnitt nur noch 7 Jahre genutzt, ein Handy nur 18 bis 24 Monate, bevor auf ein neues Modell umgestiegen wird. Diese Entwicklung belastet unseren Planeten und lässt Müllberge wachsen. Anfallender Elektroschrott – in Österreich wurden 2019 rund 133.048 Tonnen an Elektro- und Elektronikaltgeräten gesammelt – stellt eine besondere Herausforderung beim Recycling dar: einerseits enthält er wertvolle Materialien, die wiederverwertet werden könn(t)en, anderseits aber auch toxische und umweltschädliche Stoffe. Das kann besonders problematisch für Menschen und Umwelt werden, wenn der E-Müll aus Industrienationen in Länder des globalen Südens transportiert und dort unter widrigen Bedingungen getrennt oder endgelagert wird. So wird der E-Müll zum Gesundheits- und Umweltrisiko, aber auch zur Gerechtigkeitsfrage.

Immer mehr Konsument:innen wollen diesem Wegwerf-Trend und dem „Konsumismus“ entgegenwirken und zeigen, dass es auch anders geht: Wer bereits beim Kauf auf Qualität, Langlebigkeit und Reparaturfähigkeit achtet und die eigenen Geräte und Produkte möglichst lange nutzt bzw. auf Reparieren statt Wegwerfen setzt, schont Ressourcen, Klima und Geldbeutel. Ein weiterer positiver Effekt: die Nachfrage nach Reparaturdienstleistungen stärkt die regionale Wirtschaft und schafft Arbeitsplätze.

Wusstest du eigentlich?

  • Geräte nur ein Jahr länger zu nutzen, würde in der EU jährlich rund 4 Millionen Tonnen Kohlendioxid (CO2) einsparen. Das ist dieselbe Menge, die rund 2 Millionen weniger Autos auf den Straßen einsparen würde. (Quelle: Reparaturnetzwerk.at)
  • 77 % der EU-Bürger:innen würden ihre Geräte eher reparieren als sie ersetzen. 
  • 79 % der EU-Bürger:innen finden, dass Hersteller verpflichtet sein sollten, die Reparatur von digitalen Geräten oder den Austausch ihrer Einzelteile einfacher zu gestalten.
    (Quelle: EU-Parlament, Eurobarometer)

Bessere Rahmenbedingungen für Verbraucher:innen mit dem „Recht auf Reparatur“

Das EU-Parlament will die Kreislaufwirtschaft fördern und es Konsument:innen erleichtern, ihre Geräte reparieren zu lassen. Dazu beitragen soll das „Recht auf Reparatur“: Produkte müssen haltbarer und reparierbarer werden und eine bessere Kennzeichnung zur Verbraucher:inneninformation sowie eine Erweiterung der Garantierechte umfassen. Eine Standardisierung von Bauteilen, das genaue Ausweisen von verwendeten Materialien und leichtere Zerlegbarkeit würde die Reparierbarkeit bzw. Wiederverwertung von Komponenten weiter erhöhen. Die ersten Gesetze und „Ökodesign-Vorschriften“ traten in der EU im März 2021 in Kraft.  Ökodesign zielt darauf ab, dass ökologische Aspekte und Kriterien der Kreislaufwirtschaft wie Langlebigkeit, Reparierbarkeit, Energieeffizienz oder Recyclingfähigkeit bereits im Designprozess von Produkten berücksichtigt werden. In der Vorschrift wird geregelt, dass Geräte wie Fernseher, Geschirrspül- und Waschmaschinen oder Kühlgeräte bessere Anforderungen an die Reparierbarkeit erfüllen müssen. Hersteller müssen einerseits genauere Angaben zur erwarteten Lebensdauer machen und Ersatzteile und Informationen zu Wartung und Reparatur zur Verfügung stellen. Reparaturen sollen zudem mit allgemein erhältlichen Werkzeugen möglich sein. Weitere Verbesserungen zum „Recht auf Reparatur“ sind in Planung (Stand: 7.4.22).

„Obsoleszenz“ bedeutet in dem Zusammenhang übrigens allgemein Verschleiß oder Abnutzung. „Geplante Obsoleszenz“ beschreibt den Vorgang, wenn Produkte bewusst so hergestellt werden (oder in Kauf genommen wird), dass deren Lebensdauer verkürzt wird und diese nach einer festgelegten Spanne unbrauchbar werden.

Was kann alles repariert werden?

Das Reparatur- und Service-Zentrum (R.S.U.Z.) gilt als Vorreiterbetrieb im Bereich Reparatur und Kreislaufwirtschaft. In diesem Video zeigt Gründer und Geschäftsführer Sepp Eisenriegler was alles repariert werden kann. Sepp Eisenriegler setzt sich seit mehr als 20 Jahren für das Recht auf Reparatur ein.

Quellen und weiterführende Links:

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