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Ratgeber

Fisch und Meeresfrüchte

  • 90 Mio. t

    Fischfang weltweit pro Jahr

  • 2 x

    globaler Fischkonsum in 50 Jahren verdoppelt

  • nur 6 %

    des heimischen Fischkonsums aus Österreich

Für etwa drei Milliarden Menschen zählt der Konsum von Fisch und Meeresfrüchten zur Haupt-Proteinquelle ihrer Nahrung. Auch in Österreich, wird zunehmend auf Importe zurückgegriffen. Die industrielle Fischerei und Überfischung der Meere haben jedoch dazu geführt, dass nahezu 30 Prozent der Fischbestände irreversibel überfischt sind und das Ökosystem im Wasser langfristig geschädigt ist. Zur Förderung eines nachhaltigen Fischbestandes wird empfohlen, sich gut zu informieren, nur zertifizierte Fische und Meeresfrüchte zu konsumieren und den Konsum zu reduzieren.

Worauf Sie achten sollten

  • Nachhaltige Produktion
    • Bevorzugen Sie biologische Fische aus umweltschonender Fischzucht.
    • Achten Sie auf das MSC-Zertifikat, das ASC-Zertifikat oder auf das Bio-Gütesiegel.
    • Sie unterstützen damit nachhaltig geführte Fischereien oder Aquakulturen, die nicht zur Überfischung beitragen.
  • Österreichische Herkunft
    • Heimische Alternativen sind zum Beispiel Karpfen, Forellen und Alpenlachs aus Österreich.
    • Sie unterstützen damit Klein- und Mittelbetriebe in Ihrer Nähe. Sie sparen CO2 durch die kürzeren Transportwege.
  • Fischarten, die nicht durch Überfischung bedroht sind
    • Informieren Sie sich über Herkunft und Fangmethoden auf dem Etikett.
    • Falls nicht die Möglichkeit zu heimischem Fischkonsum besteht, bevorzugen Sie Bio-Forellen aus Europa, MSC-Garnelen (NO- und NW-Atlantik), Bio-Garnelen, Bio-Schrimps, Bio-Goldbrasse (Mittelmeer), MSC-Heilbutt (Grönland), MSC-Hering, MSC-Kabeljau, Karpfen (Österreich), Bio-Lachs (Irland, Schottland, Norwegen) und MSC-Lachs (Alaska).
    • Achten Sie beim Einkauf bei Ihrer Fischhändlerin oder Ihrem Fischhändler darauf, nur adulte Fische zu kaufen, die durch ihre erworbene Geschlechtsreife den Bestand unterstützen konnten.
Fische in Transportbehältern
© Unsplash

Weltweiter Fischfang und Überfischung

Die steigende Nachfrage nach Fisch hat dazu geführt, dass jeder Mensch mit durchschnittlich 19,2 Kilogramm Fisch im Jahr, etwa doppelt so viel Fisch konsumiert, wie noch vor 50 Jahren. Dazu werden weltweit jährlich etwa 90 Millionen Tonnen Fisch gefangen. Die inoffiziellen Zahlen liegen, bedingt durch illegale Fischpiraterie und durch unerwünschten Beifang, weit darüber. Denn etwa ein Fünftel des Fischfanges gilt als unerwünschter Beifang. Davon betroffen sind unterschiedliche Fischarten, aber auch Bodentiere, Meeressäuger, Schildkröten oder Meeresvögel, die meist tot wieder zurück ins Meer geworfen werden.

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Zwischen 1970 und 2010 gingen durch massive Überfischung die Fischpopulationen global um 50 Prozent zurück. Die FAO – Food and Agriculture Organization of the United Nations – schätzt, dass heute bereits knapp 30 Prozent der weltweiten Fischbestände beinahe irreversible überfischt sind. Im Mittelmeer sind sogar 96 Prozent der Bestände nach Angaben der Europäischen Kommission überfischt. Die Europäische Union, als weltgrößter Fischimporteur, greift daher vermehrt auf Importe aus Ländern des globalen Südens zurück, um die Nachfrage zu decken. Zusätzlich zu den überfischten Gebieten im Meer entstehen vermehrt sauerstoffarme „Todeszonen“, in denen Fische nicht überleben können. Diese Zonen werden mitunter auch durch Düngemittel aus der Landwirtschaft verursacht.

Fische auf einem Holzbrett mit Zitronen und Kräutern
© Unsplash

Fisch und Meeresfrüchte im Binnenland Österreich

Kein anderes europäisches Land ist stärker von Fischimporten abhängig, als unser Binnenland. Bereits in weniger als einem Monat hat Österreich seine jährlichen Fisch-Ressourcen verbraucht. Die durchschnittlich verzehrte Gesamtmenge an Fisch liegt hierzulande bei rund 69.000 Tonnen im Jahr – das entspricht rund acht Kilogramm Fisch pro Kopf. Dieser Bedarf an Fischen, Krebs- und Weichtieren wird zu knapp 94 Prozent durch Importe gedeckt. Nur rund sechs Prozent des konsumierten Fisches entstammen österreichischen Gewässern. Im Jahr 2018 wurden rund 4.200 Tonnen heimischer Speisefisch erzeugt, der fast gänzlich direkt von den Erzeugerbetrieben über den Ab-Hof-Verkauf und über die qualitätsorientierte Gastronomie vermarktet wird.

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Heimische Fischarten

Zu den wichtigsten heimischen Fischarten zählen: Regenbogenforelle (inklusive Lachsforelle), Bachsaibling, Karpfen, Maränen, Zander, Hecht, Schleie, Aal, Seesaibling, Bachforelle und Wels. Wobei der Schwerpunkt der österreichischen Fischzucht mit insgesamt rund 420 Teichanlagen bei der Karpfen- und Forellenproduktion liegt. Bei den Meeresfischen stehen besonders Kabeljau/Dorsch, Seelachs, Scholle, Polardorsch, Rotzunge, Seezunge, Seehecht, Rotbarsch, Hering und Makrele auf dem Speiseplan der Österreicherinnen und Österreicher.

Fischschwarm
© Unsplash

Herausforderung Aquakultur

Heute stammt bereits jeder zweite Speisefisch aus Aquakulturen. Denn um die weltweit große Nachfrage nach Fisch zu decken, werden Meeresfrüchte, Süß- und Salzwasserfische in kontrollierter Aufzucht, den sogenannten Aquakulturen, gezüchtet. Die Fischzucht zählt mittlerweile zu dem am stärksten wachsenden wirtschaftlichen Sektor, die allerdings auch Schattenseiten mit sich bringt. So birgt die konventionelle Aquakultur ökologische Probleme, die mit der intensiven Tierhaltung in der Landwirtschaft vergleichbar sind.

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Die Systeme sind sehr energieaufwendig und bieten keine artgerechten Lebensbedingungen. Die Tiere haben wenig Platz und sind daher stress- und krankheitsanfällig. Zudem können Zuchtfische Krankheiten und Parasiten auf Wildfische übertragen. Der Einsatz von vorbeugenden Medikamenten, Wachstumshormonen und synthetischen Farbstoffen führt zu Rückständen im Fisch und belastet Gewässer und Küsten. Nicht vollständig verwertete Futtermittel, Ausscheidungen der Tiere sowie tote Fische können außerdem zur Überdüngung von Gewässern führen. Eine weitere Herausforderung in der Aquakultur sind fischfressende Fische, wie beispielsweise Lachse oder Zander, deren Futterquellen ebenfalls dem Meer entnommen werden und damit zu einem ökologischen Ungleichgewicht führen.

Im Wasser schwimmende Fische
© Unsplash

Bio-Fische und Bio-Fischzucht in Österreich

Wie in der biologischen Landwirtschaft, gelten auch für die Fischzucht in biologischen Aquakulturen die Prinzipien einer artgerechten Tierhaltung. Bio-Fische dürfen langsamer wachsen, verfügen über ausreichend Platz und suchen sich ihr Futter überwiegend selbst. So dürfen, nach den biologischen Richtlinien, in einem Naturteich maximal zehn Kilogramm Salmoniden (lachs- und forellenartige Fische) pro Kubikmeter Wasser gehalten werden. In einem Karpfenteich schwimmen pro Hektar maximal 600 Tiere.

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Die Bewirtschaftung der Teiche erfolgt ohne Pestizide, vorbeugende Antibiotika, Hormone oder andere synthetische Zusatzstoffe denn die Erhaltung der ökologischen Vielfalt sowie der Gewässer- und Umweltschutz stehen im Vordergrund. Bio-Karpfen und Bio-Forellen aus österreichischer Teichzucht sind eine nachhaltige Alternative zu Meeresfischen. Allerdings wird die Bio-Fischzucht in Österreich nur von wenigen Teichbetrieben forciert, obwohl die Nachfrage gegeben ist. Größtenteils erfolgt der Verkauf der Bio-Fische über die Direktvermarktung.

Forellen in Aquakultur
© Pixabay

Alien Species in der Aquakultur

Neobiota, sogenannte Alien Species, sind Tierarten oder Pflanzenarten die von Natur aus nicht in Österreich vorkommen, sondern sich erst mit Hilfe des Menschen – teils absichtlich eingebürgert, teils unbeabsichtigt verschleppt – hierzulande etabliert haben. Die zunehmende Verbreitung dieser nicht heimischen und gebietsfremden Arten gilt als einer der Hauptgründe für die Verdrängung der heimischen Biodiversität. Die Einflüsse von Neobiota in der Aquakultur sind vielfältig und reichen von Verdrängung und Prädation über Konkurrenz um Laichgründe bis hin zur Verbreitung von invasiven Unkräutern oder krankheitsübertragenden sowie pflanzenschädigenden Tierarten.

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Eine Gemeinschaftsverordnung der Europäischen Union legt Rahmenvorschriften für den Umgang mit Alien Species, die in geschlossenen Aquakulturanlagen gezüchtet werden, fest. Ziel dieser Verordnung ist die Prüfung der Auswirkungen und die Förderung einer nachhaltigen Entwicklung. Derzeit findet in Österreich nur in geringem Ausmaß die Zucht von meldepflichtigen nichtheimischen und gebietsfremden Fischarten in geschlossenen Aquakulturanlagen statt.


Mit gutem Gewissen genießen

  • Karpfen
  • Regenbogenforelle, Bachforelle aus EU Aquakultur, idealerweise bio/ASC zertifiziert
  • Seesaibling und Bachsaibling aus österreichischer oder EU Aquakultur, bio/ASC zertifiziert
  • Eismeergarnelen mit MSC- Gütesiegel aus dem Nordostpazifik (z.B. Kanada)
  • Hering, außer aus dem Nordost-Atlantik, Nordwestatlantik, mit MSC-Gütesiegel
  • Kabeljau und Dorsch aus dem Nordostatlantik (mit Stellnetzen/Langleinen) oder mit MSC-Gütesiegel
  • Polardorsch mit MSC-Gütesiegel
  • Sardine mit MSC-Gütesiegel
  • Schellfisch aus dem Nordostatlantik (Nordsee, Norwegische See, Barent See..) oder mit MSC-Gütesiegel
  • Scholle aus dem Nordostpazifik, Beringsee oder Golf von Alaska oder mit MSC-Gütesiegel
  • Weißer Thunfisch und Skipjack (Bonito) aus dem Nordpazifik, dem pazifischen Ozean oder mit MSC-Gütesiegel

Beim Kauf der folgenden Arten sollten Sie die angeführten Ausnahmen berücksichtigen:

  • Zander besser nicht aus: Wildfang aus Estland, Finnland, Schweden, nur aus: europ. Binnengewässer (Schweden, Hjälmaren-See)
  • Dorade, Goldbrasse nur aus: Aquakultur aus traditionellen Lagunen im Mittelmeer (Griechenland, Türkei)
  • Lachs: Pazifischer und Atlantischer Lachs nur: Pazifischer Lachs aus dem Nordostpazifik (Golf von Alaska), gefangen mit Fallen
  • Pangasius nur aus: Bio-Aquakultur aus Vietnam
  • Sardelle, Anchovis nur: Argentinische und Europäische Sardelle aus dem Südwestatlantik und Nord-Ost-Atlantik (Portugiesische Küste, Golf von Biskaya)
  • Seeteufel nur aus: Nord- und Zentralwestatlantik, gefangen mit Stellnetzen
  • Tilapia nur aus: geschlossenen Aquakulturen in den USA
  • Tintenfisch, Oktopus, Pfeilkalmar, Sepia nur aus Nordostatlantik (portugiesische Küste, Ärmelkanal, Golf von Cadiz, Keltische See, südwestlich Irlands)) gefangen mit Fallen, Leinen, Haken oder Angelruten
  • Wolfsbarsch (Branzino) nur aus: Aquakultur in Lagunen und Tanks an Land (aus Griechenland, Kroatien, Portugal oder Ägypten)

Achtung: gefährdete Fischarten

Die folgenden Arten sind stark gefährdet, und sollten NICHT gekauft werden:

  • Alaska Seelachs (Pazifischer Polardorsch) ohne MSC-Kennzeichnung
  • Dornhai (auch „Seeaal“ oder „Schillerlocke“)
  • Hoki („Blauer Seehecht“)
  • Neuseeländischer St. Petersfisch
  • Scholle, pazifische Scholle, Seezunge ohne MSC-Kennzeichnung
  • Seehecht (außer Kap-Seehecht!)
  • Sprotte (Ausnahme: Nordostatlantik/östl. & westl. Ärmelkanal)
  • Steinbeißer („Seewolf“)
  • Wittling
  • Seeteufel
  • Rotbarsch
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