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Saatgut Ratgeber

Beim Einkaufen auf Märkten und im Supermarkt wählen wir aus dutzenden Obst- und Gemüsesorten, Kräutern, Blumen und Pflanzen. Bei der Auswahl beurteilt man nach Farbe, Größe und Form des Produkts. Die Qualität entscheidet sich aber zu einem viel früherem Zeitpunkt, an einer anderen Stelle:

 

Bei der Herstellung und Auswahl des Saatguts, aus dem die Pflanze wächst.

 

Saatgut aus Österreich

Hybride Sorten und Patente

Gebeiztes Saatgut

Bio Saatgut

Saatgut aus der Region

Einkaufstipps

 

Der Überbegriff Saatgut bezeichnet im Allgemeinen die vollständigen Keimanlagen einer Pflanze, die sich in einem ruhenden Zustand befinden, und zum Anbau und zur Vermehrung der Pflanze geeignet sind. Unter Pflanzgut versteht man Pflanzenteile (z.B. Knollen, Stecklinge, Zwiebeln) aus denen eine neue Pflanze entsteht.

 

Saatgut aus Österreich

Die Produktion von Saatgut für Zier- und Gartenpflanzen findet zu einem Großteil nicht in Österreich statt. Der Bedarf wird z.B. durch Importe innerhalb Europas (Deutschland, Holland) gedeckt. Im Gegensatz dazu gibt es etwa 25 österreichische Unternehmen, die sich der Pflanzenzüchtung und der Produktion und Vermehrung von landwirtschaftlichem Saatgut widmen, auf einer Fläche von rund 33,6 ha (2009). Die Vermehrungsfläche für Bio-Saatgut beträgt dabei etwas mehr als 4 ha.

 

Hybride Sorten und Patente

Ursprünglich war es bis vor einigen Jahren üblich, dass Bauern ihr Saatgut selbst produzierten. Von der aktuellen Ernte wurde Saatgut für das nächste Jahr einbehalten. Die Bauern tauschten untereinander und probierten neue Sorten aus, und waren unabhängig von Lieferanten. Bis zu dem Zeitpunkt, an dem Saatgutproduzenten mit neuen, ertragreicheren Sorten auf den Markt kamen.

Die Vorteile dieser Sorten werden bei den BäuerInnen geschätzt. Sie haben positive Eigenschaften wie Resistenz gegen Schädlinge und bringen im Vergleich zu "normalen" Sorten sehr hohe Erträge. Die Herstellungsmethoden (teilweise durch Genmanipulation) sind nicht unumstritten.  Durch die Züchtung von sogenannten „Hybridsorten" (sie verlieren nach einer Generation ihre typischen Merkmale[1])kann das Saatgut nicht für das nächste Jahr aufgehoben werden. Die Hybrid-Saat muss jedes Jahr erneuert werden. Heute sind zwei Drittel des Weltmarkts von ein paar wenigen Großkonzernen besetzt, die weltweit landwirtschaftliche Betriebe mit Saatgut versorgen.

 

Gebeiztes Saatgut

Das „Beizen" von Saatgut ist eine Maßnahme zum Schutz vor Schädlingen und Krankheiten. Dabei werden Pflanz- und Saatgut mit Pflanzenschutzmitteln vorbehandelt, um zu verhindern, dass die Pflanzen später befallen werden. Konventionell erzeugtes Saatgut wird häufig mit Neonicotinoiden gebeizt. Dieses mittlerweile schon viel diskutierte Mittel gilt als Auslöser des weltweiten Bienensterbens. Schon eine geringe Menge genügt, um Bienen zu schwächen oder zu verwirren. Über die Pollen gelangt der Stoff direkt in den Bienenstock, und schädigt den heranwachsenden Nachwuchs. Beim Aussäen des gebeizten Saatguts, gelangen Neonicotinoide auch direkt (als Abrieb) in die Umwelt. In dieser hohen Konzentration ist das für die Bienen tödlich.

 

Bio Saatgut

Der Griff zu Bio-Saatgut, statt zu konventionell erzeugtem, ist in jedem Fall zu empfehlen. Die Anforderungen der EU-Öko-Verordnung an Saatgut sind jedoch nicht sehr hoch. Öko-Saatgut muss demnach nur während einer Generation nach den Vorschriften der Verordnung angebaut werden, bevor es als Bio-Saatgut gekennzeichnet werden darf. Das bedeutet, dass auch konventionell erzeugtes Saatgut, das eine Generation lang auf einem Bio-Bauernhof angebaut wurde, in der nächsten Generation als Bio-Saatgut verkauft werden darf. Ebenso können konventionell erzeugte Elternlinien auf einem Biohof gekreuzt werden, das entstandene Hybrid-Saatgut darf anschließend als „öko" verkauft werden.

Bei der ökologischen Erzeugung von Saatgut, dürfen aber keine Neonicotinoide oder ähnliche Stoffe angewandt werden. Im Biolandbau ist stattdessen eine Behandlung mit heißem Wasser und Pflanzenschutzmitteln auf der Basis von Senfmehl oder Mikroorganismen verbreitet. Da diese Methoden aber nicht hundertprozentig wirken, müssen die Sorten gegen möglichst viele Schädlinge und Krankheiten resistent sein. Durch Kreuzen von guten Sorten mit diesen Eigenschaften, kann eine Resistenz erreicht werden. Gentechnische Veränderungen sind dazu nicht notwendig.

Bio-Saatgut ist:

 

  • garantiert frei von Gentechnik
  • frei von chemisch-synthetischen Rückständen
  • ausgesuchtes, handverlesenes und robustes Saatgut
  • garantiert gut keimfähig
  • umweltschonend produziert
  • gut für die Erhaltung der Sortenvielfalt
  • nicht gebeizt und nicht begast
  • ohne biotechnische und gentechnischen Methoden erzeugt worden.

 

In der konventionellen Landwirtschaft wir in erster Linie auf Sorten geachtet, die maximale Erträge bringen, und gegen Schädling und Krankheiten resistent sind. Durch das Züchten solcher „Supersorten" und die Auslese von weniger ertragreichen Arten, ist die Sortenvielfalt stark reduziert worden. Von rund 5.000 Pflanzenarten die weltweit kultiviert werden, sind nur etwa 160 heute noch wirtschaftlich relevant.

Bio-Betriebe kümmern sich um die Erhaltung und Pflege von alten, traditionellen Sorten und bieten oft wahre Raritäten an. In vielen Ländern gibt es Vereine und Verbände zur Erhaltung der Sortenvielfalt, insbesondere von alten Sorten. In Österreich kümmert sich der Verein ARCHE NOAH seit über 20 Jahren um die Erhaltung, Verbreitung und Entwicklung der Kulturpflanzenvielfalt.

 

Saatgut aus der Region
Anders als bei Lebensmitteln, muss bei Saatgut die Herkunft nicht verpflichtend auf der Verpackung angegeben werden. KonsumentInnen können oft nicht nachvollziehen, woher das Saatgut stammt.

Regional erzeugtes Saatgut verursacht durch kürzere Transportwege weniger CO2. Regional heißt in diesem Fall aber auch standortgerechte Pflanzenwahl. Sorten die an den regionalen Standort angepasst sind, wachsen im Einklang mit der Umgebung und sind an Höhenlage, Klima und Bodenbeschaffenheit gewöhnt.

Die regionale Produktion erhält die Sortenvielfalt einer Region, die Pflanzen haben die richtigen Voraussetzungen für die Umgebung, sind robust und pflegeleichter als standortfremde Sorten. Dadurch sinkt der Pflegeaufwand und es wird weniger Pflanzenschutzmittel benötigt.

In Österreich gibt es nur wenige Firmen, die Bio-Saatgut erzeugen, und regional vertreiben. Austrosaat, Reinsaat oder Samen Maier sind unter den bekannten, heimischen SaatgutproduzentInnen und -händlerInnen. Viele Betriebe produzieren Saatgut und beziehen gleichzeitig auch von Unternehmen aus dem Ausland.

 

Einkaufstipps:

 

  • Kaufen Sie Saatgut aus biologischer Produktion, achten Sie dabei auf Bio-Gütesiegel wie z.B. Austria Bio Garantie, Bio AUSTRIA oder das AMA-Biozeichen!

 

  • Greifen Sie zu Saatgut aus der Region und zu alten, traditionellen Sorten! Die Vielfalt bringt nicht nur Abwechslung in der Küche, sondern verbessert auch die Biodiversität (=Vielfalt der Tiere und Pflanzen) in Ihrem Garten!

 

  • Verwenden Sie Saatgut, das zum Standort und den regionalen Gegebenheiten passt!

 

  • Achten Sie auf das Abfülljahr, das auf der Verpackung angegeben ist! Kaufen Sie kein Saatgut, das älter als 1 Jahr ist.

 

  • Bevorzugen Sie Verpackungen, die das Saatgut gegen Licht und Feuchtigkeit schützen!
     
  • Hybridsaatgut erkennen Sie durch Hinweise auf der Verpackung wie "F1" oder "Hybrid". Achten Sie darauf, dass Sie gentechnikfreie Hybride kaufen! Erkundigen Sie sich im Zweifelsfall beim Gärtner Ihres Vertrauens!

 

Pflanzen und Gartenprodukte in der Produktdatenbank

 

Weitere Informationen und viele praktische Tipps finden Sie in den Artikeln „Blumen & Pflanzen" und „Gartenprodukte".

 

Dort finden Sie Inhalte zu den Themen:

 

 

 


[1] Hybridsorten entstehen durch Erzwingung von Selbstbefruchtung. Dadurch werden bestimmte (erwünschte) Eigenschaften, wie z.B. Farbe, Form oder Resistenz gegen Schädlinge, „reinerbig". Das bedeutet diese Merkmale werden sicher auf die nächste Generation übertragen. Werden zwei dieser Linien miteinander gekreuzt, entsteht Hybridsaatgut, das die besten Eigenschaften beider Linien vereint, und besonders gute Erträge bringt. Diese Eigenschaften hat die Pflanze aber nur eine Generation lang, dann gehen sie wieder verloren. Das Saatgut ist somit nicht mehr zum Anbau der nächsten Generation geeignet.

 
Saatgut

(c) Bert Henk / sxc.hu

Link-Tipps

www.arche-noah.at

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