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Reportage: Unter der Lupe

Revolution im Kleiderschrank: Über nachwachsende Rohstoffe und veränderte Konsummuster

Auf der Suche nach nachhaltiger Kleidung gibt es zahlreiche Faktoren zu beachten: Produktion, Transport, Qualität und Materialien – am besten aus Rohstoffen nachwachsender Natur. Welchen Stellenwert haben diese Rohstoffe in Österreich? Und inwieweit hat COVID-19 unser Einkaufs- und Nutzungsverhalten bei Kleidung verändert? Bewusst Kaufen hat sich in Österreich umgehört.

Altgediente Naturfasern vs. moderne Synthetik

Die Nutzung von nachwachsenden Naturfasern für Textilien und Kleidung hatte sehr lange Tradition: Bereits 5000 v.Chr. begannen die Sumerer in Mesopotamien aus Flachs Leinen herzustellen, um 2700 v.Chr. wurde in Peru erstmals Baumwolle angebaut und China begann 100 Jahre später mit der Seidenproduktion. Mit steigender Lebensqualität und wachsender Weltbevölkerung wuchs auch der Bedarf an Textilien stetig und Importwaren stellten die Versorgung der textilen Rohstoffe in Europa sicher. Seit der Entwicklung von chemischen Fasern – mit der erfolgreichen Herstellung von synthetischen Nylon-Strümpfen im Jahr 1935 – beherrschen diese den Markt und stellen heute mit 80,5 Millionen Tonnen rund drei Viertel der weltweiten Faserproduktion (Statista, 2019).

Aber: Ihre Herstellung benötigt viele Ressourcen und Energie und sie sind im Gegensatz zu Naturfasern nicht biologisch abbaubar, können beim Waschen ins Abwasser gelangen und schädliche Mikrofaserpartikel freisetzen.

Höhere Bedeutung von NAWARO bei Älteren, nachhaltigkeitsaffinen und weiblichen Personen

„Bewusst Kaufen – klimafreundlich leben“ hat eine für Österreich repräsentative Online-Umfrage (Oktober 2020) mit 500 Teilnehmerinnen und Teilnehmern über den Bekanntheitsgrad und den Stellenwert von nachwachsenden Rohstoffen (NAWARO) beim Kauf neuer Kleidung durchgeführt und die Ergebnisse mit einer Umfrage unter nachhaltigkeitsaffinen Personen auf www.bewusstkaufen.at verglichen. Die Befragungen zeigten, bei nachhaltigkeitsaffinen Menschen ist das Thema schon mehr im Bewusstsein, besonders bei Frauen und älteren Menschen drückt sich dies auch in ihrem Kaufverhalten aus.

Die Schlüsselergebnisse der Umfragen im Detail:

  • In beiden Gruppen sind Baumwolle, Wolle, Seide und Leinen die bekanntesten NAWARO.
  • Nur jede/r zweite ÖsterreicherIn (57 %) kennt Viskose oder Hanf als Textilfaser (bei der nachhaltigkeitsaffinen Zielgruppe ist dieser Anteil wesentlich höher).
  • Hingegen doppelt so viele Personen in der nachhaltigkeitsaffinen Zielgruppe ist Bambus oder Tencel als Ausgangsstoff für Bekleidung bekannt (im Vergleich zur öst. Bevölkerung).
  • Bei jede/r dritten ÖsterreicherIn (36 %) spielen NAWARO beim Kauf neuer Kleidung weniger oder keine Rolle.
  • Der Bekanntheitsgrad von Materialien aus nachwachsenden Rohstoffen (z.B. Viskose, Leinen) ist bei Frauen und Älteren höher als bei Männern und Jüngeren.
Vergleich Frage: „Welche der folgenden nachwachsenden Rohstoffe sind Ihnen im Zusammenhang mit Kleidung bekannt?“ (Mehrfachnennungen möglich)
Vergleich Frage: „Inwieweit achten Sie selbst beim Kauf von Bekleidung auf Materialien aus nachwachsenden Rohstoffen?“

Kleidung kaufen und nutzen in Zeiten von COVID-19

Die größte Herausforderung im Textilsektor sind jedoch die Auswirkungen der „Fast Fashion“. Kurzlebigkeit und Trends bestimmen das Kaufverhalten und den Umgang mit Kleidung. Was sagt die nachhaltigkeitsaffine Community dazu? Im Rahmen der Online-Umfragen hat „Bewusst Kaufen – klimafreundlich leben“ diese Zielgruppe (mit über 600 Teilnehmerinnen und Teilnehmern) zu ihrem Einkaufs- und Nutzungsverhalten speziell in Zeiten der COVID-19 Pandemie befragt, mit spannenden Ergebnissen:

  • Großteil ist Langlebigkeit bzw. Reparierbarkeit beim Kauf von Kleidung wichtig
    • Der Stellenwert von Langlebigkeit und Reparierbarkeit beim Kleiderkauf ist sehr hoch – knapp 85 % der Befragten gaben an, dass ihnen langlebige und reparierbare Kleider „eher wichtig“ oder „sehr wichtig“ sind, für jede zweite Person sind diese Faktoren sogar „sehr wichtig“.
  • Am hilfreichsten und sinnvollsten zur Verlängerung der Lebensdauer von Kleidung werden Informationsangebote und Reparaturservices (in der Nähe bzw. im Kleidungsgeschäft) angesehen
    • Informationsangebot zu naheliegenden Second Life Angeboten (49 %), oder Näh- und Reparaturservices (44 %) sowie Reparaturservices direkt im Kleidungsgeschäft (49 %) liegen iB auf Verlängerung der Lebensdauer von Kleidung auf den ersten Plätzen.
    • Rund jede/r Dritte wäre für einen Hinweis auf der bzw. rd. jede/r Vierte für eine Garantie  für die Kleidung iB auf die Lebensdauer.
  • 66 % der Befragten haben eigenes Einkaufsverhalten in Bezug auf Kleidung verändert – mehr als drei Viertel der Befragten überlegen nun bewusster, ob ein neues Kleidungsstück gebraucht wird.
    • 41 % achten mehr auf die Qualität beim Kauf neuer Kleidungsstücke, rund ein Viertel kauft Kleidung nun häufiger im lokalen Handel ein oder nimmt Second Hand Angebote wahr. Jede fünfte befragte Person kauft Kleidung nun häufiger online ein.
  • Mehr als die Hälfte der Befragten haben ihr Nutzungsverhalten in Bezug auf Kleidung verändert: 71 % davon achten nun mehr darauf, ihre Kleidung länger zu tragen, 64 % reparieren ein kaputtes Kleidungsstück nun häufiger
    • Rund jede/r Vierte tauscht nun Kleidungsstücke häufiger mit Freund/innen, Bekannten oder Familienmitgliedern.

Obsoleszenzdialog: Nachhaltige Textilien durch längere Lebens- und Nutzungsdauer

Auch der 2. Österreichische Obsoleszenzdialog (Online-Veranstaltung am 19.11.2020) widmet sich dem Thema. Maßnahmen wie Reparatur, intelligentes Produktdesign, innovative Geschäftsmodelle für längere Nutzungsdauer sowie strukturelle und finanzielle Anreize, die der vorzeitigen Obsoleszenz entgegenwirken, haben bereits in verschiedenen europäischen und nationalen Strategien Eingang gefunden. Im Rahmen der Veranstaltung werden unterschiedliche Möglichkeiten zur Verlängerung der Nutzungs- und Lebensdauer von Textilien (mit Fokus auf Kleidung) diskutiert sowie Potenziale, um den Ressourcenverbrauch sowie klimaschädliche Emissionen zu reduzieren, identifiziert. Nehmen Sie teil und diskutieren Sie mit, wie eine solche Transformation gelingen kann. Mehr Informationen finden Sie im entsprechenden News-Beitrag.

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