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KategorienPodcastSchrauben gegen Schrottberge

In der Folge "Schrauben gegen Schrottberge" des STANDARD Podcasts Edition Zukunft dreht sich alles um das Thema Reparieren: Wieviel und warum überhaupt so viel Elektroschrott anfällt, warum das EU-Parlament nun ein Recht auf Reparatur einfordert, Reparaturen sich dennoch oft nicht lohnen und Schreddern die letzte Option ist. Bewusst Kaufen hat reingehört.

Durchschnittlich rund sieben Elektrogeräte (Handys und Tablets nicht mit eingerechnet) besitzt jeder Haushalt in Österreich. Immer schneller gehen die Geräte kaputt oder werden schlichtweg durch neuere ersetzt. Rund 130.000 Tonnen Elektroaltgeräte fallen jährlich in Österreich an, in der EU wächst der Elektromüllberg um jährlich drei bis fünf Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Im Podcast kommen Expertinnen und Experten aus der Reparaturszene zu Wort:

Sabine Reinprecht arbeitet im Demontage- und Reparaturzentrum (DRZ) Wien, in dem täglich sechs Tonnen Elektromüll landen. Die Geräte werden repariert und weiterverkauft, in Einzelteile zerlegt und verwertet oder mittels Upcycling einer neuen Bestimmung zugeführt. Dabei ermöglicht das DRZ arbeitssuchenden Menschen im Auftrag des AMS Wien den Wiedereinstieg in den Arbeitsmarkt.

Peter Jacob ist Experte bei der schweizerischen Materialprüfungs- und Forschungsanstalt Empa und entkräftet den oft gehörten Vorwurf von geplanter Obsoleszenz (von Herstellern gezielt eingebaute Mängel um Geräte mit einem „Ablaufdatum“ zu versehen). Seinen Beobachtungen zufolge ist die Kurzlebigkeit in den meisten Fällen ein Produkt aus Kosten- und Preisdruck und keine böse Absicht des Herstellers. Außerdem streben auch die Konsumentinnen und Konsumenten immer öfter danach, Geräte aufgrund es technisches Fortschritts schneller auszutauschen. Laut Jacob ist bei Unterhaltungselektronik die Lebensdauer weit länger als die Nutzungsdauer.

Erik Hansen, Leiter des Institute of Integrated Quality Design an der JKU Linz, freut sich darüber, dass die EU als Teil des Green Deal ab 2021 zumindest für bestimmte Produkte Standards zu Haltbarkeit und Reparaturfähigkeit vorschreiben will, denn bis dato wurde in erster Linie auf Recycling gesetzt – Schreddern und Rohstoffe aus dem Granulat wiedergewinnen – die niedrigste Form der Kreislaufwirtschaft. Vieles geht dadurch verloren. Laut Hansen muss auch das Steuersystem überdacht werden, um Reparatur, Wiederaufbereitung und Recycling zu fördern und Arbeitsplätze zu schaffen.

Peter Windischhofer gründete 2017 das Unternehmen Refurbed – einen Recommerce-Marktplatz für wiederaufbereitete Elektrogeräte. Mehr als 100 Partner bieten unter anderem Smartphones und Laptops an, die fachgerecht überprüft, zerlegt und mit neuen Teilen ausgestattet wurden. Alle Geräte sind mit einer Garantie ausgestattet, preislich aber wesentlich günstiger als ein Neugerät. Ärgerlich findet Windischhofer, dass manche Hersteller versuchen das Refurbishment zu erschweren, indem sie beispielsweise Ersatzteile nicht jedem zur Verfügung stellen.

Wolfgang Heckl, Biophysiker und Leiter des Deutschen Museums in München ist bekannt in der Reparaturszene. Er veranstaltet regelmäßig Repair-Cafés und sieht im Reparieren eine Lebenseinstellung. In seinem Buch „Die Kultur der Reparatur“ beschreibt er, welche Glücksgefühle beim Reparieren frei werden können, wie wichtig es ist, Dinge wieder wertzuschätzen und wie Reparieren nicht nur gut für die Umwelt ist sondern auch Spaß machen kann.

Hier geht es zur Podcast-Episode „Schrauben gegen Schrottberge“: https://bit.ly/3qOCZ3N

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