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Reportage: Unter der Lupe

Mikroplastik

Kaum ein Bereich unserer modernen Welt ist plastikfrei: Produkte aus Kunststoff finden sich überall im Alltag und somit auch in unseren Abfällen. Das Plastik bleibt häufig in Form von winzig kleinen Partikeln erhalten – und findet sich in Meeren, Seen und sogar in unseren Lebensmitteln wieder.

Kunststoffe sind ein kostengünstiges und flexibles Material, welches diversen Anforderungen gerecht wird. Es erleichtert unser Leben in vielen Bereichen und ermöglicht die Entwicklung neuer Technologien – sei es in der Medizintechnik oder in der Autoindustrie. Zudem sind Kunststoffe grundsätzlich gut recycelbar. Diesen Vorteilen stehen jedoch einige beträchtliche Nachteile gegenüber: Der Ausgangsstoff (großteils aus Erdöl) und der Zersetzungsprozess.

Denn: Viele Gegenstände aus Kunststoff sind nur kurz in Gebrauch – ein Plastiksackerl wird im Durchschnitt nur 25 Minuten verwendet – gelangt in unsere Meere und überdauert es dort Jahrhunderte. Um diesen Wegwerfartikeln entgegenzutreten, gilt seit 1. Jänner 2020 das Verbot von Einwegkunststofftragetaschen („Plastiksackerl“) in der EU. Ab 2021 sollen weitere Einweg-Kunststoffprodukte wie Trinkhalme, Geschirr oder Wattestäbchen nicht mehr verkauft werden.

Was hinter Mikroplastik steckt, welche Auswirkungen diese kleinen Partikel haben und wie wir sie vermeiden können:

Wie Plastik unserer Umwelt schadet

Plastik begegnet uns in vielen Lebensbereichen – als Verpackung, im Spielzeug oder in Reinigungsmitteln. Gelangt Plastik in unsere Umwelt, belastet es unsere Ökosysteme und und bedroht unsere Tierwelt. Schätzungen gehen davon aus, dass jährlich rund 100.000 Meerestiere wie Wale oder Delfine und bis zu eine Million Seevögel an den Folgen von Plastikteilen im Meer sterben.

Insgesamt gelangen in der EU laut Berechnungen der EU-Kommission jedes Jahr schätzungsweise bis zu 300.000 Tonnen Mikroplastik in die Umwelt. Die Quellen von Mikroplastik sind vielfältig: die kleinen Partikel entstehen durch den Abrieb von Autoreifen, auf Baustellen, in der Produktion, und gelangen schließlich über die Abfallentsorgung in unsere Umwelt. Sie werden außerdem mit Fasern und Partikeln aus Kleidung und Kosmetika über Abflüsse in unsere Gewässer gespült und im Zersetzungsprozess zu sandkornkleinen Partikeln zerrieben.

Auswirkungen auf den Menschen weitgehend unerforscht

Trotz unseres jahrzehntelangen Plastikverbrauchs steht die Forschung dazu erst am Anfang – insbesondere ob und wie die Mikroteilchen in unseren Körpern wirken, ist weitgehend unbekannt. Durch ihre spezielle Struktur scheinen sie jedoch die Fähigkeit zu besitzen, Schadstoffe wie Chlorverbindungen oder auch Weichmacher zu binden. Werden die Teile von Tieren verschluckt, landet das Plastik über die Nahrungskette (zum Beispiel über Fische und Meeresfrüchte) wieder auf unseren Tellern.

In einer Pilotstudie des Umweltbundesamts und der Medizinischen Universität Wien wurde im Jahr 2018 erstmals Mikroplastik im menschlichen Stuhl nachgewiesen. Im globalen Durchschnitt nimmt ein Mensch laut Schätzungen der University of Newcastle in Australien inzwischen bis zu fünf Gramm Plastik pro Woche auf – das entspricht in etwa dem Gewicht einer Kreditkarte.

Initiativen für ein sauberes Meer

Die globale Plastikproduktion ist seit den 1950er Jahren rasant angewachsen und liegt aktuell bei über 400 Millionen Tonnen pro Jahr. Davon gelangen Schätzungen zufolge zwei bis fünf Prozent in die Ozeane.

  • The Ocean Cleanup: Zur Vermeidung von weiteren Plastikabfällen im Meer wurden bereits unterschiedliche Projekte initiiert. Das wohl bekannteste Meeressäuberungs-Projekt ist „The Ocean Cleanup“. Dabei wird der an der Oberfläche schwimmende Abfall mit Hilfe von „Fangarmen“ eingesammelt, um anschließend an Land recycelt zu werden.
  • Fishing for Litter: Im Rahmen der europaweiten Initiative „Fishing for Litter“ werden Fischer mit großen Säcken ausgestattet, in denen sie den Abfall sammeln, der in ihren Netzen hängenbleibt. Diese können sie anschließend an bereitgestellten Sammelstellen in den Häfen abgeben, wo er dann sortiert und fachgerecht recycelt wird.

Biokunststoffe als Alternative

Als ökologisch und gesundheitlich verträglichere Alternative zu herkömmlichen Kunststoffen gelten Biokunststoffe. Dabei handelt es sich um eine neue Generation von kunststoffähnlichen Materialien, die aus biologisch abbaubaren Werkstoffen (BAW) bestehen, vorwiegend aus nachwachsenden Rohstoffen wie Mais, Erdäpfel oder Weizen. Sie können daher von Mikrobakterien zersetzt werden und lassen sich über die Kompostierung entsorgen.

Biokunststoffe haben in vielen Bereichen des täglichen Lebens bereits Einzug gehalten – sei es als Becher, Frischhaltebeutel oder Gemüsenetz – sind für den Laien jedoch schwer von anderen Kunststoffen zu unterscheiden. Aus diesem Grund helfen Kennzeichnungen wie z.B. „ok compost“ des TÜV Austria bei der Auswahl des richtigen Produktes.

Jede und jeder Einzelne kann im Alltag etwas gegen die Plastikbelastung in den Gewässern tun. Insbesondere wo es gute Alternativen gibt, sollte Plastik möglichst vermieden werden.

Kunststoff im Alltag vermeiden

  • Mehrweg-Verpackungen

    • Getränke in Mehrwegglasflaschen, mehrfach verwendbare Einkaufstaschen, -körbe und Obst/Gemüsenetze, nachfüllbare Behältnisse von Reinigungsmitteln oder Aufbewahrungsboxen aus Edelstahl oder Glas können einfach in den Alltag integriert werden.
    • Mehr Informationen finden Sie im Ratgeber „Verpackungen“ von Bewusst Kaufen.

  • Kosmetika ohne Mikroplastik

    • Bei der Wahl von Kosmetikprodukten sollte auf die Verpackung sowie auf den Inhalt geachtet werden. Laut einer Studie von Codecheck, enthält rund ein Drittel der Kosmetikprodukte problematische Inhaltsstoffe.
    • Bei Natur- und Biokosmetika und Produkte, die z.B. mit dem österreichischen Umweltzeichen zertifiziert sind, kann man sicher sein, dass keine Kunststoffe enthalten sind.

  • Einkaufen in Unverpackt-Läden oder auf Märkten
    • Verpackungsarm einkaufen geht besonders auf Bauernmärkten sehr leicht, wo es keine abgepackte Ware gibt. Wer mit eigener Einkaufstasche unterwegs ist, vermeidet außerdem die angebotenen Plastiksackerln.
    • Inzwischen gibt es sogar eigene Lebensmittelgeschäfte, sogenannte „Unverpackt“ oder „Zero Waste“-Shops, in denen Produkte ohne Verpackung angeboten werden. Dort müssen für den Einkauf Stoffbeutel, Gemüsenetze, Schraubgläser oder auch Plastikdosen und Papierbeutel selber mitgebracht werden.
  • Lange Nutzung von Produkten
    • Auch die längere Verwendung von Gegenständen mit Kunststoffanteilen führt zu einer dauerhaften Reduktion der Kunststoffabfälle.
  • Buchtipp

Wohin mit Kunststoffabfällen?

Nicht richtig entsorgt, verursachen Plastikabfälle enorme und nachhaltige Schäden an der Umwelt, an Tieren und letztlich auch am Menschen. Um eine funktionierende Recycling- und Kreislaufwirtschaft zu ermöglichen, hat Österreich ein flächendeckendes und dichtes Sammelsystem für Kunststoffabfälle. Plastikflaschen und Plastikverpackungen gehören in die gelbe Tonne bzw. in den gelben Sack – je nach Region wird die Kunststoffsammlung allerdings unterschiedlich gehandhabt. Eine entsprechende Auflistung findet sich im Trenn-ABC und auf der Website der österreichweiten Initiative der Abfallwirtschaft „Rund Geht’s“.

Übrigens: Plastik ist nicht gleich Plastik. Es gibt viele verschiedenen Plastikarten mit unterschiedlichen Eigenschaften. Welcher Kunststoff für ein Produkt verwendet wurde, lässt sich am Recycling-Code erkennen. Mehr Infos dazu gibt’s im entsprechenden News-Beitrag.

Quellen und weitere Informationen:

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