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KategorienStart-ups aus ÖsterreichKlimafreundlich leben… mit Rebel Meat

Interview mit Philipp Stangl (Gründer und CEO des österreichischen Start-ups Rebel Meat) über die Business-Idee von Rebel Meat, die Vorteile von fleischreduzierten Produkten und wie die Ernährung von morgen aussehen könnte.

Wie kam es zu eurer Geschäftsidee und wer sind die Menschen hinter Rebel Meat?

Meine Kollegin Cornelia Habacher (Gründerin und COO) hat sich zuvor als Wissenschaftlerin auf molekularer Ebene viel mit Ernährung und ich (Gründer und CEO) in meiner Position bei einem Venture-Fonds intensiv mit der “alternativen Proteine”-Industrie beschäftigt. Kennengelernt haben wir uns durch einen gemeinsamen Freund und in Gesprächen festgestellt, dass das Angebot an Fleischersatzprodukten auf pflanzlicher Basis zwar zunimmt, aber nach wie vor immer noch nur ca. 1 % des Fleischmarktes ausmacht. Mit rund 63 kg pro Kopf/Jahr ist der Fleischkonsum, trotz seiner negativen Auswirkungen für Klima, Gesundheit und Tiere,  nicht nur in Österreich immer noch deutlich zu hoch. Auch wenn der Anteil der Vegetarierinnen und Vegetarier sowie Veganerinnen und Veganer langsam zunimmt, isst der Großteil der Bevölkerung nach wie vor viel und oft Fleisch oder zählt sich zur Gruppe der sogenannten Flexitarierinnen und Flexitarier.

Um den Fleischkonsum einfach und rasch zu reduzieren, wollten wir den Konsumentinnen und Konsumenten eine innovative und nachhaltige Alternative bieten, die sich leicht im Alltag integrieren lässt, gesünder ist und trotz des reduzierten Fleischanteils vollen Fleischgenuss bietet.

Nach dem Erfolg unseres ersten Produktes, der Burger-Patties, haben wir jetzt unser Sortiment um vier weitere Bio-Produkte erweitert: eine noch fleischreduziertere Variante der Burger-Patties, Bratwürstel, Käsekrainer und Faschiertes. Um so einen Produktlaunch stemmen zu können, umfasst unser Team neben Cornelia und mir mittlerweile vier weitere Vollzeitkräfte, die unsere Vision, den Fleischkonsum auf genussvolle Art nachhaltiger zu machen, teilen.

Das Team von Rebel Meat mit den beiden Co-Foundern Cornelia Habacher (vorne, 2. Person von rechts) und Philipp Stangl (1. Person rechts).© Rebel Meat

Wie trägt Rebel Meat zu mehr Klimaschutz und Nachhaltigkeit bei?

Mit unseren fleischreduzierten Produkten gelingt es uns gleich in mehrerlei Hinsicht zu mehr Klimaschutz und Nachhaltigkeit beizutragen. Durch die Verarbeitung regionaler, biologischer Zutaten fördern wir mitunter die ökologische Landwirtschaft und damit auch kleine, heimische Betriebe und Biodiversität. Produziert werden unsere innovativen Produkte in Oberösterreich beim Biofleisch & Biowurst Produzenten „Sonnberg“. Die Tiere bezieht dieser Großteils von Bio-Landwirtinnen und Bio-Landwirten aus dem Mühl-, Wald- und Mostviertel und achtet dabei auf größtmögliches Tierwohl. Importierter Gen-Soja aus Übersee ist da als Futtermittel natürlich tabu. Kurze Transportwege schonen nicht nur die Nerven der Tiere sondern auch die Umwelt. Vor allem leisten wir aber durch die Reduktion des Fleischkonsums und die Bewusstseinsbildung für dieses wichtige Thema einen aktiven Beitrag zum Klimaschutz. Denn unsere Produkte verursachen min. 40 % weniger CO2 und verbrauchen weniger Ressourcen als herkömmliche Produkte aus 100 % Fleisch.

Warum ist euer Produkt nicht zu 100 % aus Pilzen oder anderen Pflanzen?

Schon während der Recherchen vor unserer Gründung haben wir erkannt, dass viele Konsumentinnen und Konsumenten zwar dazu bereit sind, ihren Fleischkonsum zu reduzieren, aber auch nicht ganz darauf verzichten wollen. Darüber hinaus gibt es bereits ein breites Angebot an pflanzliche Fleischalternativen, das für viele aber aus den unterschiedlichsten Gründen (Geschmack, Gewohnheit, Preis etc.) noch keine hinreichende Alternative darstellt. Außerdem sind diese oft hochverarbeitet und enthalten Zusatzstoffe. Wir sind davon überzeugt, dass es einen größeren Impact hat, wenn viele auch nur ein bisschen weniger Fleisch essen, als wenn ein paar einzelne ganz darauf verzichten. Deshalb haben wir uns dazu entschieden innovative fleischreduzierte Produkte zu entwickeln, die das Beste aus beiden Welten vereinen.

In der Lebensmittelindustrie werden Fleischgerichte häufig durch die Beimengung von Pilzen oder anderen Pflanzen gestreckt – der Anteil an echtem Fleisch wird reduziert, um Kosten einzusparen. Was unterscheidet Rebel Meat davon?

Bei herkömmlichen Fleischprodukten kommen Streck-/Bindemittel und Füllstoffe ja oft aus technologischen und ökonomischen Gründen zum Einsatz. Im Gegensatz dazu stehen bei Hybrid Meat Produkten wie unseren durch den teilweisen Ersatz des Fleisches durch nachhaltigere, pflanzliche Proteine vor allem eine geringere Umweltbelastung, gesundheitliche Aspekte und generell die Idee eines reduzierten Fleischkonsums im Vordergrund. Daher werden in unseren Produkten nur beste, hochwertige Bio-Zutaten aus Österreich, wie Marchfelder Edelpilze (Kräuterseitlinge), Hirse und Gewürze verarbeitet. Weiters verzichten wir in unseren Produkten ganz bewusst auf Zusatzstoffe und Geschmacksverstärker.

Welche bisherigen Herausforderungen gab es bei der Entwicklung eures Produkts und welche zukünftigen Projekte habt ihr geplant?

Im Rahmen der Produktentwicklung stehen wir immer wieder vor einer Vielzahl an Herausforderungen, sei es was die Konsistenz aber auch Optik der Produkte betrifft. Die größte Challenge liegt aber darin, dass es uns gelingt, dass der typische Fleischgeschmack trotz des reduzierten Fleischanteils nicht verloren geht. In Zukunft wollen wir den Anteil an Fleisch in unseren Produkten stetig weiter reduzieren und unser Sortiment laufend erweitern. Unser Ziel: In den nächsten Jahren möchten wir mit einem breiten Sortiment an nachhaltigeren Fleischprodukten in ganz Europa vertreten sein.

Um die Landwirtinnen und Landwirte noch intensiver bei der klimafreundlichen Produktion zu unterstützen, wollen wir zukünftig auch noch tiefer in der Wertschöpfungskette integriert zu sein. So sehen wir uns in Europa mittelfristig auch als Wegbereiter sowohl für regenerative Landwirtschaft als auch für „cellular agriculture“.

Ein Ausblick ins Jahr 2040: Wie werden wir uns ernähren?

Wir hoffen dass es beim Thema Ernährung in den nächsten 20 Jahren “zurück in die Zukunft” geht: wieder mehr Verbindung zwischen Produzenten und Konsumenten, wieder mehr Einklang zwischen Natur und Landwirtschaft, wieder mehr Verständnis der Konsumentinnen und Konsumenten für Nahrungsmittel und die Wertschöpfung dahinter – und vor allem wieder zurück zum “Sonntagsbraten” beim Fleischkonsum. Digitale Lösungen werden uns all diese Punkte besser vermitteln und greifbarer machen – und innovative Lebensmittel sowie alternative Proteine werden neue Gewohnheiten und Geschmacksmuster schaffen. Es wird eine bunte, gesunde und nachhaltige Ernährungswelt – wenn wir jetzt die richtigen Schritte dafür setzen!

Danke für das Interview und weiterhin viel Erfolg.

Mehr Informationen zu Rebel Meat gibt’s auf www.rebelmeat.com.

Philipp Stangl, CEO und Founder des Food Start-ups Rebel Meat aus Wien erklärt, warum man mit ihren Produkten klimafreundlicher lebt.
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