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KategorienEco DesignRe-Design eines Trekkingrucksacks

Wie nachhaltig ist der Trekkingrucksack, den wir bei unserem Wanderurlaub tragen? Meist hat ein Trekkingrucksack bereits eine sehr lange Strecke zurückgelegt, bevor er seine:n erste:n Besitzer:in erreicht. Der Transport ist aber nicht die alleinige Umweltwirkung, welche die Produktion des Trekkingrucksacks mit sich bringt.

Der Trekkingrucksack früher und heute

Schon seit jeher tragen Menschen ihr Gepäck mit sich herum. Ein Hauptaugenmerk bei der Entwicklung des Trekkingrucksacks lag bei einer optimalen Gewichtsverteilung und einem angenehmen Tragekomfort. Auch heute stehen vor allem die optimale Belüftung, eine gute Gewichtsverteilung und ein bestmöglicher Tragekomfort im Fokus der Entwicklungen. Wobei auch die Nachhaltigkeit mehr und mehr thematisiert wird. Immer mehr Hersteller etablieren gezielt nachhaltige Rucksackserien am Markt.

Der nachhaltige Begleiter?

Ein Trekkingrucksack besteht aus über 500 Einzelteilen und vielen unterschiedlichen Materialien. Insgesamt konnten elf unterschiedliche Materialien identifiziert werden. Wobei acht dieser Materialien aus unterschiedlichen Kunststoffarten bestanden. Aus dem erstellten LCA-Screening (= life cycle assessment) des bestehenden Trekkingrucksacks geht hervor, dass die Hauptumweltwirkungen bei der Herstellung der Kunststoffe und bei den Transportwegen entstehen.

Die Kunststoffherstellung, welche von der Rohstoffgewinnung bis zum fertigen Gewebe oder den fertigen Halbzeugen reicht, schneidet mit 70 bis 80 % der Umweltwirkungen, in den meisten Wirkungskategorien am höchsten ab. Aber auch die Transportwege schneiden mit 64,3 % in der Wirkungskategorie stratosphärischer Ozonabbau und mit 83,37 % in der Wirkungskategorie Landnutzung hoch ab.

So könnte ein modularer Trekkingrucksack aussehen, Skizze© Lyn Zwick
Die verwendeten Kunststoffe der notwendigen Materialien für einen Trekkingrucksack könnte von acht auf drei Sorten reduziert werden. Skizze© Lyn Zwick

Wie könnte ein Trekkingrucksack nachhaltiger gestaltet werden?

Wichtig ist, dass der re-designte Rucksack im LCA-Screening besser abschneidet als das Ausgangsprodukt, jedoch bei den Kund:innenanforderungen dem Ausgangsprodukt in nichts nachsteht. Es kann davon ausgegangen werden, dass aus der Sicht der Kaufinteressierten vor allem der Tragekomfort, eine hohe Qualität und ein ansprechendes Design wichtig sind. Hinsichtlich der Umweltanforderungen, welche auf den Innovationsmethoden der ISO 14062:2002 basieren, sind die Langlebigkeit, die Materialmenge, die Recyclierbarkeit der Materialien und das Meiden von toxischen Stoffen wichtig.

Nun gilt es diese Anforderungen in Einklang zu bringen. Das Hauptmaterial des Rucksacks, könnte durch ein 100 % recyceltes Polyester, beispielsweise PET, ersetzt werden. Mittels einer Analyse der Funktion der unterschiedlichen Schnallen und Komponenten des Rucksacks können die Kunststoffe von acht auf drei Sorten reduziert werden. Zudem könnte der Trekkingrucksack modular gestaltet werden. Dies bedeutet, dass das Rückensystem vom Rucksackfach, getrennt werden kann. Dadurch wird ermöglicht, dass das sortenreine Rucksackfach, welches einen Anteil von bis zu 73 % am Gesamtgewicht des Rucksacks hat, einem Recyclingprozess zugeführt und als recycelter Rohstoff wiederverwertet werden kann.

Neben den Anpassungen des Designs und der Substitution sowie der Reduktion der Materialien ist es zudem wichtig die Transportstrecken auf ein Minimum zu reduzieren und wenn möglich zu regionalisieren. Durch die Designänderungen und die damit verbundenen Handlungsempfehlungen kann der re-designte Trekkingrucksack in fast allen Wirkungskategorie mit bis zu 75 % weniger Umweltwirkungen abschneiden.

Was könnte jede:r Einzelne jetzt schon tun?

In erste Linie sollte darauf geachtet werden, dass der eigene Rucksack richtig gepflegt und gelagert wird, um die volle Lebensdauer ausschöpfen zu können. Ein weiterer guter Ansatz ist es beim Kauf eines neuen Rucksacks bewusst auf nachhaltige Eigenschaften zu achten, beispielweise auf eine PFC-freie Beschichtung. Dies ist meist durch ein gut erkennbares Label am Rucksack gekennzeichnet.

Zudem kann auch auf Textilzertifizierungen geachtet werden, allerdings ist es schwierig dabei ohne Vorwissen entscheiden zu können welche Zertifizierung wofür steht. Es wäre ratsam sich im Voraus über bestehende Zertifizierungen in dem Bereich zu informieren (siehe zum Beispiel im Label-Kompass). Wichtig ist vor allem im Textilbereich, dass die Zertifizierung nicht nur ökologische, sondern auch soziale Kriterien abdeckt.

Zur Person

Lyn Zwick M.Sc.

Zwick hat sich in ihrer Bachelorarbeit an der FH Aachen bereits mit dem designtechnischen Ansatz eines Trekkingrucksacks auseinandergesetzt und damit ihren Abschluss als Produktdesignerin erhalten. In ihrer Masterarbeit wurden die designspezifischen und umweltspezifischen Anforderungen in Einklang gebracht und ein Vorschlag für ein Re-Design erarbeitet. Aktuell ist Lyn Zwick in einem Innovationsteam eines Unternehmens tätig, welches sich mit umweltrelevanten Themen beschäftigt.

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