Die Nikolai

Regionale Produkte: Traubenkosmetik aus der Wachau

Auf einem Weingut bleiben viele nicht genutzte Rohstoffe übrig, die wertvolle Ressourcen sein können. Martin Saahs von "dieNikolai" hat daraus die weltweit erste Demeter-zertifizierte Traubenkosmetik entwickelt - wir haben ihn im Rahmen unserer Interview-Serie mit regionalen ProduzentInnen befragt.

"Die Haut ist der Spiegel der Seele" sagt man. Bei den zahlreichen Außeneinwirkungen des Alltags, sollten wir unser größtes Organ besonders gut pflegen und schützen. Das hat sich "dieNikolai" zu Herzen genommen und an Kosmetikprodukten aus Trauben gefeilt.

Zu den wichtigsten Inhaltsstoffen zählen insbesondere nicht genutzte Rohstoffe des zugehörigen Weinguts "Nikolaihof" in der Wachau. Dieser versteht sich als bio-dynamische Landwirtschaft - ausschließlich mit Produkten von Bio-Qualität. Ihr oberstes Prinzip: so wenig wie möglich in natürliche Prozesse eingreifen.

Interview mit Martin Saahs - die Nikolai

Der Nikolaihof ist eigentlich ein Weingut – wie sind Sie vom Wein zur Kosmetik gekommen?

Die Rohstoffe vom Weingut sind zum Teil schon an die Naturkosmetik-Branche verkauft worden. Auch unser Traubenkernöl ist von einigen Kundinnen bereits kosmetisch verwendet worden. Als ich dann mit meinem Bruder, der das Weingut vor über zehn Jahren übernommen hat, diskutiert habe, hat sich herausgestellt, dass sehr viele Rohstoffe am Hof nicht genutzt werden. Viele dieser Rohstoffe sind aber unglaublich wertvoll, weil sie einen sehr hohen Anteil an Antioxidantien haben – sie verhindern die Oxidation und können die Hautalterung dadurch verlangsamen. Gemeinsam mit meinem langjährigen Freund, Günter Stöffelbauer, haben wir deshalb 2014 den Entschluss gefasst, die weltweit erste, Demeter-zertifizierte Traubenkosmetik zu entwickeln.

Was ist Ihre Motivation, Produkte mit so hohen Nachhaltigkeitsstandards herzustellen?

Gerade in einer Zeit, wo die Herstellung konventioneller Produkte ein Ausmaß angenommen hat, das oft keinerlei Rücksicht mehr auf unsere Umwelt nimmt, erscheint es mir besonders wichtig, ehrliche Produkte voller Lebenskraft herzustellen. Das Demeter-Siegel garantiert den KundInnen, dass es sich – wie etwa in unserem Fall – um Pflegeprodukte von höchstmöglicher Bio-Qualität handelt. Der Respekt gegenüber unserer Natur und dem Menschen sind dabei eine Grundvoraussetzung, ebenso wie die Zusammenarbeit mit der Umwelt. Das geht weit über gesetzliche Verpflichtungen hinaus.

Welche der Rohstoffe erzeugen Sie selbst und woher beziehen Sie die anderen Zutaten?

Fast alle unsere Rohstoffe kommen aus eigenem Anbau. Basis aller Produkte ist das Traubenkernöl. Aber auch die Traubenschalen werden bei uns verwendet. Abgesehen von unseren Demeter-Trauben verarbeiten wir auch unsere eigenen Lindenblüten, unseren weltweit ersten, Demeter-zertifizierten Safran und die Kerne unserer Holunderbeeren, aus denen wir das Holunderkernöl für unsere Handcremen gewinnen. Unser vor kurzem vorgestelltes Augen-Serum enthält sogar die „Tränen des Weinstocks“. Diese Flüssigkeit, die im Frühjahr an den Schnittstellen des Rebstocks austritt, sieht zwar wie Wasser aus, enthält aber wertvolle Inhaltsstoffe, die schon Hildegard von Bingen als besonders wertvoll für die Haut beschrieben hat. Inhaltsstoffe, die wir selbst nicht herstellen oder anbauen können, wie etwa das Bienenwachs oder die Demeter Sahne, beziehen wir von Demeter Betrieben in der Nähe.

Wie herausfordernd ist es, regionale Rohstoffe für Ihre Produkte zu beziehen?

Da wir uns nicht nur für die äußerst strenge Demeter-Zertifizierung für alle unsere Produkte entschieden haben, sondern aus eigener Überzeugung auch auf exotische Inhaltsstoffe wie Shea-Butter verzichten, war es zu Anfangs eine sehr große Herausforderung, alternative Rezepturen zu entwickeln und die Rohstoffe in der entsprechenden Qualität zu beziehen. Da es viele Rohstoffe noch nicht in Demeter-Qualität gegeben hat, hat es an uns gelegen, den Bedarf aus dem eigenen Anbau zu decken. Dafür sind etwa 100 Holundersträucher ausgepflanzt worden. Dadurch haben wir das weltweit erste Demeter-Holunderkernöl herstellen können. Aktuell arbeiten wir daran die Steine unserer Marillen aufzubrechen, um die wertvollen Kerne für Marillenkernöl zu gewinnen. Man kann sich vorstellen, dass viele dieser Projekte mehrere Jahre Vorlaufzeit benötigen, die gewonnenen Rohstoffe dafür aber nicht nur nachhaltiger gewonnen werden, sondern auch viel wertvoller für unsere Pflegen sind als Ressourcen, die tausende von Kilometern zurück legen und in Massen hergestellt werden.

Wie ist die Resonanz Ihrer KundInnen wenn diese erfahren, dass die Produkte regional hergestellt werden?

Jeder der sich etwas mit dem Thema Kosmetik und der Herstellung beschäftigt hat weiß, wie einzigartig es ist, dass Rohstoffe aus eigenem Anbau stammen und die Pflegeprodukte in Österreich hergestellt werden. Wir bekommen wirklich sehr viele positive Rückmeldungen und Zuspruch von unterschiedlichsten Seiten. Das macht einen natürlich stolz und motiviert, sich nie auf dem Erreichten auszuruhen, sondern sich immer weiter zu entwickeln und Leitlinien festzulegen, die oft weit über gesetzliche Standards hinaus gehen.

Warum ist es aus Ihrer Sicht wichtig, auf Regionalität zu achten?

Gerade heute, in einer Zeit in der ohne jede Rücksicht auf unsere Umwelt Ressourcen um die ganze Welt geschickt werden ist es wichtig, genau auf die Herkunft von Produkten und deren Inhaltsstoffe zu achten. Wer sich also über ein Schnäppchen freut, sollte sich auch Gedanken darüber machen, wer den Rest des Preises dafür zu zahlen hat. Meistens sind das andere Menschen, die in ihren Ländern ausgebeutet werden und nicht selten trifft es die Umwelt mit ihrer Tier- und Pflanzenwelt. Wenn es also irgendwie möglich ist, Produkte aus regionalen Inhaltsstoffen herzustellen bzw. zu beziehen, sollte man das auch machen. Damit kann nicht nur die regionale Wertschöpfung sichergestellt werden, sondern auch die Einhaltung von Sozial- und Umweltstandards. Da es den KonsumentInnen oft sehr schwer gemacht wird dies zu überprüfen, ist eine Plattform wie bewusstkaufen.at von unschätzbarem Wert. Wir sind sehr stolz, mit unserer Demeter-Pflege dieNikolai ein Partner sein zu dürfen.

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