Natursteine: Interview mit SÜDWIND
Südwind setzt sich als entwicklungspolitische Nichtregierungsorganisation seit 30 Jahren für eine nachhaltige globale Entwicklung, Menschenrechte und faire Arbeitsbedingungen weltweit ein. So auch in der Steineproduktion in Indien.
Bewusstkaufen.at sprach mit Frau Mag. Elisabeth Schinzel, Projektleiterin „Sozial faire Beschaffung“.
Steineexport aus Indien
Indien gehört zu den wichtigsten Steinproduzenten weltweit, und verzeichnet eine durchschnittliche Wachstumsrate von 10 % in der Produktion seit 2001 (laut CDOS).
Der Export von Granit in Form von Steinblöcken, und Steinplatten ist in den letzten Jahren kontinuierlich gewachsen. Waren es von April 2004 bis März 2005 noch insgesamt 2,6 Mio. t, so stieg der Export im selben Zeitraum im Jahr 2007/08 auf 3,1 Mio. t an.
Beim Export ist auffällig, dass China als Abnehmer von indischem Granit eine immer wichtigere Bedeutung eingenommen hat. Im Jahr 2007 gingen bereits über 40% des indischen Granitexports nach China; dabei handelte es sich um Granitblöcke bzw. Granitplatten in Rohstein-Form (rough blocs and slabs, Quelle: IMM Carrara).
Import von verarbeitetem Granit nach Österreich in Tonnen
Österreich importierte im Jahr 2008 insgesamt 127.280 Tonnen verarbeiteten (Anm.: original: worked and finished products) Granit. Der Großteil davon stammt aus China:
Importe von verarbeitetem Granit nach Österreich 2008 in Tonnen (Quelle: IMM Carrara):
- China: 55.630 (43,7%)
- Italien: 27.940 (22,0%)
- Deutschland:17.240 (13,5%)
- Indien: 14.150 (11.1%)
- Gesamt: 127.280 (100%)
Das heißt, wenn Indien insgesamt 3.114.510 t Steinplatten/Steinblöcke exportiert und Österreich 14.150 t aus Indien importiert, dann kommt ca. ein 1/24 des indischen Exports nach Österreich.
Was hat sich seit der Südwind-Studie (2006) bezüglich der Verbesserung der Arbeitsbedingungen getan?
Es gibt mehrere Initiativen, die sich des Themas angenommen haben: XertifiX, FairStone und Unternehmensinitiativen wie IGEP. Missbräuchliche Verwendungen und Phantasiesiegel, wie z.B. ein erfundenes UNESCO-Siegel, verunsichern leider HändlerInnen und KonsumentInnen. Nichtregierungsorganisationen wie Misereor versuchen vor Ort gegen ausbeuterische Arbeitsverhältnisse und Kinderarbeit vorzugehen. Das Bewusstsein über schlechte Arbeitsbedingungen in Steinbrüchen ist jedenfalls gestiegen und kritische EinzelkonsumentInnen und Einkäufer für die öffentliche Hand fragen europaweit zunehmend nach sozial fairen Herstellungsbedingungen.
Wie ist es derzeit um die Transparenz beim Steineeinkauf bestellt?
Xertifix hat derzeit 13 Lizenznehmer (nur einer davon aus Österreich) und ist bei 17 Händlern in Deutschland zu beziehen. FairStone hat 23 Partner weltweit (keiner davon aus Österreich). Das Engagement österreichischer Händler und Importeure ist also bis jetzt überschaubar. Es gibt jedoch eine vielversprechende Entwicklung auf dem Gebiet der Transparenz und Verbesserung der Arbeitsbedingungen in der Steinproduktion. Die WGDN (Werkgroep Duurzame Natuursteen) vereinigt unterschiedliche Initiativen und Organisationen zu einem Netzwerk für nachhaltigen Naturstein. Gemeinsame Standards und Vorgehensweisen sollen zu einem glaubwürdigen und einheitlichen Label führen. Unternehmen, Regierungen und Nichtregierungsorganisationen sind aufgefordert sich diesem Netzwerk anzuschließen.
Wie schätzen Sie die zukünftige Entwicklung ein?
Die Herstellungsbedingungen von Produkten - ökologische wie soziale - werden zunehmend wichtiger für Kaufentscheidungen von EinzelkonsumentInnen und der öffentlichen Hand. Unternehmen müssen auch in Österreich darauf reagieren um nicht Wettbewerbsfähigkeit im europäischen Raum einzubüßen. Deswegen ist die zunehmende Bedeutung von Sozial- und Umweltstandards unumkehrbar.
Andererseits braucht es zuverlässige Überprüfungs- und Verbesserungsmechanismen, sowie - auch in Zeiten knapper Budgets - eine verantwortungsbewusste Einkaufspolitik von Unternehmen, öffentlichen Institutionen und nicht zuletzt jedes Einzelnen/jeder Einzelnen.
Die Einbeziehung sozialer Kriterien in die öffentliche Vergabe ist ein wichtiges Signal der Politik um internationale Arbeitsstandards in der Produktion einzumahnen. So kann die öffentliche Hand Vorbild für EinzelkonsumentInnen sein und durch ihre große Kaufkraft Veränderungen am Markt bewirken und ein Angebot an fair produzierten Steinen auch EinzelkonsumentInnen zugänglich machen. Die Einführung von Gesetzen, die international agierenden Unternehmen die Verantwortung für die Arbeitsbedingungen in ihren Zulieferbetrieben überträgt wäre ein weiterer und weitreichender Schritt in die richtige Richtung.
Was können KonsumentInnen beitragen?
Da das Angebot an besiegelten und fair produzierten Steinen in Österreich sehr beschränkt ist, können EinzelkonsumentInnen vorrangig beim Kauf von Produkten nach dem Herstellungs- und Verarbeitsungsort der Ware fragen, sich erkundigen, warum keine besiegelte Ware zu erhalten ist, bzw. welche Maßnahmen getroffen wurden um sicherzustellen, dass internationales Arbeitsrecht bei der Produktion eingehalten wird.
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