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Ratgeber

Schuhe

Die Schuhindustrie ist weltweit der größte Verarbeiter von Leder – produziert wird zum Großteil in asiatischen Fabriken, allen voran in China. Die heimische und EU-weite Produktion fällt vergleichsweise gering aus. Neben den langen Transportwegen und den, oftmals bei der Herstellung eingesetzten, umweltbelastenden Chemikalien, sind auch schlechte Arbeitsbedingungen und niedrige Löhne ein großes Problem in den schuhproduzierenden asiatischen Ländern. Beim Kauf sollte deswegen auf die Herstellung der Ausgangsmaterialien sowie Fertigung, soziale Kriterien in der Produktion und Qualität der Produkte ohne Gesundheitsgefährdung der Arbeitenden und Tragenden geachtet werden.

Worauf Sie achten sollten

  • Nachhaltige Gütezeichen und Labels
    • Noch ist die Anzahl an zertifizierten Schuhen überschaubar, doch das Angebot wächst stetig. Für nachhaltige Schuhe stehen Produkte, die mit dem Österreichischen Umweltzeichen, Blauen Engel oder EU Eco-Label zertifiziert sind.
  • Chromfreie Produkte
    • Vermeiden Sie Ware mit schädigendem Chrom.
    • Kaufen Sie nur Lederwaren, die ohne stark umwelt- und gesundheitsschädigendem Chrom (Chrom VI) gegerbt wurden oder greifen Sie zu rein pflanzlich gegerbten und gefärbten Schuhen.
  • Herkunft und Verarbeitung der Rohstoffe
    • Schuhe, die in Europa produziert wurden, sind alleine aus Ökobilanz-Gründen asiatischen Modellen vorzuziehen, wo auch die sozialen Standards oft schlecht sind.
    • Zudem wird in Europa auf Gerbung, bei der giftiges Chrom VI entstehen kann bzw. verwendet wird, verzichtet.
    • Achten Sie beim Schuhkauf auf chemische Gerüche: Diese deuten auf Konservierungsmittel oder synthetische Klebstoffe hin – ein Zeichen schlechter Verarbeitung, die Ihnen und den Menschen, die den Schuh herstellen, nicht gut tuen.
  • Weniger ist mehr
    • Lieber ein Paar qualitativ hochwertige, teurere Schuhe mit nachhaltigem Mehrwert kaufen, als mehrere billig produzierte Schuhe.
    • Hochwertiges Schuhwerk kann öfter repariert werden – das spart Geld und Rohstoffe.
  • Fachhandel statt Online-Schuhversand
    • Geben Sie Ihrem Fachhändler gegenüber dem Internet-Schuhversand den Vorzug.
    • Im Fachhandel erhalten Sie neben näheren Produktinformationen auch Unterstützung bei der optimalen Passform.
    • Rücksendungen, die sich negativ auf die Ökobilanz auswirken, können damit ebenfalls vermieden werden.
  • Vegane Schuhe – ganz ohne Leder
    • Wer ganz auf Leder verzichten will, wird unter dem Schlagwort „vegane Schuhe“ fündig. „Vegan“ alleine bedeutet aber nicht, dass die Schuhe auch sozial fair produziert wurden und umweltfreundlich sind. Denn auch textile Schuhe können mit giftigen Chemikalien behandelt sein.
    • Erkundigen Sie sich daher beim Fachhändler über die verwendeten Materialien. Ökologische und tierfreundliche Leder-Alternativen sind beispielsweise Hanf, Canvas (Gewebe aus Leinen) oder Bio-Baumwollstoff.
    • Bisher gibt es nur wenige Geschäfte, die sich auf vegane Mode spezialisieren, ein Beispiel dafür in Wien ist Muso Koroni.
  • Recycling-Materialien
    • Auch Recycling-Materialien kommen immer öfter zum Einsatz und verbessern dadurch den ökologischen Fußabdruck von lederfreien Schuhen.
    • Ein weiterer Trend sind abbaubare Schuhe, wie etwa jene der Marke OAT Shoes, die am Ende ihrer Tragezeit kompostiert werden können.
  • Gute Passform
    • Orthopädische Probleme rühren oft von falschem (zu kleinem, engem, hohem) Schuhwerk.
    • Achten Sie demnach auf eine gute Passform und lassen Sie sich von Fachpersonal beraten.
  • Nachhaltige Produktion
  • Richtige Pflege
    • Behandeln Sie Ihre pflanzlich gegerbten Schuhe gut, um sie lange tragen zu können.
    • Das Leder kann durch natürliche Fette und Ledermittel wasserfest und geschmeidig gehalten werden.
    • Pflege ist also sehr wichtig: Verwenden sie keine chemischen Reiniger.
Mehrere Schuhpaare auf einem Haufen
© Unsplash

Schuhproduktion vorrangig in Asien

49 Millionen Paar Schuhe werden jährlich in Österreich gekauft. Das sind im Schnitt sechs Paar pro Kopf, wobei Frauen durchschnittlich zwei- bis dreimal so viele Schuhe einkaufen wie Männer. Immer mehr Konsumentinnen und Konsumenten machen sich auch beim Kauf von Schuhen Gedanken über deren Nachhaltigkeit.

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Von den Top Ten der weltweit größten Schuhproduzentinnen und Schuhproduzenten befinden sich sieben in Asien – rund 60 Prozent der weltweit produzierten Schuhe werden in der Volksrepublik China hergestellt. Dahinter folgen Indien (zehn Prozent), Brasilien (knapp vier Prozent) und Indonesien (3,3 Prozent). Pakistan, Bangladesch, Thailand und Mexiko teilen sich Anteile im Ein-Prozentbereich. Als einziges EU-Land schafft es Italien in die Top Ten der größten Schuhproduzentinnen und Schuhproduzenten, gefolgt von der Türkei und dem Iran.

Lederschuhe für Männer
© Pixabay

Weltweit größter Verarbeitungszweig von Leder

Mit 14 Milliarden Paar Lederschuhen im Jahr ist die Schuhindustrie weltweit der größte Verarbeiter von Leder. 11,5 Milliarden davon stammen aus asiatischen Fabriken, wobei auch hier China mit acht Milliarden Paar den Spitzenplatz unter den Produzenten einnimmt. Zum Vergleich: In Deutschland entstehen pro Jahr 25 Millionen Paar Schuhe, in Österreich werden jährlich rund 1,8 Millionen Paar produziert.

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Der weltweit steigende Fleischkonsum führt zu einem Überangebot an Tierhäuten, die günstige und schnelle Methode der Chromgerbung trägt ihrerseits zur Massenproduktion von Lederschuhen bei. Viele davon bleiben aber ungetragen und werden weggeworfen. In Österreich werden jedes Jahr 10.000 Tonnen Schuhe mit Lederbestandteilen entsorgt – EU-weit sind es Schätzungen zufolge sogar 1,2 Millionen Tonnen. Schuhe sind allerdings schlecht zu trennen und wiederzuverwerten. Viele Substanzen zersetzen sich langsam, bei der Verbrennung von chromgegerbtem Leder entsteht gesundheitsschädigendes Chrom VI.

Aktuell werden Versuche gestartet, recycelte Schuhe in Bodenbelägen (etwa für Sportplätze) zu verwenden. Allerdings könnten durch den Abrieb der Beläge giftige Chemikalien freigesetzt werden.

Mehrere Schuhpaare nebeneinander
© Unsplash

Problembelastete Schuhe

Werden Rinderhäute aus Brasilien verwendet, geht meist die Abholzung des Regenwaldes damit einher – denn zu 80 Prozent sind die Viehzüchter dafür verantwortlich, dass Wald für neues Weideland ihrer Rinderherden verloren geht. Bei der Gewinnung von Rinderhäuten aus Indien (Indien ist mit 400.000 Tonnen im Jahr einer der fünf größten Hersteller von Rinderhäuten) werden hingegen oft die Tierschutzbestimmungen nicht eingehalten.

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Giftige Gerb- und Farbstoffe

In 85 Prozent der Fälle wird zur Gerbung des Leders Chrom verwendet. Die Gerbung mit Chrom-III-Salzen ist weltweit die gängigste Methode, obwohl sie Risiken für Umwelt und Gesundheit birgt. Gesundheitsgefährdend ist sie vor allem dann, wenn es dabei zur unerwünschten Bildung von Chrom VI-Verbindungen kommt. Das sechswertige Chrom ist hochgiftig und krebserregend und kann im Gegensatz zu Chrom III leicht in die Haut eindringen. Das kann sowohl für Produzentinnen und Produzenten als auch Trägerinnen und Trägern dieses Leders gesundheitsgefährdend sein und zu Haut- und Atemwegserkrankungen führen.

Der Abbau des Rohstoffes ist problematisch, da großflächige Bergbauprojekte immer wieder massive ökologische und soziale Probleme verursachen, darunter die Zerstörung ganzer Landstriche, Enteignung und Vertreibung der ansässigen Bevölkerung sowie miserable Arbeitsbedingungen in den Minen. Hauptlagerstätten von Chrom befinden sich in Südafrika (38 Prozent), Indien (20 Prozent), Kasachstan (15 Prozent), Türkei (sieben Prozent), Russland, Brasilien und Zimbabwe (je drei Prozent) sowie Finnland (zwei Prozent). Neben Chrom werden in der Schuherzeugung auch andere gesundheitsschädliche oder gar toxische Chemikalien verwendet: perflourierten Chemikalien, die in wasserabstoßenden Outdoor-Textilien zum Einsatz kommen. Weiters finden verbotene Azo-Farbstoffe, die Krebs erzeugen können, Verwendung. Sie sind gefährlich in Kombination mit Körperschweiß, der sie aus dem Leder löst. Zwar ist der Azo-Farbstoff in der EU verboten, aber Importe werden nur stichprobenartig geprüft.

Giftige Lösungsmittel in Klebstoffen

Verwendet werden außerdem giftige Lösungsmittel in Schuh-Klebstoffen, die Atemwege schädigen oder Metalle, die Kontaktallergien verursachen können. Auch das Antischimmelmittel Dimethylfumarat (DMF), das in Europa niemals zugelassen war, steckt in manchen Schuhen, wie Vergiftungsfälle in Frankreich gezeigt haben.

Person arbeitet an einem Schuh
© Unsplash

Nachhaltige Schuhe: Worauf es ankommt

Um beim Schuhkauf nun tatsächlich nachhaltig agieren zu können, gilt es, eine Reihe von Punkten zu beachten – diese reichen von Material und Verarbeitung über Arbeitsbedingungen bis hin zu Lebensdauer, Verwertung und Transport.

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Material

Nachhaltige Schuhe bestehen aus Naturstoffen und bei der Herstellung werden keine gesundheitsschädigenden und umweltbelastenden Chemikalien (vor allem bei der Gerbung bzw. Färbung des Leders) eingesetzt. Dies schützt auch die Gesundheit der Schuh-Trägerinnen und Schuh-Träger, denn belastendes Material kann etwa Allergien hervorrufen.

Nachhaltige pflanzliche/vegatible Gerbung

Die nachhaltige Alternative zur bedenklichen Chromgerbung ist die Gerbung mit pflanzlichen Gerbstoffen. Konsumentinnen und Konsumenten finden pflanzlich gegerbtes Leder unter den Bezeichnungen „altgegerbtes“ oder „lohgegerbtes“ Leder, „pflanzlich gegerbtes“ oder „vegetabil gegerbtes“ Leder.

Gegerbt wird vorwiegend mit Eichen- und Fichtenrinde. Eiche ist für alle Ledersorten verwendbar. Daneben gibt es die Gerbstoffe Tara-Schoten, Valonea und Akazien, letztere macht Leder eher biegsam und geschmeidig, oder Kastanie, die eher ein hartes, rötliches Leder macht. Auch Rhabarber kann zur Gerbstoffgewinnung genutzt werden. All diese Gerbstoffe haben den Vorteil, dass sie schnell wachsende Rohstoffe sind.

Wird auf die Gerbstoffe Quebracho und Mimosa zurückgegriffen, muss im Sinne der Nachhaltigkeit darauf hingewiesen werden, dass es sich bei beiden um Rohstoffe aus Rinden bzw. Holz subtropischer Bäume handelt. Das Ernten der Gerbstoffe funktioniert nicht ohne den Baum zu fällen. Laut Schätzungen, werden heutzutage nur zehn bis 12 Prozent aller Leder pflanzlich gegerbt.

Faire Produktion und fairer Handel

Nachhaltige Schuhe werden unter sicheren Arbeitsbedingungen gefertigt, die Arbeiterinnen und Arbeiter dafür angemessen entlohnt – und zwar entlang des gesamten Herstellungsprozesses. Für Schuhe die unter fairen Bedingungen hergestellt werden, werden in der Regel dieselben Materialien verwendet, wie auch für normale Schuhe. Gütesiegel bzw. Kriterienlisten der Fachhändlerinnen und Fachhändler bzw. Herstellerinnen und Hersteller zeigen, was im Schuh steckt und wo verarbeitet wurde. Achten Sie beim Einkauf auf die Herkunftsangaben.

Lebensdauer und Verwertung

Nachhaltigkeit drückt sich auch in einer langen Lebensdauer der Schuhe aus. Qualitativ hochwertiges Schuhwerk kann zum Beispiel mehrmals repariert werden. Zudem sind Schuhe aus nachhaltiger Produktion im Idealfall kompostierbar und zumindest wiederverwertbar. Der Hersteller soll über die verwendeten Materialien transparent berichten.

Transport

Neben den bereits genannten Punkten spielt natürlich auch der Transport eine bedeutende Rolle. Kürzere Transportwege verursachen weniger Schadstoffe.

Person steht barfuß auf Erde
© Unsplash

Gesundheit: Abwechslung und richtige Größe

Orthopädische Probleme rühren oft von falschem (zu kleinem, engem, hohem) Schuhwerk, deshalb sollte beim Kauf auf eine gute Passform geachtet werden. Generell ist es besser, mehrere unterschiedliche Schuhe zu tragen. Denn Schuhe bringen die Füße in eine steife Position, was bei nur einem Paar Schuhe zu einer immer gleichen Belastung führt und so Abnützungen oder Überbelastung bedingen kann. Wenn Sie regelmäßig ihr Schuhwerk wechseln, kann dies nicht geschehen.

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Genauso wichtig wie die Abwechslung ist die richtige Größe des Schuhs. Zu kurze Schuhe drücken den Zeh nach innen. Es entsteht eine falsche Belastung und der Fuß wird nicht mehr normal abgesetzt. Die Folgen sind Beschwerden in den Knien und der Hüfte, auch die Wirbelsäure kann betroffen sein. Durch genetische Veranlagung kann sich, unterstützt durch die Fehlstellung des Fußes, auch eine verbogene Großzehe (Hallux valgus) bilden. Diese muss in den meisten Fällen operiert werden.

Wenn immer Sie eine Gelegenheit dazu haben, sollten Sie barfuß über Wiesen oder Waldwege gehen. Barfuß gehen ist das ideale Training für die Füße. Im Gegensatz dazu sollte auf hohe Absätze im Alltag verzichtet werden. Je höher der Absatz, desto ungesünder.

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